Colmars Entwurf einer neuen Satzung
Die folgenden Auszüge aus Colmars Satzungsentwurf sind verkürzt um diejenigen Stellen, die auf der Grundlage der bisherigen Satzungen nicht als neu anzusprechen sind.

" 1. Unsre alten Geseze [...] enthalten zum Teil solche Regeln, welche sich auf iedes Sitten-Brauchtum gründen, und die also wol nach unseren Sitten, einem neuen Mitglied nicht füglich empfohlen werden dürfen [d.h. brauchen!]; beinahe gar nichts ist darin von der inneren Verfassung des Ordens gesagt; es bedarf also einer neuen Verbesserung und Vermehrung, welche bekantlich endiglich von dem Willen der Gesellschaft abhängt." — Man fordert, anders gesagt, den Übergang vom Naturzustand zum bewußten "Contrat Social".

" 2. [...] Meiner Meinung nach ist auch das Amt des Sekretärs, mit dem Konsiliariat nicht wol kompatibel. [...]" — Der Schriftführer soll also kein richtiger Ordensrat sein: eine Kehrtwendung gegenüber der Einschätzung nach Amarantes. Ist es aber nur die jeweils letzte Erfahrung mit einem Schriftführer, die solche Umwertung herbeiführt, oder sieht Colmar einen tieferen Grund; etwa den, daß der Schriftführer zu sehr dem Praktischen verhaftet sei, um geistig bedeutsame Entschlüsse mitzutragen?

" 8. [...] Für die Aufnahme auf Anmelden wird 10 fl. bezalt; für die Berufung zur Gesellschaft aber wird nichts gefordert. [...]" — Das leuchtet ein: Man wollte sich brauchbare Mitglieder heranholen, ohne Gefahr zu laufen, daß diese sich für die vorerst noch zweifelhafte Ehre im Hinblick auf die hohen Kosten schön bedankten und abwinkten, während man dem Sich-Einkaufen von weniger geeigneten Leuten eine hohe Schwelle setzen — und doch gegebenenfalls davon profitieren — wollte.

" 9. [...] ieder der viermal nacheinander, ohne warhaft gegründete Ursache anzugeben, ausbleibt, wird der Gesellschafts-Rechte verlustig [...]" — Auch sehr verständlich: Man wollte keine Karteileichen mitschleppen. Darunter fallen durchaus einige der bisherigen Mitglieder.

Unter 11 listet Colmar in Frageform einige Punkte auf, die er für besonders erörternswert hält und wozu er sich noch keine eigene Meinung gebildet hat. "[...] c, ob die getroffene Wal des Hrn. Praes. dem Scholarchat angezeigt (cf. Lex V) oder lieber nach alter Observanz [Brauch] es unterlassen werden wolle? [...] d, ob die Vorlesungen nicht immer oder mehr Revisionen zu unterwerfen? [d.h. ob, wie bisher, eingereichte Vortragstexte vom Vorstand erst auf ihre Eignung hin beurteilt werden müssen.] [...] f, [...] b, ob die Geselschaft ohne Schulden zu machen, oder nur onera [Lasten; hier wohl Kreditaufnahme] zu tragen, oder vom Kapital zu verlieren, bestehen kan [...] h, [...] ob nicht der, vom Hrn. Präses anzunehmende Geselschafts-Aufwärter, lieber bei jedem Konvente ein fixum ex cassa bekommen solle? weil er sonst bei gleicher Bemühung, nach Anzal der Anwesenden nur ungleiche Bezalung erhält. z.B. [...] Aufwartung bei der Tafel [...] 2 fl. 24 x [Kreuzer] [...] l, Ob die Portraits im Stiftungsbuch nicht fortgesezt werden könten? m, auf welche schickliche Art dem abgegangenen Herrn Präses die von ihm verwahrten Akten u. anderes abzunehmen, ob es bis zur Wal der Herren Vorsteher ausgesezt werden will, oder einsweilen von den Gliedern besorgt werden soll, welcher Punkt bei der nächsten Session, n, wo ohnehin wahrscheinlich auch wegen des Herrn Ferd. Schmidbauers etwas bestimtes referirt werden kan, mehr Licht zur näheren Erörterung erhalten wird. Im Monat Julius 1788 Salvo S[uperiori; "unbeschadet eines besseren Vorschlags"] Themisander II. [!] i.e. Dr. Colmar."