Zweites Beispiel: Schlichtere Pastoraldichtung

Am Anfang einer poetischen Gratulation Als Tit. Herr Johann Friedrich Pömer, Das Pfleg-Amt Herspruck antrat. findet sich folgende Darstellung:
Pegnesis schlief vergnügt an ihrem gelben Strand.
Das Lager war mit Moos, das Haupt mit Schilf bedecket,
Sie aber hatte Mohn und Palmen in der Hand,
Und ruhte, bis sie schnell ein Jubel-Schall erwecket.
Verarget (fieng sie an, da kaum ihr Angesicht,
So noch voll Schlummer war, sich etwas ausgekläret),
Verarget, die ihr sonst nichts als mein Wol begehret,
doch meinem sichern Aug die süsse Ruhe nicht.
Ihr kennt die Sorge wol, die mich so sorglos machet:
Ich schlaffe, weil für mich die edle Noris wachet.
Jetzt aber tringt ein Ton zu meinen Ohren ein,
Der mich ganz munter macht, und spricht von sondern Freuden.
Es liegt um meine Stirn ein angenehmer Schein,
Daß keine Wolke darf sich um mein Auge breiten.
Ihr Berge, saget mir, was macht euch so erfreut?
Kan euer steiler Fels der Menschen Lust empfinden?
Und warum eilet ihr, ihr Ströme, aus den Gründen,
Die ihr so lang benetzt, mit solcher Hurtigkeit?
Mich dünkt, ihr dränget euch, und wandert zu den Auen,
Um Pömers hohes Glück in voller Blüh zu schauen.
[...]
Oft und oft haben die Pegnesen ihrem namengebenden Fluß Gedichte gewidmet oder die Pegnesis auftreten lassen, doch MUNZ gelingt dabei ein neuer Ton. Nicht die beschwingten Dreierrhythmen der ersten Generation, nicht gesuchte Bilder und mit ungewöhnlichen Wörtern und Reimen ausgezierte Naturbeschreibungen gibt er, sondern schlichte, scheinbar ungekünstelte Aussagen, die für uns besser zum pastoralen Kostüm passen. Nur die geradezu an LESSING erinnernde Unterbrechung und schwungvolle Wiederaufnahme der Rede bei "verarget" zeigen, daß MUNZ seine Rhetorik gelernt hat. Ansonsten entsteht vor dem inneren Auge ein Bild wie von pastellfarbigen Fresken eines Gartenpavillons anstatt der heroischen oder elegischen Landschaften von POUSSIN oder SCHÖNFELD. Kurz: Das literarische Rokoko ist in Nürnberg angekommen.