Das Jubiläum von 1844

Einem eigenen Kapitel wird vorbehalten sein, die poetischen Errungenschaften der Pegnesen jener Jahre zu betrachten. Sie hätten ja bei einer Jubiläumsveranstaltung eine große Rolle spielen müssen. Seltsamerweise hielten die Ordensmitglieder selbst recht wenig davon. Wilhelm Schmidt zitiert und kommentiert eine diesbezügliche Aussage Mönnichs: „,Das Epigonen-Zeitalter der deutschen Literatur, welches, wie es scheint, noch lange nicht abgelaufen ist, war angebrochen und der Blumenorden tat, was er nicht lassen konnte,  — er folgte der allgemeinen Bewegung.' So urteilt in der Festgabe Mönnich über diese, seine eigene Zeit. Er konnte nicht ahnen, daß ein neues Zeitalter der deutschen Dichtung bevorstand und die großen Realisten schon an die Tore pochten. Proben der im Blumenorden vorgetragenen Eigenschöpfungen finden wir in einer druckreifen Handschrift von 1834, die 10 Mitglieder auf eigene Rechnung herausgeben wollten. Warum sich der Plan doch noch zerschlug, ist nicht zu ersehen. Ferner enthält die Festgabe [von] 1844 Gedichtproben von 26 Mitgliedern.”
 
Eben dies wollte Johann Tobias Felix Harless am liebsten verhindern. Er bringt auch soziale Gesichtspunkte ins Spiel, die aufhorchen lassen, zumal bei einem Marktadjunkten und Kaufmann, einem Angehörigen der besitzenden Klassen:
„[…] Wenn in Erwägung gezogen werden will, auf welche Höhe die Poesie seit der letzten Feier gestiegen, welche Forderungen man an jeden Einzelnen macht, wenn er als Dichter auftreten will, wie selbst hochgefeierte Namen, in ihren einzelnen Productionen dem Tadel nicht entgehen, und was man daher von einer Gesellschaft, deren Hauptzweck, Poesie, und mit ihr Veredlung der Sprache und des Geschmacks war, zu fordern berechtigt seyn möchte, und die Leistungen eines halben Jahrhunderts erwartet, so mus ich, bey aller Achtung für unsere gelungenen Gedichte der Ietztzeit, bei meiner Unbekandtschaft jener von den 90er bis in die 30er Jahre, befürchten, man werde eine Herausgabe derselbigen sehr unbefriedigend finden.
Noch weit weniger will mir eben deshalb eine so eclatante Feier des Bestehens dieses Ordens, über dessen Existenz man sich die bekandte Persiflage erlaubt [gemeint ist wohl das Schillersche Distichon], paßend, und die beabsichtigten grosen Kosten Zeit und Sachgemäs erscheinen.
Nicht Zeit gemäs, wo so viel Geld, bei so großem hier herrschendem Elend, würdiger verwendet werden könnte — wo man ohnehin den grellen Unterschied mancher fete bei dem Darben von Tausenden mit Indignation heraushebt; nicht Sach gemäs, weil wir, meines Wißens, in Wahrheit nicht sehr grose Ursache haben, die allgemeine Aufmerksamkeit auf unsere Leistungen zu lenken, und der argen Welt nur Stoff zu noch schärferer Beurtheilung geben könnten. […]”

Es herrschte wieder Mißernte und Hunger im Land, die Auswanderung nach Amerika erreichte einen neuen Höhepunkt. Doch Harless hat sich mit seinem Sondervotum nicht durchgesetzt; nicht, weil die Pegnesen so herzlose Leute waren, sondern eher, weil sie ein ausgeprägtes Gespür dafür hatten, was man Decorum nennt, und was man, bei aller Anständigkeit, die dazugehört, auch als Verpflichtung zu ehrenvollem Auftreten auffassen sollte. Man konnte sich die einmal in fünfzig Jahren fällige Repräsentation nicht in eine Wohltätigkeitsveranstaltung unfunktionieren lassen. Dafür war man ja auch noch in anderen Gesellschaften und Vereinen, denen das oblag.
 
Jedenfalls wurden eine Woche nach diesem Brief, der an alle Mitglieder gerichtet war, auf der nächsten Versammlung „theils durch Stimmen-Einheit theils durch die Majorität” folgende vorläufigen Beschlüsse gefaßt:

„[…] 1.) Das zweyhundertjährige Jubelfest des pegn. Blumenordens soll mit angemessenen Feyerlichkeiten begangen werden.
2.) Die Feyer wird begangen in den Tagen vom 22. bis 26. Juli 1844. und es wird seiner Zeit das Nähere bestimmt werden.
3.) Die wißenschaftliche Feyer des Festes beginnt um 9. Uhr Vormittags, worauf ein Mittagsmahl folgt. Jene findet statt mit beschränkter Öffentlichkeit, d.h.  gegen Eintrittskarten, deren jedes Mitglied eine gewisse Anzahl zur Austheilung erhält.
Der Präses eröffnet die Feyer mit einer Rede; als dann folgen die prosaischen und poetischen Vorträge der übrigen Mitglieder. Zu der nächsten Sitzung an Lichtmeß erklären sich die verehrlichen Mitglieder, welche Vorträge zu halten gedenken, in der darauf folgenden zu Walburgis übergeben sie sie dem Vorstand, der sie zu sichten und auszuwählen hat. Ein vorzüglicher Wunsch bleibt es, daß die zu liefernden Arbeiten möglichst verschiedenartig seyn möchten.
Es wird eine Geschichte des Ordens von seiner Entstehung an bis auf die neueste Zeit verabfaßt, gedruckt und in den Buchhandel gegeben. Es wird dringend gewünscht, daß sich zur Verabfassung einer solchen Geschichte ein Mitglied des Ordens freywillig und zwar innerhalb 14. Tagen beym Präses anbieten und melden möchte. Materialien hierzu liefert die Ordens-Bibliothek und das Ordens-Archiv, und jedes Mitglied wird ersucht, aus dem Schatze seines Wissens das Seinige dazu beyzutragen; geschehe es nur mündlich oder schriftlich. Gedichte sollen in die Geschichte nicht aufgenommen werden, dagegen aber wird ein Album als Manuscript für die Mitglieder gedruckt, das aus Gedichten und Aufsätzen von Mitgliedern besteht, die zur Aufnahme ihrer poetischen und prosaischen Arbeiten die Erlaubniß zu geben haben.
Es wird eine Medaille geprägt und H. Kassirer Nagler erbot sich auf Ansuchen,  deßhalb sich mit hiesigen Künstlern zu berathen und alles Erforderliche der Gesellschaft zu gehöriger Zeit vorzulegen, worauf dann von dieser das Weitere beschlossen werden wird.
Zu dem Feste sollen eingeladen werden
a.) die beyden hiesigen Herren Bürgermeister,
b.) der Kgl. Forstmeister des Seb. Forstamtes,
c.) die Deputation der Zwanglosen in München.
Das Ordensbuch soll vervollständigt werden:
a.) durch das noch fehlende Portrait des Ordenspräses, Prediger Hartlieb;
b.) durch Nachtrag der von Zeit zu Zeit abgeänderten Gesetze;
c.) durch ein Verzeichniß der Mitglieder vom Anfang des Ordens bis zum Jahre 1843.
Was das Mittagsmahl noch weiter anlangt, so dürfen dabey die Pokale nicht fehlen. Jedes Mitglied bezahlt sein Couvert nebst Tischwein und beliebigen Champagner oder dergleichen Getränke. Die Ordens-Kasse sorgt für Musik, Bewirthung der eigens-geladenen Gäste und Wein für die Pokale. Ein Rundgesang, oder mehrere, können nicht ausbleiben, und es werden sich Ordensmitglieder zur Fertigung derselben verbinden.
Die Nachfeyer im Irrhain soll am folgenden Nachmittage statt finden, bey welcher dann auch Damen und Familien-Mitglieder, sowie Verwandte und Freunde zugegen seyn können. Besondere Feyerlichkeiten finden im Irrhain nicht statt. Ausschmückung desselben mit Blumen, Inschriften, wird einer Illumination vorgezogen. Dieß alles aber wird jedoch von der Witterung abhängen.
Es werden bey dieser Jubelfeyer auch Ehrenmitglieder ernannt.
4.) Zur wißenschaftlichen Feyer wurde der obere Rathhaussaal als vorzüglich geeignet ausgewählt. Der Magistrat soll deßhalb angegangen werden, denselbigen dem Orden für diese Feyer zur Disposition zu stellen. Das Festmahl wird im Saale des Gesellschaftslokales stattfinden. Die Nachfeyer im Irrhain natürlich daselbst.
5.) Kosten sollen bey einer so selten wiederkehrenden Säcularfeyer nicht gespart werden. Dieselbigen werden gröstentheils aus dem Baarvermögen, das aus f. 1100 besteht, bestritten. Jedoch sollen für das Jahr 1844 statt des jährlichen Beytrags von f. 1.12. ˆ personne f. 2.42 von jeglichem ordentlichen Mitgliede erhoben und dadurch der GesellschaftsKasse einige Erleichterung verschafft werden.
Ein Ueberschlag aller Kosten dürfte erst dann gemacht werden, wenn alle Anordnungen zum Feste getroffen sind.
6.) Endlich wurde durch Stimmenmehrheit beschlossen, daß ein Festprogramm zu verabfassen, zu drucken, unter die ordentlichen Mitglieder und anwesenden Gäste zu vertheilen und an die außerordentlichen und auswärtigen Mitglieder unter Couvert zu senden sey. Zu öffentlichen Blättern und Zeitungen aber sollen keine Ankündigungen eingereicht werden. […]”
 
Unter den Einsendungen, die bis Walburgis erbeten waren, sticht ein Aufsatz hervor, den Gymnasialprofessor Johann Jordan aus Ansbach am 27. 3.  1844 als Anlage eines Briefes einsandte. Er bildet einen Gegensatz zu Harless' Bescheidenheit, insofern er das Jubiläum eines privaten Vereins zum Anlaß hurrapatriotischer Auslassungen nimmt, die bereits wilhelminisch anmuten:
„Nichts hat von jeher Deutschlands politische, gewerbliche und geistige Größe mehr gehoben und gefördert als die verschiedenen, bald kleineren bald größeren Vereine, […]
So verdankte Deutschland in den ältesten Zeiten seinen großen Völkerbündnissen […] die Befreiung vom harten Römerjoche, das, so schwer es auch schon auf deutschen Nacken lastete, doch plötzlich im Teutoburger Wald zertrümmert wurde. […]
So befreite noch vor unsern Augen der hochbegeisterte Bund für Wahrheit, Recht und Ehre zwischen deutschen Fürsten und Völkern abermals das geknechtete Vaterland auf Leipzigs blutgetränkten Ebenen von dem eisernen und schmachvollen Drucke des korsischen Zwingherrn. Und so wird dieses feste Zusammenhalten deutscher Kraft und Stärke, das Erbe unserer Enkel, der Zeitgenossen später Jahrhunderte, auch sie frei unds icher vor jeder fremden Bedrückung […] in des geliebten Vaterlandes fruchtbaren, herrlichen Gauen leben und wohnen lassen. Und wie großen Dank der vaterländische Handel und Gewerbfleiß der einst mächtigen Hansa […] verdankte, ehe noch Albion an allen Meeresküsten mit seinem mächtigen Dreizack gebot, wem unter uns könnte dieß unbekannt geblieben seyn? Waren doch in jener Zeit die Namen Hamburg, Bremen, Lübeck, Frankfurt, Nürnberg, Augsburg und vieler anderer deutscher Städte den berühmtesten des Auslandes gleichgeachtet! Und welcher deutsche Vaterlandsfreund unserer Tage sieht nicht mit edlem Stolze und hohem Selbstgefühle auf einen andern noch mächtigern Bund, auf den großen deutschen Zollverein, hin, der bald alle Länder Germaniens umschließen und vom Fremdlande mit Neid und Scheelsucht angestaunt und gefürchtet werden wird. […]
Eine solche von unseren vaterländisch gesinnten Männern zur Beförderung eines einzigen edlen Zweckes gegründete Gesellschaft war auch die, deren Mitglieder wir zu seyn die Ehre haben, deren 200jähriges Bestehen wir heute feiern […] Bis zu welchem Grade der Entwicklung und Vollkommenheit müßte sich unsere wundervoll-bildsame Muttersprache im Laufe der letzten 2 Jahrhunderte erhoben haben, wenn in dieser langen Zeit von allen Seiten im Geiste des edlen Harsdörfers kräftig und planmäßig gewirkt worden wäre? […]
Mit frohen Hoffnungen laßt uns daher […] allem Ausländischen im Denken, Reden und Handeln entsagen […]”
Jordan hakte in einem Brief an den Präses vom 17. Juli 1844 nochmals nach und wurde eingeladen, den Aufsatz am 23.7. 1844 mündlich vorzutragen.
 
Es ist erstaunlich, wie wenige Tage vor dem Beginn der Feierlichkeiten noch reger Briefwechsel wegen letzter Vorbereitungen hin- und herging. Heiden hatte als Ordenssekretär wegen seiner 79 Jahre zwar schon abgedankt, war aber gebeten worden, seinen Nachfolger Georg Christian Heinrich Seiler noch eine zeitlang zu unterstützen. Er hatte in diesen Tagen viel zu tun. Zuerst kam ein Brief von Koch, der dessen Absage wegen Kränklichkeit enthielt. Dann schrieb noch Winterling, der sich wieder einmal ins rechte Licht setzen wollte. Er siezte den Empfänger, weil er wohl nicht wußte, ob sein Brief mit der Anrede „Hochverehrter Herr Ordenssekretär” noch an Heiden gehen würde, mit dem er auf Du stand, sondern schon an Seiler. Er dankt für die offenbar allen Mitgliedern geschickte Gedenkmedaille und das Album und die Eintrittskarten zur „literarischen Festfeier vom 23. dieses„ und fährt fort: „Ich habe eben im verflossenen Monat den ersten Band meiner poetischen Werke, drei Schauspiele enthaltend, vom Stapel laufen lassen; diese bin ich beigeschlossen so glücklich, dem Orden bei seiner memorablen Epoche als ein Zeichen meiner Anhänglichkeit und Verehrung zu übermachen, bitte daher, daß diese Gabe nach dem im Programmunter 4 f. getroffenen Bestimmungen am Tage der literarischen Feier mit aufgelegt und in der Beschreibung des Festes, die Sie vielleicht selbst liefern, einer Erwähnung gewürdigt werde. […]”
Ein Briefkonzept Heidens an Winterling mit der Antwort ist erhalten. Es ist auf verhältnismäßig grobes Papier notiert, und auf der Rückseite steht das Konzept eines Schreibens an  das außerordentliche Mitglied Pfarrer Dr. Plochmann zu Großhabersdorf. An Winterling schreibt er:
„Verehrtester Freund!
Die bisherige trübe und veränderliche Witterung scheint nun doch endlich beständig werden zu wollen. Es ist daher von unserem Herrn Ordenspräses beschlossen worden, künftigen Montag den 26sten Juli die jährliche Versammlung in dem Irrhain zu veranstalten. […] Könntest Du uns vielleicht auch durch die Mitbringung einer poetischen Gabe erfreuen, so würdest Du dadurch Deine Verdienste um unseren Verein abermals vermehren. […]”. Er hat also Winterlings poetische Hervorbringungen durchaus nicht als aufgedrängte Wohltaten, sondern als dringend nötige Aufwertung betrachtet. Die Nachricht an Plochmann lautet:
„[…] Die Mitglieder, welche sich bei dieser jährlichen Zusammenkunft entweder allein oder mit ihren Familien einfinden, versammeln sich Nachmittags nach 2 Uhr und können, nach eigenem Belieben, Kaffee, kalte Speisen, Wein oder Bier selbst mitbringen, oder sich solche von dem Wirth Sattmann in Kraftshof hinüber bringen lassen. […]”
 
Nun konnten die Feierlichkeiten beginnen. Schuber 65 des Pegnesenarchivs, Bündel e, enthält die „Rede, bei der Eröffnung der Feier des 200jährigen Bestehens  des Pegnesischen Blumen-Ordens, gehalten von dem Ordens-Praeses Carl Freyherrn von Kreß, am 23ten Julii 1844. im obern Rathhaus-Saale in Nürnberg.” Welche Unterschiede zeigt sie im Vergleich mit Panzers Rede 1794? Hier können freilich nur Auszüge betrachtet werden.
 
„Hochverehrte Versammlung,
Eine seltene — vielmehr eine auf diese Weise noch niemals statt gefundene Feier, versammelt uns heute […] und dankbare Rückblicke auf seine ehrwürdigen Gründer […] Ein Nürnberger Künstler Dallinger, überlieferte es [das Porträt Harsdörfers] der Gegenwart und der Zukunft, durch die Medaille welche der Orden, nach Heideloffs Erfindung, zur Feier dieses Jubelfestes in München prägen ließ. […] In das Innere, in das Wesen des Ordens, soll ich Sie blicken lassen. […] I. Was ist der Blumenorden und sein Zweck? Er ist ein Verein wissenschaftlich gebildeter Männer — in der mittlern Zeit auch Frauen [Was heißt „mittlere Zeit”? Frauen waren gerade in der ersten Zeit im Orden stärker vertreten. Kann hier „mittleres Alter” im Sinne von „Mittelalter” gemeint sein? Über dessen Epochengrenzen bestand wohl noch keine Einigkeit bei historischen Betrachtungen. Es fällt jedenfalls auf, daß Kress die Frauen zu diesem Anlaß überhaupt erwähnt.] — aus allen Ständen, zur Förderung seines Zweckes. Der Zweck aber war ursprünglich die Verbesserung der deutschen Sprache und der Dichtkunst. So war es ausgesprochen. Aber tief im Hintergrunde verborgen, lag ein weit höherer, ein unvergänglicher, das Streben nach höherer Fortbildung und Ausbildung der Mitglieder, durch und für Poesie, Sprache und Litteratur, den die spätere Zeit erkannte, erfaßte, und darum, ohne den ausgesprochenen Urzweck aufzugeben, Alles in das Bereich ihres Wirkens zog, was zur Erweckung des Gefühls für das Schöne, Anständige und Erhabene, nur irgend beyzutragen vermag, Alles was auf die schönen Wissenschaften, auf Geschichte, Literatur und Kunst Bezug hat. […] IIten Frage: Wie wurde der Zweck des Ordens im Laufe der verflossenen 200 Jahre gefördert? […] Er hat es verstanden, den Geist, der lebendig macht, zu fesseln. [… Kress möchte nicht wiederholen, was in den bisherigen Festschriften und Jubiläumsreden steht, sowie in der „Festgabe„ von Mönnich zu diesem Anlaß.] IIIte Frage: Ist er nun endlich auch erreicht worden? […] Das nicht Stehenbleiben auf dem Standpunkte von welchem ausgegangen wird, das immer Vorwärtsschreiten nach dem vorgesteckten Ziele, das ist es, was der unerreichbaren Vollkommenheit immer näher führt, und dessen darf der Blumenorden in den meisten Perioden seines Bestehens, namentlich in den ersten Abschnitten seines Emporkommens, und nun wieder in den letzten Jahrzehnten seines Wirkens, ohne unbescheiden zu seyn, mit vollem Rechte sich rühmen. […] Keine Verbindung als solche, ist im Stande etwas zu leisten. Es ist immer der Einzelne nur ihr Organ. […Das entspricht unserer Diagnose, daß der Blumenorden nach außen nur das ist, was seine einzelnen Mitglieder leisten.…] und nun —, die Folgen des Friedens, — sie erhöhten das Aufblühen Nürnbergs, sie förderten des Blumenordens Flor. Wer wollte hier das mächtige Walten des Geistes verkennen, der Nürnberg der Impuls war, das Große und Erhabene zu fördern, wo nur immer Gelegenheit sich darbot […] Gleich wie das hart bedrängte und unterjochte Deutschland, noch heute in Kraft besteht, gleich wie Nürnberg lebenskräftiger als je, täglich weiter fortschreitet, so fühlt auch der Blumenorden seine geistige Kraft, die des heutigen Festes Feier, zur jugendlichen steigert. […]” In heutigen Worten: Man spürt endlich den wirtschaftlichen Aufschwung und stellt eine Verbindung mit einem geistigen Aufschwung und einer Verjüngung des Blumenordens her. Dabei sieht Kress noch fast auf hegelianische Weise dahinter einen wirkenden Geist, der sich in einen Impuls an günstigen Orten und zu günstigen Zeiten umsetzt. Die Tonart ist wesentlich optimistischer als 50 Jahre vorher, wenn auch das Eigenlob sehr unbestimmt daherkommen muß, und der wesentliche Unterschied ist die Einbettung in den größeren Hintergrund einer nationalstaatlichen Einigung, die man sich als unausbleibliche Folge der wirtschaftlichen Dynamik mehr erwartet als bloß erhofft. Auf dieser Ebene hätte man sich mit den damals gerade aufgekommenen wissenschaftlichen Sozialisten überraschend gut verständigen können.
 
Als man auf der nächsten Ordensversammlung am 12. August 1844 Bilanz zog, ergaben sich nicht nur befriedigende Rückblicke, sondern auch gewisse neue Aspekte für das Weiterführen des geglückten Anstoßes:
„[…] Nach erfolgter Abstimmung über die Aufnahme dieser vorgeschlagenen Herren zeigte der Herr Ordenspräses an, daß dem Orden bey Gelegenheit seiner zweyhundertjährigen Stiftungsfeyer folgende Geschenke gemacht worden seyen:
[…] 4.) Vom hiesigen, sehr verehrlichen lit. Verein ein Festgruß bey Gelegenheit der 200jährigen Feyer der Ordensstiftung.
5.) Von der Redaction der Nürnberger Blätter die Nummern 87-90. in welchen das Jubelfest des Ordens geschildert wurde durch das Mitglied H. Prof. Dr. Winterling. [D.h. Winterling hatte die Aufgabe, die er für Sache des Sekretärs gehalten hatte, dankenswerterweise selbst übernommen, und zwar gleich für die Presse.]
[…] 8.) Von dem ord. Mitgliede H. Kupferstecher u. Kunstmaler Wilder die von ihm verfertigten Bilder ,der Irrhain in Kraftshof und dann die daselbst befindlichen Gemälde' vorstellend, wofür dem in der Versammlung anwesenden Geber gedankt wurde.
 

 
[Die oberste Tafel zeigt die Wappen der sieben Waldherren, die wohl bei einer Renovation des inneren Portals im Jahre 1763 dort angebracht worden waren. Außerdem waren noch an übriggebliebenen Hütten einzelne Tafeln der früheren Besitzer erhalten. Eine Besonderheit stellt dar, daß sich in der Hütte der beiden Chirons ein Gemälde mit der Abbildung eines Schäfers vor einer Landschaft erhalten hatte. Dieses war von Wilder nur mithilfe von Transparentpaier abgepaust und nicht der Festversammlung vorgelegt worden, aber seine konservatorische Mühsal hat sich bis heute gelohnt; man wüßte sonst nicht, wie prächtig doch einzelne Hütten innen ausgestaltet gewesen sein müssen. Die Pause besteht aus zwei zusammengeklebten Quartblättern mit Anstückungen, womit das Originalformat des Gemäldes erreicht wurde:]
 

 
9.) Von dem Vorstand des hiesigen lit. Verein, H. J. Merz eine gezeichnete und illuminirte Darstellung eines Schäfer-Paares in dem Kostüme, in welchem 8. Paare derselben am Jubelfeste im Irrhain durch ihr Schäferspiel die Gesellschaft ganz besonders erheiterten u.be[lustigten?]. Dem Herrn Vorstand wurde der besondere Dank des Ordens an die junge Künstlerin, Fräulein Elisabeth Bihlne […], aufgetragen und die kunstvolle Zeichnung dem Ordens-Archiv zur Aufbewahrung übergeben.
10.) Von H. Buchhändler Merz wurden 6. Exp. der Festgabe dem Orden zum Geschenk gemacht, wofür derselbe den Dank desselben hinnahm.
[…] Weiter erfolgten die Nachträge und zwar
1.) Vom ersten H. Consulenten: Gegengruß an den lit. Verein, auf dessen Festgruß, welcher erstere auch nebst einer silbernen Medaille durch den H. Präses dem H. Vorstand des lit. Vereins zwar schon eigens in dessen Hause überreicht worden war. Der H. Vorstand (J.Merz) dankte in der Versammlung des Vereins für diese Auszeichnung. […]
Ueber dem Essen stellte Herr Sensal Meißner in der Form eines Trinkspruches den Antrag, daß doch einmal im Jahr auch die Damen zur Ordensversammlung zugelassen werden möchten, da dieselben einen so ehrenvollen und menschlichen Antheil an den Vorträgen bey dem Jubelfeste im Rathhaus-Saale genommen haben.
Der H. Ordenspräses protestierte darauf scherzweise gegen die Worte des Antragstellers, mit denen er seinen Antrag (Trinkspruch) ganz naiv eingeleitet hatte, als sey es nicht die Mühe werth, auf das zu hören und zu achten, was er vorbringen wolle, und sicherte H. Meißner zu, daß der hochwichtige Antrag in der nächsten General-Versammlung, zur ernsten Beratung vorbereitet, vorgelegt werden soll.”

Es ist zu erkennen, daß der Pegnesische Blumenorden sich allmählich auf die Gepflogenheiten des Literarischen Vereins zubewegte, die ihm von seiner Satzungsgeschichte her keineswegs fremd erscheinen mußten; ob dies aber der Zeitgeist in Gestalt der politisch und wirtschaftlich vermittelten gesellschaftlichen Kräfte bewirkt habe oder ob es auf der Einsicht einzelner Mitglieder in die Vernünftigkeit solchen Vorgehens an sich beruhe, lassen wir dahingestellt.