In Wilhelm Tümmels Buchdruckerei und Verlag GmbH, Nürnberg, erschien im Mai 1998:

Werner Kügel

Geschichte und Gedichte des Pegnesischen Blumenordens

Erstes Buch 1699-1794

ISBN 3-921590-59-0
(Der Ladenpreis betrug zur Zeit des Erscheinens DM 34,-)

 

Inhalt

Teil I: Die dritten Gründer
Erster Abschnitt: Galante Epoche und Frühaufklärung
Teil II: Der Blumenorden zur Zeit der deutschen Frühaufklärung
Zweiter Abschnitt: Aufklärung und Empfindsamkeit
Teil III: Der rettende Umsturz
Dritter Abschnitt: Engel und Barden
 

Die als "Teile" bezeichneten Kapitel betreffen einen Abriß der Geschichte des Pegnesischen Blumenordens anhand seiner Satzungen, während die als "Abschnitte" bezeichneten Kapitel von der Poesie der Pegnesen handeln.
Anmerkungen, Personenverzeichnis und Literaturverzeichnis sind nur in der gedruckten Ausgabe einzusehen, da der Verfasser aus eigener Anschauung der Ansicht ist, die Darstellung auf dem Bildschirm könne das eingehende Lesen eines Buches nicht ersetzen, und allzu viele graphische Elemente zur Unterteilung der ohnehin begrenzten Fläche seien für den Benutzer eher ärgerlich.

 

VORBEMERKUNG

 

Eine Geschichte des Pegnesischen Blumenordens zu schreiben, würde Zusammenarbeit mehrerer Fachwissenschaftler unterschiedlicher Ausrichtung erfordern. Wir können aber nicht warten, bis dieser Glücksfall einmal eintritt. Die alten Quellen vergilben und zerbröckeln, und als eine weitere äußere Veranlassung mag gelten, daß der Orden 1994 sein 350jähriges Bestehen gefeiert hat.

Schon zur 300-Jahr-Feier von 1944 hätte eine Geschichte des Ordens in Form einer Festschrift erscheinen sollen. Die Vorarbeiten waren schon sehr weit fortgeschritten; man kann sagen, bis auf die Drucklegung war alles schon fertig. Der Verfasser der erhaltenen Blätter, Wilhelm Schmidt, hatte eine jahrelange, überaus fleißige Tätigkeit im Archiv entfaltet. Er war lange Zeit der einzige Kenner unserer Archivbestände. Leider jedoch schien all die Mühe zunächst einmal umsonst gewesen zu sein: Das Papier zur Drucklegung wurde nicht bewilligt, und der Orden hatte bald ganz andere Schwierigkeiten und Verluste zu überstehen. Wilhelm Schmidt ergänzte die maschinenschriftliche Fassung seines Werks mit handschriftlichen Zettelchen und Einschüben immer weiter, bis 1951, dann gab er, kurz vor seinem Tode, auf.

Wenn man Wilhelm Schmidts Arbeiten einfach abdrucken wollte, wäre ein museales Lese-Erlebnis die Folge. Wir sehen heute manche Dinge anders. Das betrifft nicht die wenigen Urteile über Dichtungen und Personen, die sich Schmidt bei seiner positivistischen Einstellung nur gelegentlich erlaubte. (Er war von Beruf Mathematiker, nicht Literaturhistoriker, und lebte wohl in dem Glauben, man könne wertfreie Zusammenstellung reinen Faktenmaterials als Geschichtsdarstellung treiben.) Doch die Beschränkung auf personenbezogene Daten, Fakten aus Sitzungsberichten, die Zusammenstellung von Tabellen zum Mitgliederbestand und dergleichen bedeutet eine gar nicht so wertfreie, sondern höchstens wertarme und daher auch wesenlose Behandlung einer Sprach- und Literaturgesellschaft. Inwieweit solche Magerkeit daher kommt, daß er die in der Nazizeit geläufigen Denkschablonen anders nicht umgehen konnte, stelle ich dahin. Wo Asthetik in den Dienst der Politik gestellt wird, kann man keine neutralen ästhetischen Wertungen mehr vornehmen; die Abwesenheit politischer Aussagen bleibt jedoch als Verhaltensweise innerhalb politischer Bezüge und paßt wohl unter das Schlagwort 'innere Emigration'.

Wir dürfen, ja müssen heute dem Freund der Dichtung und der Sprache mehr Anhaltspunkte für sein eigenes Urteil über den Orden geben. Vor allem wünscht man, die Verflechtung des Ordens in die unterschiedlichen Entwicklungsvorgänge des literarisch-gesellschaftlichen Lebens zu mehreren Zeiten verfolgen zu können. Wenn also auch an Wilhelm Schmidt, seiner wertvollen Stoffsammlung wegen, kein Weg einer Geschichtsschreibung des Pegnesischen Blumenordens mehr vorbeigeht, so kommt man doch nicht mit Arbeiten im Umfang der geplanten Festschrift von 1944 aus. Doch auch 1994 war eine Festschrift dieser Art nicht zu leisten.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, einige kleine Beiträge zur fälligen Festschrift zu verfassen, aber der Sog, der von geahnten Zusammenhängen ausgeht, ließ mich nicht los, bis die von mir aus leicht erreichbaren Quellen erschöpft schienen. Von 1989 bis 1991 ging ich dabei den Aufzeichnungen Wilhelm Schmidts, die zum Teil im Ordensarchiv lagern, erst einmal aus dem Wege. Es schien mir bedenklich, etwas Fertiges bloß zu vervollständigen. Als am 17. 12. 1991 Herr Dr. von Herford, der jetzige Präses, in eine seiner Schubladen griff und sagte: "Hier habe ich noch etwas für Sie", stand mir allerdings ein großes Erstaunen und eine nicht geringere Bewunderung der Leistung bevor, auf die jene verhältnismäßig wenigen Blätter zurückgehen. Sie enthalten vieles von dem, was ich als Frage noch offenlassen hatte müssen. Leider wies Schmidt selten oder nie seine Fundstellen nach. Wer ihn zitiert, bleibt dem Leser die eigentliche Quelle schuldig, wenn man sich auch, allem Anschein nach, auf Schmidts Genauigkeitsliebe verlassen kann. Aber mir wurde klar, daß eine saubere Erfassung der Quellen mehr Zeit als die bis 1994 noch verfügbare beanspruchen würde. Einen Teil meiner Vorstudien enthält immerhin die tatsächlich zustandegekommene Festschrift als Aufsatz.

Es gibt durchaus einen inneren, in der Sache selbst begründeten Anlaß, weswegen eine Geschichte des Pegnesischen Blumenordens zu wünschen ist. Wenn eine solche Gesellschaft als einzige so lange weiterbesteht, dann liegt schon darin eine gewisse Einzigartigkeit, der man nachspüren sollte. Zu leicht gibt man sich sonst mit den Verallgemeinerungen der üblichen Literaturgeschichtsschreibung zufrieden, die nach 1700 an diesem Orden nichts Bemerkenswertes mehr fand, obwohl sein Weiterleben erst von da an seltsam zu werden anfängt. Ich habe jedenfalls vergebens nachgeschlagen bei: Werner Kohlschmidt, Geschichte der deutschen Literatur vom Barock bis zur Klassik, Bd. 2 ; bei: Richard Newald, Die deutsche Literatur vom Späthumanismus zur Empfindsamkeit ; beim grundlegenden Bibliographen Goedeke, der von den Pegnesen sowieso nicht viel hielt und Harsdörfer wohl nur darum, weil er bei der Fruchtbringenden Gesellschaft "Der Spielende" hieß, für verspielt erklärte; in der Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften, 3. Bd. 1912-18 von Josef Nadler, bei dem auch nichts zu holen ist außer der etwas weit hergeholten Behauptung, die Pegnitzschäfer seien die außerböhmische Literatur Deutschböhmens gewesen; außerdem endet vor 1700 auch die Darstellung in dem Standardwerk von Marian Szyrocki. Daneben heißt es im Kommentar zu einer der größten Sammlungen barocker Drucke, Curt von Faber du Faur, German Baroque Literature, a Catalogue of the Collection in the Yale University Library, Vol. I , Lilidor, der fünfte Präses des Ordens, sei der letzte echte Dichter des Ordens gewesen; darüberhinaus werden noch der erste Riederer und Herdegen erwähnt, und damit ist der Blumenorden aus dem Horizont des Barockforschers verschwunden. Freilich, wer seine Sammlung nicht in eine nachfolgende Epoche fortführen will, kann von späteren Dichtern des Ordens nichts erwähnen. Die Übergangserscheinungen kommen bei dieser Art epochenbezogener Literaturgeschichtsschreibung zu schlecht weg.

Es kann keine Frage sein, ob und wie der Barockforschung im Hinblick auf den Blumenorden auf die Sprünge zu helfen wäre. Das hat sie nicht nötig. Gerade im Zusammenhang mit dem Jubiläum häuften sich die Anfragen auswärtiger Forscher an den Präses, das Archiv benutzen zu dürfen, und es sind eine ganze Reihe wissenschaftlicher Vorhaben in Angriff genommen worden. (Das Bedeutendste scheint mir der von Prof. Dr. John Roger Paas, Minnesota, mit Unterstützung durch den Orden einberufene Barockforscherkongreß im Alten Rathaussaal Nürnbergs vom 23. bis 26. 8. 1994 gewesen zu sein, dessen Beiträge — mit Ausnahme meines sehr frei gehaltenen Vortrags — neuerdings im Harrassowitz-Verlag veröffentlicht worden sind, nicht ohne daß der Blumenorden sich wieder hilfreich gezeigt hat.) Dagegen bleibt es vorerst den nicht ganz unkundigen, aber nicht als Literaturwissenschaftler tätigen Ordensmitgliedern vorbehalten, die Lücken auffüllen zu helfen, die sich in der Geschichtsschreibung des Ordens auftun zwischen der in allen Einzelheiten immer wieder umgewendeten Barockzeit, den verschiedenen Festschriften und Einzelveröffentlichungen und dem Jetzt. Indem ich Beiträge dazu vorlege, hoffe ich, fruchtbaren Widerspruch zu ernten, der vielleicht bald in die eingangs angedeutete Zusammenarbeit mündet. Allen Nichtfachleuten jedoch, denen Literaturgeschichte nicht vlliög gleichgültig ist, wollte ich nach Möglichkeit das Vertraute im Fremden zeigen — und umgekehrt.

Nürnberg, 17. 5. 1998 Werner Kügel