Es wird in diesem Zusammenhang nicht verkehrt sein, die Entwicklung der Ordensfinanzen genauer zu betrachten.

Nürnberg, den 30. Januar 1896.
[…] Die Mitgliederbeiträge waren auf M 1200,- veranschlagt und belaufen sich faktisch auf 1380.20 d. […]
Endlich haben auch die freiwilligen Beiträge, von welchen eine Einnahme von M 500.- erwartet wurde, diesen Anschlag überschritten und M 565.- betragen
[…]
Der Ausschuß ist in der angenehmen Lage, den Orden, der trotz der Höhe der Jubiläumsausgaben in so kurzer Zeit seine Schulden auf den verhältnismäßig geringen Betrag von M 846.50 d zu vermindern vermochte, zu seiner Finanzgebahrung zu beglückwünschen
[…]

Wenn man noch in Erinnerung hat, daß diese Schulden um die 10000 Mark betrugen, kann man nur annehmen, daß sie nicht nur durch gutes Haushalten und die hier erwähnten freiwilligen Beiträge abgebaut wurden, sondern durch Spenden der kapitalkräftigen Mitglieder, die der Orden so klug war, rechtzeitig anzuwerben.

41. W.V. Freitag den 18. Decbr. 1896
[…] Lambrecht theilt mit, daß heuer keine Kapital-Rentensteuer zu entrichten gewesen sei, da die Rente nicht die nöthige Höhe erreicht habe; Foerster’s Geschenk solle nur mit 400,- m verfundirt werden, so daß man mit 1300.- steuerfrei sei.

Das heißt: Aus dem Förster’schen Legat waren Gelder entnommen worden, die nicht in der möglichen Höhe zurückfließen, sondern nur zu 400 Mark, damit der Verein nicht in die Vermögenssteuer gerät.

Ordentliche Hauptversammlung am Freitag den 28. Januar 1898 in der „Blume“
[…] Der Voranschlag pro 1898, der vom Schatzmeister aufgestellt wurde, erhält in allen Punkten die Genehmigung des Ausschusses. Derselbe lautet:
Einnahmen:
Kapitalzinsen M 33.-
Mitglieder Beiträge 1200,- […]
Ausgaben: […]
Jubiläum 1944  50,-
Das Ordensvermögen beträgt z. Zt. 1150 Mark. […]

Ach, die Ahnungslosen! Da legen sie für das Jubiläum von 1944 vorsorglich jedes Jahr 50 Mark zurück.

Ordentliche Hauptversammlung Freitag den 25. Januar 1901
[…] Der Hansel [die zu Wochenversammlungen aufgestellte Sammelbüchse] trug im verflossenen Jahr  M 163.04, wovon M 70,- der Hauptrechnung zugeführt wurden, während der Rest ins neue Jahr übertragen wurde. […]
Zur Rechnungslegung ergreift der Vorsitzende des Ausschußes v. Kreß das Wort und theilt mit, daß die Einnahmen und Ausgaben mit M 1407.19 sich ausgleichen; dies war jedoch, da mehrfach Ueberschreitungen des Voranschlags nicht zu umgehen waren nur möglich dadurch, daß der Schatzmeister [Lambrecht] die fehlende Summe mit M 49.13 dem Orden geschenkt hat, was zur wohlgefälligen Kenntniß dient. […]



Nürnberg, den 20. Januar 1902
Bericht des Ausschusses des pegnesischen Blumenordens zu Nürnberg […] Eine Musterwirtschaft ist die Wirtschaft des Blumenordens gerade nicht. Aber es ist nicht der Schatzmeister, nicht die Vorstandschaft, die dafür verantwortlich gemacht werden kann, sondern die Herren Mitglieder sind es, die in den Wochenversammlungen bald dieses bald jenes beschließen ohne Rücksicht darauf, ob die für die Ausführung solcher Beschlüsse erforderlichen Mittel vorhanden sind, und die, verwöhnt durch das Entgegenkommen eines allzu opferwilligen Schatzmeisters, stets wieder den sorgsam erwogenen Haushaltsplan über den Haufen werfen. […]
Zu Tit. I der Ausgaben bemerkt der Herr Schatzmeister, daß die in den Voranschlag eingesetzten M 126.65 d für Schuldentilgung nicht verwendet werden konnten. Dies scheint aber ein Irrtum zu sein. Denn sie sind am Schlusse der Rechnung unter den Ausgaben vorgetragen, wenn auch ohne Angabe eines Belegs. […]
Es wird die Bemerkung verstattet sein, daß ein vorsichtiger Verein keine Ehrenmitglieder ernennt oder ernennen sollte, wenn er die Mittel nicht besitzt, um Diplome für sie herstellen zu lassen […]
Frhr. von Kreß, Bezold

Ordentliche Hauptversammlung am 31. Januar 1902
[…] Der Vermögensnachweis des Ordens lautet:
Staatspapiere M 1300.-
baar M 150,-
[Summe:] M 1450,- davon auf Dilherrnstiftung [sic; Dilherr-Stiftung]
M 900,-
Försters Legat M 250,-
Jubiläumsfond M 300,- […]

Ordentliche Mitgliederversammlung am 2. Februar 1906 in der „Blume“
[…Die Rückstellung für das Jubiläum von 1944 beträgt diesmal 100 Mark…]
In  Vertretung des, durch Krankheit verhinderten Obmannes des Ausschusses v. Kreß gibt Schrodt über den Rechenschaftsbericht seiner Befriedigung Ausdruck u. beantragt unter Anerkennung der meisterhaften Kassenführung Entlastung des Schatzmeisters. […]

Ordentliche Hauptversammlung am 29. Januar 1909
[…Das Vermögen ist angewachsen auf] M. 2000.- davon auf die Dillherrnstiftung M. 900.-
Legat Förster M. 500.-
Jubiläum 1944 M. 600.- […]

Bericht über die ordentliche Hauptversammlung in der Blume am 3. Februar 1911.
[…] v. Kreß macht den Vorschlag künftighin bei der Rechnungsprüfung nicht mehr den gesammten Ausschuß in Bewegung zu setzen, sondern aus dem Kreise des Ausschusses einen Rechnungsprüfer aufzustellen, dem die Prüfung u. Berichterstattung obliegt; […]
Sehr tief einschneidend in die Ordenskasse seien die Ausgaben für den Irrhain, während es zu bedauern sei, daß die Herausgabe der Vereinsveröffentlichungen u. des Büchereikatalogs wegen Mangel an Mitteln immer wieder hinausgeschoben werden muß. […] Es sei auch zu erwägen, ob nicht die Auflösung des Ausschusses zu beschließen sei, da die Verwaltung des Ordens ein etwas großer Apparat sei. […Beckh wiegelt höflich ab…]
[…] Jahresvoranschlag für 1910 [muß wohl heißen 1911]
A. Einnahmen
[…] Mitgliedsbeiträge M 1000,- […]
B. Ausgaben
[…] Irrhain M 500,-
[…] Jubiläumsfeier 1944 M 100,-
[…]

Ordentliche Hauptversammlung am 6. Februar 1914
[17 Anwesende]
Die Jahresausgaben schließen mit einem Deficit von M. 200.00, welches unser sehr verehrter Schatzmeister in dankenswerter Liberalität, wie schon vielmals, aus eigenen Mitteln gedeckt hat. […]
In der daran anknüpfenden Debatte erklärte v. Bezold, daß es so nicht weitergehen könne. Der Ausschuß sei nur ein Scheingebild, der am Jahresschluß die Rechnungen zu prüfen und die Ausgaben gutzuheißen habe. Eine Einwirkung auf dieselben habe ihm bis dato vollständig gefehlt. Nach seiner Meinung sei die Aufgabe des Ausschußes bei den Ausgaben beratend mit einzugreifen […] eine Ansicht, die Brügel als extra in den Statuten festgelegt, bekräftigte. […]
Voranschlag für das Jahr 1914.
[…] Ausgaben.
[…] Irrhain M. 500.00
Miethe M. 200.00
Bücherei M. 100.00
Vereine M. 55.00
Ordensdiener M. 60.00
Druckkosten & Porti M. 100.00
Steuern M. 10.00
Inserate M. 150.00
Jubiläum M. 50.00
[…]

Von nun an ging’s bergab.