Unter den zahlreichen Gratulationsschriften und -gedichten zu
Panzers 50jährigem Amtsjubiläum fällt ein Druck auf, dem leider die Musiknoten fehlen. Die erste Kantate umfaßt einen Chor auf 12 vierhebige Zeilen, dann ein Rezitativ von 28 madrigalischen, also gemischtmetrischen Zeilen, dann einen Chor auf zwei Textzeilen, eine Arie auf 7 Verszeilen und schließlich einen Chor auf 8 Verszeilen. Die zweite Kantate umfaßt einen Chor auf 5 Verse, ein Rezitativ auf 10, ein Duett auf 8, ein Rezitativ auf 13 und schließlich einen Chor auf die Worte:

Wir enden unter Preiß und Dank
Nun froh den heiligen Gesang!
Von ihm, dem Vater aller Güte,
Fleh'n wir noch Segen, Schutz und Friede!
Heil uns! Sein Auge wacht!
In allen Landen macht
Er herrlich seinen großen Namen!
Hallelujah, Amen!

Diesem locker-madrigalesken Strophenbau, den man sich nach der Art von Haydns Oratorien vertont denken darf, kontrastiert die mit bewundernswerter Kunstfertigkeit durchgehaltene Strophenform einer gereimten Biographie des Jubilars, verfaßt von seiner Ehefrau. Diese vormalige Jungfer Jantke (s. Erstes Buch S. 171) kannte gute Muster und hatte sich die temperierte Empfindsamkeit der 1760er Jahre bewahrt:

Theuerer Gefährte meines Lebens,
Der Du meine Liebe zu Dir kennst,
Und durch des Jahrhunderts lezte Hälfte
Mich schon Deine treue Gattin nennst,
Schließe Du auf die Gefühle, die im Innern
Mich erfüllen, da mit seltnem Glücke
Ich Dir in's Auge blicke.
[...] 

Gern zog ich Dir nach zu Deinen Bergen,
Zu der Flur, die einsam uns umschloß
Und zur kleinen Quelle, welche stille
Durch das tief versteckte Dörfchen floß.
Doch beim ersten Einzug in dem engen Thale
Schrekte die Bestürzung uns zum erstenmale,
Als die Flamme, deren Wuth nichts wehrte
Am armen Dörfchen zehrte.

 
Unsre kleine Wohnung war gerettet
Und wir zogen thränend zu ihr ein,
Denn nicht nur der armen Dorfbewohner
Kummer lud das Herz zur Trauer ein;
Auch ein lieber Freund, benachbart unserm Herzen,
Wie dem Kirchensprengel stund mit tiefen Schmerzen
Und beweinte bald darauf mit Trauern
Den Schutt von seinen Mauern.

[...]

O daß alle, alle nicht von denen,
Die ich Dir gebahr, den Tag gesehn --
Nicht der Lezte, für den stille Thränen
Noch im Mutter-Auge zitternd stehn! --
Doch der Vorhang falle vor der Szene nieder
Den [!] wir finden Alle froh uns einstens wieder
Und am grossen, ew'gen Jubeltage
Verhallt auch diese Klage.

Panzers Tod als Anlaß dieser Verse gibt Gelegenheit, auch hier einmal einen Blick auf sein ungewöhnlich ertragreiches Forschen zu tun. Sein Sohn Friedrich Heinrich Panzer war mit der Abfassung der Biographie für das Ordensarchiv beauftragt worden und gibt unter anderem folgendes bekannt:

"In den ersten freien Stunden seines Amtes, als er noch seiner Ezelwanger Gemeinde vorstand, erlernte er, gereizt von dem Geiste der Britten, ganz ohne Lehrer, die englische Sprache, in eben diesem Zeitraume die italienische. Mit diesem schönen Geschäfte verband er das Studium der Numismatik, goß sich mit eigener Hand schöne Abdrücke, und legte so bald ein, für einen Privatmann sehr artiges Kabinet an.

Zu Nürnberg [...] war das Studium der Litteratur sein Hauptgeschäfte, mit ihm verband er einen steten Fleis, mit welchem er als Uebersetzer mehrerer Werke aus verschiedenen Sprachen auftrat.

Bald sah er sich dadurch reicher an Mitteln, um leichter, das heißt, von einer eigenen, schönen, in der Folge an Anzahl und Werth gleich großen Büchersammlung umgeben, arbeiten zu können.

Unbemerkt und ohne Geräusch stand so seine trefliche Bibelsammlung da [...]

Carl Eugen, Würtembergs Fürst übernahm sie, nachdem er persönlich vorher den fleisigen Sammler besuchte, käuflich [...] Dort, wo einst die schöne Bibelsammlung stand, sah man nun eine beträchtliche Menge der seltensten Produkte des ältesten typographischen Kunstfleises." (S. 15 f.) Aus dieser Sammlung erwuchs sein Hauptwerk:

„[...,] So siehet man z. B. mit wahrer Achtung [...] die Typen-Formen aller Städte und Orte jenes ersten Zeitalters von ihm durch feines Wachspapier, mit kraftvollem Fleise gezeichnet. [...] An dieses schöne Werk schliesen sich, in Hinsicht desselben, zwey nicht minder wichtige an, seine Buchdrucker-Geschichte Nürnbergs, und seine wichtigen Annalen der ältern deutschen Litteratur, von welchen der zweyte Band sein litterarischer Schwanengesang war. [...]

Welch thätigen Antheil er an gelehrten Zeitschriften nahm, mit welchem Fleis er hier arbeitete, haben die verdienstvollen Redakteurs, wie das lesende gelehrte Publikum, immer mit dem wärmsten Dank anerkannt. Er arbeitete von dem ersten glücklichen Entstehen der allgemeinen Litteratur-Zeitung fleisig an ihrer Vollkommenheit, bis am Abende seiner Tage. [...]"