Elfter Abschnitt: Im Schneckenhaus

 

Zurück ins Jahr 1933: Plötzlich war das Angesagte zeitgemäß, und es gab sich modern. Man vergißt zu leicht, welche Faszination gerade vom technikfreundlichen, scheinbar naturwissenschaftlich begründeten, die Medien in unerhörter Weise einspannenden Getriebe der Nazipartei ausging. Dem Rundfunk waren die dessen ungewohnten Menschen in beinahe hypnotischer Weise ausgeliefert, ebenso den Massenaufmärschen mit Scheinwerfertricks und Lautsprechergedröhn. Die nationalkonservativen, rückwärtsgewandten Anschauungen des Adels wurden benützt, solange man sie brauchen konnte, aber im Grunde als überholt verachtet. Das muß dem Ordensführer von Scheurl zu denken gegeben haben. Die Fraktur als Standardschrift deutscher Druckerzeugnisse wurde von den Nazis eben nicht in den Vordergrund gestellt, sondern 1941 abgeschafft. Das immer noch mittelalterlich wirkende Nürnberg wurde als Szenerie von Aufmärschen benützt, solange es nicht die gigantischen Bauten am Dutzenteich gab; danach wurde die Mittelalterschwärmerei zurückgedrängt, als hätte man gewußt, daß es bald kaum etwas Derartiges mehr zu bewundern geben werde. Einheitlichkeit der Stile und Anschauungen war allerdings nicht einmal innerhalb der Nazipartei so schnell herzustellen. Und innerhalb des Blumenordens fällt das völlige Ausblenden des Reichsparteitagsrummels auf, ja, man möchte fast von enttäuschtem Rückzug in eine zunehmend christlich geprägte Innerlichkeit reden. Die Belege freilich sind spärlich. Die Beschäftigung mit Literatur an sich war es in dieser Zeit eben auch.

 

Ideologie mit Ausreißern

Bitterer Ernst