Erneuerte Außenwirkung
 
Fünfundzwanzig Jahre sind im Leben eines Menschen eine lange Zeit, und so darf es den Betrachter aus dem weiten Abstand von 190 Jahren nicht verwundern, daß eine Gesellschaft, die doch eigentlich erst angefangen hatte, eine gewisse Rolle zu spielen, sich bereits eine solenne Jubiläumsfeier gönnte:
 
„[…] Die Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie feiert am künftigen 25. August d. J. als dem hohen Namenstage Ihrer Königlichen Hoheit des Kronprinzen von Bayern den fünfundzwanzigsten Jahrestag ihrer Stiftung. Sie hat beschlossen bei dieser Gelegenheit öffentliche Rechenschaft von ihrer bisherigen Wirksamkeit abzulegen, und zu diesem Ende auf gedachten Tag vormittags um 10 1/2 Uhr eine passende Feier in dem großen Saale des Rathauses veranstaltet.
Indem wir Einen BlumenOrden hiervon in Kenntnis setzen laden wir die sämtlichen verehrlichen Mitglieder desselben geziemend ein, unser Fest durch Ihre Gegenwart zu verschönern, und erlauben uns die Bitte um Abordnung von zweien Gliedern aus Ihrer Mitte welche sowohl der bevorstehenden Feier, als dem nachher zu haltenden einfachen Mahle im Sale des Reichsadlers beiwohnen möchten. Wir freuen uns bei dieser Gelegenheit den Blumen-Orden unter der Bitte um Ihr schätzbares Wohlwollen die Versicherung unserer aufrichtigen Hochachtung und Ergebenheit an den Tag legen zu können.
Nürnberg, am 17. August 1817
Im Namen und Auftrag der Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie
Harleß Correspondenzsekretär"
 
Am 22. August 1817 antwortet Sekretär Müller in geziemender Manier und stellt die Teilnahme des „Königl. Herrn Appellations-Gerichts-Advocaten Doctors von Königsthal und des Königl. Herrn Archiv-Secretair Heiden” in Aussicht.
 
Am 24. Oktober 1817 ergeht dann noch ein würdiges  Dankschreiben:
„Das unterzeichnete Direktorium der Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie erstattet dem Pegnesischen Blumenorden verbindlichsten Dank für die der Gesellschaft erwiesene Ehre der Abordnung einer Deputation zu ihrem Feste am 25. August d.Jh. und erlaubt sich, dem Pegnesischen Blumen-Orden in der Anlage die beiden Reden zu übersenden, welche bei dieser feierlichen Gelegenheit gehalten, und auf Verlangen mehrerer Personen, für die edlen Teilnehmer und Beförderer patriotischer Unternehmungen in den Druck gegeben worden sind. […]
Das Directorium der Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie
Freiherr von Löffelholz, erster Direktor
Joh. Merkel, 2. Direktor
Schwarz, 3. Direktor
Harleß, Corr. Sekretär”
Und das Erheiternde daran: Sie waren allesamt bereits Mitglieder des Blumenordens, haben mithin an sich selber geschrieben!
 
Ein weiterer Verein konnte in diesem Jahr sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen feiern und gehörte damit zu den bürgerlichen Vortrupps aus der letzten Phase der Reichsstadtzeit: der „Verein von Künstlern und Kunstfreunden”. Natürlich — so kann man nicht umhin zu sagen — lud auch dieser den Blumenorden mit Brief vom 17. Oktober 1817 zu den Feiern ein:
„Wir geben uns hiermit die Ehre, den Pegnesischen Blumenorden zu benachrichtigen, daß der hiesige Verein von Künstlern und Kunstfreunden, Donnerstag den 26. DMts die Feier seines fünfundzwanzigjährigen StiftungsFestes auf dem hiesigen großen RathaußSaal vormittags 10 1/2 Uhr begehen wird.
Mit dieser ergebensten Anzeige, verbinden wir die Bitte um gefällige Theilnahme an diesem Feste, und laden daher sämmtliche verehrliche Mitglieder des Pegnesischen Blumenordens hiezu ein […]
Eben diese Einladung erstrecken wir auch auf die von demselbigen Tage an, vierzehn Tage lang, mit Ausnahme der Sonntage, von Morgens 10 bis 12 und Nachmittags von 2 bis vier Uhr veranstaltete Kunstausstellung, welche in unserm gesellschaftlichen Lokale, in der obersten Etage des Museums veranstaltet werden wird. […]
J. D. Boerner, 1. Präsident
Schwarz, II. Präsident
J.G.J. Wilder, Sekretär"
Der Endesunterfertigte war jedoch auch kurioserweise seit 1813 Mitglied des Blumenordens.
 
Das gewundene Antwortschreiben stammt diesmal von Nikolaus Adam Heiden: „Beseelt von den freudigsten Empfindungen werden wir solche nicht nur überhaupt durch die Gegenwart mehrerer unserer Mitglieder, sondern auch noch besonders durch die Abordnung einer Deputation aus unserem Mittel, in den Personen unseres Ordens-Consulenten, des K. Bairischen Herrn Handelsgericht-Assessors und Appelationsgerichts-Advokaten Dr. Lorsch, und unseres Mitglieds des K. Bairischen Herrn Dekans und Hauptpredigers Veillodter, an den Tag zu legen uns zur angenehmen Pflicht machen. […]
Seidel. Präses.
Heiden Secretariats-Vertreter” (Müller war anscheinend schon so schwer erkrankt, daß er vertreten werden mußte.)
Daß dieses Schreiben einen Tag früher datiert ist als die Einladung, nämlich vom 16. Oktober, kann angesichts der personellen Überschneidungen der Vereine nicht mehr überraschen. Solche Korrespondenz hatte rein formellen Sinn und geschah wohl vorwiegend im Hinblick auf die Archivierung.
 
Weit über die lokale Inzucht hinaus weist jedoch folgende Anfrage:
„Hochwürdiger Hochgelehrter Herr, Hochzuverehrender Herr Pastor,
[…] Die Berlinische Gesellschaftfür deutsche Sprache, deren Ordner ich für das laufende Jahr bin, wünscht eine zuverlässige Nachricht von dem jetzigen Zustande u. von der Verfassung des löblichen Hirten- und Blumen-Ordens an der Pegnitz zu erhalten. Durch den hiesigen Akademiker Herrn Seebach habe ich erfahren, daß ich von Euer Hochwürden hierüber am vollständigsten Auskunft würde erhalten können […]
Ich muß aber sogleich eine zweite Bitte hinzufügen, mir die gewünschte Nachricht, wenn es möglich ist, noch bis zum 15ten December d. J. zukommen zu lassen wie auch zu erlauben, daß ich in einer Vorlesung über die Schicksale u. den Einfluß der verschiedenen Sprachgesellschaften des 17ten Jahrhunderts von Ihrer Mitteilung Gebrauch machen darf. Sollte seit der Historischen Nachricht von Amarantes eine neuere Schrift über die Geschichte des Ordens erschienen sein, so würde ich mich freuen, dieselbe zu erhalten […]
Berlin, Klosterstraße N. 40, den 9ten November 1819.
J. O. L. Schulz
Professor am Berlinisch-Cölnischen Gymnasium”

Seidel war ein wenig in Verlegenheit, was er dem so ultimativ vorgehenden Preußen schicken könnte. Er entschuldigt sich beinahe dafür, wenig Aktuelles und nichts Zusammenfassendes anbieten zu können:
„Wohlgeborener Herr
Hochzuverehrender Herr Professor!
[…] habe ich die Ehre, Euer Wohlgeboren in den Anlagen folgende Druckschriften zu übersenden:
1) die von dem vormaligen […] Präses […] Panzer, bey Gelegenheit der hundert und fünfzigsten Jubelfeyer […]öffentlich gehaltene Rede.
2) ein bey eben dieserVeranlassung von einem Mitgliede des Ordens zum Andenken des Stifters desselben abgelesenes Gedicht.
3) die im Jahr 1791. erneuerten Gesetze des pegnesischen Blumenordens, und
4) das im Jahr 1818. gedruckte und bis auf gegenwärtigen Zeitpunkt fortgesetzte Verzeichnis der sämtlichen Ordens-Mitglieder. […] Nur muß ich hiebey bemerken, daß die […] unter Nro. 3. bemerkten Gesetze des Ordens erst vor wenig Wochen einer genauen Revision unterworfen und den jezigen Zeitbedürfnissen gemäs abgeändert, auch von den ordentlichen Mitgliedern genehmigt worden sind. […]
Dr. G. E. F. Seidel
Stadtpfarrer bey St. Egidien”
 
Lieber wird ihm folgende Einladung gewesen sein, die von einem gänzlich neuen Verein kam und zudem von jemandem unterzeichnet war, der nicht schon Mitglied in seinem eigenen war. Es zeigte doch, daß der Blumenorden in Nürnberg auch für Außenstehende eine achtenswerte Größe darstellte:
„Das Directorium des Industrie und Kulturvereins im Königl. Baier. Landgericht Nürnberg
an den hochverehrlichen Pegnesischen Blumenorden in Nürnberg
Am 11. October feiert obengenannter Verein sein erstes Jahresfest; wir halten es für unsere Pflicht einen den hochverehrlichen Pegnesischen Blumenorden hievon begleitet von der ergebensten Bitte in Kenntniß zu setzen durch ein zu deputierendes Mitglied dieses Blumenorden, die am 11. October nachmittags öffentlich gehalten werdende Rechenschafts Ablegung und darauf folgende Souper zu beehren […]
Nürnberg den 7. October 1820
Dr. Weidenkeller, 1ster Director”

Die Gestaltung des gedruckten Briefkopfs mit den vielfach um die Buchstaben gewundenen runden Linien entspricht genau der auf den Schreiben der Gesellschaft zur Beförderung vaterländischer Industrie. Das legt zwar nahe, daß derselbe Drucker beauftragt wurde. Der ältere Verein war aber keineswegs in dem neueren aufgegangen. Dieser jedoch, der sich anfangs auch mit der Landwirtschaft befaßte, besteht als „Industrie-und Kulturverein e.V.” bis heute, wie Seidel in seiner höflichen Antwort glückwünschte: „Der Vorstand dieses Ordens wird daher nicht unterlassen, in der Person seines Ordens-Secretärs des Königl. Archiv-Sekretärs Heiden eines seiner Mitglieder abzuordnen […] die aufrichtigsten und besten Wünsche für die ununterbrochene Fortdauer eines Instituts an den Tag zu legen, welches schon in dem ersten Jahre seiner Gründung auf unsere Zeitgenossen so wohlthätig einwirkte und welches ganz gewiß noch nach späten Jahren segensvoll und beglückend für die Nachwelt in voller Kraft unerschüttert dastehen wird.”
 
Es konnte kaum ausbleiben, daß auch Zuschriften erfolgten, in denen vom Blumenorden mehr oder minder deutlich verlangt wurde, er solle sich für etwas einsetzen, auch finanziell. So etwas ist dann die Probe aufs Exempel, ob eine Gesellschaft wirklich instande ist, für ihre Ziele konkret tätig zu werden.

„Ansbach d. 10. Mai 1823
Die Gesellschaft für vaterländischen Kunst- und Gewerbsfleiß zu Ansbach
an den verehrlichen Pegnesischen Blumenorden zu Nürnberg
Einem hochverehrlichen Pegnesischen Blumenorden ist bereits schon aus öffentlichen Blättern bekannt, daß die Gesellschaft für vaterländischen Kunst- und Gewerbsfleiß dahier den Entschluß gefaßt hat, das Andenken des verewigten Dichters Uz durch Errichtung eines Denkmales in seiner Vaterstadt Ansbach zu ehren, und daß noch in diesem Jahre die Ausführung des Planes beginnen soll.
Indessen können wir doch nicht umhin, dieses einem Hochverehrlichen Blumenorden bei seiner bevorstehenden öffentlichen Versammlung unmittelbar zu Anzeige zu bringen, eingedenk seines rühmlichen Zweckes und überzeugt, daß […] die verehrten Mitglieder durch Beiträge und Ermunterung in Ihrem Kreise unseren Plan begünstigen werden. […|
Dr. Faber”

Auch der Briefkopf dieser Gesellschaft zeigt eine auffallende Ähnlichkeit mit den oben erwähnten. Es scheint sich um einen neuen und sehr beliebten typographischen Schmuck jener Zeit zu handeln.
Jedenfalls durften sich die Pegnesen jetzt nicht lumpen lassen; allzu üppig fiel der Beitrag jedoch nicht aus, und eine Spendenquittung wollte man außerdem (obwohl damals ja an steuerliche Absetzbarkeit noch nicht zu denken war):

„Nürnberg den 17 Mai, 1823
Der Pegnesische Blumenorden zu Nürnberg an die verehrliche Gesellschaft für vaterländischen Kunst- und Gewerbsfleiß zu Ansbach.
Obschon der verewigte Dichter Utz, unser deutscher Horaz, dieser würdige Zeitgenosse eines Klopstocks, Gellerts, Lessings, Hallers, Hagedorns, Lichtwehrs, Cronegks, und anderer um die Wiederherstellung des guten Geschmacks in der deutschen Dichtkunst hochverdienter Männer, sich selbst durch seine Werke ein unvergängliches Denkmal errichtet hat; so war es doch schon lange der Wunsch aller Verehrer der Attischen Muse, daß das Andenken dieses trefflichen Mannes durch ein in der Vaterstadt desselben zu errichtendes Monument auch noch für die Nachwelt erhalten werden möchte.
[…] Wir ergreifen daher mit Vergnügen diese Gelegenheit, unsere Theilnahme an diesem patriotischen Unternehmen durch Übersendung eines kleinen Beitrags von 25 fl an den Tag zu legen, und müssen nur sehr bedauern, daß die beschränkten Kräfte der Kasse unseres literarischen Vereins, welche bloß durch die sehr mäßigen Beiträge der ordentlichen Mitglieder besteht und durch die jährlichen Bau- und Besserungskosten im Irrhain bei Kraftshof beträchtlich in Anspruch genommen wird, es nicht erlauben, wie wir wohl gewünscht hätten, mehr hiezu beizutragen.
Indem wir um gefällige Übersendung einer Empfangsbescheinigung bitten verharren wir mit vollkommenster Hochachtung. […]”
Es ist schon bemerkenswert, wie klassizistisch hier die Generation der Pegnesen um 1820 von einer „Wiederherstellung des guten Geschmacks” schreibt, obwohl dies doch impliziert, daß die Gründer des Ordens dann Vertreter des schlechten, damals in abwertendem Sinne „barock” genannten Geschmacks gewesen sein müßten.
 
Vom 18. Juni 1823 datiert ein Schreiben, in dem Bürgermeister Binder, seit 1821 selbst Mitglied des Ordens, diesen zum Leichenbegängnis des Bürgermeisters Sörgel einlädt. (Sein Nachfolger wurde übrigens Scharrer.) Eine Notiz von anderer Hand auf der dritten Seite des gefalteten Schreibens besagt: „Da bei dem pegnesischen Blumenorden Leichenbegleitungen nicht gewöhnlich sind; so wurde dieses Schreiben unbeantwortet gelassen und blieb dieser Antrag ohne weiteres auf sich beruhend.” Selbstverständlich hat der Blumenorden zu anderen Malen Abordnungen zu Beerdigungen geschickt, doch handelte es sich diesmal bei dem Verstorbenen nicht um ein Mitglied. Anscheinend wollte man sich nicht um der bloßen Sichtbarkeit willen zu öffentlichen Anlässen drängen, mit denen man nicht unmittelbar befaßt war.
 
Noch abseitiger, wenn man die satzungsgemäßen Aufgaben des Blumenordens im Auge behält, erschien gewiß folgende An-, wenn nicht Zumutung:
„Nürnberg den 6. Juni 1825
Das Directorium des Industrie und Kulturvereins im Königl. Baier. Landgericht Nürnberg
An den hochverehrlichen Pegnesischen Blumenorden zu Nürnberg
Wir geben uns die Ehre Ihnen in der Anlage die Grundzüge zur Errichtung einer Gesellschaft zur Beförderung u. Begründung bairischer Armen-Colonien, nebst einer Subscriptions-Liste, mit dem Ersuchen zu übersenden, daß Sie dieses als einen ungeheuchelten Beweis unserer reinsten Verehrung u. Hochachtung gütigst aufnehmen, und erkennen wollen, wie sehr wir es uns angelegen seyn lassen, in Verbindung mit andern patriotischen Gesellschaften für das allgemeine Beste nützlich zu wirken, und wie gerne wir jeden wichtigen Beschluß von uns in dieser Hinsicht Ihnen mittheilen. […]”
Unterzeichnet hat das Directorium des Industrie und Kultur Vereins, handschriftlich Dr. Weidenkeller und Dr. Rupprecht. Ein kanzleimäßig sauber und vollständig beschriebenes Doppelblatt enthält dann „Grundzüge über die Errichtung einer Actien Gesellschaft zur Begründung von Armen-Kolonien im Koenigreich Baiern.” Der Kopf erinnert wieder sehr an die oben beschriebenen. Beigelegt ist:

„Subscribtions Liste auf Actien zu Errichtung eines ewigen Denkmals
Maximilian Joseph
unsers allergnädigsten Königs und Landesvaters, durch Begründung einer Kolonie, auf mehreren unbebauten Flächen in Baiern und einer Unterstützungs-Anstalt, für die vaterländischen Fabriquen, Handwerker und Landwirthe.
Bemerkung: Die ganze unverzinsliche Actie kostet f 11 — die halbe 5 f 30 Xr die Viertel […], die verzinsliche Actie kostet f 100 — die Bezahlung kann auf einmal, oder in vierteljährigen, monathlichen, oder wöchentlichen Fristen geleistet werden.
Auf jeden Fall beginnt die Bezahlung erst, in einem halben Jahr.”
Der weitere in Spalten eingeteilte Platz auf diesem Doppelblatt 4¡ ist leer geblieben. Das bedeutet wohl, daß kein Mitglied des Blumenordens als solches eine Aktie erwarb. Allerdings war die Sache nicht gänzlich stillschweigend zu den Akten gelegt worden; Seidel schickte ein Blatt im Vorstand herum:

„Verehrungswürdige Freunde,
was ist wohl in Hinsicht auf das an den Blumenorden eingesendete Schreiben zu thun, da wir bis in den Spätherbst keine Versammlung haben? Ihre Ansicht mir hierüber ergebenst erbittend hochachtungsvoll
Seidel
22. Junius 1825”
Darunter votierten zwei Personen:
„Nach meiner unzielsetzlichen Meinung wäre dem Director des Industrie- und Kultur Vereins Dank zu sagen für die Mittheilung des neuen Beweises der patriotischen Bemühungen des Vereins, und dabei zu erwähnen, daß das Präsidium den Plan bei der ersten OrdensVersammlung zur Vorlage bringen und dadurch den Mitgliedern Veranlassung geben werde, sich ihren Verhältnißen gemäß, dafür zu interessieren.
Hochachtungsvoll
Lorsch
Diesem Votum ganz beistimmend erlaube ich mir zu bemerken, daß es erwünscht seyn mögte, erst im November d. J die Sache zum Vortrag bringen zu können.
Veillodter”

Offensichtlich war das Directorium des Industrie und Kulturvereins wegen des Mißerfolgs seines Ansinnens nicht verschnupft. Weidenkeller, von Imhof und von Neu schickten am 27. Oktober 1826 das dritte und vierte Heft ihrer Vereinszeitschrift mit der Bitte,„v on Zeit zu Zeit schriftliche Mittheilungen für diese Zeitschrift […] hochgefälligst zu übersenden.” Und locker lassen mit Aufforderungen um finanzielle Unterstützung gemeinnütziger Projekte wollte man auch nicht:

„Nürnberg den 10. Februar 1827
Das Directorium des Industrie und Kulturvereins im Königl. Baier. Landgericht Nürnberg
An den hochverehrlichen Pegnesischen Blumenorden in Nürnberg
Indem wir uns die Ehre geben Ihnen hochverehrte Herrn den Plan, sowie die Subscriptions-Liste einer von uns neu begründeten, gewiß sehr gemeinnützigen Anstalt zur Kenntniß mitzutheilen, glauben wir dieß aus hoher Achtung für Ihren schönen Verein, thun zu müssen, und hoffen deßhalb auf eine wohlwollende Aufnahme.
Wir glauben um so mehr Sie von unserem Unternehmen in Kenntniß setzen zu dürfen, da mit demselben noch ein zweytes in Verbindung gebracht wird, welches zur Verschönerung der Umgebung des südlichen Theils der Stadt wesentlich beytragen soll, wie beyliegender Entwurf Ihnen deutlich zeigen wird und wodurch auch der hochlöbliche Magistrat der Stadt Nürnberg sich ermüßigt sah, dieses Unternehmen allen Einwohnern Nürnbergs zu empfehlen.
Da […] dieses Unternehmen […] endlich auch so eingerichtet ist, daß niemand dabey etwas verlieren, sondern nur gewinnen kann (Indem jeder für seine Actie, welche nur 11 fl kostet ein schönes inländisches Pferd oder Fohlen erhält) so erlauben wir uns auch die höfliche Einladung zur gefälligen Theilnahme […] an den hochverehrlichen Pegnesischen Blumenorden ergehen zu lassen, […] da wir überzeugt sind, daß Sie hochgeehrte Herren zu solchen patriotischen Zwecken […] Ihr Scherflein beytragen werden, um so mehr, da wir hierzu keine Opfer, keine Geschenke verlangen, sondern nur um kleine Darleihen ansprechen, die mit reichen Zinsen zurückvergütet werden. […]
Dr. Weidenkeller
v. Imhof
v. Neu”

Nachdem 1825 der sogenannte„ Burgfrieden”, also der Raum zwischen der Stadtmauer und den ehemaligen, aus dem 30jährigen Krieg stammenden Verteidigungsvorwerken, wieder eingemeindet worden war, wofür sich seit 1812 besonders von Neu (Mitglied des Blumenordens Nr. 247) eingesetzt hatte,  gab es eine „Verschönerungscommission”, die sich mit der Anlage von Wasserleitungen, Alleen und neuen Verbindungsstraßen  befaßte. Diese betrieb über die Mitgliedschaft ihrer Mitglieder in bürgerlichen Vereinen, was man heute „Drittmitteleinwerbung” nennt, doch findet sich im Archiv des Blumenordens kein Hinweis darauf, daß sich jemand auf den kuriosen Pferde- bzw. Fohlenhandel eingelassen hätte. Wenn dies schon so ausging, ist es weniger verwunderlich, daß der erneute Vorstoß zugunsten einer Kapitalisierung des Armenkolonieprojekts, der den Blumenorden 1833 erreichte, ebenfalls keinen Erfolg hatte. Daß dieses Projekt im ganzen gesehen Wirkungen zeitigte, davon zeugen Ortschaften wie Karlskron, endlose Straßendörfer inmitten trockengelegter Sumpflandschaften. Das Bemerkenswerte aus heutiger Sicht ist daran, daß privatwirtschaftliche Initiative eine eigentlich staatliche Aufgabe voranbrachte, vergleichbar mit privater Erstellung von Autobahnen gegen Überlassung von Mauteinnahmen. Für die Nürnberger jedoch lag die Anlage derartiger Dörfer zur inneren Kolonisation, so patriotisch sie immer gesinnt sein mochten, zu weit ab. Man mußte die Belange der Stadt voranstellen, in der es einen jahrzehntelangen Innovationsstau gegeben hatte.
 
Johannes Scharrer — man erinnert sich: Mitglied Nr. 362 — setzte sich während seines Bürgermeisteramtes unter anderem für zwei bedeutende Projekte ein, die wahrscheinlich in besonderer Weise mit dem Blumenorden in Verbindung zu bringen waren, weil dieser zu den Einweihungen jeweils eingeladen wurde: das neue Stadttheater und die Polytechnische Schule.

„Nürnberg, den 17. April 1832
Vom Magistrat der königlich bayerischen Stadt Nürnberg
Die Arbeiten am Bau des neuen Theaters hiesiger Stadt sind nun so weit gediehen, daß der Grundstein desselben gelegt werden kann. Dieser Akt wird Montag den 30. dieses Monats, Vormittags um 10 Uhr mit angemessener Feierlichkeit statt finden […] Wir benachrichtigen hiervon den pegnesischen Blumen Orden mit dem Ersuchen um Theilnahme an dieser Feier und bemerken, daß der große Rathhaussaal zum Versammlungsorte dient, von wo aus der Zug sich nach dem Bauplatz begiebt.
Die Bürgermeister
Binder, Harsdorf”
In dem beigelegten gedruckten Programm werden als Eingeladene u.a. die Lehrer der polytechnischen Schule, der Künstlerverein, die Gesellschaft zur Förderung vaterländischer Industrie und der Industrie- und Culturverein erwähnt, nicht aber der Blumenorden. Auf beigelegtem Blatt finden sich allerdings folgende zwei Texte, ein Briefkonzept und eine Notiz:
„Den verehrlichen Mitgliedern des pegnesischen Blumenordens bringe ich, dem von dem Herrn Präses erhaltenen Auftrag zufolge, die von dem Magistrat erhaltene schriftliche Einladung zur Feier der Grundsteinlegung des neuen Theaters, nächst dem derselben beigelegten Programm, zur Kenntniß, um diejenigen Herren, welche noch nicht als Mitglieder anderer Corporationen hiezu eingeladen worden sind [!], zu veranlassen, bei dieser Feierlichkeit zu erscheinen und dem Zug beizuwohnen.
Mit vorzüglicher Hochachtung beharrend,
Nürnberg den 25. April 1832.
Der Ordenssekretär
Syndikus Heiden
Am 30sten April 1832. hat sich der Unterzeichnete auf dem großen Rathhaus-Saal eingefunden und im Namen des pegnesischen Blumenordens dem Zug und der Grundsteinlegung des neuen Theatergebäudes beigewohnt.
N. A. Heiden, Ordens-Sekretär”
 
Man muß sich geradezu mühsam erinnert haben, daß der Blumenorden seit 1820 nicht nur eine sprach- und literaturpflegende Gesellschaft sein wollte, sondern auch eine „Classe” für „Wissenschaftliche Gegenstände überhaupt” eingerichtet hatte. Von deren Tätigkeiten verlautete bald gar nichts mehr. Doch erreichte den Orden immerhin folgende Einladung:
„Nürnberg den 7. October 1835
Vom Magistrat der königlich bayerischen Stadt Nürnberg
wird der pegnesische Blumenorden hiemit benachrichtiget, daß die Grundsteinlegung zu dem bereits sehr vorgeschrittenen Gebäude für die chemischen und mechanischen Werkstätten und die Modellen und Produkten Sammlungen der polytechnischen Anstalt allerhöchster Bestimmung gemäß am hohen Namensfest Ihrer Majestät der Königin am 15. Octoberd. Js. nach abgehaltenem vormittägigen Gottesdienste vor sich gehen wird. Das Programm über die hiebei Statt findenden Feierlichkeiten wird nach eingelangte rallerhöchster Genehmigung durch das hiesige Intelligenzblatt bekannt gemacht werden.
Dem Magistrat wird es angenehm seyn, wenn der pegnesische Blumenorden hieran Theil nehmen wird.
Binder”
Nun gut, mit dem gleichen Recht, mit dem zur Grundsteinlegung des Theaters die Lehrer der Polytechnischen Schule eingeladen worden waren, mochte man im Sinne eines noch ungeschiedenen Bildungs- und Wissenschaftsbegriffs der Aufklärung die Pegnesen zu den chemischen und mechanischen Werkstätten bitten. Man muß das nicht unbedingt als Sieg eines theoretisierenden Neuhumanismus über die gewerbenahen Vorstellungen Scharrers auffassen. Es ist eher vergleichbar mit der Erhebung dieses späteren Ohm-Polytechnikums zur universitätsähnlichen Fachhochschule im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts — weil die Produktionsverhältnisse sich geändert hatten.