Unerwünschte Berühmtheit des Irrhains

„Geschehen am 16. April 1858. ebendaselbst [d.h. „im Bierwirtschafts-Zimmer des H. Deininger“].
[…] 3.) Im Betreff des Irrhainsbesuches durch feiernde Gesellschaft im Laufe des Sommers, beschloß man:
a.) Gesellschaften von einigem Ansehen sollen Erlaubniß zur Benutzung des Irrhains erhalten, und zwar unentgeldlich, Bierwirthe und einzelne Personen dagegen nicht;
b.) Bey Einladungen soll bemerkt werden, daß Erlaubniß zur Benützung des Irrhains gegeben worden sey und so haben die Vorstände der Gesellschaften für jeden durch diese angerichteten Schaden zu haften;
c.) Dem Gärtner ist zu befehlen, daß er Niemandem den Eintritt in den Irrhain ohne erforderliche und vorzuzeigende, schriftliche Erlaubniß gestatte. […]“

Man kam damit einer schriftlichen Ermahnung des Königlichen Landgerichts Erlangen vom 30. Juli 1858 zuvor, „nicht mehr zu gestatten, daß andere Gesellschaften im Irrhain Feste feiern, bei denen eigene Wirte mitgeführt werden, die dann auch an jedermann zum Schaden der Kraftshofer Gastwirte Getränke und Speisen abgeben.“ Es haben sich auch wirklich etliche Bittschreiben von Gesellschaften zur Benutzung des Irrhains aus den Jahren 1857 und 1858 erhalten, und eine Liste der Zusagen, die von 1858 bis 1863 anderen Gesellschaften zu Aufenthalten im Irrhain gegeben worden waren: Es waren siebenundzwanzig! Dabei machte der Irrhain einen mehr und mehr heruntergekommenen Eindruck.

„[…] 4.) Bezüglich der Herstellung des Irrgartens wird von H. Pf. Lauter in Kraftshof ein Brief vorgelesen und darauf beschlossen: es solle

a.) der bedeckte Gang erhalten und eine lebendige Hecke angelegt, [anstelle des verrotteten Zaunes!]
b.) hierzu H. Revierförster zu Kraftshof, Freyherr von Haller, in Verbindung mit H. Pfarrer Lauter, mit Beyziehung eines Sachverständigen, hierzu ein Ueberschlag gemacht [sic] und zur Genehmigung vorgelegt
c.) und Herr von Haller als außerordentliches Ordensmitglied aufgenommen werden,
d.) was aber die Wirthschaft daselbst durch auswärtige Gesellschaften anlangt, so soll es bey dem bisherigen Verfahren sein Bewenden haben. […]“

Friedrich Christian Sigmund Freiherr Haller von Hallerstein ließ sich in zuvorkommenster Weise einspannen (und gab damit späteren Amtskollegen Anlaß zum Kopfschütteln):

Geschehen, Nürnberg, den 18. 7br. 1863. ebendaselbst
 […] 7.) Nach diesem trägt der erste H. Ordensrath, Wagler, vor und theilt mit, daß die Baulichkeiten im Irrhain dem Orden fl. 266. 46 xr. gekostet haben, daß man zur Bestreitung dieser Kosten den Kapitalstock angreifen und fl. 200 baar für 2 Staatsobligationen in diesen Betrag einlösen müßte, die aber wieder erworben werden sollen. Man verhandelte hierauf mancherley über die Verhältnisse des Irrhains, wie derselbige vor Zerstörung gesichert werden dürfte; wie man von den öff. Gesellschaften, die dort sich versammeln für die Erlaubniß hiezu fl. 6 fordern soll und man vereinigt sich zuletzt dahin, daß das Letztere geschehe, und die Gesellschaft in ihren Ankündigungen der Erlaubniß Erwähnung thun, und daß H. Ordensvorsteher das Weitere mit dem H. Revierförster, Freyh. v. Haller, in Kraftshof das Weitere berathen und hierüber in der nächsten Monatsversammlung Bericht zu erstatten und Entschlüße zu veranlassen die Güte haben möge.

Die Mühlen mahlten aber langsam. „Nürnberg, den 20. October 1865. ebendaselbst
[…] 6.) Bezüglich des Unfugs, der im Irrhain durch Eindringlinge und den Gärtner getrieben wurde, und zur Kenntniß des Ordens gekommen ist, beschließt man:
a.) Daß mit nächstem Frühjahr in mehreren, öffentlichen Blättern zu Nürnberg und Fürth die Erklärung eingerückt werden soll, daß die Benützung des Irrhains den Gesellschaften und Vereinen nur nach vorgängig-erholter Erlaubniß und Erlegung von fl. 6. gestattet ist und daß dem sogenannten Gärtner durchaus zu untersagen ist, ein Eintrittsgeld zu fordern, weil er für seine Mühe vom Orden entschädigt wird;
b.) Daß dem Gärtner das Gewissen zu schärfen ist, ihm aber zugleich die Zusage zu machen, daß er von den fl. 6., welche die Vereine zahlen, die Hälfte bekommen soll;
c.) Daß an das Thor des Irrgartens ein neues Schloß angebracht, H. Revierförster v. Haller aber ersucht werden soll, den Schlüssel in Verwahrung zu nehmen und ihn nur gegen Vorzeigung eines Erlaubnißscheines an den Gärtner auszuhändigen. […]“

Der Sinn dieser Maßnahme hing jedoch davon ab, daß die Umfriedung dicht war. Davon später.