Teil XI: Üble Gesinnungen honoriger Menschen

 

 
Von Zurückhaltung und abwägender Auseinandersetzung keine Spur mehr. Der Rausch begann. Man probierte aus, wie stramm man sein konnte, selbst wenn man kein Hau-drauf-Typ war. Diejenigen, die sich eingestehen mußten, daß die neue Schneidigkeit nicht ihre Sache war, boten ein harmloses Alternativprogramm von ganz gewiß nicht undeutschen, aber eben nicht nationalsozialistischen Lieblichkeiten. Bezeichnend für diese Verweigerung von Herrschaftsphantasien war zunehmend die Adventsfeier, deren Beliebtheit über die bisherige sogar noch anstieg. Mit zunehmender Kriegsgefahr nahmen sogar bei den Überzeugten die scharfen Töne ab. Wenn man weiß, daß schon ab 1935 durch Befehl von ganz oben — eben nicht als defätistische, potentiell regimefeindliche Aktion — mehr und mehr Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum Nürnbergs im Kunstbunker eingelagert wurden (das konnte ja jeder Kirchenbesucher von Sonntag zu Sonntag feststellen), ist jede Spekulation, wie viel die Deutschen von den endgültigen Absichten der Führung wissen konnten, hinfällig. Dazu mußte man nicht einmal das in der Ordensbibliothek pflichtschuldigst vorhandene Kampfbuch gelesen haben. Die zentrale Kultur-überwachungsbehörde forderte Monatsberichte. Man konnte nicht mehr aus. Es gibt eine dreistufige Identifikation mit dem Regime, die man auch heute immer wieder beobachten kann: 1. „Ich will die nicht in der Regierung, aber denen da oben einen Denkzettel geben. Darum wähle ich XYZ.“ — 2. „Ich bin nicht mit allem einverstanden, was die neue Regierung tut, aber das wird sich schon abschleifen.“ — 3. „Ich bin uneingeschränkt für die Regierung, weil ich schon immer so gedacht habe.“ Und was kommt als Viertens?

 

Die Gleichschaltungssatzung


Geschichtliches und Privatgemütliches

Der nationalsozialistische Irrhain

Kriegsjahre, zum zweitenmal

Hinterher-Reparieren im Irrhain

Das ausgefallene Jubiläum