VORBEMERKUNG

 

Siebzehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes (Geschichte und Gedichte des Pegnesischen Blumenordens, Erstes Buch: 1699 bis 1794) und sieben Jahre nach dem Erscheinen des zweiten Bandes (Geschichte und Gedichte des Pegnesischen Blumenordens, Zweites Buch: 1794 bis 1844) ist die Fortführung zum Jahre 1894 fertiggestellt.

Wie vorausgesehen, haben sich die Quellen um so reichhaltiger erwiesen, je jünger sie sind. Die sprachliche Form der Aufzeichnungen und poetischen Werke des Berichtszeitraumes steht der unseren bereits so nahe, daß eine Übersetzung sich in den allermeisten Fällen erübrigt. Auch die Rechtschreibung sieht nicht mehr dermaßen unvertraut aus, daß man lieber frei wiedergeben würde als wörtlich zu zitieren. Übrigens ist der darstellende Text dieses Buches in der Rechtschreibung vor der jüngsten Reform abgefaßt, gemäß dem Grundsatz, auf den sich der Sprachkreis des Blumenordens vor Jahren einigte: Jeder kann schreiben, wie er es gelernt hat — wenn er es gut gelernt hat. Sinnstörungen dürfen dabei freilich nicht auftreten. Literaturhistoriker sind in dieser Hinsicht einiges gewöhnt, aber auch der nicht so fachwissenschaftliche Leser wird neben den zahlreichen Verschriftungsformen, die er in den genau zitierten Quellentexten wahrnimmt, keine Schwierigkeiten mit der des Verfassers mehr haben.

Aus all dem folgt, daß der Anteil erläuternder Textteile in diesem Buch gegenüber den Zitaten im Vergleich zu den vorigen Bänden ziemlich zurücktritt. Die Quellen können für sich selbst sprechen, ihre Auswahl und Anordnung sind ohnehin schon Teil des durchgängigen Bewertungszusammenhangs, aus dem nur zuweilen ausdrückliche Fragestellungen oder Urteile hervortreten. Diese möchten selbsttätiges Weiterforschen und Einordnen in breitere kulturelle und historische Zusammenhänge anregen. Dem Nürnberger sollen sie außerdem eine Anregung bieten, über die sattsam bekannten Schwerpunkte seines historischen Bewußtseins hinauszuschauen in Zeiträume und in Personenkonstellationen, die ebenso bedeutsam sind wie das längst Gewußte und dauernd Vermarktete. Erst dadurch wird die Stadt richtig achtbar.

Nürnberg hatte im Berichtszeitraum einen kaum geahnten Aufschwung zu durchleben, der sich nicht auf die Bevölkerungszahl, auf die wirtschaftlichen, industriellen oder gesellschaftlichen Daten oder die kommunalen Einrichtungen beschränkt. Insofern der Blumenorden an jenen Anteil hatte, durch Einzelpersonen oder durch gemeinschaftliches Wirken, ist ihm ebenfalls Bedeutung zugewachsen. Doch hat er sich sowohl in seiner inneren Verfassung als auch durch stärkere überregionale Verflechtungen so lebendig und ausbaufähig erwiesen wie seit Birkens Zeiten nicht mehr.

Dies ist freilich unter dem Gesichtspunkt "anhand seiner Satzungen" nicht mehr zu fassen, ebensowenig, wie es eine Geschichte gewesen wäre, die nicht 1699, sondern mit der Gründung 1644 eingesetzt hätte. Dennoch ist dieser Titelbestandteil beibehalten worden, um die Eigenschaft der Reihenveröffentlichung als solcher zum Ausdruck zu bringen. Zur Untergliederung der Abschnitte innerhalb der Zeitrahmens von einem Jubiläum zum nächsten können die jeweiligen Satzungsneufassungen dennoch dienen. Alles übrige — auch der poetische Ertrag — füllt dieses Gerüst mit anschaulichen Lebenszeugnissen auf, einführend für den Leser, lehrreich für den Blumenorden von heute, im Guten wie im Besorgniserregenden.

 

Nürnberg, 2. 3. 2015                                                                                                                                              Werner Kügel

 

 

 

 

 

 

Inhalt

 

 

Berichtigungen und Ergänzungen

Teil VI: Zwiespalt der Bürgerkultur

Sechster Abschnitt: Privatheit und Öffentlichkeit

Teil VII: Die enge und die weite Welt

Siebter Abschnitt: Butzenscheibenromantik und Neues Reich

Teil VIII: Entfaltete Bürgerlichkeit

Achter Abschnitt: Vaterländische Dichtung und neugierige Umschau

 

 

Personenverzeichnis, Sachregister und Literaturverzeichnis sind nur in der gedruckten Version verfügbar. Ebenso die Anmerkungen.

 

 

Die als "Teile" bezeichneten Kapitel betreffen einen Abriß der Geschichte des Pegnesischen Blumenordens anhand seiner Satzungen, während die als "Abschnitte" bezeichneten Kapitel von der Poesie der Pegnesen handeln.