Erhabenes zum 150jährigen Bestehen



Mit "Erhabenem" wird der Leser von Pylades besser versorgt als von Orestes, wie oben schon einmal zu sehen war. Johann Friedrich Frank las in der Jubiläumssitzung am 15. 7. 1794 ein Gedicht zum Andenken Harsdörfers vor, das unter den erhaltenen Einzeldrucken des Ordens das erste nicht gereimte ist und auch das erste, das mit einem Antiqua-Schriftsatz gedruckt wurde. Es heißt darin u.a.:

[...] Einst blüht' ein Palmenorden auf im Schoos
Germania's, durch Fürstenbeytritt groß,
Doch hindern konnte Fürstengröße nicht,
Daß, eh die Zeit das Seculum begrub,
Das ihn gebahr, schon durch des Schicksals Sturm
Der Blüthen letzte schon verwehet war.

Oft hat ein Mißgeschick auch ihm gedroht,
Dem Werke, das von Deinen Händen stammt,
Doch immer blieb des Unglücks härtster Schlag,
Vernichtung, abgekehrt von ihm, wenn schon —
Vielleicht Ermattung seiner Pfleger selbst —
Den schönen Fortwuchs schlummernd hat gehemmt:

[...]

Noch ein Gelübd! Wir weihen's, Sel'ger, Dir
Noch ehe dieses Tages Glanz verlischt,
Der uns zu froher Rückerinnrung stimmt,
Auf Dich, und unsers Bundes Ursprung führt!
Noch ein Gelübd! Wir weihen's, Sel'ger, Dir —
Und Du, vernimms auf Deinem Sternensitz!
Nie soll in uns der Trieb ersterben, der
Dich, Unvergeßlicher, zuerst beseelt!
Nie unser Fleiß ermüden, das zu thun,
Was Ordnung und Gesetz von uns erheischt!
Und unsrer Sitzungen so ernstes Ziel,
Nach Zeitbedürfnis nützlich stets zu seyn,
Werd nie von uns verfehlt, vergessen nie —

Dann, Strephon, grünt auch Dein Gedächtnis neu,
Dann nennen wonnetrunken wir noch oft
Dich Freudengeber, segnen Dein Gebein,
Und weihen Deinem Namen dort ein Lied
Im heilgen Dunkel unsers Musenhains: [...]