Retardierende Momente

In Schuber CVIII ist im Archiv die eigenhändige Lebensbeschreibung der Tochter des AMARANTES erhalten. Sie war am 6. 1. 1725 geboren, lernte Schreiben und Rechnen beim Vater, Latein von einem Hauslehrer, und erhielt auch Unterricht in Zeichnen, Malen und Klavierspiel. Während der Jubiläumsfeier am 16. 10. 1744 wurde sie zusammen mit des Präses eigener Tochter von Professor SCHWARZ und einem der GOLLINGs zur Tafel geführt. Offenbar in galanter Laune -- wenn nicht in Weinlaune -- redeten die Herren dem Präses zu, die beiden Damen doch in den Orden aufzunehmen, doch NEGELEIN stellte sich stur, "da anjetzo kein Frauenzimmer in den [!] Orden wäre." Sie gibt an, daß sie später von DIETELMAIR unter dem Namen HIAZYNTHE aufgenommen worden sei. Seltsam ist nur, daß im Ordensbuch (Archiv Nr. LXXXIV) noch von des AMARANTES Hand eine Eintragung vorliegt, daß Jungfer NEGELEIN gerade am Tag des Jubelfestes unter dem Namen CLARINDE ein Mitglied geworden sei.

Ein Herr Justizrat J. PH. MACHENAU schickte dem Blumenorden 1747 aus Halberstadt ein Werk mit dem Titel: Der Wiederspruch des Menschen. ODE nach Anleitung des Französischen. Es handelt sich um eines der moralischen Lehrgedichte auf philosophischer, aber keineswegs unchristlicher Grundlage, wie sie damals zur weltanschaulichen Selbst-Vergewisserung von gedankenvollen jungen Leuten verfaßt wurden. (Auch WIELAND schrieb zehn Jahre später ein solches, seinen Anti-Lucrez.) Damit also wollte sich Herr MACHENAU dem Blumenorden als Mitglied empfehlen. Er traute sich was. Er erreichte auch sein Ziel, nur wird den Pegnesen bei der Lektüre nicht zu wohl gewesen sein; sie nahmen den Auswärtigen wohl vor allem deswegen auf, um weiterhin überregionale Kontakte zu pflegen, solange nicht zu befürchten war, daß er in Nürnberg selbst für philosophische Extravaganzen sorgte. Nun sollte er Hirtennamen, Blume und Leitspruch wählen. Er war unbekannt genug mit Ordensdingen, um sich in seinem Brief vom 20. 5. 1747 zu seinem Namen PALLANTES die weiße Lilie zu wünschen nebst der Devise, stets der Natur gemäß zu leben. Im eigenhändigen Brief NEGELEINs vom 16. 8. des Jahres wird er sehr höflich, aber bestimmt "erinnert", daß die Lilie für die FÜRERs reserviert sei. Außerdem verweist der Präses auf eine Besprechung vom 31. 7., in der die Mitglieder seine Devise beanstandet hatten, und MACHENAU wird aufgefordert, sie dahingehend abzuändern, er wolle "stets Gottes Rath gemäß" leben.