Die Gleichschaltungssatzung

Wilhelm Schmidt berichtet: „Mit dem nationalsozialistischen Umbruch wurde auch der Blumenorden ,gleichgeschaltet’ und bekam abgeänderte Satzungen.“ Der Passivsatz verdeckt, wer da gleichschaltete.

I § 1. [Die Satzung beginnt wie die von 1923 mit dem Zweck des Blumenordens, fährt dann aber fort:] Er setzt sich weiter zur Aufgabe, die Arbeit der nationalen Regierung zum Wiederaufbau des deutschen Reiches nach Kräften zu unterstützen. Insbesondere soll dies durch Förderung der kulturellen Aufgaben in enger Zusammenarbeit mit den von der nationalen Bewegung gegründeten Organisationen erfolgen.“
II § 2. [ersetzt „korrespondierend“ durch „in schriftlichem Verkehr stehend“.]
§ 3. In den Orden kann nur aufgenommen werden, wer arischer Abstammung und nicht mit Angehörigen der jüdischen Rasse verheiratet ist. Auch Frauen können als ordentliche Mitglieder aufgenommen werden. [Dies hatte keine Austrittswelle jüdischer Mitglieder zur Folge, weil es sie nicht mehr gab. Nathan war schon gestorben, andere vermutlich eher ausgetreten, als im Orden, wie zu sehen war, durchaus noch Stimmen erhoben wurden gegen den einsickernden Antisemitismus. Doch die Zeichen der Zeit waren längst schon deutlich.]
§ 4. Wer in den Orden als ordentliches Mitglied aufgenommen werden will, muß durch ein ordentliches Mitglied vorgeschlagen werden. Die Aufnahme vollzieht der Ordensführer. [Es gibt keine Abstimmung oder Kugelung mehr.]
§ 5. [Für außerordentliche Mitglieder:] Die Aufnahme erfolgt in gleicher Weise und unter den gleichen Bedingungen wie die der ordentlichen Mitglieder.
§ 6. [Mitglieder im Schriftverkehr: …] nicht gegen die Bestimmungen des § 3 verstoßen. Ihre Ernennung erfolgt durch den Ordensführer. [Man glaubte, von dem unwürdigen Gerangel der Weimarer Demokratie wegzukommen und verstieß damit gegen viel älteres und wohlbewährtes Herkommen.]
§ 7. […] Die Ernennung der Ehrenmitglieder erfolgt nach vorangegangener Besprechung, welche in einer Hauptversammlung erfolgt, durch den Ordensführer. [Das Modell einer Anhörung ohne Stimmrecht. So bleibt’s auch fürder:]
§ 8. […] Aufnahmegebühr, deren Höhe der Ordensführer nach in der Hauptversammlung erfolgter Besprechung bestimmt wird […] Hinterbliebene verdienter Mitglieder sind beitragsfrei. [Die bereits eingeführte Praxis paßt gut zum Sippendenken, tendiert allerdings zum Einnahmeschwund.]
§ 9. [Festlegung des Jahresbeitrags nach Anhörungsprinzip.]
§ 10. [entspricht dem alten § 11, mit dem Zusatz:] Die Mitglieder schenken durch die Wahl des Ordensführers diesem ihr ganzes Vertrauen und richten sich deshalb nach seinen Entscheidungen. Sie bringen ihre Wünsche und Anträge vor, sie besprechen und verhandeln dieselben, überlassen aber die letzte Entscheidung dem Ordensführer, soweit nicht Gesetz oder Satzung anders bestimmen. [Man konnte das einfach als Anti-Querulanten-Paragraphen auffassen. Der Abstand zum Stichentscheid scheint nicht allzu groß. In Wirklichkeit entspringt das alles dem Sog, dem Größenwahn des Führers aller Führer nachzueifern.]
[§ 11 entspricht § 12 alt, § 12 anfangs § 13 alt, fährt dann fort:] Der Ordensführer hat das Recht, Mitglieder, die sich der Ausrichtung des Ordens auf das neue Deutschland widersetzen, auszuschließen. Auch hier hat er sich seiner Verantwortung für das Wohl des Ordens bewußt zu sein.
III. § 13. Der Orden wird geleitet und vertreten von einem Ordensführer, der in einer Hauptversammlung gewählt wird. [Es gibt keinen 2. Vorsitzenden oder Vizepräses mehr.]
§ 14. Der Ordensführer bestimmt sich seine Mitarbeiter aus den Reihen der Ordensmitglieder nach eigenem Ermessen. Die Mitarbeiter müssen mindestens aus den in § 15 genannten Personen bestehen.
§ 15. der Ordensführer hat sich für die Verwirklichung der Ziele des Ordens unter Beachtung der weltanschaulichen Forderungen der Nationalsozialistischen Bewegung einzusetzen. Insbesondere hat er dem Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ praktische Geltung zu verschaffen. [Was kann das bei einer sprach- und literaturpflegenden Vereinigung heißen? Doch nur, daß der unklare Massendruck als Legitimation für vorgeblich uneigennütziges Schalten und Walten weniger herhalten muß.] Zur Regelung der geschäftlichen Angelegenheiten lädt der Ordensführer in regelmäßigen Abständen die Ordensmitglieder bzw. seine Mitarbeiter zu Zusammenkünften ein. Bei diesen berichtet er über seine Tätigkeit, über Kassenführung und dgl. und nimmt Vorschläge der Mitglieder entgegen. In allen Fragen entscheidet, soweit nicht das Gesetz oder die Satzung besonderes bestimmt, allein der Führer. Damit übernimmt er aber auch insoweit die volle Verantwortung für das gesamte Tun und Lassen des Ordens sowohl gegenüber den Behörden und der Öffentlichkeit [von der nur mehr das „gesunde Volksempfinden“ übrig geblieben sei dürfte], als auch gegenüber den Vereinsmitgliedern. Der Ordensführer soll nach Möglichkeit jenen Mitgliedern entnommen werden, welche schon seit längerer Zeit der N.S.D.A.P. angehören. [Unterstreichung im Original.] Findet sich unter diesen kein geeigneter Mann, so kann auch ein anderes Mitglied des Ordens diesen Posten übernehmen, wenn es der nationalsozialistischen Bewegung so nahe steht, daß eine Führung des Ordens im Sinne der neuen Weltanschauung gewährleistet ist. Der Nachweis gilt im allgemeinen dann als erbracht, wenn dafür die Bestätigung einer amtlichen Parteistelle oder zweier Parteigenossen, die vor länger als einem Jahr die Parteimitgliedschaft erworben haben, vorgelegt werden können. Bei der Wahl seiner Mitarbeiter hat der Ordensführer zu beachten, daß mindestens die Hälfte derselben den gleichen Anforderungen entspricht.
§ 16. Der Ordensführer bestimmt: [es geht weiter wie in § 17 alt, nur daß bei den Schriftführern, wahrscheinlich Fräulein von Praun zuliebe, ausdrücklich eine „Schriftführerin“ vorgesehen ist.] Der Ordensschatzmeister hat Vertretungsmacht für den Orden für alle diejenigen Rechtsgeschäfte, welche der ihm zugewiesene Geschäftskreis gewöhnlich mit sich bringt.
§ 17. [bringt nun alle Befugnisse des Führers, die bisher Vorstand und Ausschuß hatten.]
§ 18 [bis IV § 26 entsprechen nun genau den alten Paragraphen 20 bis 30, bei dem zur Rechnungslegung der getätigten Geschäfte allerdings erweitert wird:] Finden diese nicht die Zustimmung von mehr als der Hälfte der anwesenden Ordensmitglieder, so hat eine Neuwahl des Ordensführers stattzufinden. [Man läßt sich nicht nachsagen, in Geldangelegenheiten korrupt zu sein. Zur Einberufung der außerordentlichen Versammlung genügt allerdings nicht mehr ein Zehntel, sondern erst ein Drittel der ordentlichen Mitglieder.] Abstimmungen finden nur in den Hauptversammlungen statt und zwar 1. bei Stellung der Vertrauensfrage, 2. bei der Wahl eines neuen Ordensführers, 3. bei Änderung der Satzungen, 4. bei der Auflösung des Ordens. Bei Punkt 1. und 2. entscheiden [sic] einfache Stimmenmehrheit; für Punkt 3  ist 2/3 Stimmenmehrheit, für Punkt 4 Einstimmigkeit der anwesenden Ordensmitglieder der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder erforderlich. Die Abstimmung ist geheim. Sinkt die Zahl der Mitglieder des Ordens unter 3 herab, so tritt § 73 RGB in Wirksamkeit. Ein noch vorhandenes Vermögen wird kulturellen oder wohltätigen Organisationen überwiesen; Bilder, Bücher und Archivbestände werden dem Stadtarchiv Nürnberg übergeben, ebenso die Ordenspokale. [Vgl. §§ 37, 38 alt: diese wären doch unabänderlich gewesen. Aber ein auf die nächsten 1000 Jahre eingestelltes Bewußtsein von historischem Umbruch achtet die Vergangenheit gering und erklärt sich damit unversehens selbst zur Eintagsfliege.]
V § 27 Das Ordensvermögen gehört dem Orden, der juristische Person gemäß § 21 BGB ist [es lebe die Legalität, wo die Rechtmäßigkeit keine andere Stütze mehr hat]; es soll in seinem Bestande nach Tunlichkeit erhalten,  wenn möglich vermehrt werden. [Weiter wie § 31 alt.]
 [Die §§ 27 und 28 entsprechen 32 und 33 alt, aber vom Ordensdiener ist nicht mehr die Rede, nur von „Honorierung von Ordensverrichtungen“. § 30 entspricht § 34 alt, bis auf die Bezeichnung „Ordensführer“ statt „-vorstand“.]
[VI [§ 31, § 32 und § 33 entsprechen §§ 35 bis 38 alt, mit dem Zusatz:] Die abgelieferten Arbeiten jeden Mitglieds sollen in einer besonderen Mappe aufgehoben werden.
Anhang: Die Mitarbeit des Ordens an den Zielen der nationalen Regierung, zu der sich der Orden durch die geistige Ausrichtung auf das Dritte Reich bereit erklärt, bekundet er durch den korporativen Anschluß an den Kampfbund für deutsche Kultur. Der Orden wird jeweils nach dem alljährlichen Rechnungsabschluß denjenigen Betrag an den Kampfbund für deutsche Kultur abführen, den er glaubt, nach den finanziellen Verhältnissen des Ordens abführen zu können.

Unbezeichneter Zeitungsausschnitt ohne Datierung:

Professor Eberhard Frhr. v. Scheurl 60 Jahre
[…] Was ihn aber besonders auszeichnet, ist seine nationale Einstellung. Er gehört zum nationalen Kern der Hindenburg-Hochschule und hatte wegen seiner Einstellung in der Nachkriegszeit schwer zu kämpfen. Unerschütterlich hielt er durch und verbreiterte von Jahr zu Jahr die nationale Basis an der Hochschule. Von seinen Kollegen, seinen Freunden und Schülern wird er wegen seines lautersten Wesens und seiner auf christlicher Ethik eingestellten Persönlichkeit geachtet und verehrt. […]

Nun war er für das Mobbing zu Beginn der verhaßten „Systemzeit“ gerächt. Die Frage war, ob ihn seine christliche Ethik vor Verstößen gegen die Menschlichkeit bewahren werde. Aber jetzt wurde erst einmal der Rassenwahn ausgespielt.

Dienstag, den 19. Oktober 1933        8. Wochenversammlung
[Zitat aus einem Bericht des Fränkischen Kuriers:] Der erste Abend des Winterhalbjahrs bot mit dem Vortrag Oskar Franz Schardts über Kultur, Brauch und Staat der Germanen und der Deutschen einen großzügigen Einblick in die Gesetze ihres Werdens, ihres Untergangs und ihrer Wiederverankerung. […] Endlich wurde an Beispielen bewiesen, daß das an eine fremde Rasse verschwendete und überfremdete Blut für den Gegner Zuwachs und für uns Unheil sei. […]

Dienstag, den 14. November 1933
[Zeitungsausschnitt, gezeichnet S.v.P.]
Pegnesischer Blumenorden
In der außerordentlichen Hauptversammlung wurde der bisherige 1. Ordensvorsteher, Universitäts- und Hochschulprofessor Dr. Eberhard Freiherr v. Scheurl, der den Orden seit fast 9 Jahren in treuer Hingabe leitete, einstimmig zum Führer gewählt. Seine Leitung bietet die beste Gewähr, daß der Orden in vaterländischem Sinne und im Geiste der nationalsozialistischen Bewegung geführt werden wird.
Hierauf erfreute Baron Scheurl die zahlreich Erschienenen mit einem überaus fein durchdachten Vortrag über Oswald Spenglers „Jahre der Entscheidung“. […] es ist möglich, daß wir die Zukunft gewinnen; denn wir sind das stärkste Volk der Erde, das seine Kräfte durch die Jahrhunderte aufgespeichert hat. […] Mehrheitsbeschlüsse werden nicht das Ende sein, sondern der Führergedanke. […] Sämtliche farbigen Rassen stehen wie in einem Bund gegen die weiße. […] Spengler zeigt uns Gefahren, gegen die wir kämpfen müssen, und dafür müssen wir unsere Rasse stählen, gottesfürchtig, treu, opferfreudig und selbstbeherrschend zu sein. […]