Sorge für und um den Irrhain

Wie erging es in diesen schwierigen Jahren dem Irrhain? Es war gut, daß wenigstens vor der Kriegs- und Nachkriegszeit mit ihren anarchischen Perioden das Recht des Ordens auf Nutzung des Irrhains geklärt werden konnte.

Freitag den 22. Okt. 1915        21. Wochenversammlung
[…] Auf die Benachrichtigung des Forstamts Herrnhütte hin, daß das Fiskalat das Recht des Pegn. Bl. Ord. an den Irrhain als ein obligatorisches, nicht dingliches Recht erkläre, hat Brügel die Ansicht eines weiteren, objektiv denkenden, seiner Ansicht Beipflichtenden erholt. Derselbe erklärt, daß in der Weise wie die Art der Eintragungen in das Grundbuch unter seiner persönlichen Beteiligung vorgenommen wurden, das Recht des Ordens an den Irrhain unbedingt als ein dingliches betrachtet u. dementsprechend registriert werden müße. Personell, recte obligatorisch könne es nicht sein, da dieses eine Aufgabe des Rechts entweder schon mit Ableben der Person oder spätestes ihrer etwaigen Rechtsnachfolger voraussetze u. der- oder dieselben in keinem inneren Zusammenhang mit dem Objekt stünden. Mit dem Pegn. Bl. Ord. sei das insofern anders, als der Irrhain das Wesen des Ordens gewißermaßen mit verkörpern helfe u. die Verbindung des Ordens mit demselben erstens einen hervorragenden Teils seines Zusammenhangs bilde u. zweitens die ganze Geschichte des Ordens mit dem Besitz dieses Grundstücks eng verknüpft sei. Des Weiteren komme in Betracht, daß der Orden, als Corporation eine Verbindung von nicht begrenzter Dauer sei u. infolgedessen an ein Aufhören der Nutznießung nur bei der völligen Auflößung desselben gedacht werden könne. Daraus gehe hervor, daß das Recht des Ordens an den Irrhain als ein dingliches zu betrachten sei. Brügel wird Dr. Eßlinger veranlaßen auf Grund dieses Bescheides die Eintragung des Waldverlaßes in das Grundbuch in die Wege zu leiten. Der Waldverlaß selbst findet sich im „Amaranthes“ abgedruckt. […]

Bericht des I. Schriftführers über das Ordensjahr 1915
[…] Von der Abhaltung des Irrhainfestes in der sonst geübten Weise konnte ebenfalls keine Rede sein. Um den Mitgliedern jedoch Gelegenheit zu geben sich in größerer Anzahl im Irrhain zusammenzufinden arrangierte Wießner in Verbindung mit der Ordensleitung am 30. Mai & 28. Juni je einen Irrhaintag. Durch gesangliche Vorträge patriotischer wie heiterer Weisen einer Abteilung des Männergesangvereins und verschiedene, zeitgemäße Ansprachen aus der Versammlung gestalteten sich diese beiden Tage zu einer würdigen Kundgebung patriotischer Erhebung. […]
Außer, aus einem Einbruchsversuch hergeleiteten, kleineren Beschädigungen und einer Anfüllung des Kellers mit Grundwasser, welch beide Schäden durch die emsige Tätigkeit unseres Irrhainvaters bald wieder behoben wurden, widerfuhr demselben [gemeint ist der Irrhain!] weiter kein Unheil. […]

Bericht des I. Schriftführers über das Ordensjahr 1916.
[…] Der Irrhain hatte Gelegenheit zu einem richtigen Dornröschenschlaf. An die Abhaltung irgend einer Veranstaltung war wegen der absoluten Unmöglichkeit der Beschaffung von Beförderungsgelegenheiten nicht zu denken. Mit der Verpflegung sah es ebenfalls nicht günstig aus […]

Ordentliche Hauptversammlung am 8. März 1918.
[…] An Stelle der alten, morschen, sich durch rührende Einfachheit auszeichnenden Tische und Bänke sollen neue, teils aus Birken-, teils aus Eichenholz gefertigte Bänke mit Rücklehnen und breitere Tische angefertigt werden. Deßgleichen ist eine Bepflanzung der Bühne mit einigen passenden Sträuchern und Bäumen geplant, die zugleich als natürliche Dekorationen gedacht sind. Soweit die Mittel reichen, soll auch die Küche einer Erneuerung unterzogen und eine Neufassung und künstlerische Ausstattung des Brunnens betätigt werden. Der erste Teil der Erneuerungen ist bereits im Gange. […]

Jahresbericht über das Ordensjahr 1918.
[…] Der für den Irrhain geplante Neuaufbau von Tischen und Bänken konnte bis auf die Aufstellung von einigen Musterbänken, wegen Mangel an Arbeitskräften nicht durchgeführt werden. […]

Mit Schwung ins Leere. Warum hätte man es nicht versuchen sollen? In Nürnberg standen jede Menge kürzlich fertiggestellter, prächtiger Jugendstilgebäude herum, neue Mietskasernen in einem Stil, den man vielleicht expressionistisch nennen konnte (mit vielen unmotivierten Zacken), waren kurz vor der Fertigstellung, Gartenvorstädte wurden angelegt — warum sollte man nicht im Vertrauen auf den unausbleiblichen Aufschwung selber auch ein bißchen bauen? Aber… nicht für das Geld, das man bereit und in der Lage war auszugeben.

Freitag den 10 Mai 1918        2. Wochenversammlung
[…] Wießner berichtete über wiederholte Besuche des Vereins: Alt-Wandervögel, unter Führung Frl. Stellers, im Irrhain. Die allzufreie Benützung desselben durch diesen Verein veranlaßte Wießner […] auf das Unstatthafte einer derartigen Eigenmächtigkeit aufmerksam zu machen […] Da trotzdem kurz darauf ein weiterer Besuch des Vereins mit den gleichen Ueberschreitungen stattfand, teilte Wießner der Vorstandschaft desselben brieflich mit, daß ein weiterer Besuch des Vereins in dem Irrhain nicht mehr zugestanden werden könne […] Das Auftreten des Irrhainpflegers fand die vollständige Billigung der Versammlung. Im Wiederholungsfalle wird der Orden selbst einschreiten. […]

Solche Unbotmäßigkeit der Alt-Wandervögel war wohl eine der Ursachen für das Mißtrauen gegen die ein Jahr später versuchte Gründung einer Pegnesenjugend.

Freitag, den 14. März 1919        9. Wochenversammlung
[…] Herr Wießner berichtet, daß der Einbruch in den Irrhain nicht so groß sei und daß er nun doch dafür sei die Hütte auch heuer einräumen zu lassen; die Fenster sollen Gitter bekommen gegen weiteren Einbruch.

Hans Wießner ließ mit Reparatur- und Verschönerungsplänen nicht locker:

Freitag den 25. April 1919.    Fortsetzung der Ausschußsitzung vom 11/4. 19
[…] Als vordringlich […] nannte Wießner die Ausbesserung der Hütte, welche infolge eines durch Setzung entstandenen Rißes vermauert werden muß, die Reparatur des Brunnens, die Herstellung einer Brunnenhülle (Ueberdachung aus Holz) Kostenpunkt circa M. 450- für beide Teile und die Aufrichtung von Tischen und Bänken. Weiter wird benötigt ein neuer Damenabort. […]

Rückblickend berichtet Wilhelm Schmidt in seiner ungedruckten Festschrift von 1944:

[…] Am 25. 5. 1919 wurde ein Frühlingsfest im Hain gehalten, in den folgenden Jahren in der gewohnten Zeit, Ende Juni oder anfangs Juli, ein Irrhainfest mit Festspiel. Die Schülerkapelle des Realgymnasiums, der Laucherchor und der Singverein Fürth wirkten bei den Festen mit. Nur dadurch war es möglich, mit den verfügbaren Mitteln die Irrhainfeste durchzuführen. […]

Sonntag, den 25. Mai 1919
An diesem schönen und sonnigen Maitag fand im Irrhain eine gemütliche Zusammenkunft des Ordens statt. Man konnte mit Befriedigung feststellen, wie sehr Herrn Wießners eifrige Tätigkeit die Schönheit des Haines zu heben sucht. […] Der Magen wurde gelabt durch Kaffee und Kuchen und frisches Bier; [hier fehlt in der Berichterstattung eines Herrn Ries, was im Fränkischen Kurier so dargestellt ist:]
[…] Wer schon am Morgen in den Hain kam, für den sollten die Ueberraschungen kein Ende nehmen. Was einen da empfing, war Jugend, Jugend, die lachte und tanzte und sang und in der Küche Mittagessen kochte. Erlanger, Fürther und Nürnberger Wandervögel waren in den Hain geraten und gaben dem Fest einen fröhlichen Auftakt. Leider ließen sie sich, wie Waldgeister, wenn die Kultur kommt, von den ankommenden wirklichen Pegnesen vertreiben. Aber irgend etwas von der Jugend mußte noch zurückgeblieben sein, denn man fand bald eine Ecke im Wald, aus der die einen lächelnd, die anderen etwas griesgrämig hervorkamen. Es hingen dort Marterln an den Bäumen, schalkhafte Zeichnungen mit Versen, z.B. eine große Träne, darunter geschrieben:

Dieses Monument ist geweiht der alten teutschen Jugend,
Welche noch hatte Ehrfurcht, Sanftmut und Tugend,
Sie ließ sich fromm am starken Gängelband führen,
Las Marlitt und tat Geibel deklamieren;
Die neue macht uns nur Ungemach,
Drum weinen wir der alten diese stille Träne nach.
Der Irrhainvater, Herr Hans Wießner, hatte soviel Humor, dieser neuen Irrhainkunst, die auch vor seiner eigenen Person nicht zurückgeschreckt war, in seinen Begrüßungsworten lachend zu gedenken. […]
[weiter im Ries’schen Protokoll:] der Geist u. Sinn wurde ergötzt durch herrliche Lieder, die in vorbildlicher Weise von dem Herrn- und Damenchor des Herrn Landesgerichtdirektors Laucher zu Gehör gebracht wurden. zwei Damen dieses Chor [sic] erfreuten durch Vorträge zur Guitarre und Herr Ries trug Gedichte vor. Herr Wießner eröffnete das Zusammensein durch eine kurze Ansprache. Im Anschluß daran verlas er einige, schöne lyrische Gedichte des Mitgliedes El. Leffler. [… Es blieb der] vielfach geäußerte Wunsch nach einem weiteren ähnlichen Irrhainnachmittag. […]

Freitag den 10. Okt. 1919        26 Wochenversammlung
Von Herrn Wießner lief ein Schreiben mit der Mitteilung ein, daß er den Verein Wandervögel Nbg. am 5/10 vormittags im Irrhain vorgefunden, dessen Schlüßel er [der Verein] sich, unter Vorgabe der Erlaubniß dazu von Herrn Zilcher, resp. Wießner sen., von Hofpeter habe geben laßen. Laut Einlage hat Wießner die Angelegenheit mit dem Verein Wandervögel & Hofpeter selbst geordnet. […]

Es sah ganz danach aus, als sei Wießner ganz auf der Seite des hochehrsamen Vorstands. Doch, wie schon einmal, kam ihm hinterher die Galle hoch:

Nürnberg, den 2. November 1919
Sehr geehrter Herr Wießner!
Die Ordensleitung ist auf Ihre ausdrückliche Erklärung dem Herrn Börner gegenüber, daß die Anfertigung und Anbringung der seinerzeitigen Materln [sic] im Irrhain Ihrer persönlichen Anregung entsprungen ist und sie die volle Verantwortung dafür tragen, bereit, die seinerzeit erfolgte, persönliche Kritik darüber, nachdem dieselbe an die falsche Adresse gerichtet war, als ungeschehen zu betrachten.
Hochachtungsvoll
gez. Dr. Ackermann
I. Vorsitzender
gez. O. Börner
I. Schriftführer
(Die Auffassung des Herrn Börner, als ob ich die Anregung zu den Materln gegeben hätte, ist falsch.)
Als Entschuldigung ist die denkbar unrichtigste Form gewählt, denn jetzt wendet sich die Beleidigung von meinem Sohne ab und  trifft mich.
Uebrigens hat der Orden die Angelegenheit ganz sachlich behandelt, die einzelnen Herren machten wohl erregte Kundgebungen, blieben aber im Rahmen der Besprechung. Der Ausspruch geschah nach Aufhebung der Sitzung durch Herrn Dr. Ackermann ganz persönlich und es durfte erwartet werden, daß derselbe an der gleichen Stelle eine Zurücknahme erfolgen lassen würde, was nicht geschehen ist, sonach ist die Sache noch in der Schwebe.

Ordentliche Hauptversammlung am 27. Feb. 1920.
[…] Ferner setzt sich Wießner nicht nur für eine Maifeier, sondern auch für die Wiederabhaltung des Irrhainfestes ein. Da keine Bedenken dagegen laut werden, wird Fräul. Elisabeth Leffler ersucht, ein Irrhainfestspiel zu schreiben. […]

Es sieht ganz nach einer Versöhnung mit einem Teil der aufmüpfigen Jugend aus, wenn die 1. Vorsitzende der nicht zustandegekommenen Jugendgruppe als Autorin herangezogen wird.

Freitag, den 6. April 1920        10. Wochenversammlung
[…] Wießner berichtet, daß durch die liebenswürdige Mithilfe einiger Mitglieder u. Jungkräfte die Tische und Bänke im Irrhain wieder in Stand gesetzt und der Keller zum größten Teil von Wasser entleert sei. Bei noch weiterer gütiger Mithilfe der Herren Dr. Reubel, Prof. Bohneberg p.p. hoffe er am Sonntag den 18/4. den Keller vollständig entleeren und zur Aufnahme von Getränken bereitstellen zu können. […]

Freitag den 2. Juli 1920        20. Wochenversammlung
[…] Der Antrag Wießner die Kosten für Asphaltierung des Tanzplatzes im Irrhain zur Verminderung der großen Staubplage beim Tanzen zu genehmigen, wird nach Befürwortung durch den Schatzmeister angenommen. […]

Nicht gekennzeichneter Zeitungsausschnitt:

Pegnesischer Blumenorden.
[…] Am Dienstag [?!] 26. Juni fand zum erstenmale wieder seit 6 Jahren ein Irrhainfest statt. […] Bald war trotz reicher Vorsorge für Aushilfstische und -Stühle fast kein Plätzchen mehr zu haben. […] Ein von dem 1. Vorsitzenden des Ordens [Ackermann] gedichtetes Festspiel „Irrhainerlebnis“ löste sowohl durch seine kerndeutsche Fassung wie durch geschickte Wiedergabe der Mitwirkenden wohlverdienten Beifall aus. Nach Absingung des von Eberh. Frhrn. v. Scheurl gedichteten Irrhainliedes und nach den von den beiden Vorsitzenden gehaltenen Ansprachen, deren erste zugleich eine Gedenkfeier für die gefallenen und seit 1914 verstorbenen Ehren- und ordentlichen Mitgliedern des Ordens bildete, durfte sich die zahlreich versammelte Jugend zu den Klängen eines Bandoneons dem Tanz hingeben. Die dazwischen liegenden Pausen füllte in anerkennenswerter Weise mit freudigem Eifer die Schülerkapelle des Realgymnasiums aus. […]

In der internen Berichterstattung sah das so aus:

Bericht über das Ordensjahr 1920
[…Bei dem] am 30. Mai stattgehabte[n] Familienfest im Irrhain […] flüchteten sich, als alle Hoffnung auf eine Klärung des Himmels schwand, nach Kraftshof, zum Irrhainwirt Hofpeter […] entwickelte sich, trotz Regen, auch dort, bis zum Abgang der Autos, ein recht heiteres Leben, zu welchem die Vorträge des Gesangvereins Fürth wesentlich beitrugen […] Dafür brachte dem Orden der 26. Juni, der Tag des Irrhainfestes einen um so sonnigeren Tag. Auch zu diesem war der Besuch ein derart starker, daß ein Teil der Gäste sich mit dem Rasen und sonstigen, improvisierten Unterkunftplätzen begnügen mußten. Erfreulich war, daß auch aus unserer Nachbarstadt Erlangen sich wieder einmal eine stattliche Anzahl Studenten eingefunden hatte. […]

Bericht über das Ordensjahr 1921.
[…] suchte Wießner durch eine Holz-Transaktion zwischen dem Forstamt und dem Hersteller der Tische und Bänke den Restbetrag von M. 700.- hinwegzubringen, was seinen fortgesetzten Bemühungen auch aufs Beste gelang. [… Der Mann war unentbehrlich. Und er wußte es.]
Das, am Sonntag den 19. Juni abgehaltene Irrhainfest hatte leider unter der an diesem Tage herrschenden, ausnehmenden Kühle zu leiden. […] Das, von Frl. Carola Kellermann gedichtete Festspiel […] durch die große Anzahl der zur Aufführung benötigten Personen dem Regisseur schwere Arbeit machte. Nach Ansicht des Berichterstatters sollte als Vorschrift aufgestellt werden, daß das Festspiel nicht mehr als höchstens 6 Mitwirkende beansprucht und sich möglichst ohne besondere Kostüme durchführen läßt. […] Die zum Kauf aufgestellten Lampions mußten fast ganz wieder mitgenommen werden. […]