Pflege des Irrhains

In den Neugestaltungen der Satzung hatte man über die Anordnungen, die früher in bezug auf den Irrhain getroffen worden waren, nichts Hinausgehendes festzulegen gewußt. Die Probleme ganz praktischer Art, welche der Irrhain aber stellte, nahmen eher zu als ab.

„Freitag, 23. April 1875
1.) Der Vorsitzende bringt zur Kenntißnahme,
a) daß nach Mittheilung von Herrn Oberförster Mayer von Neuhof, im Irrhain die erste Hälfte des Bogenganges ausgebessert werden müsse. — Man ist einverstanden, daß Herr Oberförster Mayer die Besorgung dieser Angelegenheit vertrauensvoll in die Hand gegeben werden kann, wenn auch die Ausbesserung, [unleserlich] etwas mehr, als übliche frühere Ausbesserungen kosten würde.
b) Es wird bestimmt, daß Tische und Bänke im Irrhain erst auf Pfingsten aufgeschlossen werden sollen.
c) Ferner beschließt man: Bei der auf Pfingsten zu verfassenden Anzeige über die Benutzung des Irrhains seitens hies. Vereine wird mit bekannt gegeben, daß die Erlaubniß hierzu unter Erlegung von 12 Mark beim Ordenscassier Hr. Bull zu erholen sei. Für etwaige bei dergl. Gelegenheiten entstandene Beschädigungen soll der Vorstand des betr. Vereins unter vorheriger Ausstellung einer Verpflichtung persönlich haftbar sein. […]“

Mittwoch, 14. Juli 1875
Irrhainfest
Durch angenehmes Wetter begünstigt, fand das Irrhainfest bei angeregter Stimmung der Anwesenden statt.
Die Betheiligung der Mitglieder hätte können eine zahlreichere sein, dafür hatten sich aber die Herren Studiosen in großer Anzahl eingestellt, was hiermit mit Freude bekundet wird. Schade daß beim frohen Tanze so mancher Musensohn — sitzen blieb — , aber das schöne Geschlecht, so noch zum Springen geneigt ist, stellte in nur kleiner Zahl seine Mannschaften.
Knapps Festlied durchbrauste den Hain als Einleitung des heiteren Nachmittags, hierauf sprach Herr Rector Dr. Heerwagen die Weiherede, in meisterhafter Form, die Aufgabe und die Bestrebungen des P.B.O. darlegend. Auch das Reimchronisten-Paar hatte sein Feierkleid angelegt und erfreute die Versammlung durch ernste und heitere Worte.
Diesem officiellen Theile folgte noch  mancher launige Trinkspruch, auf den Bewahrer des Irrhains (Oberförster Mayer), auf den vortrefflichen, bewährten Wettermacher (Stadtbibliothekar Lützelberger), auf die Frauen.
Die Stunden schwanden, mit ihnen ein Paar nach dem andern — die Tische wurden leer und wo noch vor wenig Stunden froher Jubel erklungen, fing es an düster, ordentlich schaurig zu werden. — Nur hartnäckig saß noch ein Kleeblatt an einsamem Tische fest, welches sich an die Erinnerung und wol auch in die letzte Maß, die noch im Fasse war, verbissen zu haben schien. — Diese letzten Drei hatten, wie sie sich aus- und einredeten, die Aufgabe übernommen, den Irrhain zuzuschließen.
So liegt wiederum ein Erinnerungstag hinter uns, der in seiner jährlichen Wiederkehr stets angenehme Empfindungen erweckt und der Pegnesen frohes Stelldichein ist.

„Freitag, 16. Juli 1875
[…1,] b, Der Veteranenverein in Kraftshof bittet um die Erlaubniß sein Gaufest am 6. August im Irrhain abhalten zu dürfen; es wird ihm dieses unentgeltlich gestattet in der Voraussetzung, daß er für Schonung der Anpflanzungen u. Einrichtungen haftet.“

„Freitag, 14. Juni [1878]
I. 1.) Auf Anregung des H. Kassir Bull bespricht man die Frage wegen etwaiger Vermiethung des Irrhains. — Man beschließt:
„den Irrhain nicht der allgemeinen Benutzung anheim zu geben, und zwar aus folgenden Gründen:
a, wegen der Verantwortung, welche der Orden in Betreff des Forstschutzes zu übernehmen hätte.
b, weil wir keine Kritik an die Gesuche anlegen wollen, ob dieses oder jenes zu bewilligen sei oder nicht. […]“

„Freitag, 2. August
I. Dr. Heerwagen beantragt auf Anregung des H. Oberförster Mayer zu Kraftshof, den Bogengang auf der Nordseite des Irrhains zu verlängern, da sich dort durch das gute Gedeihen des Baumwuchses die Natur sehr hilfreich zur Seite stelle. Die Höhe der Kosten würde sich ohngefähr derjenigen, der dieses Jahr aufgewendeten, gleichstellen: ca. 48 Mk. Man ist sehr einverstanden mit dieser Verlängerung des schönen Ganges, will aber die Frage noch nicht entscheiden, sondern den Beschluß darüber vorbehalten, unter der Voraussicht daß die Sache bestimmt nächstes Jahr zur Ausführung komme.“

1878 führte man einen neuen Weg, der den Laubengang mit dem Friedhof verband, mitten durch den Bereich des in Resten noch vorhandenen Labyrinths, was die endgültige Aufgabe der ursprünglichen Gestaltungsidee bedeutete.

„Freitag d. 18. Juni [1880]
[…I] 1) Hr. Vorsitzender bringt ein Gesuch des ,Bürgerbundes’ (Verein von Arbeitern) zur Mittheilung um Ueberlassung des Irrhains für einen der nächsten Sonntage; wird unter den üblichen Bedingungen genehmigt.
2) Hr. Georg Zahn erbietet sich das im Irrhain befindliche Denkmal seines Vaters des Hrn Syndikus Zahn erneuern zu lassen und bittet den Verein seine Absicht insofern zu fördern, auch andern Denkmalinhabern zu einer gemeinsamen Instandsetzung ihrer in Verfall gerathenen Steine einzuladen. Man ist gern bereit in dieser Richtung vorzugehen.“

„Freitag d. 22. Juli [1881]
[…I] Hinsichtlich der Frage wegen Vermiethung des Irrhains an andere Vereine wird beschlossen, wegen Klarlegung des uns hierzu zustehenden Rechtes für dieses Jahr keine Vermiethung wieder eintreten zu lassen. […]“

„Freitag, den 10. Juli 1885
[…] 4) Bei dem Irrhainfest hat sich der leidige Umstand ergeben, daß soviele Anwesende bei demselben dem Vereine nicht angehörten, die dann den Platz für die Mitglieder einnahmen u. sich auch sonst ungebührlich benahmen. Man beschließt in den späteren Anzeigen für diesen Zweck die Beschränkung hinzuzufügen, daß Nichtmitglieder nur durch Mitglieder als Gäste eingeführt werden können.“

„Freitag, den 26. März [1886]
[…I] 8) Herr v. Kreß berichtet über eine ihm vom Cantor in Kraftshof gewordene Mittheilung über die vom dortigen Forstmeister vorgenommene Lichtung des Laubganges. — Eine Commission wird nach Kraftshof ausfliegen um sich zu überzeugen wie die Sache steht, ehe der 1. Präses selbst Anfragen an den Forstmeister stellt. […]

Freitag, den 30. April
[…I] 5) Hr Consul Knapp berichtet über einen Besuch den er an einem vergangenen Sonntag mit Freunden dem Irrhain abgestattet u. dort gefunden habe, daß seitens des Forstamtes der schon seit Jahren im Niedergang begriffene alte Laubgang zum Theil eingelegt worden sei, dafür aber junge Anpflanzungen entstanden seien, welche für spätere Zeiten einen Ersatz versprechen. […]“

Freitag, den 21. Mai
[…I] 3) Ballhorn teilt mit, daß nach einer heute mit Hrn. Pfarrer Kindinger [sic] von Kraftshof gepflogenen Besprechung, dieser darauf aufmerksam macht, daß seither, bis noch vor 16 Jahren, die Beaufsichtigung des Irrhains auf dem Pfarrer in Kraftshof geruht habe u. daß es darum wünschernswert u. notwendig sei [die th-Schreibungen kommen allmählich außer Gebrauch!] daß dieses Verhältnis baldigst wieder eintrete. — Es sei dies ein Recht des Pegnes. B.O. den Inspector zu ernennen, das wol auch fest zu halten sei.
Um die Frage endlich einmal zu klären, wird bestimmt, die in unserem Besitz befindliche Urkunde in einer der nächsten Versammlungen hier vorzulegen.

Freitag, den 4. Juni
[…I] 3) Hr. v. Kreß hat infolge der in letzter Versammlung gegebenen Anregung im „Amaranth“ der Geschichte des Pegnesischen P.O. nachgeforscht, hat aber darin nichts gefunden, was uns so unbedingt ein Recht auf den Irrhain zugesteht. V. Kreß verliest aus dem Buche den Erlaß des Magistrats welcher das  Verhältnis desselben zu unserm Orden bez. des Irrhains darlegt.“

„Freitag d. 20. Mai [1887]
[…] Der Vorsitzende [Beckh] berichtet über seinen Besuch, den er trotz des schlechten Wetters, vergangenen Mittwoch auf eigene Faust dem Irrhain abgestattet habe. — Er fand denselben in einem erbarmenswerthen Zustande: Die Denkmäler sämmtlich verdorben, theils eingefallen theils arg beschädigt, nicht mehr ansehbar, sodaß diese Verhältnisse dem Orden kaum zur Ehre gereichen. — Es soll nun ernstlich daran gedacht werden, allmählich hier Wandlung zum Besseren zu schaffen. Das Wieland-Denkmal würde nur auf Kosten des Ordens neu herzustellen sein, während die anderen Gedenksteine den betr. Familien, soweit dieselben noch unter den Mitlebenden vertreten sind zur Erneuerung anempfohlen werden — andernfalls auch entfernt werden sollen. Ein sehr beachtenswerther Vorschlag geht vom ersten Vorsteher aus: Die Errichtung eines neuen Gedenksteines den Orden selbst u. im allgemeinen versinnbildlichend durch Medaillons in Erzguß. — Ueber all dieses bleibt Beschlußfassung noch vorbehalten — die Herrichtung überhaupt doch nur einer spätern Zeit. Auch in welcher Weise die Mittel hierzu beschafft werden sollen, ob durch freiwillige Beiträge, oder durch Herausgabe eines litterarischen Albums — oder durch beides zugleich, auch hierüber wird man sich im Laufe der Zeit noch schlüssig machen.
Sobald es die Witterung, die ja fortdauernd kalt u. regnerisch ist, erlaubt, wird nun bald eine Abordnung sich nach dem Irrhain begeben um dort an Ort u. Stelle Protokoll über den Befund aufzunehmen. — Der Forstmeister von Kraftshof soll zu dieser freien Sitzung geziemend eingeladen werden. […]

Freitag, den 24. Juni 1887
[…] Schmidt berichtet Namens der zur Irrhain Inspektion zusammengetretenen Mitglieder über den Befund in einem ausführlichen Protokoll, das zu den Akten genommen wird. Es wird für die Beseitigung der erheblichen Mängel Sorge getragen und I. Präses übernimmt es, mit Dachpappenfabrikant Dörr zu sprechen und an Herrn Forstmeister Meyer, der sich auf das Bereitwilligste der Commission zur Verfügung stellte, zu schreiben und zu danken.“

Bericht über den derzeitigen Zustand des Irrhain’s, aufgenommen am 22. Juni 1887 
[…] Das Portal nebst Thüre fand sich in äußerst ruinösem Zustande vor. Der früher im First befindliche Schild und die beiden rechts und links befindlich gewesenen Schäferfiguren sind vollständig verschwunden, die Überschrift „Irrwald“, welche oberhalb der Thüre in erhabener Schrift ausgemeiselt war, läßt sich nur mit Mühe noch entziffern. Das Mauerwerk ist nicht nur lose und unkantig geworden, sondern auch zum Theile dem Zusammenfallen nahe; insbesondere ist der Werkstein der Decke der linksseitigen Thüreinfassung vollständig losgelöst […]

Man hat also 1817 das alte Portal dennoch repariert und nicht den damaligen Entwurf verwirklicht!

[…] Der lange Laubgang hinter dem Portal ist unter dem Einfluß des Wachsthums und der Ausdehnung der starken Eichstämme daneben zum größten Theile eingegangen, weßhalb der Forstmeister Meyer ihn zur großen Hälfte ausroden ließ und dafür junge Stämmchen von Kastanien, Linden u. Birken einsetzen ließ […]

Das heißt: Was außer Eichen heute im Langen Gang steht, geht auf die 1880er Jahre zurück.

[…] Die Tafel für Joh. Alb. Colmar in mehrere Theile zersprungen […] die Tafel für Bürgermeister Lorsch ist vollständig unleserlich geworden […] Die Tafel für Achates II. ist in der Schrift erhalten, vom Holz jedoch alle Farben weggewaschen […] Das Denkmal für Leinker ist sehr defekt, die Stäbe ausgeschlagen […] Vom Steindenkmal Hässlein ist die Urne herabgestürzt […] Das Zahn’sche Steindenkmal (1820) hat fast die ganze Inschrift verloren, da die später aufgetragene Oelfarbe [!] den Stein zerfraß und absprang […] Am Wielanddenkmal sind die Gesimse verstoßen und verwittert, die Inschrift schlecht leserlich […] Der Trog des Brunnen bedarf in folge Lockerung der Lagersteine des Zurechtrückens, die letzteren des Festmörtelns […] Am Abtritte ist inwendig ein Hacken zum Verschließen anzubringen, und sind die Wände von unflätigen Inschriften zu säubern […] die dringende Nothwendigkeit besteht, mit den Reparaturen nicht zu warten, bis zum Jubiläum 1894 größere Summen flüssig werden […] Zur Deckung der Kosten der bezeichneten Verbesserungen wird es kaum zu vermeiden sein, soweit sich diese nicht aus dem Jahresvoranschlage bestreiten lassen, die neuen dem Orden gemachten Schenkungen in Anspruch zu nehmen […] Ordensrath Lorsch, Ordensrath Geißler, Schriftführer Müller, II. Vorstand Schmidt.

„Freitag den 14. Juni [1889]
[…] Unser Schmerzenskind der Irrhain kam wieder zur Sprache, der seit dem Wegzuge unseres Freundes u. Ehrenmitgliedes des Herrn Forstmeisters Meyer leider jeder Beaufsichtigung u. jedes Schutzes entbehrt u. so aller Willkür preisgegeben ist. Es haben sich infolgedessen, wie namentlich Freund Knapp zu berichten weiß, draußen arge Mißstände ergeben.
Um nun das seit Jahrhunderten dem Orden anvertraute Kleinod vor gänzlichem Verfall zu wahren, und dem unbefugten Besuche desselben seitens anderer Vereine zu steuern, ist es nothwendig mit maßgeblichen Persönlichkeiten in Kraftshof wieder Fühlung zu gewinnen. Zu diesem Behufe begibt sich nächsten Sonntag eine Abordnung, bestehend aus A. Müller, Fr. Knapp, C. [?] Ballhorn, nach Kraftshof um hier mit dem Forstamte zunächst, u. dann auch mit dem Jugendbildner, dem Kantor, nöthige Rücksprache zu nehmen. Wer sich sonst auch von Mitgliedern dieser Wanderung anschließen will, wird willkommen sein.
Bei dieser Gelegenheit soll auch beim Forstamte die Anfertigung eines 2. Schlüssels (einer befindet sich in dessen Besitz) zu der einen Hütte, für den Orden selbst, (u. für dessen Rechnung) beantragt werden. Auch werden genannte drei Bevollmächtigte mit dem Wirthe Raum wegen des Irrhainfestes am 10. Juli, bereits Rücksprache nehmen.
Außer diesen Schutzmaßregeln, die in Kraftshof selbst erzielt werden sollen, wird auch unser 2. Vorsteher Herr Postmeister [er ist befördert worden] Schmidt, das Bezirksamt in Fürth angehen uns dienlich zu sein und der Gendarmerie anzuempfehlen, bei ihren Streifzügen, Aufsicht über den Irrhain mitauszuüben.
Freund Müller berichtet, daß die für das Irrhainfest zu gewinnende Musik für ihre Leistung 50 Mark verlangt, aber auch bedingt, daß sie hin u. zurück gefahren werde: Das wären für einen Wagen weitere 10 M, im ganzen also 60 M für den musikalischen Theil. — Da man sich wohl sagen muß, daß von der Musikbande nicht fernerhin verlangt werden kann, daß sie ihren weiten Weg zu Fuß zurücklege, so werden diese 60 M bewilligt. […]

Freitag den 21. Juni
[…] Konsul Knapp schildert in lebhaften Farben seinen neulich dem Irrhain abgestatteten Besuch, der ihm die schon oft gemachte Erfahrung bestätigte, daß der Irrhain vom Publikum nicht als Privateigentum betrachtet, sondern anstandslos nicht nur von einzelnen Personen, sondern sogar von ganzen Vereinen heimgesucht würde. Bei den Erörterungen, wie dem abzuhelfen sei, tritt Knapp für Abschließung des Tores ein, während Schmidt eine Verbotstafel angebracht wissen will. Das erstere würde natürlich eine vollständige Wiederherstellung der vielfach zerstörten Umgrenzung des Haines bedingen. Erfreulich ist das Entgegenkommen des Rottmeisters und des Kantors in Kraftshof mit welchen die Abordnung des Ordens wegen der Schutzmaßnahmen Rücksprache genommen haben.  […]

Freitag d. 12. Juli
[…] Der Vorsitzende giebt nun einen Bericht über das in jeder Hinsicht wohlgelungene Irrhainfest am 10. Juli, und verliest zwei sehr ausführliche u. hübsche Berichte über dasselbe, welche der Korrespondent v.u.f.D. und der General-Anzeiger gebracht haben. — in beiden wird nun über die Buschklepper der Dörfer geklagt, welche hinter dem Rücken der Festtheilnehmer gierig u. frech über deren Speisen u. Getränke herfielen.
Dieser letztere Gegenstand, giebt der Versammlung erneute Veranlassung, sich über die Schutzlosigkeit des Irrhaines und unserer Eigenthumsrechte an demselben bitter auszusprechen. Infolgedesen stellt der Herr Vorsitzende folgende Anträge:
a, An der Thür zum Irrhain soll eine Tafel von Eisenblech angebracht werden mit der Inschrift: „Das Betreten des Irrhains ist nur den Mitgliedern des P. Bo. und den von diesem Ermächtigten gestattet“
b, Die Thür des Irrhains ist verschlossen zu halten; dagegen steht es den Mitgliedern des P. Bo. frei, sich den Schlüssel hierzu sowie den zu der Tische u. Bänke enthaltenden Hütte vom 1. Vorstande verabreichen zu lassen, oder sich für eigene Rechnung einen Schlüssel anfertigen zu lassen.
Es werden beide Anträge einstimmig zu Beschluß erhoben […]
Schriftführer Ballhorn bringt einen ihm von Pfarrer Kündinger in Kraftshof zugegangenen Brief vom 11. d. M. zur Kenntnißnahme, worin dieser mittheilt, daß am selben Tage ein arger Gewittersturm im Irrhain gehaust habe, welcher eine große Eiche niedergeworfen, die dann in ihrem Fall unsere Aufbewahrungs-Hütte halb zertrümmert habe, sodaß deren Inhalt zu jedermanns Verfügung offenliege.
Der Schriftführer hat infolgedessen sofort an Rottmeister Hofer in Kraftshof geschrieben, daß er so schnell als möglich, für unsere Rechnung, den Schaden wieder ausbessern lasse, damit, wie der Pfarrer warnend bemerkt ,Tisch u. Bänke nicht Füsse bekommen’ — dem Pfr. Kündinger habe er gleichzeitig gedankt für seine freundliche Aufmerksamkeit.
Die Versammlung heißt das Vorgehen Ballhorns einstimmig gut u. beschließt nachträglich die Wiederherrichtung der Hütte auf Ordenskosten. […]“

„20. W.V. Freitag den 23. Mai [1890]
[…] Das Protokoll der 19. W.V. wird gelesen, aber in einem Punkte beanstandet und deshalb nicht unterzeichnet. Es erscheint nämlich zweifelhaft, daß, wie es in demselben heißt, in der letzten Versammlung der Beschluß gefaßt worden sei, in besonderen Fällen einzelnen nahestehenden Vereinen die Benutzung des Irrhains nicht zu versagen, vielmehr herrscht bei den Anwesenden die Ansicht vor, daß aus einer solchen Inkonsequenz dem Orden nur Unannehmlichkeiten erwachsen würden. […]
Zum Schlusse regt Geißler an, dem Rottmeister von Kraftshof ein kleines Geschenk zu machen. Es wird beschlossen, ihm 100 Zigarren im Werte von 7 M zukommen zu lassen. […]“

Ein „Rottmeister“ war ein dem Förster unterstellter Vorarbeiter.

„23. W.V. Freitag den 13. Juni 1890
[…] Vergangenen Sonntag haben einige unserer Herren (Knapp mit Familie, Postmeister Schmidt mit Familie, Rud. Geißler mit Frau, Aug. Müller mit Fam) den Irrhain besucht, um dort als Abgesandte des Ordens sich nach der Verfassung des Haines umzusehen, vor allem aber auch mit dem Forstpersonal wieder die nöthige Rücksprache zu nehmen. Oberförster von Hartlieb zeigte sich wieder sehr entgegenkommend und sein factotum (auch das unsere in dieser äußeren ,Waldangelegenheit’) der Rottmeister Hofer, wird nicht ermangeln mit aller Macht und Findigkeit wiederum u. für fernere Zeiten auch dem Orden zu Diensten zu sein. — Das ihm namens des Ordens überreichte Kästchen Cigarren zu 7 d das Stück hat ihn ganz begeistert; er wird das edle Kraut zu Ehren der Pegnitzschäfer mit großem Behagen schmauchen!
Einen sehr glücklichen Griff hat unser 2ter Herr Vorsteher gethan, indem er durch die Macht seiner Rednergabe den Gewaltigen des Orts, den Herrn Bürgermeister von Kraftshof als den Schutzherrn unserer geselligen Versammlung an wohlbesetzten Tischen gewonnen hat. Dieser hat versprochen seine etwas zigeunerhaft angelegte Jugend stramm im Zaum zu halten. […]

„26. Wochenversammlung, Freitag d. 4. Juli 1890
[…] Dankschreiben für die Einladung zum Irrhainfest sind eingelaufen von der Burschenschaft Germania, Bubenruthia, Franconia, dem Corps Onoldia u. Bavaria in Erlangen; […]

28. W.V. Freitag den 17. Juli 1891
[…] Dr. Heller betont noch den schlechten d.h. ungünstigen Platz der Zuschauer [beim Irrhainspiel] u. soll dahin getrachtet werden, denselben nach Möglichkeit günstiger zu gestalten. […]

Ausschuß-Sitzung 15 Januar 1892
[…] 2) soll eine Verschönerung des Irrhains beziehungsweise ein Gedenkstein für Harsdörfer mit dessen Reliefbild in Bronce ins Auge gefaßt werden […]
zu 2. Ueber das, was am Festplatz geschehen soll (daß etwas geschehen müsse, darüber ist man einig) machen sich verschiedene Ansichten geltend.
Ein Erinnerungszeichen an Harsdörfer wird allseitig als schöner Gedanke begrüßt, dessen Ausführung aber auch von den Kosten abhängig gemacht; als Sachverständigen schlägt Herr v. Kreß Professor Wanderer vor und wird sich Präses mit diesem Herrn benehmen.
Dr. Heller glaubt, daß die Verschönerung des Irrhains zunächst ins Auge gefaßt werden solle und wünscht, daß vor allem das Thor würdig hergestellt werden solle.
Präses wäre für diesen Fall der Ansicht, daß  dann der Name Martin Limburger’s, darauf angebracht werden solle, dessen Bemühungen der Orden den Irrhain verdankt. Verschiedene Ansichten werden noch gehört und dann diese Vorbesprechung verlassen. […]

23 Freitag den 24 Juni 1892
[…] Geißler berichtet über die am [Lücke] mit Herrn Professor Wanderer unternommene Fahrt in den Irrhain an welcher auch Knapp und Müller theilnahmen. Die Denkmäler sollen mit Epheu umpflanzt werden; das von Wieland mit einer Tafel v. Kelheimer Stein mit entsprechender Inschrift versehen werden und in dem andern der Name Limburger’s eingemeiselt werden, um das Andenken an den Stifter des Irrhains der Nachwelt zu überliefern. Das Portal soll in dem oberen Theil eine Änderung erhalten und das Reliefbild Harsdörfers darauf angebracht werden; Kostenaufwand ca. 5-600 m. Einige an Bäumen angebrachte Tafeln sollen entfernt werden und in der Hütte Platz finden. […]

23 W.V. Freitag den 14 Juli 1893
[…] Dr. Beckh legt den Entwurf Wanderer’s für das Portal im Irrhain vor; welcher in Bezug auf seine mit Einfachheit gepaarte Schönheit allen Beifall findet, nur wird der auf 1550 m berechnete Kosten-Voranschlag den finanziellen Verhältnissen des Ordens gegenüber als zu hoch empfunden.
Knapp glaubt, daß die Weglassung der beiden Figuren (Pegnitzschäfer und –schäferin) eine ansehnliche Abänderung der Kosten ergäbe.





Dr. Heller findet die Kosten zwar nicht zu hoch, meint aber doch, daß den künftigen Generationen auch etwas zu thun übrig gelassen werde. […] Heller vermißt ungern die am alten Portal befindliche Aufschrift ,Irrwald’ und soll darüber mit Wanderer gesprochen werden.
Dr. Beckh bespricht die noch weiter beabsichtigten Verschönerungen des Irrhains, die zum großen Theil Aufgabe des Forstamts seien, daß der Name Limpurgers [sic] auf einem der alten Denkmale angebracht werde, wird wiederholt betont.
[…] Müller bringt ein Inserat zur Kenntniß, nach welchem der Maxfeld-Turnverein für nächsten Sonntag einen Ausflug nach dem Irrhain ausschreibt; da dieß ein für allemal nicht angeht, soll der Vorstand des Vereins […] hiervon verständigt werden […]

24 W.V. Freitag 21 Juli 1893.
[…] Dr. Beckh legt nochmals den Entwurf Wanderer’s zum Portal vor u. spricht sich dahin aus, daß er zu der Ansicht gekommen, die Kosten seien für den Orden doch zu hoch und daß eine einfachere Herstellung anzustreben sei, zumal eine Umzäunung des Irrhains auch nöthig sei. Man solle die Portal-Frage dem Finanzausschuß vorlegen, den er für nächsten Freitag einberufen wolle, gleichzeit. dann die Umzäunung des Irrhains mit einem Palisaden-Zaun.
Am Sonntag werde sich eine Anzahl Mitglieder zum Zwecke näherer Einsicht nach Kraftshof resp. in Irrhain begeben. […] Derselbe ist der Ansicht, daß das Portal, wie es im Amaranthes abgebildet, nicht bestanden habe.
Schmidt weist nach, daß es allerdings so gewesen, aber in Holz ausgeführt war. […] schlägt vor, Beringer mit der Aufstellung eines neuen, billigeren Vorschlags zu betrauen; letzterer meint, daß man diese Bitte zuerst Prof. Wanderer vortragen solle. Darüber will I. Praeses Beckh mit W. sprechen. […]





26t W.V. Freitag den 4 August 1893
[…] Dr. Beckh legt einen 2t Entwurf zum Portal vor, der auf Anregung Dr. Rées von Schmitz angefertigt wurde; derselbe, bei dem die Herstellungskosten ganz u. gar m 700,- betragen, und Steinmetzmeister Goeschel die Arbeiten zu diesem Preis übernimmt. Dieser Entwurf, der durch Vereinfachungen (3/4 oder ½ Säulen) noch verbilligt werden könnte, findet den Beifall der Anwesenden, die sich dafür entscheiden.
[…] Dr. Beckh bespricht nun die Umzäunung des Irrgartens, gegen welche sich vom ästhetischen Standpunkt schon die heute anwesenden Herrn v. Kreß u. Garteninspector Elpel ausgesprochen haben, denen sich auch Müller anschließt. Geißler tritt dieser Anschauung entgegen und wird die Umzäunung gegen die Stimme Müller’s genehmigt. Es wird nun ein jedes Mitglied auf seine Kosten sich einen Schlüssel machen lassen müssen & soll ein solcher beim Pfarrer von Krafftshof u. Rottmeister Hofer hinterlegt werden.

33te W.V. Freitag 3 Novbr. 1893
[…] Ferner referirt derselbe [Schmidt] über die Zusammenkunft mit Forstm. Treuheit  & Oberförster v. Hartlieb, rühmt das große Entgegenkommen der Herren, wonach der beabsichtigten Umzäunung des Irrgartens kein Hinderniß mehr im Wege steht u. betont besonders, daß der s.zeitige Erlaß des Nürnberger Waldgerichtes dadurch die staatliche Anerkennung gefunden. […] Schmidt nimmt noch Veranlassung, Rottmeister Hofer lobend zu erwähnen der bereits die Arbeiten für Bühne und Tanzplatz in Angriff genommen hat. […]

35. W.V. Freitag 17 Nobr 1893.
[…] Schmidt theilt mit, daß ihn ein Zimmermann v. Krafftshof wegen Aufstellung des Zaunes gesprochen habe, dessen Forderung er aber als zu hoch befunden; derselbe verlangte, wenn das Holz ihn geliefert, 50 d pro Meter. […]

36 W.V. Freitag den 24 Novbr 1893.
[…] Schmidt theilt mit, daß Rottmeister Hofer bei ihm gewesen, in dessen Hände die Herstellung des Zauns nun gelegt werden soll. Knapp mahnt wiederholt an Einberufung des Finanz-Ausschusses und schließt sich Geissler dieser Meinung an. […]“

Der Obmann des Finanzausschusses, Georg Frhr. Kress von Kressenstein, veranschlagte die Ausgaben für die Herrichtung des Irrhains auf 2000 Mark, davon 700 für das Portal, 800 für den Zaun und 500 für Gedenktafeln und Steine. August Schmidt stellte eine genauere Kalkulation für den Zaun auf (400 Latten, 120 Pfosten, 55 Querriegel, 40 Pfennig Arbeitslohn für den laufenden Meter) und kam auf 614, 50 M.

„3t W.V. Freitag den 19 Januar 1894
[…]  Schmidt berichtet über einen Gang in den Irrhain, bei welchem er einen sehr raschen Fortgang an den Arbeiten am Pallisaden-Zaun feststellte; auch Beringer, der mit Bildhauer Suter die Steine untersuchte, bestätigt dieß mit dem Beifügen, daß der Zaun sich nicht unschön präsentire; ferner berichtet derselbe, daß Bildhauer Suter das Umarbeiten der Steine auf beiläufig m 150.- taxire. […]“





„6t WochenVers. Freitag 9 Febr. 1894
[…] Beringer referirt über das neue Portal, von dem Architekt Schmitz Modell in Naturgröße aufgestellt hat, und legt die Zeichnung, die Abänderungen gegen die erste enthält, vor, wobei er bemerkt, daß dadurch nach s. Ansicht das Portal gewonnen hat; gleichfalls legt er im Auftrag Dr. Beckhs den mit Baumeister Goeschel abgeschlossenen Vertrag vor, welchen II. Praeses verliest. Architekt Schmitz schenkt dem Orden die Konstruktionszeichnung zum Portal; […] Die Familien von Fürer, Schrodt und Loesch erklären ihre Bereitwilligkeit, zu den Gedenktafeln beizutragen […] Frau Lorsch erbietet sich ebenfalls, für ihren verst. Gatten eine Gedenktafel herstellen zu lassen. Ausständig sind noch die Erklärungen von Notar Omeis u. Lgerichtsr. Seiler.

7t W. V. Freitag 16 Febr. 1894
Dr. Beckh verliest ein Schreiben d Herrn Justizrat Omeis, mit welchem dieser m 40. für eine Gedenktafel seines Vorfahren Magnus Daniel Omeis; diese Summe sowohl, als die von der Familie Loesch gespendeten m 55,- wurden dem Schatzmeister übergeben. […]“ — Ein Bruchstück dieser Gedenktafel hat sich erhalten; wegen der geschickten Nachahmung barocker Gestaltungsmerkmale war lange angenommen worden, sie sei aus der Zeit des Magnus Daniel Omeis. Entwürfe für die Überarbeitung und den Ersatz neuer Tafeln und Steine bzw. die Herstellung neuer kamen, wie aus dem Protokoll vom 29. Februar 1894 hervorgeht, erst einmal von August Schmidt, dem Postmeister; in der Ausführung durch Steinmetze werden sie erst endgültige Form angenommen haben.

„15 W.V. Freitag 20 April 1894
[…] Beringer berichtet über den am Schlußstein des Portals anzubringenden Kopf einer Schäferin, der im Modell hübsch ausgeführt sei; dann wegen des Gitters, daß Schmitz eine flüchtige Skizze an Kunstschlosser Frey gegeben, der zu dieser Arbeit besonders befähigt sei und in die Absicht des Künstlers einzugehen fähig;[…]“

„20 W.V. Freitag 25 Mai 1894
[…] Hering theilt mit, daß der Brunnen in Stand gesetzt sei und reichlichen Wasserzufluß; für Untersuchung des Wassers auf Reinheit u. Unschädlichkeit will Lamprecht in zuvorkommender Weise sorgen. […] Knapp betont, daß jedes Mitglied beim Verlassen des Hains das Thor schließen müsse; ferner berichtet derselbe, daß der Flurplan des Irrhains, der zu Fürth gehört, vom dortigen Bezirkrgsamtsr. Brochier zu erbitten sei, & er an diesen deshalb geschrieben habe. […] Ferner bringt Beringer von Kupferdrucker Bery hergestellte Abdrucke der im Besitz des Ordens befindlichen Kupferplatte, Wielands Denkmal im Irrhain darstellend; die Abzüge werde à 50 d je Stück abgegeben und finden von den 30 St sofort 10 Exemplare Abnehmer. […]“

„23 W.V. Freitag den 15 Juni 1894
[…] Beringer berichtet, daß sämmtliche Steine im Irrhain aufgestellt und die Vergoldung am Portal vorgenommen sei und sich prächtig ausnehme; derselbe beantragt Überdeckung des Portals mit Kupferblech, dem Hering beistimmt. Die Kosten mit m 24 werden genehmigt. […]“

So war in letzter Minute der Irrhain noch für das Jubiläumsfest herzeigbar geworden. Im Nürnberger General-Anzeiger, Nr. 13426, findet sich neben weitläufigeren Nachrichten von diesen Festlichkeiten auch eine Beschreibung der Ausstattung des Geländes: „Seit gestern Sonntag sind im Albrecht-Dürer-Verein die Gedenktafeln und Epitaphien ausgestellt, die der Pegnesische Blumenorden seinen besonders verdienten dahingegangenen Mitgliedern im schönen schattigen Irrhain bei Kraftshof errichtet. Die Gedenktafeln sind alle in abwechslungsreichen Formen und Techniken und sämtlich von Herrn Oskar Beringer entworfen und unter dessen Leitung ausgeführt. Es ist dem Künstler trefflich gelungen, den Arbeiten den Charakter der Rokoko- und Barokzeit zu verleihen […] Eine Reihe älterer Tafeln werden neuhergestellt und gereinigt, auch neue Gedenksteine werden im Irrhain errichtet.“ Als neue Tafeln werden genannt die für Dr. Heinrich Heerwagen, Joh. Heinrich Petzet, J.K. Heller, Dr. Ernst Lösch, Lorsch, Schmidmer, Franz und Valerie Schrodt, Christian Heinrich Seiler, das Ehepaar Hoffmann, den Erlanger Universitätsprofessor [Adolf] Freiherr von Scheurl; auf einer Tafel zusammen werden Christof und Anton Ulrich Fürer von Haimendorf genannt, ferner, wie erwähnt, Magnus Daniel Omeis; als neuer Gedenkstein wird der für Martin Limburger erwähnt; außerdem: der Tanzplatz, ursprünglich außerhalb am Nordende des Laubenganges gelegen (seit wann er sich dort befand, ist ungewiß), wurde in den Park verlegt, zwei weitere Hütten und ein Schaukelgerüst für Kinder wurden gebaut und eine Wurfkegelbahn angelegt.

Nun war der Irrhain vollständig verbürgerlicht.