Unpoetische Selbstdarstellung des Ordens

Datiert vom 5. 9. 1750, ist im Pegnesenarchiv ein Exemplar des Einzeldrucks seines (Reichels) Feiergedichtes bewahrt. Daraus stammen folgende Verse:

So weit bisher das Licht der Künste,
Zum Heil der Welt, die dicken Dünste
Der Barbarei durchbrochen hat;
So weit der Tugendbild , an wilder Sitten stat,
Den Geist der Menschen reizend kleidet:
So weit erhebt man Dich erfreut,
Und glaubt gewiß, daß einstens noch die spätste Zeit
Uns die wir Dich selbst sahn und die Du lehrtest, neidet.


Das fängt gut an mit einer lockeren, Verszeilen übergreifenden, weitgespannten Gedankenführung in madrigalisch abwechselndem Metrum, klanglich ansprechend und nachdrücklich. Aber dann diese letzte Zeile mit zu vielen einsilbigen Wörtern und ihrem verschraubten Satzbau! Da landet der Flug des Pegasus mit einem Scheppern.

Deßwegen wünscht man Deinen Schriften,
Die Dir ein ewigs Denkmal stiften,
Sie auf Asbest gedruckt zu sehn,
Damit sie eher nicht, als mit der Welt vergehn.
Fort mit dem Streit, der Franckreichs Söhne
Vor sechzig Jahren so erregt:
Schwarz macht, das Perralt seinen Feind aufs neu erlegt.
Dann schreibt und denckt zugleich das Alterthum so schöne?


Er muß, wenn auch mit sechzig Jahren Verspätung, den Hauptstreitpunkt der sattsam bekannten 'Quérelle des anciens et des modernes' noch einmal heranziehen: daß die neuen Schriftsteller den antiken überlegen seien. Nur, daß Melanders Schriften schon zu seiner Zeit toter waren (wenn man ausnahmsweise den Komparativ zuläßt) als die der Antike. Aus der Antike aber schöpften damals und noch weiterhin zahlreiche Gymnasiastengeschlechter ursprüngliche poetische Empfindungen und Anregungen. Und das muß doch im Pegnesenorden mindestens einigen klar gewesen sein. Derartige Lobeserhebungen wirken dann bloß noch peinlich.