Was sich im Irrhain tat

Auch zwischen 1894 und 1914 unterstützte der Irrhain den Zusammenhalt der Ordensmitglieder, bildete die Bühne für einen Großteil der Sichtbarkeit des Ordens nach außen hin, erwies sich freilich auch, wie immer, in finanzieller Hinsicht als kräftezehrend.
Bemerkenswert ist schon einmal, wie besorgt man seine Rechte wahren wollte, und aus welcher Richtung Störungen zu befürchten waren.

7t W.V. Freitag 1 Maerz 1895
[…] Schmidt theilt mit, daß an dem Zaun im Irrgarten auf Anordnung des Oberförsters behufs Ernährung des Wildes eine Öffnung gemacht worden sei; er habe sofort unter Wahrung der Rechte des Ordens Hofer zur sofortigen Beseitigung dieses Eingriffes angewiesen. […]

11t. W.V. Freitag 29 Maerz 1895
[…] Schmidt berichtet über den Befund des am letzten Sonntag von ihm besuchten Irrhains, der in gutem Zustande sei und nur vereinzelte Spuren des Winters aufzeige; dabei wird erwähnt, daß der Herr Cantor v. Krafftshof durch seine Einwirkung auf die Jugend sich große Verdienste um die Schonung des Irrhains erwirbt. […]

Alsbald wird den Herren zu wohl, und sie fassen einen in Hinsicht auf das Gelände verwegenen Plan:

17. W.V. Freitag den 17. Mai 1895
[…] ein von Schmidt angeregter und gestellter prosaischer Antrag „die Errichtung eines Kellers im Irrhain“ den er damit begründet daß die stets größere Zahl der Besucher nicht auf das Wirtshaus in Krafftshof angewiesen sein solle sondern sich den Bedarf an Getränken an Ort u. Stelle entnehmen könne.
Der Gedanke ist praktisch u. nachdem Hering einen Plan des unter dem Geräte-Häuschens anzulegenden Kellers vorlegt, dessen Kosten auf 250-300 m veranschlagt und die Bauzeit auf 8-14 Tage berechnet, wird dem Plane zugestimmt.
Dessen Ausführung (die Kosten berühren den Orden nicht) wird dadurch ermöglicht, daß ein hochherziges Mitglied m 200 unverzinslich vorstreckt und ein anderes Mitglied 100 Fl. Wein für den Keller bestimmt.
[…]

Ohne ins einzelne zu gehen, ist zu berichten, daß wegen des eindringenden Grundwassers der Bau erschwert wurde und der Architekt Paul, der sich zur Einhaltung des Kostenvoranschlages verpflichtet hatte, diesen doch nicht halten konnte. Es wurde ein Verein im Verein gebildet, der Kellerverein im Pegnesischen Blumenorden, und der Kellervereinsausschuß schickte einen Rundbrief, in dem um Beitritt und Spenden für den Keller geworben wurde:

[…] Zwar sind dessen Kosten infolge Entnahme von Gutscheinen durch vermögliche Mitglieder schon zum größten Teile abgetragen, obschon die Instandsetzung des Kellers sich auf 800 Mark, also bedeutend höher berechnete, als veranschlagt war; es fehlen aber noch etwa 300 Mark, welche durch Gutscheine zu decken wären. Gestatten Sie daher, Sie ergebenst einzuladen, dem Kellervereine auch beizutreten und durch Abnahme von einem oder mehreren Gutscheinen, welche auf je 10 Mark lauten, zur Abzahlung der Kellerbauschuld beizutragen. […]

Die Satzungen des Kellervereins wurden gleich mitgeschickt; davon sind bemerkenswert:

2. Die Gutscheine sollen mit der Zeit durch freiwillige Spenden und den Mehrerlös für dem Keller entnommene Getränke etc. über den Selbstkostenpreis zurückbezahlt werden, so oft ein Einnahme-Ueberschuß über die Ausgaben von fünfzig Mark ein Auslosen von fünf Gutscheinen gestattet. […]
8. Die Mitglieder des Kellerunternehmens haben eine Mark Eintrittsgeld zu zahlen und dafür das Recht, zu verlangen, daß ihr Irrhainschlüssel derart zugerichtet wird, daß er sowohl die Thüre des Irrhains als die Geräthehalle, die obere Fallthüre des Kellers und den inneren Keller selbst öffnet.
[…]
11. Der Preis für ein Fläschchen Bier wird auf zwanzig Pfennig, für ein Gläschen Spirituosen (Feuerwasser) auf zehn Pfennig festgesetzt. Für entnommenen Wein ist der auf der Flasche vorgemerkte Betrag zu entrichten.
12. Für den Betrag der dem Keller entnommenen Getränke ist ein Haftschein in den bereit gestellten Briefkasten zu werfen, der Tag, Name des Empfängers und Angabe des Entnommenen enthält.
13. Die gebrauchten Trinkgläser sind (ausgespült) im inneren Keller zu verwahren, leere Flaschen unter die Bank in der Geräthehalle zu stellen.
[…]
18. Auf das Einlösen der Haftscheine beim Schatzmeister innerhalb vierzehn Tagen nach Vorzeigen derselben ist Bedacht zu nehmen.
[…]

Ab 1. Juni 1895 lag eine Genehmigung zum Kellerbau vom Forstamt Herrnhütte vor. Die Auseinandersetzung mit dem Architekten zog sich aber noch bis in den April 1896, und man wollte schon einen Rechtsanwalt einschalten. Doch der erfahrene Landgerichtsdirektor Theodor Brügel, Mitglied im Kellervereins-Ausschuß, riet zum Vergleich, da er „aus amtlicher Erfahrung die Dauer u. großen Kosten der Bau-Processe“ kannte, und so verglich man sich mit Paul, der sich mit 760 statt 833 Mark begnügte. Verräterisch ist die Bemerkung „das Wasser lasse auch im Keller nach und Schmidt hofft, durch Auflegung einer Cementschicht das Übel vollständig zu beseitigen“ — als ob nicht schon 40 Säcke Dyckerhoff-Zement verbaut worden wären.
Die Hütte über dem Keller sollte bald vergrößert werden, und zur Finanzierung sollten Erträge des Kellervereins herangezogen werden. Der Schreinermeister Seyschab in Kraftshof erstellte eine Planskizze und einen Voranschlag von insgesamt 350 Mark.






Das ausgeführte Bauwerk hätte eine größte Breite von etwas über 8 Metern und eine Firsthöhe von 7 Metern gehabt. Zunächst wurde der Bau wegen der hohen Kosten zurückgestellt; erst am „Sonntag den 21. Mai [1911] vereinigte die Einweihungsfeier der aus der alten Gerätehalle des Irrhains hervorgegangenen «Irrhainhütte» eine Reihe von Mitgliedern an Ort und Stelle.“ Es ist nicht klar ersichtlich, ob die Erweiterung wirklich in der geplanten Form vorgenommen wurde, ober ob es schrittweise Änderungen waren, welche die Einweihung schließlich angebracht erscheinen ließen.  Zunächst wurden Verbesserungen der Anordnung im Inneren der Hütte vorgenommen, später in Eigenarbeit eine Kellertreppe angelegt:

Freitag den 1. Juli 04        25. Wochenversammlung

[…] Wießner berichtet auch über die geheimnisvolle steinerne Treppe im Irrhainkeller u. deren Entstehung. Nach seiner Schilderung ist Scheuplein der Stifter des Steinmaterials, Hering der Stifter des Fuhrwerks zur Baustelle. Die Maurerarbeiten wurden durch die Herren Wießner u. Scheuplein zur vollsten Zufriedenheit eigenhändig ausgeführt, wobei die beiden fast für Irrhaineinbrecher angesehen u. verhaftet worden wären. […]

Immerhin hatte man am 10. Februar 1911 „den alten Plan einer Erweiterung der Gerätehalle weiter besprochen“, doch am 24. März des Jahres war wieder nur von der Inneneinrichtung die Rede.

12. Wochenversammlung
[…] Wießner legt die Pläne Beringers über die Instandsetzung des Inneren der sog. Gerätehalle im Irrhain vor. Am Sonntag vorher hatten Schmidt, Wießner u. Beringer eine Fahrt in den Irrhain gemacht um die geplanten Änderungen an Ort u. Stelle zu beraten. Die vorgelegten Zeichnungen werden gutgeheißen u. deren Ausführung genehmigt. […] Die obere Kellertüre ist bedenklich angefault, die untere Kellertüre ist wegen übergroßer Lidschäftigkeit ganz beseitigt. Mit den Arbeiten soll baldigst begonnen werden. […] Nachdem Lambrecht noch die erfreuliche Mitteilung macht, daß er seine Hütte im Irrhain dem Orden zum Geschenk anbietet, schließt die Sitzung um ½ 12 Uhr.

Wie es nun auch gewesen sein mag — durch die Arbeiten sprach sich der Inhalt des Kellers herum, und das konnte nicht nur gut sein.

20. April 1900 13. Wochenversammlung
[…] Schmidt theilt mit, daß im Irrhain eingebrochen worden ist und gibt eine Schilderung der dadurch verursachten Zerstörungen. Es fehlen außer M 4,- in Briefmarken noch ungefähr 15/2 Fl. Rothwein im Werth von M. 15.- Der Schaden an den Thüren und Schlößern wird mit M 20,- geschätzt. Schmidt veranlaßte die Wiederherstellung der Schäden in sachgemäßer Weise und wird ihm, unter Genehmigung seiner bisherigen Anordnungen für seine umsichtige Handlungsweise der Dank der Versammlung ausgesprochen. Die Gensdarmerie [sic] in Fürth hat eine verdächtige Persönlichkeit bereits in Haft. — Auf Antrag Schmidts wird beschloßen, die Geräthehalle verschalen zu lassen, damit nicht Jedermann Einblick in deren Inneres hat.

August Schmidt nützte den Vorfall auf seine Weise und schrieb für das Irrhainfest 1900 einen Schwank mit dem Titel „Der Einbruch im Irrhain“, dessen Aufführung in der 17. Wochenversammlung beschlossen wurde.

8. Januar 1904
[…] Beckh bringt ein Schreiben des Waldrottmeisters Hofer zur Kenntnis, demnach am 23. Dez. zwei Bürschlein versuchten, den Irrhainkeller auszurauben. Sie wurden jedoch durch ihn (Hofer) sowie durch seinen Begleiter Steudinger daran gehindert, verfolgt, festgenommen & an die Gendarmerie abgeliefert. Nachdem Schmidt I & II die näheren Details hierzu erzählten, wird beschlossen, Hofer & Steudinger je ein Stammkrügel als Belohnung zu überreichen. […]

Weitere Einbrüche geschahen im Oktober 1904, wobei auch Weinflaschen abhanden kamen, sowie im Mai 1912, obwohl seitdem Sicherheitsschlösser angebracht worden waren. Das war ein besonders kurioser Fall. Die Türen waren unbeschädigt, ein Fenster im unteren Bereich eingeschlagen, aber Spuren eines Ein- oder Aussteigens fanden sich keine. Dafür war der Kredenzschrank in der Hütte mit Meißeln aufgebrochen. Entnommen war nichts. „Außerdem fand sich auf dem Tische ein Haftschein vor mit einer Anweisung auf Mk 100,00 an ein nicht existierendes Bankhaus in Fürth i./B.“. Er lautete auf den Namen eines Postsekretärs Winter. Eine zerrissene Postkarte mit dem Namen eines Fürther Geschäftsreisenden Burger fand sich vor der Tür. Zur Rede gestellt, leugneten beide ab, irgend etwas damit zu tun zu haben. Schließlich erstattete Beringer Bericht über seine Ermittlungen:

Danach hat am 7. Mai 1912 der Gymnasialprof. Blochmann aus Fürth in Begleitung von 26 Gymnasiasten den Irrhain besucht. Den Schlüssel erhielt er von Rektor Zwanziger behändigt; bei dieser Gelegenheit hat der Gymnasiast Winter den Haftschein mit scherzhaftem Inhalt versehen unter der richtigen Adresse seines Vaters, des Postsekretärs Winter in Fürth, in den Kasten geworfen. Der Übeltäter hat sich bei Beringer in Begleitung seiner Mutter eingefunden und eine entsprechende Entschuldigung ausgesprochen. Wobei er gleichzeitig glaubhaft versicherte, an der Beschädigung des Büffets in keiner Weise beteiligt zu sein; doch sei ihm das zerbrochene Fenster aufgefallen. […]

Man schob es dann auf die Waldarbeiter — zurecht? — und ließ die Sache auf sich beruhen, um nicht noch mehr Leute auf den Gedanken eines Einbruchs zu bringen.

Eine weitere Ausschmückung erfuhr der Irrhain durch die heute noch stehende Schiller-Stele. Sie ist ein Nebenprodukt der Schillerfeier von 1905.

Freitag den 12. Mai 1905    17. Wochenversammlung
[…] Über die Zukunft der Schwabe’schen Schillerbüste, die bei der Apotheose von so schöner Wirkung war, entspinnt  sich eine lebhafte Aussprache. Ein Teil der Tafelrunde ist für Aufstellung im Irrhain, ein Teil für Verbringung in unser Vereinslokal. Die Frage wird nach der praktischen, schönheitlichen, künstlerischen, sogar chemischen Seite hin behandelt, führt aber zu keinem eigentlichen Endergebnis. […]

Freitag, den 2. Juni 1905    20. Wochenversammlung
[…] Schmidt berichtet über die von ihm mit den Herren Schlenk und Egersdörfer gepflogenen Verhandlungen bezüglich der für die Schillerfeier aufgeschlagenen Podien und Gerüste. Die Schillerbüste soll in Cement gegossen und im Irrhain aufgestellt werden. Beringer teilt mit, daß das Ordensmitglied Scheuplein sich in dankenswerter Weise bereit erklärt hat, den Guß auf eigene Kosten herzustellen; die galvanoplastische Herstellung der dem Gedächtnis des ehemaligen 1. Schriftführers Bernhold und des Ehrenordensrates Knapp gewidmeten Tafeln soll dem Mitgliede Harl übertragen werden; die Modelle, von Beringer entworfen und vorgelegt, finden großen Beifall bei der Tafelrunde.

Freitag, den 9. Juni 1905    21. Wochenversammlung
[…] Der Präses spricht sodann dem heute anwesenden Ordensmitgliede Scheuplein den Dank aus für die kostenlose Übernahme des Gusses der für die Apotheose Schillers von Schwabe und seinen Schülern modellierten Büste; da trotzdem die weiteren Kosten der Aufstellung der Büste im Irrhain sich hoch belaufen werden (etwa 150 M), so schlägt der Schatzmeister vor alle Bedenken fallen zu lassen und die Aufstellung der Büste im Irrhain um jeden Preis zum Entschluß zu erheben, was geschieht. […] mit noch freudigerem Danke begrüßt die Tafelrunde Scheuplein’s zweites Anerbieten, den Guß des sehr hohen Sockels der Schillerbüste zum Selbstkostenpreis übernehmen zu wollen. Die Inschrift des Sockels soll lauten: „9. Mai 1905.“




Auch die Zahl der Gedächtnistafeln an den Bäumen war um zwei vermehrt worden. Dieser Brauch wurde weiter geübt: „Für unseren l. Ordensrat Geißler wurde eine bronzene Ehrentafel für den Irrhain hergestellt. In die Deckung der Kosten teilten sich der Blumenorden, der Künstlerverein, die Kaulbachstiftung sowie die Schwester des Heimgegangenen Fräulein Luise Geißler. […]“ Noch am 14. 7. 1914 schrieb der „Fränkische Kurier“ im Rahmen seiner Berichterstattung über das Irrhainfest: „Dr. [Christian] Behringer […] wies nochmals auf die […] 5 neuen, durch Architekt [Oskar] Beringer  entworfenen Ehrentafeln hin, die an den alten Eichen des sogenannten Irrhainfriedhofes aufgehängt wurden […] den Herren Postdirektor August Schmidt, Justizrat Frhrn. von Kreß, Oberlandesgerichtsrat Alexander v. Praun, Oberlandesgerichtsrat Albert Schrodt und Hofrat Dr. Heller gewidmet und tragen neben dem Text auf geätztem Grund die Wappen und Insignien der zu Ehrenden. […]“

Freilich hatte die Natur den entscheidenden Einfluß auf das Bild, das der Irrhain jeweils bot. „[…] eine natürliche Folge des ziemlich dicht gedrängten Standes der Bäume im Irrhain ist, wenn kein Gras aufkommt, und die Wege nicht austrocknen. Diesen vom Pegnesischen Blumenorden vorgefundenen Mißständen kann durch lichtere Stellung, durch Entfernung einiger Bäume, namentlich der morschen Eichen abgeholfen werden, und dürfte eine lichtere Stellung vielleicht auch zur Verminderung der Belästigung durch Schnacken beitragen. […Jedoch] ist der Pegnesische Blumenorden zur Abgabe der Laubstreu nicht berechtigt. […] Eine alljährlich wiederkehrende Entfernung der gesamten Laubstreu könnte nicht gebilligt werden, da hierdurch erfahrungsgemäß eine Bodenverschlechterung und Rückgang im Wachsthum der Bäume eintritt [… Unterschrieben hat:] der k. Oberförster J.W. End“ Zweieinhalb Jahre später, am 4. März 1898, bat Forstamtsassessor Kundmüller seine vorgesetzte Behörde, für das Fällen einiger Bäume, das vorherige Niederlegen einiger Tische und eines Teils des Zaunes, um sie vor Beschädigung zu schützen, einige Arbeitsleute abzustellen oder ihn zu ermächtigen, die Arbeiten von sich aus auf Kosten des Ordens vornehmen zu lassen. Das ging nicht gar so leicht. Zwar freute sich der Irrhainpfleger August Schmidt in der 11. Wochenversammlung am 18. März 1898: „Einige der alten, vielhundertjährigen Waldriesen mußten wegen dauernder Invalidität gefällt werden. Der Berichterstatter spricht dem Forstpersonal wegen der geschickt durchgeführten Arbeiten besonderes Lob aus. Das dürre Laub im Hain wird ebenfalls gründlich entfernt. […]“ Doch bahnte sich alsbald ein Konflikt an:

Kraftshof, den 6. Mai 1898159
Der k. Forstamtsassessor in Kraftshof

Betreff: Fällung im Irrhain

Bei Wegnehmen der faulen Bäume im Irrhain haben die Holzhauer, trotzdem bei Berechnung ihres Verdienstes der höchste mir gestattete Hauer- und Rückerlohn in Ansatz gebracht wurde, nicht einmal einen Tagelohn von 2 M. verdient. Da die parkartige Behandlung dieses Walderbes, das Belassen nützungsreifer Hölzer über das richtige Hiebsalter, Ausrücken des Holzes, sorgfältigste Schonung der Jungwüchse gewiß nur im Interesse des verehrl. Ordens geschieht und hierdurch das Fällungsgeschäft verlangsamt und erschwert wird, so wird es nur als billig anerkannt werden, daß der Orden den Betrag von 10 M 20 Pf. übernimmt, um den Tagelohn der Holzhauer auf 2 M. zu ergänzen
[…]
Die Entschädigung der angrenzenden Privatgrundstücksbesitzer habe ich übernommen, trotzdem dieselbe aus oben angegebenen Gründen nur, weil ja auch die Wegnahme des nichtärialischen Zaunes das Betreten der Grundstücke notwendig machte, auch vom verehrl. Orden wenn auch nur teilweise hätte übernommen werden sollen.

Kundmüller


Das klingt sehr nach sozialer Verantwortung gegenüber den armen Waldarbeitern — zumal Kundmüller auf Rottmeister Hofer den Älteren bei dessen Beisetzung ein rührendes Gedicht schrieb —, doch kann eine gewisse Verbitterung über die „parkartige Behandlung“ ebenfalls herausgehört werden. Jedenfalls zahlte der Orden:




Am 27. Januar 1899 Ordentliche Hauptversammlung
[…] Unter den Rechnungen v. vorigen Jahr fiel auf, daß der Orden für Wegschaffung der Bäume M 24,- bezahlen mußte. Es entspann sich darüber eine längere Auseinandersetzung und wurde schließlich durch Schmidt festgestellt, daß die besonderen Vorsichtsmaßregeln die beim Fällen der Bäume im Interesse des Ordens getroffen werden mußten diese Ausgabe verursachten, was zur Kenntniß dient.

Das Verhältnis verschlimmerte sich im Laufe der naiven Bitten des Ordens um Vorzugsbehandlung beim Holzeinkauf. Am Ende der Debatte steht ein aufgebrachtes Verteidigungsschreiben der Ordensleitung an die Herrn Kundmüller vorgesetzte Behörde. Entzündet hatte sich die Kontroverse nach einer Erklärung des Forstassessors, die im vorigen September bei einem Windbruch gefallenen Bäume, welche die Benützung der Tische und Bänke behinderten, seien von ihm absichtlich belassen worden. Der Orden hatte angefragt, ob die Forstbehörde, oder, falls das nicht möglich sei, der Orden selbst für die Entfernung Sorge tragen könne. Im Februar 1901 war ein Teil des Zaunes umgefallen, und der Orden hatte angefragt, ob dem Zimmermeister Seyschab 12 „Säulen“ zur Wiederherstellung angewiesen werden könnten. Daraufhin hatte Forstassessor Kundmüller in Kraftshof dem Orden das Recht auf alleinige Benützung des Irrhains bestritten und das Entgegenkommen seiner Amtsvorgänger mit dem Gewissen eines Beamten nicht vereinbar bezeichnet. Besser ließ es sich schon mit seinem Amtsnachfolger an:

Freitag den 1. Juli 04        25. Wochenversammlung
[…] Nunmehr schildert Schmidt in beredten Worten die hohen Verdienste des Herrn kgl. Forstamtassessor’s Heyder um die Decoration zum Irrhainfeste, die neuangelegten Wege u. die geplante Anlage von Irrgängen im Haine. […] Schmidt macht die Mitteilung, daß er dieses Jahr das Freibier an die Forstleute u. Gendarmen gegen Karten hat abgeben lassen. Es sind 15 Liter zur Verteilung gekommen. […]

Man revanchierte sich auch durch Abwehr einer schlechten Presse (übereifrige Naturschützer und ihren publizistischen Hebel gab’s schon damals):

Freitag den 10. November 1905    35. Wochenversammlung
[…] Eine kurze Notiz im Fränkischen Kurier, die sich mit dem Fällen der alten Bäume im Irrhain beschäftigt u. die Sache so darstellt, als ob das Forstamt aus reiner Gewinnsucht das Fällen der Bäume vornimmt, soll richtig gestellt werden. Schmidt erklärt sich bereit an Ort u. Stelle Einsicht zu nehmen u. zugleich den Stumpf der großen gefällten Fichte zu beschauen, dessen weiteres Schicksal in unsere Hand gelegt ist. Wießner hat durch Herrn Forstamtsassessor Heider Mitteilung davon erhalten. […]

Im Hinblick auf die Frage „Waldstück oder Park“ ist ein Briefwechsel interessant, den Präses Dr. Beckh 1910 mit dem Forstamt Herrnhütte führte.164 Er ersuchte um nichts geringeres als eine Ausnahme von dem neu verkündeten allgemeinen Rauchverbot in Wäldern (und dazu muß man sich vorstellen, daß er Arzt war):

Der Irrhain-Park ist vollständig mit Pallisaden umfriedigt, hat mehrere Plätze, Küche, Schenke, mehrere Hütten und einen Theaterplatz innerhalb dieser Umfriedigung und kann nicht wohl als Wald angesehen werden und es ist auch nie bei den seit Jahrhunderten gefeierten Festen des Pegnesischen Blumenordens irgend ein Schadenfeuer entstanden.

Das königliche Forstamt Herrnhütte hat daraufhin nichts einzuwenden, unter der Bedingung, daß der Orden für allen Schaden, der dem Staatswald durch das Rauchen entstehen sollte, die Haftung übernimmt.

Mit Rottmeister Hofer dem Jüngeren stellte man sich nach dessen anfänglichem Widerstreben ebenfalls gut:

Freitag 27. Januar 1911    4. Wochenversammlung
[…] Lambrecht läßt einen Brief des Waldrottmeisters Hofer von Kraftshof zirculieren, aus dem zu ersehen ist, daß er seine Weihnachtscigarren unter verbindlichem Dank freudigst empfangen und das Kriegsbeil unter den rauschenden Tannen u. Eichen des Irrhains begraben habe. […]

Konfliktstoff gab es wegen des Irrhains aber auch innerhalb des Ordens. August Schmidt erklärte, sich nicht mehr in der bisherigen Weise um den Irrhain kümmern zu können, und schlug Hans Wießner vor.  Dieser hatte sich schon mehrmals beim Irrhainfest nützlich gemacht, indem er Blumen, Ansichtskarten und Lampions zugunsten der Kasse verkauft hatte.

Freitag den 29. Mai 1908    21. Wochenversammlung
[…] Wießner, dem nunmehr die Fürsorge für den Irrhain obliegt, spricht in anerkennenden Worten dem bisherigen „Irrhainvater“ Schmidt den herzlichsten Dank für all die Arbeit u. Mühe aus, die er in den langen Jahren dem Irrhain hat angedeihen lassen. Die Tafelrunde schließt sich diesem Lobe gerne an. Der neue Irrhainpfleger ist erfreulicher Weise gleich mit „vollen Segeln“ in sein neues [sic] Bereich eingefahren; er berichtet über einen Besuch bei Forstassessor Heider in Kraftshof, über eine beabsichtigte Waldrodung zwischen Ziegelstein u. dem Irrhain, über einen, hübschen, schattigen Weg, der von Ziegelstein zum Irrhain angelegt werden soll [den heute so benannten „Kundmüllersteig“], über einen allenfallsigen Beitrag von 20 Reichsmark aus der Ordenskasse zur teilweisen Kostendeckung dieser Wegherstellung u. anderes mehr. Auch der wichtigen Bierfrage hat er bereits seine Aufmerksamkeit zugewendet u. mit „Hofpeter“ ein Abkommen getroffen, daß die älteren Bierfläschchen alle Samstage gegen frische umgetauscht werden. […]

Daß der Nachfolger gleich nach dem Motto „neue Besen kehren gut“ ans Werk ging, konnte dem Vorgänger, auch wenn er ein so humorvoller Mann wie Schmidt war, schon etwas zurücksetzend vorkommen. Am 7. Mai 1909 kam Wießner mit der Beobachtung an, daß die Pfosten der Zaunes für 1000 Mark ausgetauscht werden müßten, als hätte Schmidt nicht schon am 1. Februar 1907 erklärt: „Die starken Stützpfähle des Zaunes stehen jetzt 13 Jahre in der Erde u. beginnen zu faulen. Die neuen Stützen sollen aus Eisen hergestellt u. in Cementsockel eingelassen werden, so daß sie dadurch eine hohe Haltbarkeit bekommen.“ Geschehen war freilich nichts. Und am 25. Juni 1909 entspann sich „über die Bänke mit Lehnen und die Bänke ohne Lehnen eine längere Debatte zwischen dem ehemaligen und dem jetzigen Irrhainvater die Zeugnis von dem beiderseitigen Eifer für den Irrhain ablegt[e. …]

Noch zogen beide an einem Strang:

Freitag den 18. März 1910    10. Wochenversammlung
[…] Schmidt teilt mit, daß sich dem Orden ein sehr günstiger Kauf von Tischen u. Stühlen aus dem Besitzstand der Naturhist. Gesellschaft bieten würde. […] Wießner bietet sich an, diese Tische u. Stühle in den Irrhain schaffen zu lassen, was mit Dank angenommen wird. […]

Aber schon wenige Wochen später schien er Schmidt zu kritisieren:

Freitag, den 6. Mai 1910.    16. Wochenversammlung
[…] 3.) Wießner weist darauf hin, daß es, vor allem was die Gerätschaften angeht, „ziemlich ruinös im Irrhain aussieht“, und ein größerer Betrag für Wiederherstellungen benötigt sei. Mit dem jüngst erfolgten Ankauf der 38 Stühle, die zusammen 16 M gekostet haben, hätte der Orden gerade kein besonders günstiges Geschäft gemacht. […]

Das Wort „ruinös“ scheint es gewesen zu sein, was Schmidt nicht auf sich sitzen lassen wollte. Gelegenheit ergab sich im nächsten Frühjahr:

Freitag, den 28. April 1911    16. Wochenversammlung
[…] Schmidt bedauert mitteilen zu müssen, daß sich bereits mehrere Mitglieder des P.Bl.O., die den Irrhain aufgesucht hatten, — wohl mit vollem Recht — über den skandalösen Zustand dort sich beklagt hätten. Tische u. Bänke seien ruinös. Wie es scheine, sei aus der Gerätehalle alles herausgeschafft und in eine unverschließbare Hütte getan worden. U.a. die „Privatkisten“ von einigen Mitgliedern, diese Sachen seien somit  verurteilt, freie Beute für unredliche Irrhainbesucher abzugeben. [… Wießner verteidigt sich:] Das Ausräumen der Gerätehalle war Notwendigkeit. Zur Unterbringung der hinausgeschafften Sachen diente die Hütte, die Hr. Consul Lambrecht dem Orden zur Verfügung gestellt hat. Die Leute hatten Auftrag diese Gegenstände einzusperren. Nun ist es aber offenbar versäumt worden, ein Schloß anzubringen. […] Beckh [immer auf Begütigung aus] stellt fest, daß ihm bei seinem jüngsten Besuch des Irrhains angenehm aufgefallen sei, daß dies Jahr lange nicht so viel Laub umherliege wie früher. […]
Schmidt erwidert, Wießner könne nicht behaupten, daß der von ihm gerügte Zustand, der tatsächlich ein sehr schlechter sei, nicht existiere. Wießner gibt zu, daß Tische und Bänke umgefallen sind und ein umgefallener verfaulter Baumstumpf des Wegräumens bedarf, aber man dürfe nicht vergessen, daß nun schon an die 12 Jahre verflossen seien, seitdem Schmidt die Sachen als damaliger Irrhainvater neu bekommen, die nun naturgemäß morsch u. brüchig werden müssen.
[…]
 
Freitag den 5. Mai 1911    17. Wochenversammlung
[…] Wießner teilt unter Bezugnahme auf die gegenseitigen Aussprachen über den Zustand des Irrhains vom vergangenen Freitag mit, daß er an einem der letzten Tage dem Irrhain einen Besuch abgestattet hat u. einen besonders lidschäftigen Eindruck nicht bemerken konnte. Durch die notwendigen Vorarbeiten zur Umgestaltung der Hütte sei mancherlei Unordnung hervorgerufen. Dieser Zustand sei aber durch die Verhältnisse bedingt u. sei nur ein vorübergehender. Nach einer kurzen Übergangszeit werden aber bessere Verhältnisse geschaffen werden wie zuvor und er bitte noch um kurze Geduld. […] Längere Besprechungen rufen die Anregungen Wießners über bessere Musikanten u. gewissenhaftere Lohndiener beim Irrhainfest hervor. Die ersteren blasen zu schlecht, die anderen trinken zu viel. […]

Ein weiterer Vorschlag Wießners erwies sich als undurchführbar: Keine von fünf befragten Versicherungsgesellschaften wollte einen Vertrag über die Irrhainhütte abschließen. Man half sich damit, den Forstamtassessor zu bitten, in der schlechten Jahreszeit das Mobiliar und Gerät bei ihm unterbringen zu dürfen. Schließlich nahm der Zimmermeister Seyschab die Sachen bei sich auf.
Auch der Keller machte wieder Ärger. Er stand „fast regelmäßig unter Wasser“. Wieszner machte sich den Rat seines Bruders zu eigen, „man möge jetzt bis zum Niveau des Grundwassers (15 cm) den Keller auffüllen, und dann im nächsten Frühjahr lediglich die Schuttschicht mit Zement überdecken.“ Diese Notmaßnahme konnte auf die Dauer die Einsicht nicht verhindern, daß der Keller eine Fehlinvestition gewesen war.
Wegen der Erneuerung des Zaunes, jedenfalls der durchgefaulten Pfosten, wurde hin- und herüberlegt. Verschiedene Angebote von Eisenbetonpfosten wurden eingeholt, die zwischen 12 Mark und 4 Mark je Stück lagen, und mit Seyschabs Angebot konnte man 500 Mark an den Gesamtkosten sparen. Diese waren dennoch zu hoch für den Etat. Man dachte schon wiederholt an das Ausgeben des Förster’schen Legats. Da erklärte sich das Ehrenmitglied Johannes Grasser, Kommerzienrat, Mitinhaber der Lyra-Bleistiftfabrik, Stifter des Schiller-Denkmals im Stadtpark, bereit, zeit seines Lebens 200 Mark jährlich zugunsten des Irrhains zu spenden. Für alle nötigen oder wünschbaren Ausgaben reichte das allerdings nicht hin. Lampion- und Postkartenverkauf gingen weiter:

Freitag den 17. Mai 1912, 17. Wochenversammlung
[…] Wießner läßt 3 sehr hübsche, photogr. Eigenaufnahmen vom Irrhain circulieren, von welchen eine, zur Vervielfältigung als Irrhain-Postkarte ausgewählt werden soll. Auf Vorschlag Brügels & Osk. Beringers wird diejenige mit der Küche im Vordergrunde gewählt.