Außerordentliche Projekte

Zwei Arten von nicht alltäglichen Tätigkeiten des Blumenordens zielten auf die Öffentlichkeit: Veröffentlichungen von Vereins wegen und Gedenkfeiern. Eine der ersteren war der erwähnte III. Band von „Altes und Neues aus dem Pegnesischen Blumenorden“, 1897. Er hatte, einschließlich chronologischem Anhang, 320 Textseiten, und brachte im Kapitel „Prosa“ die Festrede Beckhs zum Jubiläum 1894, vier populärwissenschaftliche Aufsätze und drei eher poetische Texte; im Kapitel „Dichtungen“ 35 Titel von 22 Autoren, darunter Paul Heyse, Marie von Ebner-Eschenbach, Conrad Ferdinand Meyer, Peter Rosegger und Friedrich Spielhagen. Zum Zustandekommen ein paar Zitate aus Sitzungen:

20. W.V. Freitag den 7. Juni 1895
[…] Karte von Prof. Bischoff, worin er über seine Besprechung mit Dr. Burckhardt Weimar mittheilt, daß letzterer im nächsten Bande des „Alten u. Neuen“ 30 Briefe Harsdorfers [sic] an Herzog Fr. von Weimar, Präses der Fruchtbringenden Gesellschaft, veröffentlichen wird. […]

39. W.V. Freitag den 4. Dec. 1896
[…] Dr. Wilckens schreibt, daß er von einem Beitrag zu „Altem u. Neuen“ absehen müsse, ebenso auch Fontane für dießmal ablehne. […]

4. Wochenversammlung
[…] Es liefen verschiedene Dankschreiben über die jüngst an die Ehrenmitglieder versandten Exemplare von Altes u. Neues ein […] 8. Th. Fontane in Berlin

6. October 1899 31. Wochenversammlung
[…] Es wird beschloßen mit dem Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt/aM in Verbindung und Tauschverkehr zu treten & und ihm zu diesem Behufe unsere 3 Veröffentlichungen, sowie die Festschrift v. 1894 zu senden. […]

Ein weiterer Band dieser Reihe war offenbar angedacht gewesen; am 2. Februar 1906 stellt Beckh „den Antrag: Es möge in besonderen Fällen gestattet sein das Förster’sche Legat anzugreifen u. es dann wieder zurückzuzahlen. Es handelt sich im diesmaligen Falle um die Herstellung von ,Altes u. Neues’ welche größere Ausgaben verursacht.“ Stattdessen beanspruchten erst einmal andere Veröffentlichungen Vorrang: „Der Katalog der Ordensbücherei wird in diesem Jahre aller Voraussicht nach erscheinen können. Im Mskr. liegt er seit längerem vor.“ — „[…] Beckh gibt weiterhin bekannt, daß Hofbuchhändler Ackermann in München ein Verzeichnis der Mitglieder des P. Bl. O. erbeten hat. […] im Oktober soll er dann das inzwischen richtigzustellende und neuzudruckende erhalten. Zugrunde gelegt wird Lambrechts auf dem laufenden Stand erhaltenes Verzeichnis. Auflage 250.“ — „14. Wochenversammlung am 15. April 1898 […] Schmidt berichtet anschließend an das Protokoll über seine Arbeiten wegen des Mitgliederbuches und wird sowohl ihm, als auch Lambrecht der eine Privatarbeit gemacht hat, die zum Nachtrag des Mitgliedbuches sehr dienlich ist, und Frl. Schmidt, die ihren Vater in seinen Arbeiten unterstützt der Dank der Versammlung ausgesprochen. […]“ —  „[…] Die Mitgliederverzeichniße u. Satzungen des Ordens sind neu erschienen und zeichnen sich durch eine recht gefällige Ausstattung aus. Sie sollen, zugleich mit dem zweiten Teil des Winterprogramms, durch den Ordensdiener, den Mitgliedern zugestellt werden. […]“ Der Gedanke an ein richtiges Buch wurde aber noch nicht fallengelassen:

Montag, den 8. Dez. 1913
Gesamt-Vorstandssitzung bei Herrn Dr Chr. Behringer, Josefspl. 3. Beginn 5 ½ Uhr96
Einen ziemlich umfangreichen Meinungsaustausch zeitigte der Vorschlag des Vorsitzenden, den verstorbenen, hervorragenden Mitgliedern des Ordens ein literarisches Ehrendenkmal zu errichten, das in erster Linie dem Gedächtniße Schmidts und dem, weiter zurückgreifend, auch dem Geislers
[sic], Knapps & Priems geweiht sein soll. […] Bezgl. des Umfangs und der Art der Buchausgabe wäre die Form von dem früher herausgegebenen „Altes und Neues“ die wünschenswertere, da darin, neben dem Andenken der zu Ehrenden auch noch manche sonstige, interessante Arbeit der Ordensmitglieder Platz finden könne. Sollten jedoch für eine solche Ausgabe nicht genügend Mittel verfügbar sein, so müße man sich eben mit einer kurzen Würdigung der literarisch zu ehrenden [sic], womöglich unter Beigabe einiger kurzen [sic] Dichtungen derselben begnügen. — Reicke vertrat die Ansicht, daß es kaum von weiterem Interesse für irgend Wen sein dürfte, langvergessene Personen, wie z.B. Priem literarisch auszugraben, um mit ihnen Propaganda für den Orden zu machen. […] Dr. Behringer macht darauf aufmerksam, daß durch eine Hervorhebung des Vergangenen man leicht zu einer Schädigung der Gegenwart komme […] Reicke gibt die Werbekraft von Veröffentlichungen in einer der Zeit angepaßten Ausarbeitung zu und glaubt in dieser Form eine Buchausgabe des Ordens empfehlen zu sollen.
Zusendungen gingen ein vom:
Alsabund Straßburg.
Deutsche Dichter Gedächtniß Stiftung, Hamburg, Großborstel.
Goethegesellschaft.
Deutsche Shakespearegesellschaft.
Verband der Deutschen Studenten in Prag.
Schwäbischer Schillerverein.
Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg.
Germanisches Museum p.p.
denen leider keine Gegengabe in Gestalt einer neuerlichen Veröffentlichung des Peg. Bl. Ord. gegenüber steht.
[…]

Damit war die Angelegenheit vor Ausbruch des Weltkriegs abgeschlossen.

Gedenktage bedeutender Dichter boten Gelegenheit, mit Feiern an die Öffentlichkeit zu treten.

37. Wochenversammlung am 26. Novembr. 1897
[…] Der Vorsitzende kommt dann kurz auf den Scheffelabend zu sprechen, den der Männergesang-Verein in Verbindung mit dem Blumenorden veranstaltete. Er berichtet daß in der dem Concert folgenden Zusammenkunft des Männergesangvereins von ihm, die im Jahre 1858 erfolgte Ernennung Scheffels zum Ehrenmitgliede des Ordens zur Sprache kam u. daß er den diesbezüglichen Dankbrief Scheffels sowie das von ihm verfaßte Sonett auf den Tod Scheffels verlas. […]

15. September 1899 28. Wochenversammlung
[…] Es wird beschloßen unsere nächste öffentliche Versammlung am 13. November abzuhalten und zu einer Goethefeier zu gestalten. Es soll dazu der große Adlersaal genommen werden. […]

Nürnberg, den 23. Januar 1900.
[…] der Schatzmeister hat einen Vorschuß von 376.65 d leisten müssen, um die Verbindlichkeiten des Ordens erfüllen zu können. Den Anlaß dazu gab die Veranstaltung einer Göthefeier durch den Orden, welcher im Voranschlag für das Jahr 1899 nicht vorgesehen war. […]

Ordentliche Hauptversammlung Freitag den 25. Januar 1901
Zur Feier des Geburtstages der Marie v. Ebner-Eschenbach sollte eine dramatische Arbeit derselben zur Aufführung kommen, als der Tod die Hauptdarstellerin Hedwig Meyer plötzlich und unerwartet abrief; die Feier unterblieb dann in dieser Form.

Nürnberg am 2. Februar 1905.
Bericht des Ausschusses des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg über die Rechnung im Jahre 1904.
[…] Er [Lambrecht] ist dabei von dem Bestreben ausgegangen, durch möglichste Beschränkung der Ausgaben für die übrigen Aufgaben des Ordens die Mittel für Veranstaltung einer würdigen Feier des Todestages von Friedrich von Schiller dem Orden zu sichern. Er bemerkt dabei in seinem Bericht, daß ihm bei Aufstellung des Voranschlags noch nicht bekannt gewesen sei, ob der Stadtmagistrat der von ihm ergangenen Anregung gemäß beabsichtige, von Seiten der Stadt eine größere Feier zu veranstalten. Diese Frage ist inzwischen in bejahendem Sinn entschieden worden; wenigstens hat Bürgermeister von Jaeger dem Obmann des Ausschusses [Kress] mündlich mitgeteilt, daß die Bildung eines Komités für diesen Zweck Seitens des Stadtmagistrats beschlossen sei. Es wird sich also fragen, ob der  Orden veranlaßt ist, trotzdem eine besondere Feier zu veranstalten oder etwa einen größeren Beitrag zu den Kosten der allgemeinen Feier zu leisten. […]

Freitag, den 24. Februar 1905    7. Wochenversammlung
[…] Beckh berichtet über die am 23. d. Mts. vom städtischen Schillerkomitee gepflogenen Verhandlungen. Man sehe von einer großen gemeinsamen Abendfeier ab, dafür sollen in etwa 4-6 verschiedenen Lokalen, die einzelnen Vereinigungen besondere Feiern veranstalten. So werde also der Orden im Goldenen Adler tagen. Die Festrede wird, wie längst verabredet, Keller halten, und die gesamte Ordensleitung erhält auf Steller’s Vorschlag den Auftrag bis Freitag, den 10. März — also in 14 Tagen — das weitere Programm auszuarbeiten und der Versammlung vorzulegen. Offen bleibt noch die Frage, ob die Feier in Form eines Sesselkonzerts oder eines Bankettes gehalten werden soll; darüber, wie über sonstige Fragen bezüglich der Anordnung des Festabends wird Beckh noch weitere Rücksprache mit dem Schillerkomitee pflegen. […]

Freitag den 10. März 05    9. Wochenversammlung
[…] Dr. Oertel verliest das Protokoll der letzten Ausschußsitzung, die sich mit der Schillerfeier beschäftigt u. das Programm für die Feier im Adlersaal festsetzte. Steller, der als Dichter des Prologs und vielleicht auch des Epilogs in Aussicht genommen ist, schüttelt gedankenschwer das Haupt und äußert allerhand Bedenken, sowohl über den Prolog, als auch über die Dauer der Festrede, die ihn zu lang bedünkt u. über die lebenden Bilder, die für ihn ein unkünstlerisches Unternehmen bedeuten. Eine lange Debatte, die sich nun entspinnt, führt zu dem Schluß, daß alles so bleiben soll wie es verabredet wurde u. daß Steller gebeten wird, nochmals über den Prolog nachzudenken u. am nächsten Freitag seine Erklärung abzugeben. Beckh teilt noch mit, daß dem Orden für das Fest eine Schillerbüste von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. […]

Freitag, den 17. März 1905    10. Wochenversammlung
[…] Steller hatte zur Bekräftigung u. zur Erweiterung seiner letzten Meinungsäußerungen über das Unkünstlerische des lebenden Bildes, an den Vorsitzenden ein längeres Schreiben gelangen lassen, in welchem er durch Schiller selbst u. durch Auszüge aus seinen ästhetischen Briefen über das Wesen der Kunst, sowie durch Äußerungen des Philosophen Eduard von Hartmann, den Nachweis liefert daß seine letzten Behauptungen berechtigt waren u. daß er es als seine Pflicht als Ordensmitglied betrachte, die Idee der lebenden Bilder bei der Schillerfeier zu bekämpfen.
Nach seiner Meinung soll Schiller selbst an diesem Abende mehr „zu Worte kommen“; der gute Vortrag der letzten Scene aus Demetrius lasse ihm beispielsweise gerne 12 lebende Bilder entbehrlich erscheinen.
Geißler’s und Beringer’s Begeisterung für die lebenden Bilder hat sich auch mittlerweile um verschiedene Grade abgekühlt, wenn sie auch mit den schroffen Urteil Steller’s nicht einig gehen. Beringer ist der Meinung, daß ein glücklich gruppiertes lebendes Bild, das durch verständnisvolle Darsteller u. schöne Costümierung unterstützt wird, eben doch auch vielen Besuchern einen hohen Genuß bereiten würde u. nicht so ohne weiteres zu verwerfen sei.
[…]
Am Schlusse der langen Beratung
[…] einigte man sich dahin, besonders auch wegen der hohen Kosten, die lebenden Bilder sterben zu lassen. Eine dramatisch bewegte Apotheose wird den Schluß der Feier bilden. […]

Freitag den 24. März 1905    11. Wochenversammlung
 […] Nach Prof. Schwabe’s Vorschlag soll außer den huldigenden Frauengestalten auch ein alter Harfner u. ein Schäferpaar, letzteres den Orden verkörpernd mit in die Darstellung aufgenommen werden. Das Proscenium soll in der Art eines antiken Tempelbaues gehalten sein.
Die Tafelrunde ist einstimmig der Ansicht, daß das Schäferpaar besser wegbleibt, da die Schillerfeier nicht eine direkte Feier des Ordens ist u. daß der alte Harfner, wegen der leichten Verwechslung mit dem Göthe’schen Harfner, in einen jungen umgewandelt werden müsse.
[…]

Freitag den 31. März 1905    12. Wochenversammlung
[…] Für die Schillerfeier meldet sich Börner, der die Anregung bringt bei der Apotheose die neun Musen um Schiller zu gruppieren. Diesem Vorschlag stellen sich jedoch schwerwiegende Hindernisse entgegen. Sehr gut gefallen Börner’s eigene Verse, die er sich nach Art der Dithyrambe, am Schlusse der Apotheose gesungen, gedacht hat.
[…] Dr. Beckh teilt mit, daß das Quintett nun endgiltig gesichert ist; es wird zwei kurze Sätze aus einem Mozart’schen Quintett zum Vortrag bringen.

Freitag den 5. Mai 1905    16. Wochenversammlung
[…] Beckh teilt mit, daß die Vorstandschaft des Ordens zur Grundsteinlegung des Schillerdenkmals im Stadtpark u. zu dem sich anschließenden Festfrühschoppen eingeladen ist und bittet die Herren, sich recht zahlreich einzufinden. […]

Freitag den 26. Mai 1905    19. Wochenversammlung
[…] Vom Stadtmagistrat ist ein Dankschreiben eingelaufen, in welchem er sich für die gelungene Durchführung der Schillerfeier im „Adler“ bedankt. […]

Freitag, den 9. Juni 1905    21. Wochenversammlung
[…] die photographische Aufnahme der Schiller-Apotheose ist wenig gelungen, da sich — was die Sprecherin des Epilogs, Frln. Hering, betrifft — die Gruppierung als fehlerhaft erwies. Geißler erhält den Auftrag, der Büste Schillers, deren Züge zu unklar sind, durch Retouche nachzuhelfen.

Freitag, den 16. Juni 1905    22. Wochenversammlung
[…] Geißler berichtet, der Photograph Mattkes habe die Retouche der Schillerbüste in der photographischen Aufnahme der Apotheose selbst übernommen.





Den Blumenorden ging ein weiterer Gedenktag unmittelbar an:

Freitag 1. November 1907    32. Wochenversammlung
[…] Zur bevorstehenden Harsdörferfeier ist bereits eine Reihe von Zuschriften eingelaufen, so von Günter Saalfeld, Seminardirektor Reber, Detlev von Liliencron, Regierungspräsident von Welser, Bürgermeister von Schuh, u.a. […]
Am 1. November dieses Jahres waren es 300 Jahre, daß der Gründer und I. Präses unseres Blumenordens Gg. Ph. Harsdörfer geboren war u. der Blumenorden wollte es nicht versäumen die Erinnerung an diesen Tag festlich zu begehen. In den Räumen
[darüber geschrieben: „einem“] des germanischen Museums fand in der Zeit vom 1. – 20. November eine kleine, aber hochinteressante Ausstellung statt, welche Schriften, Bilder, Bücher u. Münzen die auf Harsdörfer u. die Ordensgründung Bezug haben, enthielt, welche dem Ordensarchiv, der Stadtbibliothek, dem germ. Museum u. anderen Instituten u. Besitzen [sic] entnommen waren. — Herrn Direktor Dr. v. Bezold u. seinen Beamten sei auch an dieser Stelle nochmals der ergebenste Dank für ihre Mühewaltung ausgesprochen.

Aus  einem wegen seiner Komplexität ausgesetzten Irrhainspiel wurde eine gesonderte Theateraufführung:

Freitag den 19. April 1907    14. Wochenversammlung
[…] Beckh teilt sodann mit, daß das Schneider’sche Irrhainfestspiel [„Irrungen im Irrhain“] nach weiteren Prüfungen im Ordenskreise dieselbe Beurteilung gefunden hat, wie sie schon in der Tafelrunde laut wurde. Auch hier  wird die vorzüglich gelungene Arbeit gerühmt, aber auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen die die Aufführung verursachen würde.

Freitag 15. November 1907    33. Wochensitzung
[…] Der Vorsitzende gibt sodann bekannt, daß […] man daran denken dürfte in diesem Winter das hübsche, ursprünglich für das Irrhainfest bestimmte Schauspiel Max Schneiders aufzuführen.

Freitag, den 9. Oktober 1908    30. Wochenversammlung
[…] Der Präses teilt mit, daß ihm von einem kunstsinnigen Herrn des Ordens die Summe von 100 M. für die Aufführung des Stückes von Max Schneider zur Verfügung gestellt worden sei. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die für den neuen vom Verfasser hinzugedichteten Schlußchor nötigen Sängerinnen sowie die Kostüme für diese vom hiesigen Stadttheater erhältlich seien. Es besteht große Stimmung und Lust die Aufführung des graziösen Werkchens zu ermöglichen; freilich erregt der Kostenvoranschlag (500 M.) wieder sorgenvolles Bedenken und soll die Rückkehr des Schatzmeisters abgewartet werden. […]

Freitag, den 27. November 1908    37. Wochenversammlung
[…] Der Vorsitzende macht sodann die erfreuliche Mitteilung, daß die Aufführung des Schneider-Kroder’schen Schäferspieles am 16. Dezemb. im Adlersaal gesichert ist, da sich noch eine edle Stifterin gefunden hat, deren Name aber nicht genannt werden soll. […]

Freitag, den 8. Januar 1909    1. Wochenversammlung
[…] der Vorsitzende eröffnet die erste Wochenversammlung  […] u. bezeichnet die erste „Tat“ des Ordens in diesem Jahre, das am letzten Montag aufgeführte Schneider-Kroder’sche Schäferspiel als eine in allen Teilen wohlgelungene Veranstaltung, über die nur eine Stimme des Lobes herrscht. […] Der Vorsitzende bringt sodann verschiedene Zuschriften, die zum Schäferspielabend eingelaufen waren zur Verlesung, so von Dr. Kroder, Oberbürgermeister v. Schuh, Bürgermeister v. Jäger, Dr. Bartsch u. Andern. […] Die beifällige Aufnahme die das Schäferspiel am letzten Montag gefunden hat veranlaßt Beringer zu der Anregung jedes Jahr im Winter vor einem größeren Publikum eine ähnliche Aufführung zu inscenieren, sei das nun ein Sing- oder Märchenspiel, ein Lust- oder Schauspiel. Die im „Adler“ stattfindenden Vortragsabende wären vielleicht mit wenigen Ausnahmen in die „Blume“ zu verlegen. Beringer erhofft durch diese Programmänderung eine Hebung des Mitgliederstandes, sowie ein gesteigertes Interesse des Einzelnen. […]

Einen weiteren Anlaß bot Johann Konrad Grübel, doch dabei trat man etwas kürzer:

Freitag den 19. März 1909    Öffentliche Versammlung im „Adler“
[…] Der nun folgende Teil des Abends war dem Andenken Grübel’s gewidmet, dessen Todestag sich vor wenigen Tagen, am 8. März dieses Jahres, zum hundertsten Male gejährt hatte. Auch die Beziehungen Grübels zum Blumenorden, dem er freilich nur 4 Monate angehört hatte, wurden kurz gestreift. Diesen Worten des Ordensvorsitzenden schlossen sich die Vorträge Grübel’scher Gedichte durch Fräulein Maria Lorsch u. Herrn Karl Preis an. Fräulein Lorsch brachte die Gedichte „Doktor u. Bauer“ und „Der Käfer“ zum Vortrag. Herr Preis erfreute durch den meisterhaften Vortrag dreier Gedichte „Der Peter in der Fremde“ — „Der Bauer und sei Bou“ und „Der Gasbuck u. die Toutenbah“ von denen besonders das letztere schallende Heiterkeit „im ganzen Hause“ auslöste. […]

Und noch einmal Schiller! Allmählich wird es dem Orden zu kostspielig:

Freitag den 8. Oktober 1909    26. Wochenversammlung
[…] Lambrecht befürwortet mit einem Hinweis auf die, an einem chronischen Markleiden darniederliegende Ordenskasse ein gemeinschaftliches Abendessen nach der Feier [zu Schillers 150jährigem Geburtstag], da dadurch die Saalmiete eingespart werden könnte. Teils dieserhalb, teils außerdem wird dieses Essen auch beschlossen. […]

Freitag den 19. November 1909    32. Wochenversammlung
[…] Herr Commerzienrat Grasser hat dem Ordensvorsitzenden eine silberne Schiller-Gedenkmünze überschickt, die dieser gegen die von Lambrecht gestiftete broncene Münze zu Gunsten des Ordens austauscht. […] Von Steller sind zwei Schreiben an den Orden eingelaufen. In dem einen Schreiben drückt er sein Bedauern darüber aus, daß der Orden bei der Enthüllung des Schiller-Denkmals nicht offiziell vertreten war u. keinen Kranz am Denkmal niederlegte. Zu gleicher Zeit stellt er den Antrag den Stifter des Schillerdenkmals Herrn Commerzienrat Grasser zum Ehrenmitglied des Blumenordens zu ernennen.