Vorbereitungen zum Jubiläum des 250jährigen Bestehens

Im Jahre 1891 erschien der Generalversammlung eine eingehende Planung noch zu früh. „[…] Über diesen Gegenstand ergreift zunächst der 2e Vorsteher k. Postmeister A. Schmidt das Wort, indem er in längerer Auseinandersetzung der Würdigkeit der Feier entsprechend, empfiehlt, schon jetzt die dabei so wichtige Geldfrage ins Auge zu fassen. Er beantragt demgemäß, so bald als möglich, dies Jahr noch mit einer freiwilligen Besteuerung der Mitglieder mit einem 1/4jährlichen Beitrag von 1 M zu beginnen. — Knapp schließt sich dem an und beantragt ferner noch, heute schon einen besonderen Festausschuß zu ernennen.
Beide Anträge werden von vielen Seiten: v. Kreß, Dr. Beckh, Ballhorn, Dr. Volbehr, Geißler bekämpft und dabei namentlich betont daß eine jetzige Inangriffnahme von Vorbereitungen in solchem Sinne verfrüht sei (Kreß), u. daß doch, bei den sich heute schon zeigenden verschiedenartigsten Ansichten, es richtiger u. zweckdienlicher sei, daß zunächst die Gesamt-Ordensleitung in sich die Festesfrage in allen Einzelheiten berathe (Dr. Beckh, Ballhorn). […]“

Im Ausschuß wurden ein Jahr später allerdings genauere Ziele ins Auge gefaßt, darunter eine Festschrift „zu 1) […] enthaltend die Geschichte des O. bis auf die neueste Zeit und handelt es sich nun darum wer sich dieser Arbeit der eine Sichtung des Archivs vorangehen müsse, unterziehen wolle. Mummenhoff erklärt sich bereit, letztere Arbeit trotz seiner beschränkten Zeit vornehmen zu wollen […] Dr. Beckh erwähnt, daß auch Prof. Dr. Bischoff seine Mitwirkung zugesagt […]“ Gleichwohl mahlen die Mühlen langsam. Wieder ein Jahr später:

Die Generalversammlung beschließt, „1) daß der Sommer als Zeit des Festes, von dem zuerst ein Teil in der Stadt, der andere im Irrhain stattzufinden hat, in Aussicht genommen wird
2) Daß die anwesenden 14 Vereinsmitglieder den Festausschuß bilden sollen mit dem Recht der Zuwahl
3) daß der Ausschuß
    a, die literarische und künstlerische Seite
    b, die finanzielle Seite ins Auge fassen müsse
4) daß das Leben Harsdörfers von Prof. Bischoff und die Geschichte der letzten 50 Jahre in Druck zu geben sei
5. soll das Portal des Irrhains erneuert und eine Gedenktafel am Geburtshause Harsdörfers angebracht werden.
6. sollen die Ehrenmitglieder u. correspondierenden Mitglieder zu literarischen Beiträgen aufgefordert werden. […]“

Das Protokollbuch meldet von der 10. Wochensitzung des Jahres 1893:

„[…] Dr. Beckh ist der Ansicht, daß die Feier wohl in zwei Teile zerlegt werden müsse, und zwar […]
b. die eigentliche Feier gegen Ende October, an die sich eine Ausstellung von Gegenständen, die mit dem Orden und seiner Geschichte in Zusammenhang stehen, Schriften, Documenten, Bildern u.s.w., anschließen solle, mit Proclamation von Ehren- und correspondierenden Mitgliedern, Festmahl und allenfalls Theater-Vorstellung, und eröffnet die Besprechung hierüber.
[Dieses und die folgenden beiden Blätter sind zum Teil oder ganz nach Heraustrennen der ursprünglichen eingeklebt.]
Frhr von Kreß findet die Teilung bedenklich, während Schmidt und Bischoff dafür sprechen, letzterer mit dem Hinweise darauf, daß der Orden am 16 October 1644 gegründet wurde; […und dann werden Unter-Ausschüsse gebildet, von denen der „Preßausschuß“ neuartig ist, also Öffentlichkeitsarbeit betreiben soll.]
Dr. Beckh frägt Prof. Bischoff, wie es mit der Benutzung des Harsdörfer’schen Archivs aussehe, worauf Bischoff erwidert, daß ihm bis jetzt die Genehmigung dazu noch nicht gegeben worden sei; Frhr. von Kreß erbietet sich, mit dem Herrn Senior der Familie darüber zu verhandeln. […]“
Die 25. Wochenversammlung veranschlagt die Gesamtkosten des Jubiläums, wenn der einfachere Portalentwurf verwirklicht werde, auf 4500 Mark. „Schmidt erklärt sich wiederholt gegen weitere Verschleppung, ebenso Knapp.“ Also schreitet man zu genaueren Vorüberlegungen der Taten: „[…] Dr. Beckh gibt nochmals den Voranschlag der Kosten […] bekannt, denen m 2200,- verfügbarer Kapitalien gegenüberstehen sowie ca. 1400,- aus Cassabestand u. Einnahmen bis Ende Juli 1894 und bemerkt, daß wir wohl noch auf freiwillige Spenden werden rechnen dürfen. Dann berichtet Dr. Beckh über seinen Besuch bei Herrn Baron von Harsdorf, der ihn sehr freundlich aufgenommen habe, aber positive Resultate vorerst nicht gewährte, über das Geburtshaus H. kann er nichts Genaueres angeben. […] Bezüglich der Ausstellung, für welche noch m 100,- in den Voranschlag eingesetzt werden, bemerkt Knapp, daß wir wohl vom Gewerbe-Museum, sowohl ein Lokal, als Vitrinen erhalten. Unter die Namen, welche durch Schilder verewigt werden soll auch Loesch, langjähriger und hochverdienter Praeses, kommen. […] Dr. Beckh theilt mit, daß im Fürer’schen Archiv (Haimendorf) sich auf Harsdörfer bezügliches vorfinden werde. […] Beckh wendet sich wegen der Ausstellung an Mummenhoff der im Verein mit Dr. Fuhse sich an auswärtige Bibliotheken um Überlassung passender Sachen wenden wird, während Beckh bei hiesigen Familien Umfragen halten wird. […]“
Die der 37. Wochenversammlung von Kress vorgelegte Aufstellung veranschlagt die Kosten bereits auf 5000 Mark, wobei noch 1600 ungedeckt seien. „Knapp regt an, daß die 250t Chronik in Druck gegeben werde, was als selbstverständlich gilt. Schmidt fragt wie viel Exempl des Amaranthes noch da seien […] über die Zahl der verkauften Exemplare von ,Altes u. Neues’ will Erfurt sich erkundigen u. berichten. Knapp schlägt vor, daß für das Jubiläum die Mitglieder ein Ordensabzeichen (Nadel wie d. nat.[urhistorische] Verein) mit der Passionsblume haben sollten; Dr. Beckh will die Frage dem Festausschuß vorgelegt wissen. […]“ Man entwirft in ziemlich sorgloser Weise immer neue Extras. Zur Gegenfinanzierung verläßt man sich auf einen Spendenaufruf an die Mitglieder. Auch sollen die Familien der durch Tafeln oder Denkmäler im Irrhain geehrten Mitglieder deren Restaurierung finanzieren.

So bricht das Jubiläumsjahr an, und zur Generalversammlung am 26. Januar ist sichtlich noch kaum etwas geschehen. „[…] Vorher wird noch besprochen, ob neben der Festschrift dann noch eine lit. Veröffentlichung (J.B. des Alten u. Neuen aus dem P.O.) erscheinen solle; an der Besprechung betheiligen sich v. Kreß, Schrag, Bischoff mit dem Ergebniß, daß man auf die Veröffentlichung des Bandes A u N verzichte u. auf das Jahr 1895 verspare.
Schrag regt an, ob man der Arbeit v. H. Professor Bischoff nicht noch eine andere anfügen könne, da Schmidt eine solche über Birken unter der Feder hat und diese, wie Bischoff bemerkt, seine Arbeit ergänzt, so sollen beide Arbeiten in der Festschrift vereinigt werden.
[…] Als Schatzmeister wird einstimmig Fabrikbesitzer Herrmann Lambrecht gewählt, der ebenfalls die Wahl annimmt. [Man wechselt mitten im Rennen die Pferde! Das hat später zu Informationsdefiziten geführt.]
[…] Ueber das Geburtshaus Harsdörfer [sic] konnte, wie Mummenhoff berichtet, nichts Sicheres ermittelt werden u. sollen weitere Nachforschungen gepflogen werden. […]“

„5 W.V. Freitag den 2 Febr. 1894
[…] Der inzwischen eingetroffene I. Praeses Dr. Beckh theilt mit, daß ihm von den Familien v. Scheurl, Dr. Heller, Petzet u. Heerwagen Zuschriften zukamen, nach welchen diese gern die Kosten für die Namen-Schilder übernehmen. Beringer theilt mit, daß auch Kaufmann Loesch sich zur Tragung der Kosten bereit erklärte. […] Geißler fragt wegen des Festspiels, worauf I. Praeses daß dazu ein früheres, von Frau Valerie Schrodt verfasstes und für den Zweck ganz entsprechend umgeändert werden soll. ,Die Liebe in 3 Jahrhunderten’ […]“

Gegen Ende der Vorbereitungsphase nehmen die Turbulenzen erfahrungsgemäß zu; so auch hier:

„24 W.V. Freitag den 22 Juni 1894
[…] Lambrecht fragt an, ob für doppelte Besetzung der von seiner Gemalin [sic] und ihm übernommenen Rollen gesorgt sei, da sie, falls das Fest nochmals verlegt würde, nicht mehr mitwirken könnten, worauf Dr. Beckh erwidert, daß für Frau Lambrecht seine Tochter, Frau Prof. Penzoldt eintrete, für Herrn L. müsse allerdings noch Ersatz beschafft werden.
Beringer theilt mit, daß Schlosser Frey die Schlüssel nicht rechtzeitig abliefern könne, weil ihn die Fabrik im Stich gelassen, daß Frey aber die Zustellung selbst besorgen wolle. Knapp führt an, daß dies nicht geschehen könne wegen mögl. Mißbräuche.
Da nun doch den Mitgliedern Kenntniß von der Verlegung des Festes [Wortverdoppelung] gegeben werden muß, so soll in dem Zeitungsinserat, das Schrodt heute noch besorgt, auch bekannt gemacht, daß Schleifen und Schlüssel auf nächsten Samst. Juni in Empfang genommen werden können. […] Hering theilt mit, daß Schuckert die Montierung [elektrischer Beleuchtung] im Lokal im Irrhain nicht verlegen können; es sei deßhalb nöthig, Wagen etc bewachen zu lassen und wird Hering bevollmächtigt, das Nöthige zu besorgen.
Dr. Beckh theilt vertraulich mit, daß Dr. Hodermann 300 Exempl. seiner Gesprächspiele [eine Neuherausgabe der Harsdörferschen] um 30 m dem Orden überlassen wolle; das Anerbieten wird angenommen und das Schriftchen bei dem Fest im Herbst an die Mitgl. als Festgabe vertheilt. […]
Auf von verschiedenen Seiten erfolgte Anfrage, ob die Nadeln nicht auch von Frauen der Mitglieder getragen werden dürften, wird dieß mit großer Mehrheit verneint. […]“

Nach dem Jubiläums-Irrhainfest gibt es weitere Beschlüsse, zum Beispiel zur Aufnahme von Ehrenmitgliedern aus dem festlichen Anlaß:
„Außerordentliche General-Versammlung Freitag 7 Septbr. 1894
[…] Bezüglich einer Fest-Medaille, deren Herstellung im Ausschuß beschlossen, theilt der Vorsitzende einen Entwurf von Beringer mit, der mit der Änderung angenommen wird, daß die eine Seite der Münze das Bild des I Praeses trage. Dr. Beckh lehnt sich mit großer Entschiedenheit gegen diesen Entschluß auf, bemerkend, daß es zu Mißdeutungen und unlieben Bemerkungen und Reden führen könne, wird aber von Mummenhoff & Dr. Fuhse mit triftigen Gründen widerlegt […]
Ehrenmitglieder […] bei jeden [sic] einzelnen wird sofort abgestimmt und werden demnach als Ehrenmitglieder gewählt
1, Wlm Hertz, Prof. an d. techn. Hochschule, München, Blütenstr. 14
2, Dr. Max Haushofer, Proffessor [sic] an derselben Anstalt, Königinstr. 10
3, Dr. Rudolf Baumbach, Hofrat, Meiningen, Burggasse 22
4,  Dr. H. W. von Riehl, Direct. des Bayr. National-Museums, München, Kaulbachstr. 7
5, Professor Dr. Kuno Fischer, o. Univ. Prof. G. Rath, Excellenz, Heidelberg, Rohrbachstr. 12
6, Pet. Rosegger, Schriftsteller, Graz, Burggasse 12
7, Theodor Fontane, Berlin W Potsdamerstr. 134 c
8, v. Falke, Jac. Dr. phil. k.k. Reg. Rat & Direktor des k.k. Museums für Kunst Gewerbe Wien bisher corr.[espondierendes] Mtg
9, Con. Ferd. Meyer (Meyer-Ziegler) Dr. ph. Kilchberg bei Zürich [seltsamerweise durchgestrichen]
10, Otto Roquette, Dr. ph. Prof. d. t. Hochschule Darmstadt, Promenade 62
11, Prof. Dr. Wilkens, Kahlenberg b. Wien
12, Dr. Barrak, k. Oberbibliothekar an d. Universität Straßburg, bisher corr. Mtg.
13, Marie Ebner von Eschenbach, Wien I Rotenturmstr. 27
14, Pfarrer Neumann, Schwabach, J. G. T. emerit. Pfarrer, bisher corr. Mitgld
15, Carl Frenzel, Dr. ph., Berlin SW Dessauerstr. 19
16, Dr. Sigm. Günther, Pr. d. t. Hochschule München, Akademiestr 5
17, Wlm Rabe [sic], Braunschweig, Leiwewitzstr 7
18, Fr. Spielhagen, Berlin W Hohenzollernstr 12.
19, Georg Ebers, Drph. München, Schönfeldstr 1b
20, Dr. ph. Burkhardt, großf. sächs. Archivar, Weimar, bish. corr. Mtgld

Vorschläge von Professor Bischoff als Ehrenmitglieder zu ernennen
Dr. W. Riegel Braunschweig
Justy
Frau Anna Schwarz (Spiry)
Dr. Götze
finden nicht die nöthige Unterstützung.
Es wird bei den Vorgeschlagen angefragt werden, ob sie die Wahl annehmen […]“

„29 W.V. Freitag 21 Septbr. 1894
[…] Knapp macht die vorläufige Mittheilung, daß der Rathhaussaal überlassen werde & daß Liebel eine Einladung erwarte, sich mit einem Doppelquartett am 20 Oct. zu betheiligen. Hering berichtet über seine Besprechung mit Concertmstr Hellriegel, der für Samstag nur 12 Mann, für Sonntag 15 Mann stellt und für beide Tage zusammen m 150- fordere, womit man einverstanden. […]“





„30 W.V. Freitag 28 Sept 1894

[…] Derselbe [Beckh] verliest ferner Zuschriften der als Ehrenmitglieder gewählten von Falke, Dr. Burkhardt, Dr. Hertz, Raabe, Rosegger, Ebert, Barack, Frenzel, welche alle dankend angenommen. Weiter eingelaufene Schreiben von Spielhagen u. Frau von Ebner-Eschenbach hat Vorsitzender nicht zur Hand.“

„Ausschuß-Sitzung am 28 Sept 1894
[…] Dr. Beckh berichtet über die sehr gelungene, nicht theure Reparatur der Pokale (9 m) und die Etuis zu denselben (ca 60 m) […]“ Es steht da „die“, nicht „der Etuis“. Das legt nahe, daß die bis heute für zeitgenössisch mit den Pokalen gehaltenen Etuis erst von 1894 stammen.

„31 W.V. Freitag 5. Oct. 1894
[…] ferner folgende Schreiben mit dankender Annahme der Ehrenmitgliedschaft von Frau Ebner von Eschenbach, Prof. Dr. Haushofer, Geheimrath Dr. von Riehl, Fr. Spielhagen, Geheimrat Professor Dr. Kuno Fischer, Archivdirector Burckhardt, Dr. Wilkens. […] Schmidt I theilt mit, daß der Preis für das trockene Couvert beim Festessen auf m 3- festgesetzt sei und wird mit Schlenk die Speisefolge berathen. […]“





„40 W.V. Freitag 7 Dec. 1894
[…] Eingelaufen sind u. werden vorgelesen Dankschreiben von
[…] Theod. Fontane Berlin
Rosegger Graz […]