Neunter Abschnitt: Resonanzboden der Literaturentwicklung


Es geht nicht an, die Werke der berühmten Autoren, welche der Pegnesische Blumenorden zur Zeit seines 250jährigen Bestehens zur Mitgliedschaft bewegen konnte, als seine eigenen, gemeinschaftlichen Hervorbringungen in Anspruch zu nehmen. Dazu war der persönliche Kontakt in den allermeisten Fällen zu gering. Was der Anteil des Ordens an solchen epochemachenden Texten allenfalls genannt werden kann, war verständige Anteilnahme. Sie konnte passiv sein, indem man sich als Kenner und Bewunderer erwies, oder aktiv, indem einige der in Nürnberg wohnenden Mitglieder selbst Werke verfaßten, die den epochalen Mustern folgten. Dieser Stand war zu Anfang des hier betrachteten Zeitraums erreicht. Erstaunlich ist im Unterschied zu nachfolgenden Jahrzehnten die Homogeneität der bürgerlichen Dichtung auf den verschiedenen Ebenen, ob nun die Koryphäen des Literaturbetriebs auch einmal anspruchslose Gelegenheitsverse schrieben, oder ob Freizeitdichter sich an Texten mit gewagten Neuerungen versuchten. Das Schillersche Ideal eines ästhetisch durchdrungenen Lebens in allen Bereichen schien nähergerückt. Die verschiedenen „-ismen“, in welche sich der Literaturbetrieb zunehmend aufteilte, hatten freilich auch eine Differenzierung zwischen Konservativen und Neuerern im Orden zur Folge. Über diverse Neuerscheinungen wurde lebhaft debattiert, aber nicht heftig gestritten. Mit der Zeit kamen die Älteren jedoch nicht mehr recht mit. Sie sahen zwar ein, daß man der Jugend Raum geben müsse, glaubten aber an überzeitliche Maßstäbe der Qualität. Das hätte auf fanatische Entgleisungen bremsend wirken können, doch kurz vor dem Ersten Weltkrieg spitzte sich der arrogant nationalistische Ton über Stilfragen hinweg auf allen Altersstufen zu, als hätte die Dichtung ihren Beitrag zur Auslösung des Unheils leisten wollen, durch welches die bürgerliche Kultur materiell und geistig zertrümmert werden sollte.

 

Rückbesinnung

Aktuell Prominente unter den Ehrenmitgliedern

Dem Orden näher stehende prominente Autoren

Auseinandersetzung mit neuen Größen

Eigene Werke der Nürnberger Mitglieder

Sondersparten