Poesie der Pegnesen

Sechster Abschnitt: Privatheit und Öffentlichkeit



Schon vor 1848 fiel einigen Pegnesen auf, daß die Zeiten sich gewandelt hatten und auch die Rolle der Dichtung eine andere geworden war. Wie gleich weiter unten zu lesen sein wird, unterschied man ganz bewußt eine ästhetische Epoche von der nun zeitgenössischen politischen. Der Gegensatz zwischen den weiterhin gepflegten poetischen Freizeitbeschäftigungen und den zunehmend ins Öffentliche hineinhorchenden und hineinsprechenden Texten vertiefte sich, auch wenn letztere immer noch ästhetisch befriedigend sein wollten. Beides verklammerte der Anspruch, im Wortkunstwerk Gültiges auszusagen, das die Zeiten überdauern sollte — oder wenigstens vorgeben konnte, von den beunruhigenden Tendenzen und Parteilichkeiten unangefochten zu bleiben. Für die Mitglieder des Pegnesischen Blumenordens verschärfte sich diese Spannung in dem Maße, in dem der Stolz auf die altehrwürdige Herkunft der Gesellschaft gepaart war mit der Einsicht, daß man als behagliche Dilettanten den Berufsschriftstellern nicht ebenbürtig war, die in stets wacher Teilnahme am öffentlichen Leben ihre gefährdete Existenz aufrecht zu halten strebten. Vielleicht versuchte man deshalb in zunehmendem Maße, bereits namhaft gewordene Dichter als Ehrenmitglieder zu gewinnen und dadurch auch den Orden zu einem bedeutenden Mitspieler in den Debatten der Gruppierungen zu erheben. Dies konnte dem Blumenorden zunächst ebensowenig gelingen wie dem viel rührigeren Literarischen Verein Nürnberg, einfach deswegen, weil die Stadt Nürnberg selbst noch nicht den früheren Rang unter den Zentren zweiter Ordnung wiedererlangt hatte. Daß dies aber möglich und mit etwas Glück nur eine Frage der Zeit war, spürte man und unterstrich man. Mitten in diese Tendenzen explodierte die trotz aller Unterdrückung doch unaufhaltsame Revolution. Auf diese Herausforderung antworteten etliche Wohlmeinende auf literarische Weise, und kaum waren ihre Werke druckreif, verebbte die deutsche Republik aufs erste wieder. Im geistige Leben wurden die vorrevolutionären Tendenzen jedoch nur vorübergehend gebremst.

Eine Standortbestimmung

Vermischte Kleinmeistereien

Ein Pfarrer als Literaturforscher

Politische Lyrik

Vorbereitungen zu einer weiteren Blumenorden-Anthologie

Vielversprechende Ansätze