Unstete Irrhainpflege

Der neue Irrhainpfleger hatte anfangs eine glückliche Hand und wohlmeinende Verbündete. Auf die Dauer fühlte er sich aber doch überlastet.

Freitag, den 24. Februar 1924    Ordentliche Hauptversammlung
[…] Reubel machte darauf aufmerksam, daß im Jahre 1926 250 Jahre verfloßen seien, seit der Irrhain dem Orden zugehöre, und bittet schon jetzt mit der Beschaffung der Mittel für eine würdige Begehung dieses Jubiläums zu beginnen. Er sowohl, wie Herrling schlagen vor die überschüßigen Bestände an Münzen, Medaillen & Büchern zu veräußern […]
Lambrecht teilt mit, daß Herr Geheimrat Johannes Grasser eine jährliche Irrhainspende von 100,- Goldmark zugesagt und für 1924 an ihn überführt hat […] Hervorzuheben ist, daß das Irrhainfest, obwohl es reichliche Mittel erforderte, durch die eifrige Werbetätigkeit des Irrhainpflegers, Dr. Günther Reubel, ganz ohne Zuschuß vom Schatzmeister durchgeführt wurde […]

Es muß sich um das zurückliegende Irrhainfest 1923 gehandelt haben, wofür wegen der Inflation noch kein Voranschlag aufgestellt hatte werden können.

Bericht über das Ordensjahr 1924
[…] Am Sonntag den 2. Juli fand das Irrhainfest statt, begünstigt vom herrlichsten Sommerwetter […] Das Festspiel hatte diesmal Herr Artur Kreiner von Amberg verfaßt. Es zog geistvolle Vergleiche zwischen den Hoffnungen und Sorgen unserer Tage und den geistigen Kämpfen und Stürmen zu den Zeiten des Hans Sachs, Albrecht Dürer und Willibald Pirckheimer. […] kam noch ein Festgedicht von Herrn Dr. Eberhard Freiherrn von Scheurl zur Verlesung. Hochbefriedigt kehrten die Teilnehmer — großenteils zu Fuß durch den Wald — nach Hause zurück […]

Ein nicht gekennzeichneter Zeitungsausschnitt vom 24. Juni 1924 gibt ein noch genaueres Bild des seltsamen weltanschaulichen Durcheinanders:

[…] Fern dem äußerlich-anspruchsvollen, kampflustig-hervorstrebenden, modisch-wechselreichen Getriebe des Literatentums geht der Pegnese in dem innerlich-selbstlosen, versöhnlich-sinnigen, zeitlos-beharrlichen Wesen der dem deutschen Volke beschiedenen Meisterwerke der Dichtkunst auf. Dabei weiß er aber auch das Werdende als Schönheitssucher zu würdigen […] Dies war der Sinn der Ansprache, die der Vorsitzende des Ordens, Herr Oberstudiendirektor a.D. Dr. Ackermann an die […] zahlreich erschienenen Mitglieder des Ordens und namentlich auch an die akademische Jugend richtete […] Was dem deutschen Volke not tut, was es als seine heilige Hauptaufgabe zu bewähren hat, ist die Pflege vaterländischen Geistes. In tief zu Herzen dringender Rede mahnte hierzu […] Hr. Dr. Behringer, und eine schwungvolle, packende Dichtung Herrn Prof. v. Scheurls […] regte zur Selbstbesinnung, zur einigen Aeußerung deutscher Kraft und zu neuem Glauben an des Vaterlandes Wiedererhebung an. […] rauschten in den dunklen Wipfeln noch die Schlußzeilen des Festliedes nach. „Im Bunde laßt die Herzen glüh’n Alldeutschland, dir, für immer!“

Bericht über das Ordensjahr 1925
[…] Am Sonntag, den 28. Juni fand bei leider nicht sehr günstigem Wetter das Irrhainfest statt. […] nach dem Umgang mit Musik lauschten die Festteilnehmer dem an recht deutschen Gedanken reichen Festspiel „Das Erwachen“, das Herr Baron von Scheurl gedichtet hatte. […] Die beiden Herren Vorsitzenden hielten hierauf […] von warmer Vaterlandsliebe durchglühte Reden. […]

Irrhainfest
[Zitat aus einem eingeklebten Zeitungsausschnitt ohne Quellenangabe:] Das Festspiel, von dem Ordensvorsitzenden selber, Professor Dr. Eberhard Freiherr v. Scheurl verfaßt unter dem Titel „Erwachen, ein deutsches Singspiel“ war kunstvoll in der Form und von patriotischem Empfinden getragen. Die feine stimmungsvolle Musik dazu hatte in uneigennütziger Weise Herr Georg Blum komponiert. [Zitat aus einem weiteren Ausschnitt ohne Quellenangabe:] es sucht unter Verwendung allegorischer Figuren den Kräften des deutschen Seelenlebens nachzuspüren und klingt in einen vaterländischen Hymnus aus.

Vorstands- und Ausschußsitzung    9. 10. 25     7 Uhr
[…] Fünftens spricht Herr Dr. Reubel über die Vorbereitungen zum Irrhainjubelfest. Der Irrhain müßte etwas gründlicher hergerichtet werden. (Zaun, grüne Hütte) Dies zu beaufsichtigen u. vor allem in die Wege zu leiten, fehle ihm die Zeit. Er schlage aber vor, man möge sich an den früheren Irrhainpfleger, Herrn Wiesner [sic], wenden mit der Frage, ob jener nicht sein früheres Amt wieder übernehmen wolle.

Vorstands- und Ausschußsitzung    15. II. 26 […] Burgstraße 10
[…] Lösch schlägt vor sich an Deutsch Amerikaner zu wenden mit der Bitte um Zuschüsse zum Irrhainjubelfest, zum Beispiel an die Steubengesellschaft. […]
Der frühere Irrhainpfleger, Herr Dr. Reubel, stellt fest, daß im Irrhain für das 250. Jubelfest Vieles in Stand gesetzt werden müsse, z.B. der Zaun, Tische, Bänke, die verschiedenen Hütten; es müsse mit 4-500 M. Kosten gerechnet werden. […] Professor Lösch, der in den letzten Monaten vorläufig die Geschäfte des Irrhainpflegers besorgte, will dies auch ferner tun mit Ausnahme des geldlichen Teils und der Werbearbeit. Herr Hans Wießner soll gebeten werden, dieses zu übernehmen. […]

Freitag, den 19. Februar 1926    Ordentliche Hauptversammlung
[…] Zum Irrhainpfleger wird Herr Professor Georg Lösch gewählt […]

Für das besondere Irrhainfest werden 1000 M angesetzt, 500 erwartet man aus Eintrittsgeldern zu 2 M.

7. Juni 1926                Vorstands- und Ausschußsitzung
[…] 250jährige Feier des Irrhains […] Einladungen an die Presse und an die Behörden sollen nicht ergehen, der Stadtrat soll nicht eingeladen werden, nur die Universität Erlangen. Pressemitteilungen sollen vor dem Feste im Kurier und in der Nordbayerischen Zeitung erscheinen.

Es scheint eher eine Sparmaßnahme als ein Ausdruck der Entfremdung von Presse, Behörden und Stadtrat gewesen zu sein, was diese Beschränkung bezweckte.

18. Juni 1926        Außerordentliche Mitgliederversammlung
[…] Herr Hans Wießner, der sich bereit erklärt hat, die Irrhainpflege wieder zu übernehmen und das Fest ausgezeichnet vorbereitet, wird einstimmig durch Zuruf zum Irrhainpfleger und II. Ordensrat gewählt. […]

Bericht über das Ordensjahr 1926
[…] Am 26. Juni versammelte sich eine stattliche Schar alter und junger Pegnesen im Irrhain zum Jubelfest des 250jährigen Besitzes dieses reizvollen Fleckchens. […] Trotz des nachmittags kühlen Wetters lag doch warme, frohe Stimmung über dem Hain […] Herr Max Kügemann war diesmal der Dichter des sinnigen Festspiels, das an die Darsteller hohe Anforderungen stellte, Herr Baron von Scheurl hatte das Irrhainlied gedichtet. […] wurde unserem hochverdienten Herrn Hans Wießner die Ehrenmitgliedsurkunde überreicht […] wurden die Anwesenden noch durch den anmutigen Tanz 10 junger Mädchen erfreut […] vereinigte sich noch eine große Schar Tanzlustiger bei Hofpeter in Kraftshof, bis auch hier dem Vergnügen durch die Abfahrt der letzten städtischen Kraftwagen ein Halt geboten wurde. […]

Samstag, den 26. Juni 1926        Irrhainjubelfeier 1676-1926
[…] Was über den Verlauf des Festes zu sagen ist, erzählt der vorstehende [eingeklebte] Bericht unseres Mitgliedes, Fräulein Karola Kellermann […]
[…] Der alte Hofer mit blumengeschmücktem Stabe führt die Musik an und der Umzug durch den Hain endigt vor der kleinen Freilichtbühne. Wie hat sie sich doch zu Ehren des Festes verschönt! Grüne Kulissen zu beiden Seiten und im Hintergrund ein Felsen mit sprudelndem Quellchen. […] Die alten lieben Gestalten des Bauers und der Bäuerin, der Nymphen, Dryaden und Faune, des Jünglings und der Jungfrau erscheinen mit neuer und doch auch alter  Weisheit […] Silvan, der Herr des Waldes, und „der Schrat“ lassen sich vor den kurzlebigen Menschlein sehen und mahnen in Scherz und Ernst. Der Dichter, Max Kügemann, läßt sich [sie?] aussprechen, was ihm Herz und Sinn in unserer Zeit bewegt. Wie die Natur ihm Heil brachte, so sollen auch wir, aus dem [?] Irrsal der Stadt und der Zeit fliehend, bei ihr Genesung und Kraft finden zu neuem Kampf und neuem Glück.
[…] Der erste Präses des Ordens, Professor Dr. Eberhard Freiherr v. Scheurl, ergriff das Wort zu Begrüßung und Dank. […] Er begrüßte den Prorektor der Universität Erlangen, das Forstamt Kraftshof, die Hochschuljugend, Gäste und Mitglieder. Er gedachte, wie alljährlich, derer, die wir im vergangenen Jahr verloren haben […] Auf die Frage, ob der Orden heute noch das ist, was er vor 250 Jahren war, hat uns unser Festspieldichter heute die Antwort gegeben. Die Rede klang aus in ein Heil auf das Vaterland. Dann ergriff unser erster Präses den ehrwürdigen Pokal […]
[…] Professor Meyer […] Wir Deutsche waren von je ein Waldvolk. […] Dem deutschen Lied und dem deutschen Wald, die zusammengehören, galt das Heil des zweiten Präses. […]
In seinem [Wießners] Dank für die hohe Ehre [der Verleihung der Ehrenmitglieds-Urkunde] gedachte auch er des Gründers des Haines […] Zur größten Ueberraschung der Festgäste sprach noch Myrtill selbst in humorvollen Versen. Er erschien aber nicht in historischem Gewand, sondern unter der Maske des jetzigen Pfarrers von Kraftshof.
Das schöne Jubiläumsirrhainlied, von unserem verehrten 1. Präses gedichtet, […] klang aus in einen Treuschwur an das Heimatland.
[…] Der Orden ist kein bloßer geselliger Vergnügungsverein, auch nicht eine rein literarische Gesellschaft. Wir wollen in Pietät und Vaterlandsliebe eine Gemeinschaft sein, die die hohen Güter, deutsche Sprache und deutsche Dichtung liebt und pflegt aus allen ihren Kräften.

Aus dem „Kassa-Buch 1925-1938“69 geht hervor, daß Wießner am 31. 12. 1926 die Rechnung stellte über ein Darlehen von 601,98 M. Präses v. Scheurl spendete am 3. 6. 1926 30 M für das Irrhainfest. Die Ehrenurkunde für Wieszner hatte allein schon 25,10 M gekostet. Für Kostüme zum Irrhainspiel waren 35,40 M fällig geworden. An den Zimmermeister Seyschab waren für die vorbereitenden Ausbesserungen 377,30 M gegangen. Die Musikanten bekamen 110,25 M. Zu den kleineren Posten für den Festablauf gehörten u.a. 24 M für Laternen, 15,80 M für Schleifen (wofür auch immer die gebraucht wurden) und 3 M für den Torhüter. Die Pegnesen dieser Jahre konnten wohl zuversichtlich sein, den alten Brauch der Irrhainfeste wieder in Gang gebracht zu haben. An dem Hin und Her der Beteiligung Wießners ist allerdings zu sehen, daß man in die Angelegenheiten um den Irrhain keine rechte Stetigkeit brachte.

Vorstands- und Ausschußsitzung 10. Juni 27. 8 Uhr abends Saal des ärztlichen Vereins
[…] An Stelle von Herrn Hans Wießner, unserem langjährigen Ordensrat und hochverdienten Irrhainpfleger, der seine Ämter niedergelegt hatte, hat sich Herr Oberstleutnant Baron Lützelberg [sic] bereit erklärt, die Geschäfte des Irrhainpflegers vorläufig zu führen. […]

Bericht über das Ordensjahr 1927
[…] Ganz besonderen Anklang fand der letzte gesellige Abend des Jahres, eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier im festlich geschmückten Raume, bei der der 25jährigen Wirksamkeit des Herrn Rottmeisters Hofer von Kraftshof in unserm heitern Irrhain dankbar gedacht wurde. Der anwesende Gefeierte wurde mit einer sinnigen Gabe beschenkt, die Herr Max Kügemann mit einem witzigen Gedichte in Nürnberger Mundart überreichte. […]
[Das Irrhainfest verlief wie gewohnt, das Spiel „Michael Faustin“ war von Schauwecker verfaßt worden.]

Freitag, den 25. Mai 1928.        Ordentliche Hauptversammlung
[…] Herr Kunstmaler F. Trost wurde durch Zuruf zum Irrhainpfleger und 2. Ordensrat einstimmig gewählt. […]

Bericht über das Ordensjahr 1928
[…] vor allem sei auch an dieser Stelle des wundervollen Irrhainbildes gedacht, mit dem der Künstler [Trost] den Orden an jenem Abend [der Adventsfeier] freudig überraschte. […]
Das Irrhainfest bot den gewohnten Ablauf, wobei das Festspiel „Dürers Auferstehung“ wieder einmal von Artur Kreiner stammte. Dieser war ein oberpfälzer Heimatschriftsteller, der sich auch fränkischer Themen annahm und später Mitglied des Frankenbundes wurde.

Bericht über das Ordensjahr 1929
[… Über das Irrhainfest wird nichts Ungewöhnliches berichtet; das Festspiel „Der Irrhain des Lebens“ schrieb Türk. Trost hatte im Irrhain neue Bänke und Tische anbringen lassen.]

Dienstag, den 4. April 1930        Ordentliche Hauptversammlung
[…] Bezüglich des Irrhainfestes ist Kügemann für Einschränkung der Kosten der Schauspieler, vor allem aber für Erhöhung der Einnahmen beim Fest. […] Herr Baron Scheurl […wandte in seiner sozial verantwortungsbewußten Art ein] daß aber nach der Bedürftigkeit der Leitenden [Schauspieler Kraus] und Spielenden der Vorstand ermächtigt sein soll, den Betreffenden etwas zu vergüten. Baron Scheurl schlägt vor, daß der Zuschauerraum jedes Jahr um eine Bankreihe nach rückwärts verbreitert werden soll und der Friedhof jedes Jahr um eine Naturbank [?] und einen Tisch. […vielleicht, um die Einnahmen zu erhöhen.]

Unter den Ausgaben des Jahres 1929 finden sich 8 Mark für eine Schaukel im Irrhain. Man darf annehmen, daß sie der Kinderbelustigung diente. Aus dem Material alter Irrhaintafeln erlöste Wießner (also doch wieder er!) 5,35 M.

Irrhainfest        Sonntag, den 1. Juni 1930    Beginn 3h
Daß das Fest in der althergebrachten Weise verlief, sagt der Bericht des fränkischen Kuriers so hübsch und erschöpfend, daß dem nicht mehr viel hinzuzufügen ist. […:] Das Festspiel von Prof. Freiherrn Eberhard v. Scheurl: „Die vier Lebensalter“, gab in seiner sinnvollen, durch anmutige Kinderreigen erweiterten Folge der vier Lebensalter nicht nur eine Allegorie, sondern auch eine feinempfundene Umschreibung der Ideen des Pegnesischen Blumenordens und der  farbenreichen Geschichte des Irrhains. Der freundliche, verbindliche Charakter, der in dem ganzen Spiel vorwaltete […] das Tauschen launiger und ernster Verse schloß mit dem gemeinsamen Gesang des von Pfarrer Georg Türk verfaßten sehr poetischen „Irrhainliedes“. […]

Bericht über das Ordensjahr 1930
[Das Irrhainfest war „leider etwas verregnet“:] Bedauerlich  war, daß die Jugend von Erlangen nicht so zahlreich vertreten war, wie sonst üblich, wodurch das Vergnügen der tanzlustigen jungen Mädchen leider etwas beeinträchtigt wurde. Der vor Beginn des Festes niedergehende Platzregen war so heftig, daß er einen Teil des Friedhofs in einen See verwandelte, der nur durch das tatkräftige Eingreifen unseres trefflichen Irrhainpflegers, der eine Fuhre Sand herbeizaubern mußte, wieder beseitigt werden konnte. […] Als die Sonne dann wieder schien, begab sich der stattliche Zug der Pegnesen zum Naturtheater […Stück von Scheurl: „Die 4 Lebensalter“… Dann:] Enthüllung dreier von Kunstmaler Friedrich Trost d.J. erstellten Ehrentafeln [für Voit, Ackermann, Börner, und ausführliches ehrendes Gedenken an Lambrecht]

Dienstag, den 17. März 1931        Ordentliche Hauptversammlung
[…] Trost teilt dann mit, daß Zimmermeister Seyschab festgestellt habe, daß der Irrhainzaun, der im letzten Jahre wohl große Summen gekostet habe, wieder schadhaft sei und ebenfalls wieder erhebliche Unkosten verursachen würde. Reubel schlagt vor, daß der Staat zu günstigem Preise Holz vom Irrhain an Seyschab abgeben solle. Kügemann erklärt, man könne unmöglich wieder so große Summen ausgeben, man müsse eben sparen und den Zaun flicken, die am ersten faulenden Querhölzer zweckmäßiger arbeiten, daß das Wasser besser an ihnen ablaufe. Türk: man würde billiger zu der Ausbesserung kommen, wenn man sie ausschreiben würde. Dann würde Seyschab, auf den man ja in mancher Beziehung angewiesen sei, heruntergehen. Außerdem solle man einen Sachverständigen um sein Urteil bitten. […]

Vorstands- und Ausschußsitzung 28. V. 31. abds ½ 9 h im Hause Burgstraße 10
[…8 Anwesende …]
2. Es wird über die Benützung des Irrhains am Himmelfahrtsfest gesprochen. Der derzeitige Irrhainpfleger, Herr Trost, hat in Unkenntnis der Bestimmungen, die sich darauf beziehen, und ohne den Vorstand zu fragen, den Irrhain an Himmelfahrt einer Mädchenvereinigung der Inneren Mission unter Leitung von Herrn Pfarrer Baumgärtner kostenlos zur Verfügung gestellt. Unterdessen habe Herr Pfarrer Heckel-Kraftshof auch um Benützung des Irrhains für einen Mädchenverein gebeten u. zwar, indem er sich an den Ordensvorstand selbst wandte. Dieser teilte ihm die Summe mit, die nun, bei ganz anderen Verhältnissen als sonst, auf die Personenzahl und die Zeit des Aufenthaltes berechnet werden muß. Es entspann sich ein Briefwechsel, bei dem Pf. H. zuletzt etwas ausfallend gegen Herrn Baron v. Scheurl wurde, da er inzwischen von Herrn Pf. Baumgärtner erfahren hatte, daß dieser ohne Entgelt den Zutritt für eine große Personenzahl erhielt. Der Vorstand fordert nun von Herrn Pf. B. eine Entschädigung von 10-40 M. Es seien etwa 300 Personen gewesen; die anwesenden Mitglieder des Ordens seien etwas erstaunt darüber gewesen. Es wird beschlossen, zuerst einen Brief an Pf. B. zu richten; darauf solle der Irrhainpfleger persönlich mit ihm verhandeln. Letzterer sieht sich durch die förmliche Art etwas betroffen und möchte das Schreiben hintanhalten. Doch wird er überstimmt. Nach langer Besprechung wird der 2. Fall, Heckel-Scheurl, behandelt, dessen Ausgleich Herr Pfarrer Türk übernehmen will. Es wird beschlossen, daß ein Schild gedruckt werden solle, worauf der Hain nur gegen Zahlung auf kürzere Zeit an nicht zu viele Personen abgegeben wird. […]

Es war offensichtlich schon wieder in Vergessenheit geraten, daß der Orden überhaupt nicht ermächtigt ist, die Nutzung des Irrhains gegen Entgelt zu gestatten.

Irrhainfest        Sonntag, den 21. Juni 31
[mit S.v.P. gezeichneter Zeitungsbericht:]
[…] das von Frau Elisabeth Schnidtmann-Leffler gedichtete reizvolle Waldmärchen „Der goldene Reif“. [Ein Lehrer erzählt seinen Schülern auf einem Waldausflug die Vorgeschichte von einer verzauberten Waldfrau.] Einen goldenen Reif […] solle sie so lange hüten, bis sie einen Reinen finde, der sie erlösen könne. [Bauernehepaar, Zigeuner, Naturforscher versagen und werden ebenfalls verzaubert; ein junges Mädchen, das den Reif aus Mitleid gar nicht haben will, erlöst damit die Waldfrau, auch alle andern werden wieder entzaubert.]

Bericht über das Ordensjahr 1931
[Irrhainfest am 21. Juni bei gutem Wetter…] Das Märchenspiel „Der goldene Reif“ war diesmal von Frau Elisabeth Schnidtmann-Leffler gedichtet und der feinsinnigen Dichterin sowohl als den großen und kleinen Schauspielern wie dem bewährten Spielleiter, Frith Krauss, wurde reichster Beifall gezollt. […] Pfarrer Türk, ein lebhaftes Zwiegespräch mit  Siegmund [sic] von Birkens Geist, das an dessen 250. Todestag (er starb 1681) erinnerte […]

Vorstands- und Ausschußsitzung    12. IV. 32 abends 8 h, Colleg
[wegen Fahrtkosten zum und vom Irrhain:] Die Sache könnte vielleicht künftig auch so geregelt werden, daß der Straßenbahnleitung mitgeteilt wird, sie möge zur bestimmten Zeit einige Wagen mehr v. der Jagdstraße abfahren lassen. […]

Damit können nur Omnibusse gemeint sein; die Straßenbahn verkehrte nur bis zur Bucher Straße. Offenbar waren die Beziehungen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gut und der Besuch für eine wirtschaftliche Durchführung ausreichend. Es sieht alles so normal aus, kaum so fanatisch wie fünf Jahre zuvor. War der Druck, mit dem man sich gegen den vermeintlich ungesunden Zeitgeist gestemmt hatte, einer Siegeszuversicht gewichen?
Das Irrhainfestspiel am 19. 7. 1932, „Der hohle Baum“, wurde von Oskar Franz Schardt verfaßt. Mehr ist an 1932 hier nicht bemerkenswert.