Ein neuer Präses für den Gang ins Dunkle

Wilhelm Schmidt schrieb zurückblickend: „Was die Vermögensverhältnisse des Ordens betrifft, so hatte die Inflation natürlich alles bare und in Papieren oder Sparkassen angelegte Vermögen des Ordens verschlungen, auch die ,unangreifbaren’ Stiftungen von Dilherr u. Robert Förster. In der Folge wurden wieder einige Rücklagen zur Wiederherstellungen [sic] dieser Stiftungen und für das 300jährige Jubelfest gemacht […]“

Freitag, den 6. März 1925        Ordentliche Hauptversammlung
[25 Anwesende]
[…] Börner legte einen Brief des Herrn Oberstudiendirektors Dr. Richard Ackermann vor, in welchem derselbe die Niederlegung seines Amtes als I. Vorsitzender des Ordens anzeigte. Er begründete seine Absicht mit seiner derzeitigen, schon längere Zeit andauernden Krankheit […]
Lambrecht kam auf die Weggabe der Truhe und die dadurch hervorgerufene Verzettelung der, in ihr verwahrten Gegenstände zu sprechen und forderte, daß dieselben gesammelt, registriert und in sicheren Verwahr genommen werden sollten. Dabei wurde festgestellt, daß das Buch mit den Oelportraits der I. Vorsitzenden des Ordens von annähernd der Gründung an seit längerer Zeit vermißt wird. Seit welchem Zeitpunkt läßt sich nicht feststellen; wahrscheinlich schon etliche Jahre. Sollte es nicht ein glücklicher Zufall wieder in die Hände des Ordens zurückspielen, müßte er  es als verloren betrachten. Um 9 Uhr eröffnete Dr. Behringer im Wieselerhaus die ordentliche Hauptversammlung […] Der Vorsitzende nahm die Gelegenheit wahr dem, aus Alters- und Gesundheitsrücksichten zurücktretenden Schatzmeister, Herrn Consul Hermann Lambrecht für seine 31jährige, treue hingebungsvolle und nicht selten mit Opfern verbundene Tätigkeit den herzlichsten Dank des Ordens auszudrücken […] Zum Schatzmeister wurde Herr Fabrikbesitzer Max Kügemann allhier, einstimmig gewählt, welcher die Wahl dankend annahm. Die Wahl eines Bibliothekars und Ordensrats fiel auf Herrn Studienrat Georg Schwarz […]
Der Antrag Hans Wießner, die Vorstandschaft alle Jahre, statt alle 3 Jahre zu erneuern fand keine Unterstützung. […]
[…] Der Vorsitzende gibt weiter eine Einladung zu einem Vortrag Geheimrat Hensels, Erlangen, über „Oswald Spenglers Geschichtsphilosophie“ bekannt […] Dr. Schauwecker ladet zu dem, am 10. März, im Kulturverein, abends 8 Uhr stattfindenden Trauerabend für die Sudetendeutschen ein.
Der Hansel enthält M. 2.65
O. Börner

Wem der Wortlaut dieser Einladungen nicht mehr sofort die Tendenz offenbart, dem soll gesagt sein, daß es bei Spengler um Kulturpessimismus geht und bei der Trauer um die an die Tschechei abgegebenen Sudeten auch der Wunsch nach Wiedergewinn mitschwingt. Man nennt das üblicherweise Revanchismus.

Freitag den 20. März 1925.    Außerordentliche Hauptversammlung
[…] Vorsitz: Dr. Behringer, dann Freiherr Eberhard von Scheurl
[27 Anwesende, darunter der Vorsitzende der Raabe-Gesellschaft Wieser]
Herr Direktor Dr. Behringer, der sein 14 Jahre innegehabtes Amt eines 2. Vorsitzenden des Blumenordens mit dem heutigen Abend niederlegte, leitete […] die Wahl eines neuen ersten Vorsitzenden und diejenige eines zweiten Vorsitzenden ein […]
Zum 1. Ordensvorsitzenden wurde gewählt mit 23 Stimmen Herr Prof. Dr. Eberhard Freiherr v. Scheurl. […] Er sieht sein neues Amt im letzten Grunde als nationale Aufgabe an. […]
Zum 2. Ordensvorsitzenden wurde hierauf einstimmig Herr Professor Konrad Meyer gewählt […]
Ferner wurden zwei neue Ausschußmitglieder gewählt: Fräulein Eleonore Groß und Herr Dr. Heinz Schauwecker. Außerdem wurde die Frage der Neuauflage der Satzungen und des Mitgliederverzeichnisses besprochen, die der Satzungen wurde zunächst zurückgestellt. […]
Es wurde beschlossen, daß eine Anfrage an den ärztlichen Bezirksverein gerichtet werden soll, der Herrn Dr. Behringer schon seine Räume im Luitpoldhaus für die Freitagabendversammlungen alle 14 Tage zur Verfügung gestellt hat. […]





Die Leitung des Blumenordens als nationale Aufgabe — von Harsdörfer ausgehend, war es als Dienst am Vaterland verstanden worden (das damals durch den 30jährigen Krieg womöglich schlimmer gelitten hatte), die deutsche Sprache und Dichtung zu pflegen. Die Frage ist, ob es Eberhard von Scheurl nicht bei leichter Verlagerung des Schwerpunkts darum ging, über den Blumenorden am Wiedererstarken des Nationalgefühls und damit der Macht des Deutschen Reiches mitzuwirken. Diese Frage stellte sich damals bestimmt niemand; man sah keinen Unterschied. Aber das war der Punkt, an dem der Blumenorden kippte.

Vorstands- und Ausschußsitzung        8. Mai 1925 7 ¼ h
[…] Zunächst wurde über einige Fragen die Jean Paul Feier betreffend, gesprochen; sie soll am 11. Mai stattfinden. Herr Dr. Josef Müller, kath. Pfarrer auf der Jägersburg bei Forchheim hält den Vortrag. Karten zu 1- 0,50 u. 0,30 M sind an der Abendkasse zu haben.
[…Es wurde] einstimmig beschlossen, daß die Versammlung künftig im Luitpoldhaus im Zimmer des ärztlichen Vereins stattfinden sollen, und zwar alle 14 Tage. [… Also doch ins Luitpoldhaus! Aber halb so oft.]
Der Druck des Mitgliederverzeichnisses, der für 300 Stck 120 M kosten soll, wurde beschlossen.
Sophie von Praun

Vorstands- und Ausschußsitzung        9. 10. 25 7 Uhr
[…] Es wurde zunächst die Frage besprochen, ob der Orden trotz der Kündigung des ärztlichen Vereins in dessen Räumen würde bleiben können. [Als doch nicht ins Luitpoldhaus …]
Ferner wurde beschlossen, daß der Blumenorden der Platengesellschaft in Erlangen beitritt. […]

Jean-Paul-Feier, Platengesellschaft: Die herkömmliche Kultur wurde ungebrochen beachtet, auch diejenigen humoristischen und problematischen Aspekte, die der primitiven Weltsicht des Nazipöbels nicht entsprachen.

Vorstands- und Ausschußsitzung    15. II. 26 […] Burgstraße 10
[…] Baron v. Scheurl begrüßt die Anwesenden in seinem Heim. […]
[…] Prof. Meyer schlägt vor, statt der Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung“ „Deutsches Volkstum“ v. Stapel zu halten. Der Wächter soll nicht mehr genommen werden. […]

Diesem Gymnasiallehrer Konrad Meyer ging es, belegbar seit etwa 1922, in erster Linie um das „Deutschtum“. Näheres im nächsten Kapitel. Und er war Vizepräses geworden.

Bericht über das Ordensjahr 1925
[…] ich freue mich, da ich diesmal mit gutem Gewissen von einem neuen Aufblühen des Ordens sprechen darf, nicht nur, weil die Versammlungen wieder viel zahlreicher besucht wurden — (wir durften durchschnittlich etwa 40 Mitglieder und Gäste in unseren Reihen zählen) sondern auch, weil wieder mehrere öffentliche Vorträge stattgefunden haben, die sich gleichfalls zum Teil recht lebhafter Beteiligung erfreuten. […]
[Es folgen Gedenkworte über Ackermann, der im Krieg seine beiden Söhne verloren hatte und nach langem Leiden kurz nach Niederlegung seines Amtes gestorben war.]
[…] Eines unserer Ehrenmitglieder, Herr Otto Börner […] ist am 2. November nach schwerer Krankheit gestorben. […] Sein letztes Verdienst ist die Zusammenstellung der im letzten Jahre neu herausgegebenen Mitgliederliste. […]

Freitag, den 19. Februar 1926    Ordentliche Hauptversammlung
[15 Anwesende, 8 Herren, 7 Damen]
[…] Fräulein Sophie von Praun, wurde durch Zuruf zur 1. Schriftführerin gewählt. Sodann wurde durch Zettelwahl Fräulein Eleonore Groß, Lehrerin, […] zur 2. Schriftführerin gewählt mit 11 Stimmen […]
Unter dem 4. Punkt [Sonstiges] wurde erwähnt, daß nur ein Heft der neuen Satzungen da sei […] ob man nicht wenigstens einige Durchschläge für den Vorstand u. Ausschuß machen solle.
Ob die neueren Mitglieder eine Aufnahmeurkunde haben wollen, soll ihnen frei gestellt werden. 3 M soll für den Eintritt in den Orden, 2 M für die Urkunde bezahlt werden. […]

Hans Wießners eruptive Zustände nahmen mit dem Alter eher zu; möglicherweise litt er an hohem Blutdruck. In einem Brief an Sophie von Praun vom 20. Mai 1926 kündigt er an, sich an der Gestaltung des Irrhainfestes nicht mehr zu beteiligen, nachdem ihm von Damen eine Blamage zuteil geworden sei. Und am 14. November 1926 entschuldigt er sich brieflich bei ihr, daß ihm der Gaul durchgegangen sei, und meint, er ziehe sich besser von der Tätigkeit im Orden zurück. Vorher machte er noch zwei Vorschläge zur Mitgliedschaft, die auch angenommen wurden:

18. Juni 1926        Außerordentliche Mitgliederversammlung
[…] Die Kugelung ergibt einstimmige Aufnahme des Herrn Kunstmalers Trost, vorgeschlagen von Baron Scheurl, ferner des Herrn Fabrikbesitzers Karl Arnold, Gartenstraße 17 [Fabrikant von Blechspielzeug, zeitweise marktführend], vorgeschlagen von Herrn Wießner, endlich des Herrn Großkaufmanns Alfred Linke, Hochstraße 25, gleichfalls vorgeschlagen von Herrn Wießner. […]
Der Ausschuß wird erweitert. Es werden zu Mitgliedern desselben gewählt: Herr Dr. Georg Lösch, Professor an der Höheren Mädchenschule, Herr Dr. Günther Reubel, Studienrat, und Freifräulein Else von Ebner.

Bericht über das Ordensjahr 1926
[…] Es ergab sich eine Durchschnittszahl von 38 Hörern. […]
Es waren 13 Wochenversammlungen und 2 öffentliche Abende.
[… Bei einem davon sprach] 2.) Professor Bohneberg: Der Bolschewismus im deutschen Schrifttum […]
Beim weiteren Rückblick auf das vergangene Jahr gedenken wir der 19 neu eingetretenen Mitglieder und der 3 verstorbenen. Ausgetreten sind 12 Mitglieder. […]
Ebenso war eine Einladung ergangen zu dem von der Gesellschaft Schlaraffia für 14. November anberaumten Vortrag des Herrn Oberkirchenrats Dr. D. Zilcher aus Prag über Völkische und weltbürgerliche Gesinnung, der den Zuhörern mit seinen feinsinnigen Ausführungen gleichfalls großen Genuß bot. [Die Schlaraffia ist eine Vereinigung zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor; so konnte man das Völkische auch verpacken.]
[…] Von den Satzungen des Jahres 1923 wurden einige Durchschläge gemacht, die zum Teil dem Amtsgericht eingeschickt werden mußten, zum Teil an die Vorstandsmitglieder verteilt wurden. […]

Was hatte sich gegenüber der Satzung von 1912 verändert? Die in der Hauptversammlung vom 12. Januar 1923 beschlossene, erst am 29. Juni 1926 ins Vereinsregister eingetragene Satzung brachte nichts grundlegend Neues, eher eine Anpassung an die Notzeiten, daneben ein paar Verdeutschungen, und erschien insofern schon veraltet, als sie endlich zum Amtsgericht eingeschickt wurde.

Als Vereinszwecke entfielen „Geschichte und schöne Wissenschaften“.

In der Beschreibung der erwünschten Mitglieder wurde weggelassen, daß sie „gebildet“ zu sein hätten.

Der § 19 mit seinen Bestimmungen zur Ersatzwahl von unter der Amtszeit ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern fehlt.

§ 24 über die Aufgaben der Schriftführer entspricht dem alten § 21, enthält aber den Zusatz „sorgt für die Bekanntmachung der Sitzungen und Versammlungen an die Mitglieder“ und nimmt diese Aufgabe dem Präses ab.

§ 26: „Der Orden soll den Sinn für schöngeistiges Schrifttum pflegen. Dies geschieht für die Mitglieder durch regelmäßig stattfindende Versammlungen, durch Vergrößerung und Nutzbarmachung der Ordensbücherei und durch Einrichtung von Lesekreisen und Familienunterhaltungen, ferner nach außen auf Beschluß der Ordensleitung durch öffentliche Versammlungen.“ Von regelmäßiger Abfolge in bestimmten Abständen ist nicht mehr die Rede.

§ 28: „Öffentliche Vortragsveranstaltungen können mit Zustimmung der Ordensleitung stattfinden. Wird ein Eintrittsgeld erhoben, so brauchen die Ordensmitglieder nur die Hälfte zu erlegen.“

In § 30 wird die für eine Satzungsänderung erforderliche Mehrheit auf eine Zweidrittelmehrheit abgesenkt, auch wird die Tagesordnung nicht mehr notwendigerweise in den Zeitungen, sondern nur durch „schriftliche oder gedruckte Mitteilung an die Mitglieder“ bekanntgegeben.

Man kann daraus keine Gesinnungsänderung konstruieren. Im Blumenorden war immer noch Platz für verschiedenste Meinungen, die in demokratischen Prozessen vermittelt werden konnten.

Freitag, den 25. März 1927        Ordentliche Hauptversammlung
[22 Anwesende]
[…] Scheurl eröffnet die Ausschußsitzung mit der Mitteilung, daß Oberregierungsrat W. Schrodt seinen Austritt aus dem Ausschuß erklärt habe. Hierauf wird wieder einmal die Raumfrage besprochen. Es ist im Krokodil angefragt worden […]
Bei Aufstellung des Voranschlages für 1927/28 wurde beschlossen, aus der Shakespearegesellschaft auszutreten.
[…] Antrag auf Änderung von §16, Satz 1 der Satzungen. Er heißt: Beide (Vorstand und Ausschuß) werden in der ordentlichen Hauptversammlung auf die Dauer von 3 Jahren gewählt. Der Antrag, den Herr Professor Konrad Meyer, der 2. Ordensvorsteher, stellt, geht dahin, die Vorstandschaft und den Ausschuß künftig nur für die Dauer eines Jahres zu wählen. [Das hatte Wießner auch schon einmal vorgeschlagen. …] Die darauf vorgenommene Abstimmung ergibt, daß über die Belassung der bisherigen Bestimmung fast nur eine Meinung herrscht. Es bleibt also bei der jetzigen Fassung.
Hierauf schritt man zu Punkt 4, den Wahlen.
Herr Dr. Eberhard Freiherr von Scheurl […] bittet, von seiner Wiederwahl abzusehen. Herr Archivdirektor Dr. Reicke spricht — zugleich im Namen aller Anwesenden — sein lebhaftes Bedauern über dies Vorhaben aus [… und hebt hervor] daß [Scheurl] in hervorragendem Maße die Gabe der freien Rede habe, und daß seine liebenswürdige Art ihn ganz besonders zum Amt des Vorstehers geeignet erscheinen lasse. Er erinnert auch daran, daß der Orden von einem Patrizier gegründet worden sei und daß es sehr erfreulich sei, daß wieder einmal ein Patrizier an seiner Spitze stehe. […]
Baron Scheurl wird durch Zettelwahl mit 19 Stimmen, also einstimmig gewählt. [Die anderen werden, bis auf Schrodt, in ihren Ämtern bestätigt. …]

Vorstands- und Ausschußsitzung        9. September 27.
[…] am 16. 12. soll ein geselliger Abend stattfinden, der den Stempel einer Weihnachtsfeier tragen soll. […]

Es handelte sich um die Wiederaufnahme einer ehedem schon beliebten Tradition, keine Neueinführung.

Bericht über das Ordensjahr 1927
[…] im behaglichen Raum der Gaststätte des Marientorzwingers, in dem nun schon seit dem Herbst 1927 regelmäßig die Versammlungen stattfinden. […] Die nun wieder eingeführten Geselligen Abende fanden zweimal, im Mai und Juni, im Künstlerhause statt, […] Bald fühlten sich die Freitagsgäste auch im neuen Raum [Marientorzwinger] heimisch; manche Herren mögen es doch angenehm empfinden, rauchen und einem frischen Trunke zusprechen zu können […] es waren durchschnittlich […] etwa 36 Zuhörer anwesend, bei den Abenden im Marientorzwinger allein durchschnittlich 39. […] Erwähnt mag auch werden, daß auch in den letzten Monaten die Damen meistens in der Überzahl waren. […]

Wilhelm Schmidt berichtet: „Seitdem [1927] trat der Blumenorden nicht mehr in die Öffentlichkeit. Einfache Sitzungen zur Aussprache unter den Mitgliedern gab es nicht mehr. Stets lag eine fertige Tagesordnung vor, sodaß die Mitglieder als solche kaum mehr zu Wort kamen. Der Orden war keine Vereinigung von Literaturfreunden mehr, sondern ein Unternehmen zur Veranstaltung literarischer Vorträge; die Mitgliedschaft fast nur eine Dauerbestellung auf diese Vorträge und ohne Einfluß auf die Auswahl und Gestaltung derselben. Nur in der alljährlichen Hauptversammlung wäre dies möglich gewesen, aber zu ihr erschienen meist nur die Vorstandsmitglieder. Einmal war Frau Baronin von Scheurl das einzige Mitglied ohne Vorstandsamt. Sie sprach daher dem Vorstand den Dank der Mitglieder aus, was drollig wirkte, denn alle Anwesenden wußten, daß sie selbst in der Hauptsache die Vortragsordnungen gestaltete. […] Die Stelle eines dritten Ordensrates wurde [1928] nicht mehr besetzt, weil die Handbücherei in Obhut des zweiten Vorstandes Türk ist und von diesem aufs beste verwaltet wird. […] Ein Ausschuß besteht seit 1933 nicht mehr.“

Aus dem „Kassa-Buch 1925-1938“ geht hervor, daß Hans Wießner im Jahre 1928 aus dem Orden ausgetreten ist; seltsamerweise steht die Zahl „2“ daneben. Hatte er auch für seinen Sohn einen Mitgliedsbeitrag bezahlt? Dieser wurde aber nie in der Stammliste als Mitglied geführt.

Was die Ausgaben für 1929 betrifft, so wurde unter anderem für einen Vortrag Prof. Geißlers 62,40 M bezahlt, Drucksachen kosteten insgesamt 155 M, und die Rechnung des Buchhändlers Zeiser für Bücher, die der Bibliothek einverleibt wurden, betrug immerhin 79,80 M.

Bericht über das Ordensjahr 1928
[…] Doch war der Orden gezwungen, sich gegen Ende des Jahres 28 wiederum nach einer neuen Heimstätte umzusehen, da die Pegnesen dem Wirte nicht den erhofften Vorteil brachten […] Nun aber glaubt der Orden in dem gemütlichen Rokokozimmer des Hauses der Gesellschaft Colleg ein würdigeres und bleibendes Unterkommen gefunden zu haben […]
[…] Der Mitgliederstand ist somit am 1. Jan. 29.
6 Ehrenmitglieder
146 ordentliche Mitglieder
22 in schriftlichem Verkehr stehende
2 körperschaftliche
5 vom Beitrag befreite Hinterbliebene verdienter Mitglieder. […]

Freitag, den 22. März 1929        Ordentliche Hauptversammlung
[…] Trost berichtet, daß ein in Eibach schon bestellter Bücherschrank ins Colleg nicht gestellt werden darf. Es soll deshalb vom Ankauf eines Schrankes überhaupt abgesehen werden. Der alte Schrank ist bei Herrn Pfarrer Türk untergebracht. Die Bücherausgabe soll zu einer bestimmten Stunde — voraussichtlich vor den Versammlungsabenden — stattfinden […]
[…] Neuwahl des 2. Ordensvorsitzenden. Die Zettelwahl fiel fast einstimmig auf Herrn Pfarrer Georg Türk. […]




Auch im Voranschlag dieses Jahres ist kein Betrag für das Jubiläum 1944 mehr enthalten, auch keine Erwähnung von Stiftungen, Fonds, Rückstellungen u.dgl.

Bemerkenswert ist, daß ein Zeitungsausschnitt aufbewahrt wird über einen Hans-Grimm-Abend des Deutschen Sprachvereins, „an dem sich die Mitglieder des Blumenordens zahlreich beteiligten“, in dem die Erzählung eines Aktes wahrer Humanität hervorgehoben wird: „In der zweiten Erzählung ist die Flucht dreier Deutscher, von denen zwei durch die Engländer zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt worden waren, aus Südwest nach Portugiesisch-Afrika geschildert. […] gehetzt wie wilde Tiere und als Menschenfresser geächtet, vor denen die Eingeborenen entsetzt fliehen. Eine unsinnig erschrockene schwarze Mutter läßt sogar ihr Kind im Stich. Die von Entbehrungen entstellten zerlumpten Männer stehen vor dem hilflosen unschönen Geschöpf, und obwohl es ein Raub an der eigenen Lebensmöglichkeit ist, legt einer von ihnen ein Goldstück bei dem Kinde nieder.“

Vorstands- und Ausschußsitzung        10. 9. 29
[…] Ort der Versammlung: Wohnung von Herrn Pfarrer Türk, Brunnengäßchen 5/II
[…] Herr Professor W. Schmidt soll in den Ausschuß gewählt werden […]