Siebter Abschnitt: Butzenscheibenromantik und Neues Reich


Je moderner im Sinne des 19. Jahrhunderts die Zeitumstände sich darbieten, desto deutlicher nimmt der Wunsch des lesenden Publikums zu, Geschichten aus alter Zeit geboten zu bekommen, und wer unter den Literaten geschickt und selber willens ist, sich mit dem Mittelalter zu befassen, hat Hochkonjunktur und nützt sie weidlich aus. Dies geht einher mit einem Anschwellen der Produktion von Historiengemälden, mehr oder weniger detailgetreu in der Abbildung mittelalterlicher oder frühneuzeitlicher Straßenbilder, in Nürnberg vor allem vertreten von den Brüdern Paul und Lorenz Ritter, die noch bei Heideloff gelernt hatten, exakte Abzeichnungen von Architekturdetails anzufertigen, und damit für viele Kollegen, auch historistische Architekten, die Muster lieferten.1 In dieser künstlerischen Umgebung nimmt sich auch der Blumenorden, zum Teil durch Produktion von Mitgliedern, zum Teil durch Heranziehen von Publikumslieblingen zu Ehrenmitgliedern, dieser Traumwelt an. Daneben halten sich Beispiele klassizistischer Literaturauffassung, treten neuartige Proben exotischer Themen aus dem Schatten. Alles dieses wird freilich durch die kriegerischen Verwicklungen von 1864 bis 1871 überlagert, die sich ebenso ins mittelalterliche Gewand einkleiden wie realistisch darstellen oder mit aktuell politischer Stellungnahme aufladen lassen. Zunehmend wird man gewahr, daß in der Verarbeitung der Themenvorgaben sowohl verklärend als auch anklagend verfahren wird: Unterscheidungen zwischen affirmativen und pessimistischen Dichtern fangen an, in den Debatten der Ordensversammlungen eine Rolle zu spielen. Vorläufig aber eint die Parteien noch die Begeisterung über den kaum für möglich gehaltenen militärischen Erfolg und die Reichsgründung — beinahe.

Herr Heinrich saß am Vogelherd

Exotisches Intermezzo

Sammler und Kritiker

Professionelle Schriftsteller als Mitglieder

Normalbetrieb

Aus der Periode der Kriege

Verluste und gemeinsamer Neuanfang