Das Vereinslokal

Da der Blumenorden, von Hütten im Irrhain abgesehen, nie ein Haus sein eigen nannte, keine feste Postanschrift hatte, nicht einmal einen Sitz wie eine Firma, verwundert es nicht, daß immer wieder die Suche nach einem Vereinslokal zum Zweck regelmäßiger Treffen angetreten werden mußte. Im hier auftretenden Fall wurde sie von außen ausgelöst.

3. W.V. Freitag den 22. Januar 1897
[…] Vorsitzender bittet, am nächsten Montag [Familienabend] pünktlich zu erscheinen; ferner theilt er mit, von Administrator Gallinger des naturhist. Vereins einen Brief erhalten zu haben, womit die Miethe des Lokals von 70 auf 120,- m erhöht. Diese Mittheilung berührt sehr unangenehm und wird in der nächsten Versammlung näher besprochen werden. […]

Es handelt sich um das Lokal „Zur Blume“ im Hause Schildgasse 12, das der Naturhistorischen Gesellschaft gehörte. Dort fanden alle Freitagsversammlungen und die Familienabende statt (größere Veranstaltungen legte man in den „Adler“). Man einigte sich auf einen jährlichen Mietpreis von 100 Mark, „knüpft jedoch den Wunsch bzw. die Bedingung daran, daß dem Blumenorden etwas mehr Raum zur Wanddecoration gelassen werde u. daß bis zum Frühjahr für eine ausgiebige Ventilationsanlage Sorge getragen werden möchte.“ Nun war über 13 Jahre lang Ruhe in dieser Sache, bis die aufstörende Meldung kam:

Freitag, den 30. September 1910    28. Wochenversammlung
[…] Schmidt (zugleich Administrator der Naturhist. Gesellsch.) gibt bekannt, daß unser Mietsverhältnis zur Naturh. G., die uns hiermit offiziell kündigen muß, mit dem Wegzuge derselben aus dem Hause zur Blume zuende geht. Wolle der Orden neuerdings eine Heimstätte im künftigen Gebäude der Ges. beziehen, so stellt diese einen großen gemeinschaftlichen Raum, weiter einen kleineren u. speziell für unsere Zwecke geeigneten, endlich sogar einen sehr umfänglichen Saal zur Wahl. Der Einzug ins neue Haus werde z. T. wenigstens schon Anfang Januar 1911 ermöglicht sein. Nähere Bedingungen würden sich unschwer festlegen lassen, im großen u. ganzen könne wohl alles beim alten bleiben. Er möchte die Frage zur Diskussion stellen u. einen diesbezüglichen Beschluß der Gesellschaft übermitteln.


Mit dem I. Direktor der Naturhistorischen Gesellschaft, Dr. Bernett, wurde eine Begehung des im Ausbau befindlichen Gebäudes vereinbart. Danach war man sich im Orden einig, „daß ein Beziehen des einen oder anderen Raumes gegenüber unseren derzeitigen Verhältnissen keinen Fortschritt bedeuten würde, ja daß man sich im einzelnen nur notdürftig werde behelfen müssen. Die Aufnahme unsrer Sachen (Schrank, unsere Bilder) erscheint nicht gesichert, die Versorgung mit Bier etc. umständlich. — Beckh möchte daher das „Künstlerzimmer“ im „Krokodil“ als künftigen Versammlungsraum in Vorschlag bringen. Derselbe würde einen vierteljährlichen Mietsbetrag von zwanzig Mark erfordern und dem Orden vom März d.J. an zur Verfügung stehen. […]“

Damit vergab man die einmalige Gelegenheit, einen seriös wirkenden Anlaufpunkt im geradezu protzigen Gebäude einer vielbesuchten anderen Kulturinstitution und in der Nähe anderer Kulturschwerpunkte der Stadt zu bekommen, wo viele Besucher auf den Orden erst aufmerksam geworden wären und wo man auch größere Feiern hätte abhalten können. Die Einwände waren unerheblich, in Bezug auf das Bier geradezu dümpfelig. An diesem Punkt begann der Rückzug des Ordens in eine verborgene Existenz, in eine verhältnismäßig obskure Kneipe, in der man auf die Dauer auch mehr Ärger hatte als vorausgesehen. 

Freitag, den 7. April 1911    14. Wochenversammlung
[…] Wießner gibt zu bedenken, daß der Französische Klub, dessen Lokal (das Künstlerzimmer des Krokodil) wir übernehmen sollen, bis vorgestern noch keine Kündigung seitens des Wirts erhalten hat. Zudem sei das gen. Zimmer diesem Verein zu wiederholten Malen nicht offen gestanden, so daß oft eine Wanderung notwendig war. Wießner ersucht, darum gegebenen Falls sehr energisch aufzutreten. […]

Freitag, den 21. April 1911    15. Wochenversammlung
[…] Es ist, fährt der Vorsitzende fort, nicht möglich gewesen, alle unsere Sachen im Künstlerzimmer selbst unterzubringen, indes haben wir immerhin einige Plätze uns sichern können. […]

Nun mußte man eben doch die Wertgegenstände aus der Ordenstruhe verlagern, und zwar ins Städtische Archiv und das Germanische Nationalmuseum. Die Truhe wurde zur Unterbringung der einlaufenden Zeitschriften behalten.
„Als Sommerlokal war, der Gepflogenheit der letzten Jahre treu bleibend, während der Ferien das Evangelische Vereinshaus, Bucherstraße, als Trefflokal vorgesehen und erfreute sich an versch. Abenden eines äußerst zahlreichen Besuchs.“