Einschub: Höchster Besuch im Irrhain

Kress hat gerade noch erlebt, möglicherweise durch seine Verbindungen zu Hofe sogar herbeigeführt, daß zum ersten und einzigen Mal ein leibhaftiger bayerischer König den Irrhain besuchte. „Als im Sommer 1855 die königlichen Majestäten von Bayern einige Wochen in Nürnberg verweilten, hatte König Max auf seinen kleinen Ausflügen in die Umgegend auch den Irrhain bei Kraftshof besucht und erkundigte sich bei Gelegenheit einer Audienz bey dem Vorsteher des Ordens mit lebhaftem Interesse nach den näheren Umständen dieser schon über 200 Jahre bestehenden literarischen Gesellschaft.“ In dem sorgfältig abgefaßten Bericht heißt es weiter:

„[…] Über dem mit Blumen geschmückten Eingangsportal begrüßte sie die Inschrift

Seid uns willkommen auf ländlichen Auen!
Städtischer Schimmer ist hier nicht zu schauen,
aber ein redliches, treues Gemüth,
das für euch beide in Liebe verglüht.“

Der Kirchhof war mit Girlanden geschmückt, und die Mitglieder standen im Kreis wartend. 15 Uhr: Kress begrüßt das Königspaar am Portal. Außerdem Dietelmair, Lösch, Seiler, Pfarrer Lauber von Kraftshof. Jubelnde Begrüßung drinnen. Präses Kress hebt in seiner Ansprache hervor, daß der Orden solche Ehre noch nie in seiner Geschichte erfahren habe. Er dankt für die allerhöchste Huld und erinnert daran, wie zum Jubiläum 1844 der Orden dem König eine Festschrift sandte und dieser die Umschrift des Ordenssiegels zu einem Glückwunsch umformulierte: „daß der Orden für sie (seine Mitglieder) mit Nutzen erfreulich seyn möge.“ Anschließend werden Huldigungsgedichte vorgetragen von Kress, Dietelmair; „ihm folgte der Rector des Gymnasiums Dr. Lochner und gab nach einer hierzu geschickten Einleitung über den Blumenorden das Gedicht ,Die schöne Elise von Bayern’.“ Weitere Gedichte von Seiler und dem Landrichter von [unrichtig!]  Schrodt aus Hersbruck und seiner Gemahlin Valerie schließen sich an. „Seine Majestät sprach sich gegen die Dichterin belobend aus.“ Dann einige Gesänge eines Chores von Mitgliedern. „Nachdem der König einige angebothene Erfrischungen angenommen und aus dem OrdensPokal, ‚der Tulpe’ auch das Wohl des Blumenordens zu trinken geruhte und auch des Vorstehers allerhuldvollst gedacht hatte, brachte dieser ein Lebehoch auf den König aus“ und dann eines auf Königin Maria, nicht ohne um Erlaubnis dazu gefragt zu haben. Dann darf Kress am Tisch des Königs Platz nehmen, der sich mit ihm unterhält. Er erkundigt sich nach der Entstehung dieser Anlage, läßt sich durch die übrigen Teile führen, besichtigt das Denkmal Wielands, „von welchem Dichter der erhabene Monarch äußerte, ‚daß er ihm in seiner Jugend viele Freude gemacht habe’,“ er spricht auch mit den Landbewohnern, „welche sich in großer Anzahl eingedrängt hatten, weil sie auch ihren König sehen wollten, und schied mit der Versicherung, ‚einen sehr vergnügten Abend verlebt zu haben’. […]“