Pläne zu Umgestaltungen des Irrhains bis 1844

Zur Jubelfeier von 1794 war anscheinend geplant, einen Obelisken zum Andenken an die Ordensgründer zu errichten.

Daraus ist aber offensichtlich nichts geworden. Doch hat man das Bildprogramm, von Heideloff erneut entworfen, auf der 1820 errichteten und zunächst unbeschrifteten Stele Cramers realisiert, wenn auch erst 1894.

 

Man machte sich auch daran, die Fläche des Irrhains genauer zu erfassen:

 

"Erläuterung über den, im Jahr 1733 gefertigten, und im Ordens-Gesellschafts-Buch befindl. Geometr. Grundriß des Irrhains [...]

Da dem, bereits im Jahr 1733, verfertigten [...] Grundriß vom Irrhain [...] nirgends angegeben ist, wieviel der Irrhain an der Morgenzal betrage: so nahm ich mir vor, den Inhalt dieses Stück Landes nach einem Maasstab zu berechnen. [...] Resultat, daß der Irrhain nicht mehr, als 1 1/6 Morgen, 4. Ruthen, und 172. Schuhe halten [durch Wasserfleck unleserlich gewordene Textpassagen] Und doch stehet auf dem Blat, welches mehr Malerey als Zeichnung ist, geometrischer Grundriß, so wie auch der beigesezte Maasstab zu erkennen giebt, daß es nicht bloßer Ocular-Riß seyn soll. [...]

Um nun hinter die Sache zu kommen, so entschloß ich mich, den Irrhain selbst geometrisch aufzunehmen. Ich vollzog diese Arbeit mit dem Zollmänischen [?] Scheiben-Instrument, am 22. August heurigen Jahres, und fand den Inhalt des Irrhains 2 15/16. Morgen, 3. Ruthe, und 3 3/4 Schuhe, oder ungefähr 3. Morgen groß.

[...] Endlich geriet ich auf den Einfall, wie, wenn bey dem Grundriß von 1733. Decimalmaas zu verstehen wäre; nämlich, wenn sich der Geometra einer Kette zum Messen bedient hätte, bei welcher die Länge von 16. Nürnbergischen Schuhen, in 10. Glieder eingetheilt gewesen wäre. Sogleich reducirte ich Ruthen und Schuhe nach diesem Gehalt, und fand nunmehr den Inhalt [leider wieder Wasserfleck!] Indessen war nun der ganze Umstand auf einmal gehoben, und ich fand mit Vergnügen, daß die Differenz zwischen der damaligen Messung, und der meinigen, in der That unbedeutend seye, da sie nur beynahe 1/16 Morgen beträgt, welcher geringe Unterschied entweder zum Theil daher rühren kann, daß die Gränzlinien bey dem ältern Grundriß, weil sie durch Malerey gedeckt sind, nicht scharf genug gezogen werden konnten; oder theils daher, daß der Irrhain in einem Zeitraum von 64. Jahren, durch das Hineintreiben [...] Hecken von Seiten der Anstösser, an seinen [...] würkl. Etwas verloren habe. [...]

G.Chr.Müller, den 6. Novemb. 1797."

Offenbar meint Schriftführer Müller, daß die Grundstücksgrenzen durch das Hineintreiben von Vieh durch Lücken des Zaunes und das Aufkommen von Hecken an den Grenzen zu den Anliegern unklar geworden seien.

Von 1798 datiert ein Stück aus den "Palingenesien" des Jean Paul, in dem dieser einen wohl selbst erlebten Spaziergang in den Irrhain schildert:

"In einigen der nächsten Reise-Anzeiger werden der Welt die Ursachen vorgezählt, warum ich mich gerade den ersten Tag in Nürnberg kaum auf den Beinen halten konnte; und eben diese an die Erweichung grenzende Ermattung trieb mich in den Hain: das Schwellen des Herzens wie das der Adern kommt nicht immer von Vollblütigkeit, sondern oft von Schwäche der Gefäße her. Ich wußte, daß der Irrgarten im Jahr 1644 für den sogenannten Harsdörferschen Hirten- und Blumenorden an der Pegnitz gesäet und gepflanzet wurde); und als Kind hatt' ich oft in einem Quartanten voll Kupferstiche, den der Orden geliefert, herumgeblättert: das zog mich an. [...] Je länger ich vor den grünenden Seitenlogen des Irrhains, dessen Front- und Mutterloge ein belaubtes Labyrinth war, auf- und abstrich und mich bald in jene, bald in diese Hütte setzte und daran dachte: hier saß 1644 Harsdorf, Klai und ihre Chorsänger — und je länger ich in den bedeckten Gängen, gleichsam in den Katakomben der vorigen Pegnitzschäfer ging und wieder heraus zu den wachsenden Blumen kam, die öfter aufgelegt wurden als die gedruckten des Blumenordens: desto mehr fing vor mir der Blumengarten an zu phosphoreszieren, und endlich lag er als ein himmlischer Hesperiden-Garten da, und das lichte Gewölk, durch das er oben aus der ätherischen Vergangenheit in die dicke Gegenwart hereingesunken war, hing noch merklich in leuchtenden Flocken an seinen Gipfeln. — —"

Es sieht Jean Paul zwar nicht ähnlich, doch er wußte offensichtlich nicht, daß zu der Zeit der Einrichtung des Eichenlöhleins als Irrhain die Ordensgründer Harsdörfer und Klaj schon längst verstorben waren.

Zu der Errichtung eines Denkmals für den Dichter Wieland, der erst 1807 aufgenommen und bereits 1813 verstorben war, gibt es noch ein Bild nachzureichen: Es zeigt den ursprünglichen Entwurf von Bauinspektor Keim, der sogar in den Bewuchs der Anlage eingegriffen hätte; ausgeführt wurde der preisgünstigere des Präses Seidel.

Ein weiteres Zitat aus einem Protokoll vom 7. Juli 1817 zeigt, daß erheblicher Reparaturbedarf bestand:

"3.) wurde, da das hohe Portal durch die Länge der Zeit in einen solchen buswürdigen Zustand kam daß es gestützt werden mußte, der zu einer Veränderung gemachte Vorschlag geprüft. Dieser Vorschlag besteht nun darinnen, daß, statt des Portals, zwey steinerne — oben mit Kugeln versehene — weis anzutünchende Säulen errichtet und an solche ein zierlicher — einem eisernen ähnlicher Gattern, welcher schwarz anzustreichen wäre, angehängt werden könnte. [s. Abbildung, aquarellierte Bleistiftzeichnung] Der größere Theil des Portals aber, welcher noch gut und nicht verfault ist, könnte dazu benützt werden, daß man davon an den Eingang in den sogenannten Kirchhof, statt des alldort sich befindlichen Gatterns, ein kleineres Portal errichtet und die marmorne Tafel mit der Inschrift:

Dem Andenken unserer Freunde gewiedmet;

auf der Seite des Eintritts oben in das Portal und die Urne darauf setzte. Dieser Vorschlag wurde vorläufig genehmiget und der Herr Garten-Inspector ersucht, von dem Maurer Götz zu Allmoshof und dem Zimmermeister Ruff zu Reutles, Überschläge fertigen und solche vorlegen zu lassen."

Die Kostenvoranschläge fielen dann allerdings befremdlich hoch aus, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. Das heißt, daß man das alte Portal bis 1887 nur notdürftig reparierte und völlig verrotten ließ.

Nicht verwirklichter Portal-Entwurf von 1817, Pegnesenarchiv, Schachtel 104 d

Als man nach dem Jubiläum von 1844 in einer Sitzung Bilanz zog, wurde im Protokoll auch ausdrücklich als Festgabe vermerkt:

"[...] 8.) Von dem ord. Mitgliede H. Kupferstecher u. Kunstmaler Wilder die von ihm verfertigten Bilder "der Irrhain in Kraftshof und dann die daselbst befindlichen Gemälde" vorstellend, wofür dem in der Versammlung anwesenden Geber gedankt wurde.

Es lohnt sich wohl, dieses Gemälde noch einmal abzubilden, nachdem sich in Archivschachtel 54 Wilders Beschreibung samt Angabe der Farben gefunden hat: "V. An der Thüre ein überhöhtes Gemälde mit gebrochenen Ecken von sehr guter Hand aus der Zeit des Stadtmalers Bayer. 3’1’’ hoch und 2’ 3 3/4 â’ breit

Einen Pegnitzschäfer vorstellend, gegen rechts blikend sizend an einer mit Gebüsch bewachsenen Felsenparthie hat gelbe Jacke mit roten Kragen, rote kurze Beinkleider, weiße Strümpfe, einen Schäferstaab im Arme haltend, die Hirtenpfeife neben sich lehnend, ein violetter Hut mit grünem Bande liegt auf dem Felsen sein treuer weißer Hund mit blauen Halsband liebkoset ihn. Die Entfernung ist Gebürge im Hintergrund blaue Berge mit einem Schloß, im Mittelgrunde ist eine Kirche mit Häusern, Mauern und Gebüsche gegen rechts Baumparthieen, eine Felsenwand mit leichten Gesträuch schließt das Bild; Bey dem Schaefer, im Mittel und am Vordergrunde liegen mehrere Schaafe. — NB. Das Bild hat hie und da Beschädigung erlitten und eine vergoldete Einfassung."