Ein neuer, sehr alt gemeinter Ton


Der nationale Patriotismus löst den kleinstaatlichen Vaterlandsgedanken ab, man schwärmt von den alten germanischen (und keltischen) Barden, betrachtet die Deutschen (etymologisch falsch) als "Söhne des Teut", des keltisch-germanischen Gottes Ziu, man entwickelt ein geschärftes soziales Bewußtsein. (Goethe schreibt um diese Zeit seinen recht gesellschaftskritischen Götz von Berlichingen.) Alles dies konnte den Obrigkeiten nicht gerade recht sein. Irenander hebt genau das an Löhner hervor — darin Philodectes ähnlich —, was den guten Bürgerlichen ausmacht. (Und das ist nicht genau dasselbe, was den braven Bürger ausmacht.) Insofern hat sogar dieses Trauergedicht eine leicht polemische Spitze, die der Zensur allerdings zu unerheblich zum Einschreiten erscheinen konnte:

[...] Sagt es, ihr Seine frommen Hörer,
Wem diente Sorge, Müh und Wachsamkeit?
Nur Reichen? Nein; der Treue Lehrer
War iedermann zu gleichem Dienst bereit.
[...]

Hierin spricht sich bereits wieder eine neue Denkart aus, die nicht mehr mit den Begriffen 'empfindsam' oder 'aufklärerisch' allein zu beschreiben ist, obwohl sie zunächst keine eigene Sprache spricht. Es ist ja oft so, daß vertraute Wörter und die Begriffe, die man sich damit gemacht hat, einfach umgewidmet werden, und die neue Verständigungs-Grundlage, der neue Diskurs, ist da, bevor noch alle geistigen Auswirkungen zu übersehen sind, die das stiftet.

Beinahe hätte so auch der Name des Blumenordens ohne große Ankündigung sein Ende in einer Standardbezeichnung für eine weitere der damals beliebten Lese- bzw. Redegesellschaften gefunden — und die Nürnberger hätten den Traditionsbruch kaum bemerkt, vielleicht für längst überfällig gehalten. Es wird noch zu sehen sein, wie ausgerechnet Cramer durch seine patriotische Wohltätigkeit dazu beitrug, daß dies nicht geschah.