Aktualisierung

Sowohl aktuelle Ereignisse als auch aktuelle Literatur nehmen in den Versammlungen und Veranstaltungen gebührenden Raum ein. Im folgenden werden sie zusammengefaßt, auch wenn die chronologische Darstellung der Hervorbringungen des Blumenordens somit durchbrochen wird.

„Geißler bringt eine Nummer der Nationalzeitung v. 1874 zum Vorlesen, deren Feuilleton eine Parallele von Louis Ehlert enthält: Wagner, Makart, Hamerling. Geistreiche Beleuchtung dieser drei Künstler als Kinder der Neuzeit, mit der Maßlosigkeit ihrer Mittel, dem Mangel an Mäßigung und ihrer Humorlosigkeit.“

„Freitag den 23. April [1880]
[…II] 3) Hr. Homann hat wiederum Veranlassung uns einen Blick in die [sic] feuilletonistische Getriebe zu gönnen. — Diesmal hat sich Wiener Neue Freie Presse durch die Feder Ludwig Speidels des Dichters Martin Greif (Hermann Frey) angenommen  d.h. in etwas leichtfertiger Art, wie es die Wiener besonders lieben u. welcher Ton förmlich gepflegt zu werden scheint.“

Freitag d. 18. Juni
[…] 2) v. Kreß verliest aus dem neuesten Buch des Vereins für Literatur ,Von Nil zum Ganges. Wanderungen in die orientalische Welt von Paulus Cassel.’ Berlin 1880 das Kapitel ,Sultan Saladin u. Lessings Nathan’. Eine sehr absprechende Kritik der Lessingschen Auffassung des Charakters des Sultans als humaner u. großmüthiger Feind der Christen. Der Verfasser begeifert Lessings Ansichten als ,sentimental’ — Cassel ist ein getaufter Jude, darum wol auch seine Abneigung gegen Lessing u. sein falsches Verständniß von Lessings poetischer Auffassung des Saladin.“ — Das soll wohl heißen: Die Neubekehrten sind die ärgsten Eiferer. Sonst waren gerade die assimilierten Juden große Lessing-Bewunderer.

„Freitag, d. 22. April [1881]
[…] Herr Lehmann liest aus Zola’s ,L’Assommoir’ übersetzt von Willibald König, ein mit erschreckendem Realismus geschriebenes Buch, ein Kapitel vor.“

„Freitag, 21. Oktober
[…] A. Müller verliest aus Roseggers Selbstbiographie einige Kapitel vor, die in ihrer einfachen. gemütreichen Erzählungsart ungemein ansprechen.
Man spricht sich angeregt durch diese von neuem erweckte Aufmerksamkeit auf Rosegger dahin aus, dessen Schriften in der neuen Gesammtausgabe für die Gesellschaft anzuschaffen. […]“

„Freitag, den 2. Februar [1883]
[…] 1) Herr Dr. Wertheim verliest eine sehr gelungene, metrische Übersetzung eines kl. Gedichtes v. Longfellow ,Arrow and Long’ […]“

„Freitag, 16. Januar 1885
[…] Dittmar „Die Electrizität“ ein Gedicht, in welchem in schwungvoller Sprache die neuen Entdeckungen besungen werden. […]“

„Freitag, den 9. Juli
[…II] 2) Herr Dr. Beckh macht darauf aufmerksam, daß am 13. Juli Gustav Freytags 70. Geburtstag  sei, er schlägt vor in Veranlassung dessen, den gefeierten Dichter zum Ehrenmitglied zu ernennen. — Die sofort vorgenommene Kugelung ergibt einstimmige Annahme. — Der erste Vorstand wird Gustav Freytag hiervon in Kenntnis setzen u. ihm die Ernennungs-Urkunde möglichst mit einem Huldigungsgedicht rechtzeitig übersenden.
3) Herr Dr. Beckh weist ferner darauf hin, daß am 12. Juli Fritz Reuters 12jähriger Todestag sei.
4) Man beschließt zur Erinnerung dieser Tage beide Dichter in kurzen Lebensschilderungen uns vorzuführen u. außerdem noch von Fritz Reuter eine seiner kürzeren Erzählungen zur Vorlesung zu bringen. — Der Schriftführer Ballhorn wird beauftragt über 7 Tage dem gerecht zu werden.“

„Freitag, den 10. September
[…I] 3) Der Vorsitzende [Beckh] wirft die Frage auf, ob man wol zum besten der Scheffeldenkmäler etwas thun sollte — d.h. nicht durch eine Beitragsleistung aus unserer Vereinscasse, sondern durch Veranstaltung einer litterarisch-musikalischen Abendunterhaltung u. zwar in Gemeinschaft mit befreundeten Vereinen.
Herr Dr. Beckh wird im Männergesangverein zunächst Erkundigungen einziehen ob hier eine Geneigtheit zu einem derartigen Unternehmen vorhanden ist. — Jenachdem das Ergebniß dieser vertraulichen Unterredung ausfällt, soll dann die Sache weiter besprochen werden.“

„Freitag d. 20. Mai [1887]
[…] A. Schmidt bringt eine Besprechung über den neuen Roman Fontanes ,Cecile’ — der Kritiker spricht sich in eingehender Beurtheilung des Buches scharf über dasselbe aus u. verurtheilt es sowol in sittlich-aesthetischer Hinsicht, als auch in sprachlicher.“

„Freitag, den 2. Dezember 87
[…] Zum Schluß las Dr. Beckh mehreres aus dem schon einmal vorgelegenen „Pessimistbeetblüten“ von Schmid-Cabannis. Der derbe aber echte Humor und die beißende, vernichtende Verspottung die eine höchst anmaßend aufgetretene realistische Richtung einiger jungen Dichterlinge in diesem Büchlein erfährt, übte ununterbrochen eine zwerchfellerschütternde Wirkung auf alle Hörer“

„Freitag, den 23. März 88
[…] Vorträge: […] 2.) Dr. Volbehr […] b, In Prosa ,Der Erstgeborene’ Wiederum ein Stimmungsbild seelischer Verdunkelung u. Pein. — Einem jungen Arzt ist in seinem Erstgeborenen eine Mißgeburt geworden; seine Wissenschaft gibt ihn die Gewißheit von der traurigen Zukunft einer solchen; wachenden Schlafes träumt er, daß es wohl Sünde nicht sei dies unheilvolle Leben, unheilvoll für das Geschöpf selbst, unheilvoll für die Menschheit, zu kürzen — ihm durch seine des Vaters Mittel ein schnelles Ende zu bereiten. Gewiß dem armen Wurm nur zum Segen! — Wie ein Alp liegt’s auf der Seele des Mannes — er will das Unheil durch sein eigenes sühnen — er ist bereit dazu, da erwachen seine Sinne bei der Meldung der eintretenden Wärterin, ,das Kind ist eben verschieden’ — und der Mann und Vater ist erlöst!
Der Verfasser weiß ganz vortrefflich sich in das Geheimnisvolle der Psyche zu versenken, u. so zu erzählen, um aber nach ergreifender Schilderung seelischer Pein doch versöhnend abzuschließen. [Sonst müßte er sich für oder gegen Euthanasie entscheiden. Das geht er lieber nicht an.]
Theodor Storm hat vor kurzem in seinem ,Das Bekenntnis’ denselben Gegenstand, nur in anderem Vorwurf, behandelt, in der ihm eigenen Meisterschaft des Erzählens — aber bei ihm klingt der düstere Ton aus, zu düsterem, klagenden Ende!
3.) C. Lorsch verliest aus einer Ausgabe von 1782 von Bürgers Gedichten des Dichters Vorwort dazu, in welchem derselbe sich über die von ihm angewandte Schreibung ausspricht, dieselbe, nach seiner Ansicht, vom sprachwissenschaftlichen Standpunkte aus, rechtfertigt (geschrieben 1778) — heute nach über 100 Jahren hat diese Schreibung als sog. neue zum Teil Geltung erlangt. […]“

„Charfreitag, den 30. März 1888
[…] Dr. Volbehr erfreut uns wieder durch eine Wunderblume seines sinnigen, philosophierenden Geistes ,Eine anspruchslose Geschichte’ nennt der Verfasser seine Erzählung; sie ist allerdings einfach in der Handlung u. Entwickelung, aber in dieser Schlichtheit, vielleicht aber gerade deshalb, da sie Wahrheit in sich trägt, tiefergreifend.
Die Fabel ist: Ein alterndes Mädchen, durch die Verhältnisse zu kärglicher Lohnarbeit gezwungen, sitzt u. näht u. steppt an einem Brautkleid bis nachts, bis zum Morgen; ihre Gedanken fliegen zurück in den Lenz ihres Lebens, da ihr der Jugendgeliebte Treue schwur u. fortzog um für sie beide gemeinsames Leben zu erkämpfen. — Ob er ihrer noch gedenkt? — Ja, er kommt wieder, sein Werben ist ehrlich aber stürmisch. Doch sie kann, darf nicht seine werden, denn sie weiß sich krank, von der Natur verkümmert (dort lehnen die Krücken, die sie stützen müssen!) — Weil sie ihn liebt, darf sie an des Freundes frischer, kräftiger Natur nicht ihr sieches Dasein ketten. — Sie entsagt. —  Es geht ein gewisser realistischer Zug durch das Ganze, der aber durch Schilderung innerer Kämpfe, durch ,denkend fühlen, fühlend denken’ wie der Verfasser richtig gesprächsweise bemerkt, gemildert, vergeistigt wird. […]“

„[…] Auf Anregung des Hr. Dr. Volbehr, die die Vorstandschaft zu ihrem eigenen Antrag aufnimmt, wird schon heute Dr. Wilhelm Jordan, als der deutschen Dichter u. Schriftsteller besten einer, einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. — Sollte von uns selbst niemand zur Jordanfeier nach Frankfurt gehen können, so soll das neuernannte corresp. Mitglied Hr. Pernwerth v. Bärnstein freundlichst ersucht werden, (der in seiner Eigenschaft als Vorstand d. bayer. Verkehrsanstalten wol leicht Veranlassung zu einer Reise nach Frankfurt haben könnte) die Vertretung des Ordens bei der Feier zu übernehmen.

[…] 5) […] b, aus dem Magazin für Litteratur d. [In- und Auslandes] einige Proben aus ,Die letzten Menschen.’ Ein Bühnen[?] von Wolfgang Kirchbach. — Der Verfasser gehört der neuen realistischen Schule an, die ja das bißchen Idealismus das uns in Litteratur u. Leben noch geblieben ist verurtheilt u. zu dem alten Eisen wirft.“

„Freitag d. 25. Januar 1889
[…] Da erscheint endlich u. glücklicherweise des Herzogs von Thyrone, Hr. L. Duplessis, der ob des günstigen Bühnenerfolgs seines Stückes beglückwünscht u. durch ein dreifaches Hoch, ausgebracht vom Vorsitzenden begrüßt wird.
Die hies. Zeitungen brachten heute die Mittheilung, daß die Buchausgabe dieses Dramas hies. Stadtbibliothek als Geschenk des Verfassers einverleibt worden sei; Herr Consul Duplessis hiervon sehr unangenehm berührt, berichtet, daß er sein Buch nur Herrn Bürgermeister v. Stromer persönlich zugeeignet habe, u. legt vor der Gesellschaft Verwahrung ein, als hätte er die Stadtbibliothek damit bereichern wollen. […]“

„Freitag den 19. Juli 1889
[…] Schmidt [der an diesem Tag den Vorsitz hat] verliest aus dem Korrespondenten einen hübschen Aufsatz v. Mxml. Harden über Gottfried Keller, anläßlich dessen 70. Geburtstag.
Geißler beantragt, Gottf. Keller als Ehrenmitglied in den Orden aufzunehmen, was einstimmig zum Beschluß erhoben wird und soll sich deßhalb der Schriftführer mit dem Praeses Dr. Beckh ins Benehmen setzen.“

„43. W. V. Freitag d. 13. Dezember
[…] Es liegen außer den gewöhnlichen Zeitschriften verschiedene Neuigkeiten des Büchermarktes auf, darunter Ibsens Werke und ein Band schöner Aphorismen der Marie Ebner Eschenbach. Knapp hat eine Reihe Volksfestphotographien zur Besichtigung mitgebracht […]
Dr. Beckh bemerkt, daß er dem Ersuchen des Festkomites für das Wohltätigkeitsfest zu Gunsten der Ferienkolonien nachgekommen sei und die Redaktion der Festzeitung zu übernehmen habe und fordert die Mitglieder auf, Beiträge zu liefern, Geißler übernimmt den Entwurf des Titelkopfes. Hierauf verliest der Vorsitzende die ihm bereits für die Festzeitung zur Verfügung gestellten Sachen, ein ernsteres ,Weihnachtsbild’ genanntes Gedicht von Knapp und eine launige Erzählung ,Der Postbote’ von Schmidt, die das muntere Treiben der fröhlichen Ferienkolonisten schildert. — Der Vorsitzende macht auf die im Fränk. Kurier erschienene Besprechung der ,Kurzen Geschichten’ von Rolf Heykens aufmerksam und schlägt vor, dem Dichter Theodor Fontane zu seinem 70. Geburtstage am 30. Dez. einen Glückwunsch zu senden. Es wird beschlossen dies zu thun und ebenso dem Ehrenmitgliede Hermann Lingg zu seinem siebzichsten [sic] Geburtstage am 22. Januar 1890 zu gratulieren. […] Dr. Volbehr beklagt sich darüber, daß der Pegnesische Blumenorden nicht dem Germanischen Museum seine Veröffentlichungen zukommen lasse, trotzdem er jene des Germanischen Museums regelmäßig erhalte. […] Zum Schlusse macht der Vorsitzende noch auf den schönen Nachruf aufmerksam, den Ebers in der Allgem. Zeitung dem Dichter Volkmann-Leander gewidmet hat, und verliest einen in demselben Blatte erschienenen schönen und charakteristischen Nekrolog Anzengrubers.“

„4. W.V. Freitag den 31. Januar 1890
[…] OAK. Schrodt verliest dann schließlich einige stimmungsvolle und formschöne Gedichte von Fontane, z.B. ,Letzte Fahrt’ (Kaiser Friedrich III), ,Letzte Begegnung’ (König Oskar von Schweden mit Kaiser Friedrich III) — beides ergreifende Dichtungen über ein ergreifendes Drama. Schluß ¾ 12 Uhr.“

„Freitag den 21. Febr. 1890
[…] Dr. Volbehr […] verliest dann Theile aus der in der Nummer abgedruckten Hauptmann’schen dramatischen Familien-Katastrophe ,Das Friedensfest’ eine Anhäufung von Häßlichkeiten.“ — Auch dieser Dichter wird, wie der vormals gescholtene Fontane, später einmal Ehrenmitglied des Blumenordens.

„Freitag d. 7. März 1890
[…] Man unterhält sich viel u. spricht eingehend über das neue Schauspiel von Sudermann: ,Die Ehre’, das vor einigen Tagen hier zum ersten Mal über die Bretter ging. Alle die Anwesenden die das Stück gesehen, sind trotz mancher abweichender Ansichten über die Zeichnung einzelner Charaktere u.a. doch einig darüber, daß diese ,Ehre’ ein großangelegtes Drama aus dem Leben, und gewaltig ergreifend sei! […]“

„21. W.V. Freitag den 30. Mai 1890
[…] Der 4. u. 5. Aufzug von Ibsens ,Frau vom Meer’ wird nicht weiter gelesen, da das ganze Stück doch ein gar zu trostloses, ödes Gebilde ist. […]“

„24. W.V. Freitag den 20. Juni
[…] ferner verliest er [Beckh] als Beweis, wie auch heutzutage wieder einzelne Dichter sozialistischen Bestrebungen huldigen: ,Ein Streik’ — Novelle in Versen von August Diehl, München 1890 — In grellen Farben, düstern Bildern schildert der nicht unbegabte Verfasser das Elend der Arbeiterbevölkerung; es liegt ja manches Wahre in dieser Erzählung, doch ist sie mit ausgesprochener Tendenz Haß zu erwecken geschrieben. — Neu ist ja die Erscheinung nicht, daß die Dichtkunst der leidenden u. darbenden Menschheit ihre Dienste geleistet hat, — es sei hierbei nur an die 40er Jahre erinnert u. insbesondere an Ferd. Freiliggrath.“

„28. W.V. Freitag den 18. Juli
[…] Wir gedenken heute des am 15. d. Ms erfolgten Hinscheidens unseres Ehrenmitgliedes Gottfried Keller in Hottingen-Zürich — in ehrender Anerkennung seiner großen Verdienste um das deutsche Schrifttum. — G. Keller wird durch seine Erzählungen für alle Zeiten einen Ehrenplatz in der deutschen Litteratur einnehmen u. als der besten Einer immer genannt werden. […]“

„37. W.V. Freitag den 1. Oktober [1890]
[…] Um einen Einblick zu gewähren in das Gebaren unserer neuesten Dichterschule, die sich wähnt die Wirklichkeit in wahren Farben zu malen und das schließlich in aller Nacktheit zu zeichnen und da wähnt als wären die grellen Lichter die sie aufsetzt, die allein wahren Ausstrahlungen dichterischer Begabung, gibt A. Schmidt einige Proben aus „Moderne Dichtung“ herausgegeben von E. M. Kafka, redigiert von M. Constantin, von einem gewissen Hermann Bahr u. Peter Hille. Abgesehen von der Mißhandlung unserer edlen Sprache, sind es Scheußlichkeiten die unsere beiden Herren in ihrem Hirn ausgebreitet haben u. hier veröffentlichen. — Das ist nicht Realismus — das ist Cynismus! — Und dieses Blatt „Moderne Dichtung“ will das litterarische Organ des Deutschthums in Mähren u. Böhmen sein — will ein Bollwerk sein gegen die Ueberfluthung des Slawismus! […]“

„43. W.V. Freitag den 12. December
[…] Die Versammlung folgt nun mit großer Spannung der Lesung (durch die Hrn Dr Beckh u. OAR Schrodt) des 1. Aktes von Sudermanns Drama „Sodoms Ende“ aus dem Magazin für Litteratur. — Schon dieser Anfang bezeugt des Dichters Begabung verrottete gesellschaftliche Zustände zu schildern, u. wir sind in voller Erwartung der weiteren Entwickelung dieses Zeitbildes.“

„6. Wochenversammlung Freitag den 6. Februar [1891].
[…] Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßt der Vorsitzende unsern Freund Pfeilschmidt, der heute als dramatischer Dichter unter uns weilt, indem sein Erstlings-Werk ,Die Sünden der Väter’ (Lustspiel) gestern zum ersten Male, an hiesigem Stadttheater, auf der Bühne erschien — und zwar mit gutem, wirklichem Erfolg. […] und auch die Kritik […] selbst auch die in der sozialdemokratischen Fränkischen Tagespost, sprach sich, abgesehen von einigen berechtigten Aussetzungen, günstig über das hübsche Stück aus. […]“

„19. W.V. Freitag den 15. Mai 1891
[…2)] Aus „Zoozmann „Seltsame Geschichten“ (Zürich, Schabelith, — die bekannte „rothe“ Verlagsfirma — namentlich auch für alle solche, die ihrer Abneigung gegen Deutschland ungezügelten Ausdruck geben wollen) — einige Gedichte, die wohl schön in der Form u. reich an Phantasie, sich doch gerne in üppigen, sinnlichen Bildern gefallen. — Dagegen ist das zweite Opus, das dieselbe Firma auf den Markt bringt „Aus dem Großstadt-Brodem“ von Wilhelm Arent — eine nichtswürdige Erscheinung — eine Mistbeet-Blüthe! Beide Schriftsteller gehören selbstverständlich der neuesten Schule an und sind Berliner.

3) Dr. Volbehr verliest aus Tolstois Volkserzählungen drei derselben […] Tolstois Schilderungen russischen Volksthumes mögen wohl der Wahrheit nicht entbehren, aber seine Weltanschauung ist doch eine unerquickliche, ja unheimliche. […]“

„27. W.V. Freitag den 10. Juli 1891
[…] Der heutige Abend soll einzig Vorträgen aus Theod. Vischers Werken gewidmet sein […] Im Anschluß daran liest Dr. Beckh den in der ,Deutschen Dichtung’ veröffentlichten Brief Gottfr. Kellers an Vischer mit einer charakteristischen Beurtheilung des ,Auch Einer’ vor, während Dr. Volbehr aus den ,Lyrischen Gängen’ zunächst die kräftige Vertheidigung seines ,Auch Einer’ gegen ungerechtfertigter Angriffe […] Den Beschluß bildet die köstliche Satyre ,Faust, der Tragödie 3. Theil’ aus der Herr Scharrer die drastisch-komische Schul-Scene, Herr Dr. Volbehr den großartigen Hymnus auf Goethe zum Vortrag brachte. Schluß 12 ½ Uhr“

„30. W.V. Freitag 18. Septbr 1891
[…] Aus dem Musen-Almanach der Modernen liest Beckh zwei sehr vortheilhaft von den übrigen abstechende Gedichte ,Aus Davos’ v. Gf. Schonaich Carolath und ,Waldidyll in Rosen’ von Morris Stern. […]“

„40t W. Versammlung 27 Novbr. 1891
[…] Rée liest aus ,40 Lieder eines Deutschen’ die von dem Verfasser des ,Rembrandt als Erzieher’ stammen; eine Arbeit, die Zweifel an der normalen Geistesbeschaffenheit des Dichters aufkommen läßt. […]“ — Julius Langbehn vertrat eine frühe Variante des völkischen Erneuerungsgedankens.

„23 Freitag den 24 Juni 1892
[…] Schmidt liest aus ,Apostata’ (Maximilian Harden) die beiden Artikel ,College Bismark [sic]’ ,suprema lex’ und finden die mit viel Witz und Ironie geschriebenen Artikel allen Beifall.“

„27 W.V. Freitag den 22. Septbr. 1893
[…Knapp] beantragt die Anschaffung eines Werkchens ,Müssige Gedanken eine Müssigen’ von Jerome K. Jerome aus welchem ein Capitel ,ein meublirtes Zimmer’ vorgelesen wird, welches allgemein gefällt.“

„35. W.V. Freitag 17 Nobr 1893.
[…] Zehler spricht über den Begriff des ,Modernen’ und erläutert densl. durch Verlesung eines Kapitels aus Turgenjeff ,Memoiren eines Jägers’ betitelt ,Zabern’ und Zolas ,Wörth’ beide ergreifende Schilderungen […]“

„17t W.Versammlung Freitag 4 Mai 1894
[…] Bernhold liest aus dem „Freiland“ zwei Novellen ,Vom Fenster aus’ v. Hans v. Gumppenberg ,Klare Rechnung’ von Marie Janitschek. Erste gefällt besser als letztere, bei der manche Unwahrscheinlichkeit gerügt wird. Dittmar liest Dahn’s ,Velleda’ und sein Gedicht gleichen Namens; es geht hervor, daß keinerlei Anlehnung stattgefunden und Dittmar den Stoff ganz selbständig behandelte. […]“