Die bunte Mischung

Nicht nur der weitgereiste und betriebswuselige Knapp (wenn auch zum großen Teil er) sorgte dafür, daß die Versammlungen des Ordens ein Kaleidoskop der nächsten und entlegensten, zeitnahen und historischen Themen aufwiesen. Folgende Auswahl möge für sich sprechen:

„Freitag, 9. April 1875
2) Es folgen Vorträge von
a) Knapp: „Cultur und Culturpflanzen auf Cuba“ […]“

„Freitag, 4. Juni 1875
[…] 3) Vorträge von
a, v. Dithfurth: „Ein Abentheuer in Afrika, Eine Löwenjagd.  […]“

„Bunt“ agierte der Orden auch im Sinne unserer heutigen Demonstrationen gegen Rassismus. Neben antisemitischen Tendenzen einzelner Mitglieder stellten sich offizielle Vertreter (im folgenden Pressezitat der Schriftführer Seiler) öffentlich als Befürworter der Judenassimilation dar, und das Agitieren der Antisemiten außerhalb des Ordens fand in Sitzungen keinen Beifall.

Zeitungsausschnitt 1875, eingeklebt zwischen Seite 10 und 11 der Chronik:

Zur Einweihung des israelitischen Tempels in Nürnberg.
Als im December 1849 im bayerischen Landtag die Emanzipation der Israeliten beschlossen wurde und schon im nächsten Frühling ein israelitischer Kaufmann die Aufnahme als Bürger Nürnbergs erhielt, waren genau 500 Jahre seit jener Zeitperiode verflossen, in welcher die Israeliten, wie fast allenthalben, auch in der Reichsstadt Nürnberg großen Verfolgungen ausgesetzt waren und ihre Synagoge abgebrochen wurde, an deren Stelle auf Veranlassung Kaiser Karls IV. die jetzige Frauenkirche entstand. Wohl fanden sie später wieder Aufnahme in Nürnberg, durften aber nicht mehr, wie sonst, wohnen, wo sie wollten, sondern es wurde ihnen ein eigner Platz angewiesen (die jetzige Judengasse u.s.w.) welcher 1340 durch eine große Feuersbrunst verwüstet worden war und wo sie unangefochten wohnten, bis 1498 Kaiser Maximilian I. der Stadt die Freiheit gab, die Juden sammt und sonders auszuweisen, eine Freiheit, die bis zum letzten Titelchen ausgenützt wurde. Erst das Jahr 1849 […] Seitdem ist die Zahl der Israeliten in Nürnberg auf etwa 2000 Seelen gestiegen. Es war daher sehr natürlich, daß sich das Bedürfniß eines eigenen Gotteshauses für diese zahlreiche Gemeinde bald geltend machte. So sahen wir also auch seit 1869 am Spitalplatz an der Stelle des ehemaligen sogenannten Harsdorfer-Hofes [!], welchen die Gemeinde käuflich an sich brachte, ein prachtvolles Gebäude entstehen, das als eine Zierde der Stadt betrachtet werden kann; es ist die neue Synagoge von Herrn Baurat Wolff aus Stuttgart, welcher auch die dortige Synagoge erbaut hat, im maurischen Stil ausgeführt. […] Alles ist so weit gediehen, daß morgen, den 8. September, die feierliche Einweihung erfolgen kann. […]

(Nürnberg, 8. Sept.)
Heute Vormittag fand die feierliche Einweihung der neuen israelitischen Synagoge statt. Die Feier begann in dem bisherigen Betsaal, in dem ein Abschiedsgebet gesprochen und die Thorarollen herausgenommen wurden. Hierauf setzte sich der Zug — in dessen Mitte wir als Vertreter der Kreisregierung Hrn. Regierungsrath v. Morett, sowie den hiesigen protestantischen Pfarrer Hrn. Seiler bemerkten — zur Synagoge in Bewegung. […] die von Herrn Dr. Levin gehaltene Weihepredigt, in welcher derselbe in scharf durchdachter Auseinandersetzung die von dem Naturalismus und Pessimismus aufgeworfene Frage: „Hat das Gotteshaus noch eine Berechtigung?“ bejahrend beantwortete, indem er gleichzeitig den Unterschied zwischen Theologie und Religion betonte. Am Schlusse seines Vortrages wies der Prediger besonders auf die Nächstenliebe hin, hervorhebend, daß es keine christliche, keine jüdische Liebe gebe, die Liebe sei an keine Konfession gebunden, es gebe nur Eine Liebe, welche sich des Satzes bewußt sei: „Diesen Kuß der ganzen Welt, Brüder, über’m Sternenzelt muß ein guter Vater wohnen.“ […]

„Freitag, den 7. Mai [1880]
[…II] 1) v. Kreß verliest aus dem neuestem Hefte der ,Deutschen Rundschau’ ,Ein Tag in der Heimath von Berthold Auerbach’. […] Besonders interessant ist was Auerbach über seine Stellung zum historischen Roman u. zur Agitation gegen das Judenthum sagt. […]“ — Es könnte das gewesen sein, was Wikipedia als eine seiner letzten Äußerungen zu diesem Problem zitiert. „Will sich aber der Jude frei und selbständig, mit dem ganzen Gehalte einer eigentümlichen Persönlichkeit, neben sie, oder gar gegen eine ihrer Tendenzen stellen, so brechen die Spuren eines nur überdeckten Judenhasses hervor.“

„28te Sitzung am 30 September 1892.
[…] Dr Ree, welcher zum ersten Male seit seiner Rückkehr aus seiner von der Cholera heimgesuchten Vaterstadt Hamburg den Verein besucht, wird aufs herzlichste bewillkommnet. […] Dr. Ree verliest seinen Aufsatz betitelt ,Baukünstlerisches aus dem neuen Nürnberg’ veröffentlicht im berliner ,Centralblatt der Bauverwaltung’, der eine Schilderung und Beurteilung des Stils und der Stillosigkeit einer Anzal nürnberger Bauten der letzten Jahrzehnte bespricht. Obwohl Dr. Ree mäßig und gerecht im Urteil zu sein bestrebt war, konnte er es nicht verhindern, daß einzelne Architekten sich verletzt fühlten und ihm öffentlich und privatim feindlich gegenüber traten. […] Dr. Ree verliest auch, um zur Heiterkeit der Anwesenden beizutragen einige Gedichte aus einer Gedichtsammlung von Frl. Kemptner [Tante des Karl Kraus], die in der Vermischung von Prosa und Poesie, von überspannten Ausdrücken und nüchterner, philiströser Denkungsart das Unglaubliche leisten.“ Ob die Anfeindungen jener Architekten mit Antisemitismus zu tun hatten, ist trotz der jüdischen Herkunft des Paul Johannes Rée (Assistent am Germanischen Nationalmuseum, nicht der Nietzsche-Freund) ungewiß; im Blumenorden war er jedenfalls herzlich willkommen.

Eine Kuriosität stellt ein leider undatiertes postkartengroßes Einzelblättchen ohne Titel oder Anrede dar, von Wilhelm Schmidt mit dem Vermerk „Schrift Seilers“ versehen: „Jedoch ist von demselbigen, sehr ansehnlichen Mitgliede des pegnesischen Blumenordens abermals bey dieser Sitzung sehr übel vermerkt worden, daß dasselbe, dessen künstlerische Vorlagen man doch jederzeit nach Gebühr würdiget, der Mittheilung der geistigen Erzeugnisse anderer ebenso sehr verehrlichen Mitglieder nicht diejenige Aufmerksamkeit schenkt, welche sie doch verdienen und auch ansprechen können, sondern über denselben gewöhnlich in so tiefen Schlaf verfällt, daß öffters die Schultern der Nachbarn zur Rechten u. zur Linken dem im Schlafe sich neigenden u. schnarchenden Künstlerhaupte zur Stütze zu dienen bedroht werden. Es dürfte also auf geeignete Mittel Bedacht genommen werden, um der Wiederkehr dieses, nicht zu duldenden Uebelstandes gelindlichst abzuhelfen.“

An Abwechslung hat es allerdings nicht gefehlt.

„Freitag, 4. August [1876…]
II. Vorträge
Pfr. Seiler: ,Poet. Nachruf auf einen Unbekannten und doch Bekannten’ (König Ludwig I.).“

„Freitag, 5. Januar 1877
[…II.] 2) R. Geißler verliest einen Brief seines Bruders in New-Orleans über die Louisiana-Wirren.  — Höchst interessant und aufklärend über republikanische Zustände. […]“

„Generalversammlung, Freitag, 26. Januar 1877, Abends 9 Uhr bei Wagner
[…I.] In den kleinen Freitagsversammlungen kamen zur Mittheilung:
68 eigene Arbeiten
41 fremde Arbeiten (aus älteren und neueren Schriftstellern)“

„Freitag, 24. August [1877]
[…in diesen Monaten fehlt Heerwagen auffällig oft, und Knapp hat den Vorsitz.]
Sonst läßt man vieles an sich vorübergehen, sogar einen wirklichen Koloradokäfer, spricht über verschollene Pegnesen, über versprochene ungehaltene Vorträge u. tritt in eine lebhafte Debatte über die Ziele des Ordens ein, an der besonders Herr A. Müller bemerkenswerthen Antheil nimmt u. gedenkt der Herausgeber eines Vereins-Jahrbuches.“

„Freitag, 14. September
[…I.] 3) Es wird angeregt, § 32 der Satzungen, die Ablieferung der Bildnisse der einzelnen Mitglieder an die Ordenssammlung betreffend, mehr zur Wirklichkeit werden zu lassen; demzufolge solle niemand säumen durch Abgabe seines Conterfeis sich die Unsterblichkeit zu sichern. […]“

„Freitag, 21. September
[…I.] b, Auf Anregung des 2. Vorstandes kommt man überein, wieder das Referiren über neue literarische Erscheinungen ins Leben zu rufen. […]“

„Freitag, 12. October
I 1) Herr Vorsitzender [Heerwagen] legt eine ziemlich umfangreiche Sammlung von Nachrufen u. Nekrologen verstorbener Mitglieder des B.O. vor, welche ihm aus dem Nachlasse des Herrn Heyden durch Herrn v. Fürer geschenkweise für den Orden übergeben wurde.
II. Vorträge u. Berichte
1) Geißler: „Zur Eröffnung der Realschule“ Ein hübsches, sinniges Gedicht.
2) Ballhorn: gibt einen zweiten Bericht über die Ausstellung des Gewerbemuseums die Erzeugnisse des Buchdrucks der Gegenwart behandelnd.
3) v. Kreß theilt einige interessante Daten mit, zur Geschichte des Probstes Anthon Kreß, welche zu schreiben er im Sinne hat. Unter dem mitgetheilten Material befindet sich auch ein besonders merkwürdiges handschriftliches Haushaltungbuch des Anton Kreß. […]“

„Freitag, 30. November
[…II.] 2) Homann: Telephonistisches. Vorerst geschäftliche Einleitung und Erklärung des Apparates u. dann Experiment mit einem Hausapparat von Mechaniker Heller. […]“

„Freitag, 7. December
[…] II Versteigerung der Doubletten der Bibliothek
Eingeleitet durch einen Ritt des Flügelrosses von Knapp  […] — Wenn man die alten defekten Scharteken ins Auge faßt die an den Mann gebracht wurden so kann man das Ergebniß nur ein glänzendes nennen: es flossen M. 33.35 in die Cassa.“

„Freitag, 11. März [1881]
[…II.] 7) v. Kreß gibt nach Badens Nachrichten Auskunft über die s. Z. seitens des Stadtmagistrats in Nürnberg  erfolgte Weggabe der Dürerschen Vier Temperamente nach München — woraus hervorgeht daß ein Zwang seitens des Kurfürsten ausgeübt wurde.“ — Das Dauerthema der Nürnberger Wehleidigkeit!

„Freitag 8. April.
[…] 2) Die letzte öffentlliche Versammlung soll Montag d. 25. April stattfinden.
Das Programm ist:
1) Priem: „Beaumarchais in Nürnberg“
2) Lehmann: Drei Nürnberger Dichter (Sachs, Grübel, Weickert) […]“

Johann Wolfgang Weikert ist seither, das Weikertgäßchen abgerechnet, völlig aus dem Bewußtsein der Einheimischen geschwunden, vor allem, seit das Zimmer mit literarischen Gedenkstücken aus dem Stadtmuseum Fembohaus verschwunden ist.

„Freitag, d. 29. April [1881]
[…] Der Vorsitzende [Heerwagen] spricht anläßlich der letzten öffentlichen Versammlung den Herren Priem sowohl, als auch H. Assessor Lehmann den Dank der Gesellschaft für die gelungenen Beiträge aus und beklagt den schwachen Besuch.
[…] Ein Vorschlag Knapps die öffentl. Versammlung von 6 auf 3 zu beschränken wird mehrfach ventilirt und soll darüber noch berathen werden.
[…] Ass. Lehmann aus einer Berliner Zeitung ,Briefe eines Engländers über Deutschland’ welche manch schiefes Urtheil, aber auch manche Wahrheit enthalten, die wir beherzigen dürfen.“

„Freitag, 1. September [1882]
[…] 4) Herr Cass. Schmidt verliest einiges aus Ritter Langs Memoiren; Lang ist ein Humorist und Satiriker eigener Art. In weitschweifiger Art weiß er in leichtgefälliger Sprache die verschiedenartigsten Dinge in das [sic] Bereich seiner Betrachtung zuziehen, — oft auch auf wohlfeile Witze herausgehend.“

Übrigens enden etliche Kurzprotokolle dieses und des vorigen Jahres mit der Bemerkung, es habe außer einer allgemeinen Unterhaltung nichts stattgefunden.

„Freitag, den 25. September 1885
[…] Herr Pf. Heller übergab zur Verlesung wieder einen Brief des jungen Seemann Brunner — von Sydney aus. H. Knapp verliest denselben, der viel interessante Mittheilungen über das Leben in Sydney. [sic]“

„Freitag den 6. November 1885
[…] Lehmann. Ein Hexenprozeß, aus Criminalacten des Nürnb. Gerichtes 1675.
Derselbe ist ein schönes Zeugnis für die tolerante Anschauung der Richter u. namentlich auch der zu einem Gutachten veranlaßten Theologen. […]“

„Freitag, den 20. Nov. 1885
[…I] 2) H. Pfeilschmidt übernimmt die Berichterstattung über die öffentl. Versammlungen für die Zeitungen u. wird dem Schriftführer das Material für den Kurier, sowie für den Korrespondent einliefern. […]“

„Freitag, den 16. April [1886]
[…I] 2) Bezüglich eines sehr einseitigen u. vorurteilsvollen Berichtes im fränkischen Kurier über unsere letzte öffentliche Versammlung am 12. d. Mnts gibt Hr Post-SpecialCassier Schmidt, als der Verfasser der ursprünglichen Fassung dieses Berichtes, die Aufklärung, daß die Redaktion seine Arbeit gekürzt u. am Schluß verändert habe — u. zwar absichtlich wie ihm der Chefredakteur Dr. jur. Eberhardt, persönlich von ihm deshalb angegangen, unverblümt mitgeteilt habe. Absichtlich aber deshalb, weil der Verfasser des letzten u. miterwähnten Vortrages, Hr. Redakteur Pfeilschmidt, sein politischer Widersacher sei. — eine derartige Deutung unparteiischer Behandlung nichtpolitischer Angelegenheiten seitens der Redaktion des fränkischen Kurier entzieht sich jeder Beurtheilung.“ — Also ist das gar nichts Neues.

„Freitag, den 3. September
[…II Vorlesung aus Goethes Briefwechsel mit seiner Mutter und deren Briefwechsel mit Anna Amalia sowie Briefe des 16jähr. Goethe an seine Schwester] 2) In Veranlassung dieser Mittheilungen, regt Ballhorn an, ob es den Bestrebungen unseres Ordens nicht angemessen sei der Goethe-Gesellschaft als Mitglied mit einem jährlichen Beitrag von 10 M. beizutreten; es würden uns dann auch die Veröffentlichungen derselben unentgeltlich zufallen. […]“

Freitag, den 24. September 1886.
[…I] Die Anwesenden beschließen, daß der Orden der Goethe-Gesellschaft als Mitglied beitrete u. der Schriftführer wird beauftragt dies anzumelden, dabei auch gleichzeitig um Nachlieferung des I. Bandes des Jahrbuchs zu ersuchen. […]
5) Consul F. Knapp übergibt für unsere Sammlung ein Autograph von Lavater aus d. J. 1794 an die „Franziska“ (von Baden) — der erste Vorstand wird dies sehr werthvolle Stück der Kleinodien-Truhe einlegen. […]“

„Freitag, den 12. November
[…] II. […] d, Dr. [Rudolf] Genee erfreut uns durch Verlesung einiger Abschnitte aus seinem neuesten Buche ,Hundert Jahre des königlichen Schauspiels in Berlin 1786-1886’ (Berlin) die im Besonderen das Verhältniß Ifflands zu Schiller u. letzteren dramatische Thätigkeit behandeln u. durch Mittheilung des Briefwechsels zwischen beiden höchst interessante Schlaglichter auf die litterarischen u. Bühnenverhältnisse der Zeit werfen. […]“

Rudolf Genée, Bruder von Richard Genée, kam aus theaterbegeisterter Familie und wurde ein gesuchter Shakespeare-Kenner und Rezitator.

„Generalversammlung Freitag d. 4. Februar 1887. Abends 8 Uhr in ,Stadt Regensburg) Rathhausgasse
[…] zu 1. Der 1. Vorsteher gibt Bericht über die Thätigkeit des Ordens im abgelaufenen Vereinsjahr, aus welchem ersichtlich, daß unsere Bestrebungen einen rechten Anklang bei der Einwohnerschaft Nürnbergs nicht finden wollen […] In letzteren [den öffentlichen Versammlungen] wurden geliefert
a, an eigenen Arbeiten der Mitglieder 74, u. zwar 52 Gedichte, 14 Erzählungen, 10 litterarische und sprachwissenschaftliche Mittheilungen. — Als Verfasser derselben seien besonders namhaft gemacht die Herren: Postspecial-Cassier Schmidt, Redacteur Pfeilschmidt, A. Stengel, Konsul Knapp, Dr. W. Beckh, C. Lorsch, G. Lehmann, Rud. Geissler, Frhr. v. Kress, F. Dittmar, Ober-Apell.Räthin Blass, v. Euler-Chelpin in München. […]“

„Freitag, den 16. Dezember 87
[…] Dr. Rée, unser neues Mitglied führt sich sehr vorteilhaft mit einem Aufsatz über die keramischen Sammlungen des germ. Museums ein, dessen Fortsetzung mit Interesse entgegengesehen wird. […]“

„Generalversammlung Freitag den 18. Januar 1889, abends 8 Uhr
Im Hause der Naturhistorischen Gesellschaft, Schildgasse 12 […]
[…] In den wöchentlichen Versammlungen kamen zum Vortrag:
Erzählungen, Schilderungen: 25 […]
Gedichte: 43 — Reimchronik 9 Stück — Dramatisches 6 […]
Ueber Aesthetik u. Kunst 6 Abhandlungen, Philosophisches 4
Litteraturgeschichtliches 3, Uebertragungen aus fremden Sprachen 2
Sprachliches 1, Berichte (über neuere litter. Erscheinungen, aus Zeitungen u. dgl) […]“

„Freitag d. 25. Januar 1889
[…] Schließlich wird auf einmal wieder vom leidigen Volapük gesprochen, als welterlösender Macht u. als der Zukunftssprache u. was sonst noch dieses künstliche Gebäu in sich tragen soll. […]“

„15. W.V. Freitag den 8. April [1890]
Der Vorsitzende verliest […] noch eine höchst interessante Arbeit in der Allgemeinen Zeitung von Max Landau „Ueber den Barockstyl in der Litteratur“ (Schlußartikel). – Darin werden auch die deutschen Dichter des 17. Jahrh., welcher der schnörkelhaften Dichtkunst des Italieners Marino huldigten, oft nur in verzerrter Nachbildung — so Gryphius, Hoffmanswaldau, Lohenstein, Neukirch, Brockes u. vor allem auch die Pegnitz-Schäfer: Harsdörfer, Klai u. Birken — eingehend erwähnt.“

„22. W.V. Freitag den 7. Juni 1890
[…] Recht fesselnde Mittheilungen über die politischen Gefangenen, die sog. Staatsgefangenen der 30er Jahre auf der ehemaligen Festung Rothenberg bringt uns Freund Knapp aus dem handschriftlichen Nachlaß seines Vaters des Herrn Oberst Gemming der s. Z. der letzte Commandant der Festung war. Die Handschrift berichtet im besonderen und allein über die Schicksale eines gewissen Lunkenbein, der als junger Student hier, wie so mancher Jüngling anderwärts, jugendliche Begeisterung für Deutschlands Einheit in 10jähriger Haft büßen mußte. — Lunkenbein, ursprünglich Theolog, wurde nach seiner Begnadigung Mediziner, trat dann in den 40er Jahren in Nürnberg zur katholischen Kirche über und soll 1878 in Karlsruhe gestorben sein.“

„3t W.V. Freitag den 19 Januar 1894
[…] An die Besprechung des Referats über die letzte Versammlung im Fränk. Kurier, welches von der Redaction der Zeitung in höchst unstatthafter Weise glossirt wurde, knüpft sich eine erregte Debatte; es sollen die Referate künftig möglichst kurz gehalten werden.
Über den Nutzen der Referate gehen die Meinungen auseinander; Dr. Fuhse spricht sich gegen jede Kritik aus. Bei Erwähnung theilweise abfälliger Kritiken des Hans Sachs Buches von Genée (namentlich von Dr. Götze in [mit Bleistift unleserlich ergänzt] tritt Dr. Fuhse mit wohlthuender Wärme für Genée ein; sein Buch sei nicht für Gelehrte geschrieben, sondern für das Volk, dem es den Dichter näher bringen wolle und diesen Zweck erfüllt das Buch auf das vortrefflichste […]
Ein Frl. Lisette Jungmann, Theresienplatz 1, bittet in den Orden aufgenommen zu werden. Bei diesem Anlaß wird wiederholt, insbesondere von Dr. Fuhse der Wunsch angeregt, von Zeit zu Zeit einen Familien-Abend zu veranstalten, um auch den Damen Gelegenheit zu geben, über die Erscheinungen in der Literatur sich zu unterrichten.“ — Das wäre eigentlich schon längst beschlossene Sache gewesen.

„8t W.V. Freitag 29. Febr. 1894
[…] Dittmar liest noch ein Gedicht von ihm „Des Kindes Gott“ und spricht über den Masochismus, ein von Dr. Kraft-Ebing [sic] erfundenes Wort, welches die Richtung Sacher Masoch’s in der Literatur bezeichnet. Vorher gab Knapp mit dem 243 St der Reimchronik wieder einen glänzenden Beweis seiner Vielseitigkeit und zeigt sich in den Suren arabischer Dichter eben so bewandert, wie in der europäischen Literatur.“