Aus der Periode der Kriege

1864.

Eines neuen Frühlings Ahnen
Brach durch WintersSturm und Nacht,
Vor uns frische Kampfesbahnen,
Hinter uns die Redner-Schlacht!
Also grüßte Dein Erscheinen
Hoffnungsvoll die halbe Welt,
Doch der Menschen Sinn und Meinen
Hat der nächste Tag zerschellt.

Jahr der Hoffnung und des Truges,
Welche Frucht hast du gereift?
In den Blättern deines Buches
Ist nur neuer Stoff gehäuft, —
Neuer Stoff zum alten Streite,
Blutgen Lorbeer um das Haupt,
Sieht Germania sich heute
Siegerin — und doch beraubt!

In den Schnee am Meeresstrande
Rann der Tapf’ren treues Blut,
Nieder rasselten die Bande,
Rasch gelöst vom deutschen Muth;
Und von vielen, die da siegten,
Bleibt im Sande das Gebein,  —
Ach, wie falsche Träume wiegten
Sie im Todesschlummer ein!

Träume von der Siegesfreude,
Die ganz Deutschland überstrahlt,
Während unsre Wangen heute
Nur des Zornes Röthe malt; —
Wenn aus frech gewecktem Grolle
Neuen Streites Flamme bricht
Keimt aus blutgetränkter Scholle
Wohl des Friedens Blume nicht.

Ferne über Meeresfluthen
Wüthet noch der harte Streit,
Und entflammt von seinen Gluthen
Ist der Himmel hoch und weit.
Überall bedeckt die Flammen
Eine trügerische Schicht,
Drohend, daß in sich zusammen
Zweier Welten Schicksal bricht!

Wohl erklang die Friedensharfe
Doch wen täuscht ihr süßer Ton?
Fiel dem Spieler doch die Larve
Allzurasch vom Antlitz schon, —
Täuschung nur war dein Gewerbe,
Altes Jahr, durch deine Bahn, —
Und ein ungewisses Erbe
Tritt das neue zagend an.

Steige nieder zu dem Raume,
der in Clio’s Reich gehört,
Dort versenke was im Traume
Falscher Hoffnung uns bethört,
Und mit kühnem Schwingenschlage,
Neues Jahr, beginn den Flug,
Bring uns sonnenhelle Tage,
Reiß entzwei des Nebels Trug!

Lenke ab die Wetterwolke,
Dulde nicht das frevle Spiel, —
Bei den Mächt’gen, bei dem Volke,
Wahr des ew’gen Rechts Gefühl!
Nur der heil’ge Zorn der Väter
Ob des langen Unrechts Nacht,
Warf einst in des Schicksals Räder
Des verhaßten Drängers Macht.

Bring uns Eintracht, bring uns Segen,
Bring uns Frieden, junges Jahr,
Führ’ die Herzen sich entgegen,
Mach’ die Bruderliebe wahr!
Wehre allen wilden Stürmen,
Hege was der Friede beut,
Alle seine Güter schirmen
Möge eine schön’re Zeit! —

Lenkt auf wechselvollen Wegen
Auch die Muse ihren Schritt,
Laß nicht Dornen sie umhegen,
Bring ihr frische Blüthen mit.
Und Du, ew’ger Herr der Zeiten,
Schütze dieses Jahres Gang,
Daß ihm bringe einst beim Scheiden
Unsern Dank der Glocken Klang! —

J. Priem

Dieser Reflex auf den deutsch-dänischen Krieg läßt sich nicht von ungefähr auf die Melodie des Deutschlandliedes singen.

Natürlich endigt mit dem Entsetzen über einen regional begrenzten Konflikt noch nicht alle Normalität im Vorgehen einer Gesellschaft wie des Blumenordens. Besonders gute Nerven hatte man in München — vorerst. Das scheinen die Beiträge der neuen Ehrenmitglieder aus dieser Residenzstadt zu erweisen, jedenfalls, insofern sie humoristisch sind.

„[…] 2.) Sodann liest der Herr OV die auf die Sendung der den Ehrenmitgliedern H. Gf. Pocci und Prof. Dr. von Kobell ausgestellten Diplome eingelaufenen Danksagungs-Schreiben, denen die Photographien dieser Herren beygeschlossen waren nebst einigen ihrer herausgegebenen Werke, u. zw. von H. Gf. Pocci:
a.) Todtentanz in Bildern und Sprüchen;
b.) Der Karfunkel. Volksdrama in drey Aufzügen;
c.) Der Landsknecht; und
d.) Der wahre Hort, oder die Wemdinger Goldsucher. Drama in vier Aufzügen. Als Manuscript gedruckt.
Von H. Prof. Dr. v. Kobell:
a.) Die Urzeit der Erde. Gedicht;
b.) Gedichte, hochdeutsche;
c.) Schnaderhüpfeln, und Sprüche;
d.) Gedichte in oberbayerischer Mundart, und
e.) Gedichte in pfälzischer Mundart.“

Übrigens fällt auf, daß in diesen Jahren fast keine Sitzung vorbeigeht, ohne daß Gedichte von Geibel am Ende vorgelesen werden.

Konvivialität bei akademischen Anlässen — Kobell ist ganz in seinem Element:

Zur Stiftungsfeier der Ludwig-Maximilians-Universität München 1865.

Magnificus.

Wie hat Magnificus gelernt
Das Bilder-Restauriren,
Das will ich Euch, so gut ich kann,
In Kürze expliciren.

Er sah an manchem alten Kopf
Der lieben Herrn Collegen
Ein jugendliches Farbenspiel
Beim Becherklang sich regen,

Er sah von edlen Weines Macht
Den Staub der Jahre schwinden
Und jeden wieder frischen Glanz
In seinem Hauche finden.

Da dachte der Magnificus,
Es ist an diesem Wunder
Das Agens nur der Spiritus,
Das Andere ist Plunder.

D’rum dampfte er gleich Alkohol
Auf alte Wouvermänner,
Die ganz verwittert und vergilbt
Unkenntlich jedem Kenner,

Und sieh! Das Wunder hat gewirkt,
All’ sind sie jung geworden
Und spielten wieder Farbenglanz
In herrlichen Accorden.

So lernt denn d’raus, am Weine nun
Euch doppelt zu erfreuen
Und laßt uns seinen Spiritus
Dem Rector heute weihen.

Fr. v. Kobell

Dieser spielte mit:

Ich Maximilian Joseph Pettenkofer
für dieses Jahr frei gewählter Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität kröne dich Franz von Kobell mit Lorbeer, der du nicht nur als Lehrer und Erforscher jener Weisheit, welche der liebe Gott im Reiche der Steine ausgestreut hat, sondern auch als sinnreicher Sänger, der schon viele ernste Männer erheitert hat, weit und breit berühmt bist, und ernenne dich zum ersten lorbeergekrönten Dichter der Universität. […]
München, den 26. Juni 1865.
(L. S.) Dr. Maximilian Joseph Pettenkofer

Dieser Humor funktioniert aufgrund der komischen Fallhöhe von feierlichen Worten sowie erhabenen Vorstellungen hinab zur einfachen, wenn nicht sogar banalen oder gar blamablen Wirklichkeit. In ähnlicher Weise, sogar noch drastischer im Unterschied, erfreut der gemütlich abschwingende Vergleich im Fall der durch einen Blitz im Wintergewitter in Brand gesetzten und wieder aufgebauten Spitze des Nordturms von St. Lorenz in Nürnberg:

Wie dein Patron Laurentius
Einst in der grauen Vorzeit Tagen,
So hast Du nach des Himmels Schluß
Ein grauses Marterthum ertragen:
In Flammen solltest Du vergeh’n,
Und doch in Ehren neu ersteh’n.

„Die Thurmspitze aus Eisenblech wurde in der v. Cramer-Klett’schen Fabrik nach der Konstruktion des Herrn Direktor Werder gefertigt.“ Der heutige Nürnberger verdeutlich sich das so: Aha, die spätere M.A.N. hat das neueste Material statt des Kupfers eingesetzt, und der Ingenieur, nach dem später die Arbeiter-Gartenstadt Werderau benannt wurde, hat die Lasten berechnet.

In der Kategorie „Mundart“ beschränkt man sich nicht auf das Bairische, Fränkische und Pfälzische. Dr. Beckh trägt am 15. März 1865 ein Gedicht in plattdeutscher Mundart von Fritz Reuter vor — man wüßte gern, wie. Dies kontrastiert wohl auf das anmutigste mit Dr. med. Ernst Solgers „Reiseskizzen über den Aufenthalt in Rom“. Dieser versucht sich aber auch an „Wolfram von Eschenbach“ einem Gedicht in sechs Gesängen. Am 26. Februar 1869 referiert er wieder über Rom, und zwar über dessen Eroberung, und am 28. Oktober 1869 mysteriöserweise über „etwas, was nicht in das Protokoll, seinem Verlangen gemäß, kommen soll“; im Mai 1870 ist er wegen Wegzugs aus dem Blumenorden ausgetreten.





Unterdessen kam es zum Krieg zwischen dem Deutschen Bund unter Führung Österreichs und Preußen. Wenn folgendes Gedicht von Euler-Chelpin auch erst auf 20. November 1868 datiert ist, so dürfte dies das Datum des Vortragens sein; es nimmt deutlich bezug auf nahe Kriegsschauplätze innerhalb Deutschlands.

In der Bahnwärter-Hütte

Tief bekümmert in der Hütte
Sitzt der alte Wärter da
Stammelt wiederholt die Bitte:
„Gütiger Vater! bleibe nah
Meinem Sohne, der dem Feinde
Kämpfend gegenüber steht, —
Daß ich ihn noch einmal sehe,
Eh’ mein Leib zur Erde geht!

Hat sich auch seit vielen Jahren
Manches Leid um mich geschaart,
Doch von drohenden Gefahren
Hast Du gnädig mich bewahrt. —
Ach! so trage Du hinieden
Über jetzt auf meinen Sohn
Was Du Gutes mir beschieden, —
Gieb es ihm als Gotteslohn.“ —

Sorgenvoll schließt sich dem Greise
Auch die Mutter betend an:
„Großer Gott! Du bist allweise
Was Du thust ist wohlgethan.“
Horch! Da tönt’s wie ferner Donner. —
Doch der Himmel ist ganz rein. —
Das ist nicht der Räder Rauschen,
Kann der Wagenzug nicht seyn.

Und die beyden Alten eilen
Schleunigst nach der Schienenspur;
Die besorgten Blicke weilen
Auf der weit entfernten Flur.
„Das ist Donner der Geschütze!
Hörst du der Trompete Schall?
Siehst du nicht die Feuerblitze?
Pulverdampf all überall? —

Schon neigt sich der Tag zu Ende,
Doch der Schlachtruf tönt noch fort;
Betend hält der Greis die Hände:
„Vater! sey ihm Schutz und Hort!“ —
Endlich bey des Nachts-Dunkel
Wird der Schlachtkampf eingestellt. —
Doch der Sterne Lichtgefunkel
Sieht nicht mehr manch braver Held.

Auch der Wärter, sorgenmüde,
Hat zur Ruhe sich gelegt;
Mit bekümmertem Gemüthe
Bleibt er schlaflos aufgeregt.
Da vernimmt er leise Tritte,
Höret jetzt Soldaten nah’n; —
Ja sie kommen an die Hütte,
Pochen an der Hütte an.

Wie verjüngt vom Lagerorte
Eilt der alte Vater schon,
Öffnet rasch die kleine Pforte,
Rufet laut nach seinem Sohn.
Keine Antwort läßt sich hören.
Schweigend treten Krieger ein,
Tragen schonend auf Gewehren
Jetzt den toten Sohn herein.

„Armer Mann! Die letzte Bitte
Eures Sohn’s vernahmen wir:
„Bringt mich in der Eltern Hütte,
Danken werden sie dafür.“ —
Dieser Wunsch ist ihm erfüllet,
Und der Sohn euch zugestellt.
Daß Eur’ Schmerz auch sey gestillet
Wißt, — er starb als braver Held.“ —

Und der Vater kniet nieder,
Küßt des Todten Angesicht.
„Meinen Sohn! Ich sah ihn wieder,
Gott verwarf mein Flehen nicht!“ —
Auch die Mutter nahet leise,
Blickt den Sohn und Vater an:
„Ja mein Gott! Du bist allweise
Was Du thust ist wohlgethan.“

Bei aller Einfühlung in die armen Alten konnte man so die lesende Öffentlichkeit im Namen des „Herrn der Heerscharen“ auf weitere Opfer vorbereiten. Daß diese bei einem zu erwartenden Waffengang mit Frankreich unvermeidlich sein würden, war ein offenes Geheimnis.

Rückert starb am 31. Januar 1866. Am 16. Februar 1867 protokolliert Seiler: „4. Endlich übergibt H. Dir. Rehm die für die Büste des Fr. Rückert gesammelten 16. fl. zu welchen noch 12. fl. beygetragen werden. Diese 28. fl. wird H. Ord. Vorsteher an das Komitee in Coburg einzusenden die Güte haben.“

Damit hat es nicht sein Bewenden: „1.) Vorauszuschicken ist, daß in der jüngsten, nicht öffentlichen Versammlung am 8. dieß vorgetragen wurde:

a.) von OR Dr. Heerwagen aus den gedruckten, neuen Octaven des OM H. Prof. Dr. Winterling zu Erlangen, von denen an den Orden ein gebundendes Exemplar zum Geschenk gemacht und dasselbige mit einem bey dieser Gelegenheit vorgelesenen Schreiben an den Ord. Schriftführer begleitet hat, diejenigen Strophen von 309. an, die an den Dichter Rückert gerichtet sind; […]“

Herr Pfarrer Petzet vermeinte wohl, die Überlieferung von dem Judenpogrom im Jahre 1349 mit einer erfundenen Fabel schönen zu können. Immerhin durfte sich 1850 erstmals wieder ein Jude als Bürger in Nürnberg niederlassen, und die jüdische Gemeinde war am Wachsen. Ob Petzet dies als bedrohlich erlebte oder diesen Neubürgern die Nürnberger Geschichte begreiflicher machen wollte, steht dahin. Gut kommen die Juden in folgendem Gedicht allerdings nicht weg: „Schön Bunle. Ein Gedicht in vier Gesängen von Johannes Heinrich Petzet. Nürnberg, 1868. Verlag der Joh. Phil. Raw’schen Buchhandlung. (C. A. Braun.)“ Daraus:

XI.
„Gott’s Wunder!“ kreischt der Jude auf,
„Herr, seid doch nicht so unbarmherzig
Und laßt mir gnädig meinen Lauf!
Gebeugt bin ohnedies vom Schmerz ich,
Denn wißt, es ist der Tochter Leiche,
Die ich will führen weit von hier,
Damit in Frieden ich von ihr
Auch bald ins Grab hernieder steige!“ —
Dem Hauptmann, was der Jude sagt,
Weil ihm dies Treiben nicht behagt
So ganz geheimnißvoll und nächtig.
Er denkt an all die bösen Sagen
Von manch geraubtem Christenkind,
Das von den Juden ward erschlagen,
Und er befiehlt: „Macht auf geschwind
Und ohne Zögern mir die Truhe!
Ist’s. wie du sagst, will ich die Ruhe
Der Todten länger stören nicht,
Wo nicht, so droht das Strafgericht!“

XII.
Der Deckel fällt. Beim Fackelschein
Der junge Hauptmann schaut hinein.
Und sieh’ ganz regungslos und bleich,
Von ihrer Schönheit Glanz umflossen,
In enger Truhe eingeschlossen,
Liegt Bunle da, dem Bilde gleich,
Das durch des Künstlers fleiß’ge Hand
Aus weißem Marmor auferstand.
Der Hauptmann staunt und steht entzückt
Ob solcher seltnen Schönheit Pracht.
Es zieht zur Jungfrau ihn mit Macht,
Bewundernd er sich zu ihr bückt;
Er faßt sie an der schlaffen Hand,
Die er voll Jugendfeuer drückt:
„ O Gott, so schöne junge Maid
Hab’ ich mein Leben nie geschaut,
Warum mußt’ sie des Todes Braut
Schon werden in der Jugendzeit!“ —
Und sieh — die kalte Hand wird warm,
Es hebt sich leis empor der Arm,
Der Mund scheint Seufzer auszuhauchen,
Es öffnen langsam sich die Augen,
Zwei Augen, ach so himmlischmild!
Der Jüngling sieht’s entsetzt — und wild
Reißt sich der alte Jude los,
Versetzt dem Jüngling einen Stoß,
Schwingt sich auf’s Wäglein, peitscht das Pferd,
Und durch die Nacht dahin er fährt,
Bis sich der Hauptmann recht besonnen,
Ist mit der Jungfrau er entronnen.
Nichts hilft jung Walthers Schmäh’n und Grollen,
Kaum hört er noch den Wagen rollen;
Verschwunden wie ein Spuk der Nacht
Ist Alles ihm, und heimlich lacht
Das Wächterpaar und schließt das Thor,
Indem sich trösten still die Beiden:
„Und müssen wir auch Strafe leiden,
Uns hat der Jud’ bezahlt zuvor!“

Der Jude Nathan erdolcht am Schluß noch Walther, und die Juden werden aus Nürnberg vertrieben. Sie nehmen es als Gottes Strafgericht an. Wofür Gott alles herhalten muß!

Einen poetischen Jahresrückblick auf den Orden im Jahre 1868 liefert Valerie Schrodt in Versen, die reichlich konventionell und nur gelegentlich von einem Blitz unerwarteter Poesie durchzuckt sind. Auszugsweise lauten sie:

Pegnesia 1868.

Es steht in des Jahres Mitternacht
der alte Dezember auf der Wacht,
Und schaut durch Wetter, durch Sturm, und durch Graus
In die Nebelerfüllte Welt hinaus.
Er denkt zurück an jede Zeiten,
Wo elf Genossen er durft begleiten,
Er denkt zurück an ihr Leben und Lieben,
Und an das, was von alledem nun geblieben.

Wie hatten sie sie so innig verehrt,
Pegnesia, die Allen so lieb und werth,
Die Jungfrau, den Pegnitzschäfern entstammt,
Die Herz und Gemüthe heftig entflammt,
Wie wollte ein Jeder ihr Ritter gern sein,
Wie wollten sie Dienste mit Freuden ihr weih’n.

Der sonst so frost’ge Januar
Ganz warm in ihrer Nähe war.
Er durfte ihr das Jahr erschließen,
Und trat hervor, sie zu begrüßen;
Er wußt’ die besten Wort’ zu wählen,
Konnt sie belehren, ihr erzählen,
Indeß der Feber, voll Humor,
Ihr flüstert muntren Scherz in’s Ohr,
Und hell die Gläser ließ erklingen,
Manch heitern Trinkspruch ihr zu bringen.

[…] Mit dem Kalender in der Hand,
Herwiedens [?] klugem Mann verwandt,
Kommt in des heißen Sommers Mitten
Festgeber Juli hergeschritten.
Trotz seinem alten, schönen Recht,
Ergings dem Armen aber schlecht.
Er zeigt wohl auf den vollen Mond,
Auf einen hellen Horizont,
Doch ist ein schlimmer, böser Wind
Dem Erndtemann nicht hold gesinnt,
Und unter schatt’gen Irrhains Bäumen
Durft’ von Pegnesia er nur träumen.

So war das Loos, das lieblichste von Allen,
Dem hohen Herrn, Augustus, zugefallen,
Pegnesias-Fest, wo sich in trautem Kreise,
Die Schäfer lagern nach Nomaden Weise,
Wo ein verehrtes Ordensglied,
Für Blumenorden warm erglüht,
Empfängt des Dankes Wort und Gruß
Als Herzens innersten Erguß.
Augustus hatte nichts vergessen,
Nicht Sang, noch Spiel, nicht Tanz, noch Essen,
Und ließ selbst Mond und Sterne funkeln,
Als es begann im Hain zu dunkeln.

Die „Zwanglose Gesellschaft“ zu München nahm den Krieg von 1870/71 zunächst sehr locker. Am 11. November bekam der Blumenorden davon etwas mit: „2.) Derselbige zeigt ein dem Orden geschenktes Exemplar der von dem Ehrenmitgliede p. H. v. Kobell in München verfaßten humorischen Erzählung, betitelt: ,Der Türkn-Hansi, a Gschichtl aus’n Krieg vo’ 1870.’ vor. Euler-Chelpin, der bayerischen Mundart sehr mächtig, theilte es zur allgemeinen Erheiterung mit.“  Schon etwas weniger erheiternd: „4.) […] b.) F. Lösch: Ein Gedicht auf den verstorbenen Felddiakon, Strobel, […]“, aber dann bricht der Siegesjubel aus: „5.) […] c.) Dr. Zahler: Eine Schilderung Napoleon’s III. aus der Zeitschrift ,Die Wespen’.“ und „Geschehen am 23. Xbr. 1870. daselbst. […] 3.) […] a.) Petzet, zwey Gedichte — ,Straßburg’ und ,Victoria’;“

O Straßburg, edles Straßburg, du wunderschöne Stadt,
Die uns der schnöde Franzmann einst frech entrissen hat
Und die im deutschen Reiche wir lange schwer vermißt,
Gott sei gedankt, daß unser du wieder worden bist!

Johannes Heinrich Petzet. So geht es noch 12 Strophen weiter, und abgedruckt ist es im „Unterhaltungsblatt des Fränkischen Kurier. Nürnberg. Nr. 3. 15. Januar 1871.“ Es ist jedoch nicht so, daß nicht auch edlere Federn zu diesem Anlaß zugeschnitten wurden, konnte man sich zu dieser Zeit ja noch wohl erinnern, daß Straßburg erst im Zuge der Expansionspolitik Ludwigs XIV. durch den Frieden von Rijswijk 1697 an Frankreich gekommen war.

I. Weihelied
Von Emanuel Geibel.
(Melodie: „Gaudeamus igitur“.)

1. Stimmet an den Preisgesang,
Unser Fest zu krönen.
Hell, wie Gottfried’s Harfenklang,
Laßt ihn heut’ ertönen;
Denn die Stund ist hochgeweiht,
Da sich alt’ und neue Zeit
Wundervoll versöhnen!
[…]
4. Gleich dem Münster dort am Strom
Wolkenwärts gewendet,
Steigt ins Blau ihr Riesendom [der in der vorigen Strophe erwähnten „freien Wissenschaft“]
Ewig unvollendet.
Jeder soll willkommen sein,
Der nur einen Quaderstein
Treu zum Werke spendet.

5. Wenn in dumpfem Bann die Welt
Haftet am Erwerbe;
Sind zu Hütern wir bestellt
Für der Menschheit Erbe,
Daß, was geistgeboren ist,
Nicht verkomm’ in dieser Frist,
Noch das Schöne sterbe.
[…]
8. Schlag im Flug dann sonnenan,
Deutscher Geist, die Schwingen!
Nieder Stumpfsinn, Trug und Wahn
Blitzgewaffnet ringe,
Daß in solchem Ritterthum
Dein und Straßburg’s alter Ruhm
Glorreich sich verjünge.

Rudolph Genée schickte aus Berlin, wo er als Theaterhistoriker und Rezitator wirkte, auch etwas an den Blumenorden, von welchem er wohl in der Zeit seiner Herausgeberschaft der Coburger Zeitung etwas erfahren hatte:

Sedan.

Gebrochen ist des frechen Feindes Macht,
Sein Glanz ist ausgelöscht,  — in wenig Tagen
Zum Staunen aller Welt ein Heer, ein Volk,
Das übermütigste der Welt, geschlagen! [usw.]

Der Krieg war noch gar nicht beendet, das Neue Reich noch nicht gegründet, da fühlte sich Petzet mächtig veranlaßt zu einem klärenden Wort: „Ein deutsches Wort an die deutschen Katholiken“, erschienen im Unterhaltungsblatt des Fränkischen Kurier. Nürnberg. Nr. 52. 25. Dezember 1870. Es handelt sich um die Aufforderung, eine gemeinsame deutsche Kirche zu errichten. 23 Strophen zu 8 Versen. Daraus:

Schon hat manch bess’rer Mann geredet,
Aus tiefbewegter deutscher Brust
Zu Euch, die Ihr uns einst befehdet,
Weil Ihr nicht besser es gewußt […]
Denn niemals wollte unser Luther,
Der echte treue deutsche Mann,
Daß je die Söhne einer Mutter
Zerklüftete ein fremder Bann.
[…]
Die große Babel ist gefallen,
Zertrümert [sic] der Tiara Pracht;
Von seinen eigenen Vasallen
Ist jetzt zerstört des Papstthums Macht.
[…Das hätt’ ihm so gepaßt. …]
Wir reichen willig Euch die Hände:
Wir glauben All’ an einen Gott
Und beten, daß uns Christus sende
Den Geist, der Alles macht zu Spott,
Was wider Gottes Wort begonnen
Und wider der Vernunft Gebot,
Bis hell und klar das Licht der Sonnen
Uns bringt der Freiheit Morgenroth!

Der Freiheit von dem fremden Zwange,
Der Freiheit von dem schnöden Rom,
Der Freiheit, die im heißen Drange
Gen Himmel strebt im Kölner Dom!
Dort wollen gläubig im Vereine
Wir knüpfen fromm das heil’ge Band
Der freien deutschen Kirchgemeine
Im freien deutschen Vaterland!

Dieser Anlauf zu einem „Deutschen Christentum“ paßt aus späterer Rückschau nicht schlecht zu seinem wahrscheinlichen Antisemitismus.

Gänzlich perfide ist der Mißbrauch seines Amtes zu folgenden Aussagen, die einem islamistischen Haßprediger unserer Tage zuzutrauen wären:

Den deutschen Frauen.
[…]
Wie konnte doch der Franzmann wagen,
Zu reizen uns zum blut’gem Krieg?
Wie konnte er nur Hoffnung tragen
Je zu erwerben einen Sieg?
Ein Volk von Männern und von Frauen,
Von deutschem Muth und Kraft geschwellt,
Nimmt sonder Furcht und sonder Grauen
Den Kampf auf mit der ganzen Welt.
[…]
Denn Eure Seele faßt sich schweigend
In Selbstverleugnung und Geduld:
„Es muß ja sein!“ ruft Ihr erbleichend,
„Und unser Volk trägt keine Schuld.
Es muß ja sein, daß Opfer fallen
In diesem großen, heil’gen Krieg;
Und müssen sterben sie vor Allen,
Ist ihres Todes Frucht der Sieg!“
[…]

Bedächtiger der künftige Präses Wilhelm Beckh einige Wochen später (auch ihm werden beim Beginn des Großen Krieges schrillere Töne entfliehen). „[…] 2.) Nach Beschluß werden in der öffentlichen Versammlung am 6. Februar vortragen:

[…] b.) Dr. W. Beckh, sein in der jüngsten öffentlichen Versammlung nicht zum Vortrag gekommenes Gedicht ,Der deutsche Landwehrmann’, […]“

Zu Chatillon sur Seine in schneeiger Winternacht
Hält an des Jahres Wende ein deutscher Krieger Wacht;
Er schreitet über die Brücke, er wandelt hin und her,
Die Seine zu seinen Füßen rauscht über das eis’ge Wehr.

Er späht hinaus in’s Dunkel und lauscht und zuckt die Brau’n:
Nichts weit im Rund zu hören, nichts ringsumher zu schaun;
Er stampft den Schnee von den Füßen, da schallt’s von den Thürmen her:
Bald Mitternacht! Die Stunde, auf’s Herz fällt sie ihm schwer.

Er denkt der fernen Lieben, denkt an’s entschwundne Jahr,
Wo ihm den ersten Sproßen das treue Weib gebar,
Denkt all’ der tausend Freuden, die er sich ausgemalt,
Wenn an dem heimschen Heerde der deutsche Christbaum strahlt:

„Und jetzt! — Hab’ Acht, mein Auge, entflieh, du Traum der Nacht,
„Hier war’s, wo deutsche Männer man nächtlich ungebracht:
„Die Haus und Heerd verlassen, zu schützen das Heimathland,
„Sie starben auf Frankreichs Erde durch fremder Banditen Hand!

„Wer weiß, ob nicht eine Kugel zu Neujahr mir gratulirt!
„Halt! wer da? Die Parole!“ „Elsaß und Lothringen!“ „Passirt!“
„Gut Nacht, Kamerad, und Prosit bis wir uns wieder seh’n,
„In diesem Jahr wird Keiner von uns mehr Posten steh’n!“ —

Er wandelt wieder einsam, späht in die Seine hinein:
„Elsaß und Lothringen“, sie sagen, wir sollen’s lassen sein,
„Selbst deutsche Federn schreiben von Friede und malen ihn aus;
„Hat keiner von ihnen verlassen sein Weib, sein Kind, sein Haus!

„Hat keiner von ihnen geschlagen siegreich manch’ blut’ge Schlacht,
„Bis endlich die alten Lande zu Deutschland wieder gebracht,
„Die Tausende, die starben, sie fühlten alle gleich:
„Die todten, deutschen Soldaten vermachen das dem Reich!“ —

Da schallt’s von festen Tritten, und durch die dunkle Nacht
Blitzt es wie deutsche Helme, die Runde naht der Wacht;
Und horch! Die letzte Stunde vom alten Jahr tönt her,
Es schultert und präsentiret die Ablösung das Gewehr.

In tiefem Schweigen schreitet die Runde Posten entlang,
Bis endlich im Feldwachstübchen beendet der nächtliche Gang.
Da drängt sich’s an die Gekomm’nen; Prost! ruft’s von fern und nah:
„Wir halten zu Neujahr Weihnacht! Die Liebesgaben sind da!“

„Und weißt du, was sie gehalten so lang, bis heut’ge Nacht?
„Endlose Mengen Geschosse hat vor Paris man gebracht!“
„Dann hab’ ich gern gewartet“, laut es entgegenschallt,
„Mir ist ein Alp genommen, wenns dort auch endlich knallt!“

„Doch komm’ nun, schau die Gaben! Das ist dir zugedacht!
„Die Grüße aus der Heimath halten warm in kalter Nacht!“
“Ach was! da nimm, nach der Wache ist’s doch wohl mehr nach Wunsch
“Ein Glas Feldkessel-gebrauten, feldmäßig erworbenen Punsch!““

„Was mir zumeist, Kam’raden, die Wärme zum Herzen treibt,
„Das ist der Brief vom Weibe, den sie zu den Gaben schreibt!“
Er nimmt ihn vom wollenen Kittel und liest ihn und hebt das Glas:
„Stoßt an, ihr guten Jungen! den deutschen Frauen das!“

Die Jubelrufe klingen hinaus in die kalte Nacht,
Der Wintersturmwind hat sie wohl nach der Heimath gebracht. —
Doch in den Traum von der Heimath und in den Jubel hinein,
Da trifft noch neue Botschaft vom Kommandanten ein;

Sie meldet mit kurzen Worten: Paris wird bombardirt,
Für uns heißt’s mit dem Frühsten auf nach dem Süden marschirt.
Da nimmt der Landwehrkrieger von Neuem das Glas zur Hand:
„Hoch lebe im neuen Jahre das deutsche Vaterland!“

„Wir wagen gern und freudig noch manchen blut’gen Strauß,
„Die Liebe, sie begleitet uns über den Tod hinaus,
„Und Kind und Enkel sagen, wenn uns’rer wird gedacht:
„Er war auch einer von Jenen, die Deutschland groß gemacht!

„Schon hör’ ich die Fanfaren, die Trommel wirbelt heran,
„Wie treten stramm und muthig die deutschen Krieger an!
„Hinaus zu neuem Siege, schon weicht die Mitternacht!
„Gott geb’s! mit dem ersten Frühling ist Friede der Heimath gebracht!

Übrigens ist das die Strophenform des Nibelungenliedes.

Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth, soeben erst aufgenommen, führt sich als Sammler von Volksliedern ein, als der er noch in manchen Wochenversammlungen Beiträge liefern wird; diesmal beleuchtet er die Zeitumstände durch Vergleich mit früheren Kriegen:

„Geschehen am 3. Februar 1871. daselbst.
[…] 2.) […] a.) v. Dithfurt: „Aus seiner Sammlung von 100. historischen Volksliedern des Preußischen Heeres u. zw. ,Schlacht bey Roßbach — Spottlied auf Teplice. Schlacht bey Leuthen — bey Zorndorf — Die Berennung von Breslau, Schlacht bey Torgau — Tod Friedrich des Großen — Schlacht an der Katzbach — Gespräch zwischen Napoleon und Blücher — Gefecht bey Misonde — Schlacht bey Königsgräz’;
b.) Petzet: „Weihnachten 1870. Ein Gedicht im Militairspital;“ — letzterer war um diese Zeit geradezu fieberhaft produktiv.

Angehörige alter Familien und hochgradige Akademiker sehen die Sache eben aus größerer Distanz, sie kennen frühere Siege und Niederlagen bzw. sind schon im voraus ohne Illusionen; beneidenswert die auswärtigen Mitglieder in München:

Bei den Zwanglosen am 12. März 1871

Ihr Herrn jetzt kommt der Champuswein,
Nun mögt Ihr Eure Vivats schrein,
Auf Kaiser und König und’s deutsche Reich
Und was man billig wünscht zugleich,
Freiheit in allem zu jeglicher Zeit
Und Fortschritt bis in die Unendlichkeit,
Ein allmächtiges Heer mit geringen Kosten
Und Flinten und Säbel, die niemals rosten,
Auch daß der Reichstag ja nicht vergesse
Die Erlösung uns’rer geknechteten Presse!
Und ob sich die Toaste noch so bunt reihen,
Der Champus steht hoch über allen Partheien,
Und Aristo-, Demo- und andere Kraten
Wie auch die Homöo- und Allopathen,
Sie waren ja stets ihm zugewandt
Und haben seine Herrschaft erkannt.
Drum frisch heraus mit Sprüchen und Reden,
Der Champus freundlich hilft einem jeden
Und rauscht seinen lieblichen Perlenchor
In festlicher Lust zum Himmel empor!
Kobell.

Vom selben Verfasser eine ernstere Stellungnahme, die erste Reserviertheit gegenüber dem Neuen Reich durchblicken läßt:

Bayern.

Nicht Waffengewalt, nicht Pfaffengewalt
Soll unser Bayern beugen,
Es soll sich seine Fahne nicht
Bevor der Schaft in Trümmer bricht,
Vor diesen Feinden neigen.

Das Schwert begräbt kein edles Recht
Solch’ Thun ist eitle Mühe,
Und wie auch Rom darüber grollt
Und seines Bannes Donner rollt,
Des Geistes Freiheit blühe!

Die Mittel heiligt nicht der Zweck
Und nach Erfolg zu wägen,
Ist nur gemeinen Sinnes Art,
Ist keine Fluth zu guter Fahrt,
Ein Schaffen ohne Segen.

Dem Herrn, der hoch die Sonnen lenkt
Ihm wollen wir vertrauen,
Was unten Macht in dieser Welt,
Ist auf ein Wechselspiel gestellt
Wie Blumenprunk der Auen.

Mag Herrschsucht zieh’n in Flitterglanz,
Er blendet nur die Feigen,
D’rum sei nicht bang mein Vaterland
Vor Waffengewalt und Pfaffentand,
Sie sollen dich nicht beugen.

Kobell.

Karl Euler-Chelpin findet anläßlich des Irrhainfestes von 1871 mit Mühe wieder in friedliche Betrachtungen zurück:

Im Irrgarten am 16ten August 1871.

Wie schnell sich verändert der Mensch u. die Zeit
Das fühlte ich niemals so deutlich wie heut;
Denn — rechne ich richtig? — so sind’s kaum zwey Jahr,
Daß ich als Herr Sauter im Irrgarten war;
Und denke ich heut’ nur um ein Jahr zurück,
So war mir bestimmet von meinem Geschick
Daß ich in dem Kreise der Musen, der neune,
Als Führer derselben — als Apollo erscheine. —
Schon hatt’ ich die Rolle der Gottheit studirt,
Und bin vom Olymp auf die Erde spaziert, —
Auch meine neun Musen die fanden sich ein,
Denn hier im Irrgarten sollt Probe erst seyn. —
Und sieh da! sie ist auch vortrefflich gelungen. —
Doch plötzlich ist uns zu den Ohren gedrungen
Der Kriegestrompete weit schmetternder Ton
Und meine neun Musen — sie liefen davon.
Das Spiel war zu Ende, der Krieg näh’rte sich
Und selbst den Apollo ließ Alles im Stich! —
Nun fleht’ ich Herrn Mars als Collegen recht an,
Und wirklich, er hat auch das Seine gethan.
Er hat unsere deutschen sehr braven Armeen
So reichlich mit Muth und mit Stärke versehen,
Daß sie die mächtigen Feinde geschlagen
Und wir wieder leben in friedlichen Tagen. —
So laßt uns benützen die ruhige Zeit,
Genießen was Geist u. das Herz uns erfreut.
Ihr, liebliche Musen, kehrt nun wieder ein,
Gut werd’t ihr gepfleget in unserm Verein,
Der eifrig bemüht ist, daß ferner erblüh’
Die herrliche deutsche Poesie!
Und da für uns Alles sich gut hat entschieden,
Erschalle ein Hoch! auf Eintracht und Frieden!!

Ohne solche Dezenz schwadroniert der alte Schriftführer Seiler: „Lied im Irrhaine zu singen im Friedensjahre 1871. Nürnberg. Wilh. Tümmel’s Buchdruckerei.
Melodie: Vom hohen Olymp herab etc“

Glück auf! Glück auf! Der Frieden ist erkämpfet!
Darnieder liegt der alte Feind!
Sein Stolz, sein Größenwahnsinn ist gedämpfet!
Das Schwert hat Deutschland nun vereint.
Stimmet drum an den Jubelgesang
Auf Deutschlands Einheit beim Becherklang!

Willkomm! Willkomm! Ihr tapfern deutschen Krieger!
Von Millionen hochgeehrt
Kommt ihr, gekrönt, in allen Schlachten Sieger,
Nach Haus zum heimathlichen Herd.
Stimmet drum an den Jubelgesang
Auf sie, die Sieger, beim Gläserklang!

Heil uns! Heil uns! fort, fort sind die Gefahren,
Die unserm Vaterland gedroht.
Es haben uns geschützt mit ihren Schaaren
Die sie geführt zum Kampf, zum Tod.
Stimmet drum an den Jubelgesang
Auf Deutschlands Feldherrn beim Becherklang.

Ein dreimal Hoch, auf unsre Regenten,
Auf König Ludwig, der voran
Im Süden, rasch den heißen Kampf zu enden,
Sein tapf’res Heer rief auf den Plan.
Stimmet drum an den Jubelgesang
Auf Deutschlands Fürsten beim Gläserklang!

Doch ach! Doch ach! Viel Tapf’re sind geschieden;
Der Gott der Schlachten rief sie ab.
Wir denken ihrer , die nun ruh’n im Frieden,
Im Geiste schmücken wir ihr Grab.
Klagen und wünschen Ruhe hinab,
Und Dank folgt ihnen in’s Heldengrab1

Wohl uns! Wohl uns! singt auch der Blumenorden,
Geschlagen ist der Deutschen Feind!
Zunichte ist sein Satansplan geworden,
Die Welt sieht unser Volk geeint.
Stimmet drum an den Jubelgesang
Auf Deutschlands Großmacht beim Becherklang!