Ende und Anfang

Um die Altdorfer Universität sah es seit 1775 so schlecht aus, daß im Jahr nicht mehr als 50 Neueinschreibungen von Studenten erfolgten und die Professoren nicht mehr als 200 Gulden im Jahr Besoldung erhielten. (In Erlangen bekamen die Kollegen 500.) Man spielte mit den Gedanken, die Universität nach Nürnberg zu verlegen, das kam aber nicht zustande. Als 1789 ein Mitglied des Berliner Oberschulkollegiums, Friedrich Gedicke, Deutschland durchreiste und auch über Altdorf Bericht abzustatten hatte, war zu melden, daß dort noch etwa 100 Studenten ausgebildet wurden. Obwohl sich Gedicke anerkennender über manche Professoren äußerte, zumal über Will, als er es über Schiller in Jena getan hatte, konnte er über die Mediziner nichts sagen — die Lehrveranstaltungen waren gerade ausgefallen, da die zwei Medizinstudenten nach Nürnberg geritten waren.

Doch gerade am Ende dieser Epoche schwangen sich Altdorf, Nürnberg, der Blumenorden wieder auf. Dietelmairs Verdienst, wie erwähnt, bestand vor allem darin, daß er junge Leute aufnahm. Zu nennen sind für das Jahr 1775 ein "Candidat Link" (Xenophilus), später Vikar in Hersbruck, (nicht der mehrfach erwähnte Jurist), und ein Diakon Johann Friedrich Frank (Pylades). Der dazugehörige Orestes war Dietelmairs Sohn, ebenfalls auf der theologischen Laufbahn. 1776 kam der junge Jurist Faulwetter hinzu, der bei schmalem Mitgliederbestand die Waagschale weiter auf die Seite der "Neuerer in Wartestellung" drückte. Eine weitere Dame, Maria Mandleitner, wurde unter dem Namen Laura noch 1784 aufgenommen, bevor die Konjunktur für Frauen im Blumenorden wieder einmal auf einige Zeit vorbei war.

Es kamen nämlich heroische Zeiten! Die eigentlichen Umstürzler Karl Link, Leuchs und Friederich, den letzten als Schwiegersohn, hätte Dietelmair sicher selbst noch berufen; es scheint auch, daß er entsprechende Absichtserklärungen schon getan hatte. "Unter Dietelmairs Vorsitz [...] glaubten die damaligen Mitglieder es wagen zu dörfen, verschiedene würdige Männer aufzufordern, sich mit ihnen zu vereinigen, um nicht nur in der Folge dem Orden selbst, durch erneuerte Thätigkeit, auch neues Ansehen zu verschaffen, sondern auch die Wahl ihres neuen Vorstehers nach Dietelmairs Hintritt glänzender zu machen" Panzer stellt also den Vorgang nachträglich so dar, daß man an eine von Nürnberger Mitgliedern ergriffene Initiative denkt, bei Abwesenheit und in Erwartung des baldigen Ablebens Dietelmairs, die auf eine bereits als Gruppe bestehende Anzahl von Leuten gerichtet ist. Diese werden durch Panzers Beiwort 'patriotisch' hinreichend als fortschrittlich denkende Studenten kenntlich. Man konnte so vorgehen, da der Präses diese Personen von Altdorf her kennen mußte und sie wahrscheinlich von ihrer angenehmen und kompetenten Seite sehen gelernt hatte. Nicht gering zu veranschlagen ist auch der Einfluß des Ordensrates Leinker-Monastes, dessen Schwiegersohn Colmar wurde. So konnte der nächste Präses, selbst wenn er schon einen Grund gehabt hätte, dies nicht zu wollen, die Aufnahme dieser Leute zu Anfang seines Präsidiums (1786) nicht gut unterlassen. Merkwürdig erscheint es schon, daß selbst innerhalb der sehr glimpflichen Ausdrucksweise Panzers in seiner Festrede gerade vier Sätze unterhalb der Stelle, wo vom Glanz der Wahl des neuen Präses die Rede ist, dem dann Gewählten "durch das herannahende Alter geschwächte Geisteskräfte" bescheinigt werden. Panzer stellt sich nachträglich ganz auf die Seite der Jungen, obwohl das anfangs vielleicht nicht so schien. Es ist einmal bemerkt worden, eine Revolution könne nur Erfolg haben, wenn die herrschende Klasse in sich gespalten sei und ein Teil davon innerlich auf der Seite der Umstürzler stehe. Das war der Fall mit Leinker-Monastes und Panzer-Theophobus.

Irenäus I. starb leider schon 1785, bevor es richtig losging. Mit ihm wäre die Erneuerung leichter zu machen gewesen. K. Link, Friederich und Genossen hatten darauf jedoch nicht setzen wollen und taten in Anbetracht der kurzen ihm noch vergönnten Frist auch nicht unklug daran. Weiterer Beweis für das allmähliche Einfließen Altdorfer Denkart ist die Bezeichnung, die Frank in seiner Trauerode auf Dietelmair dem Blumenorden angedeihen läßt: "Den traurigen Verlust ihres [...] Vorstehers Irenaei beklaget [...] die deutsche Pegnesische Blumengesellschaft [...] durch ihren innig gerührten Pylades. 1785."