Veränderungsvorschläge zum Irrhain

Auch der Irrhain geriet wieder in den Blick. Nicht nur erforderte der Verfall der im eigentlichen Sinne barocken Teile der Anlage immer wieder Reparatur, es trat auch ein Wandel des Stilempfindens ein, der immerhin den Blick nach vorne zu einer Neugestaltung lenkte.

Ein Zitat aus einem Protokoll vom 7. Juli 1817 zeigt, daß erheblicher Reparaturbedarf bestand:

3.) wurde, da das hohe Portal durch die Länge der Zeit in einen solchen buswürdigen Zustand kam daß es gestützt werden mußte, der zu einer Veränderung gemachte Vorschlag geprüft. Dieser Vorschlag besteht nun darinnen, daß, statt des Portals, zwey steinerne — oben mit Kugeln versehene — weis anzutünchende Säulen errichtet und an solche ein zierlicher — einem eisernen ähnlicher Gattern, welcher schwarz anzustreichen wäre, angehängt werden könnte.



Der größere Theil des Portals aber, welcher noch gut und nicht verfault ist, könnte dazu benützt werden, daß man davon an den Eingang in den sogenannten Kirchhof, statt des alldort sich befindlichen Gatterns, ein kleineres Portal errichtet und die marmorne Tafel mit der Inschrift:
Dem Andenken unserer Freunde gewiedmet;
auf der Seite des Eintritts oben in das Portal und die Urne darauf setzte. Dieser Vorschlag wurde vorläufig genehmiget und der Herr Garten-Inspector ersucht, von dem Maurer Götz zu Allmoshof und dem Zimmermeister Ruff zu Reutles, Überschläge fertigen und solche vorlegen zu lassen.

Die Kostenvoranschläge fielen dann allerdings befremdlich hoch aus, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. Das heißt, daß man das alte Portal bis 1887  nur notdürftig reparierte und völlig verrotten ließ8.

Es fällt bereits auf, wenn in einer Einladung zum Irrhainbesuch aus dem Jahr 1815 auf einmal nicht nur vom schönen Wetter oder der günstigen Tageslänge gesprochen wird: „Die wieder eingetretenen schönen Tage, und die vom Mond erhellten Abende veranlassen eine Einladung zum Besuch des Irrhains.” Die Feier von 1794 hatte auch bis in die Nacht hinein gedauert, aber eine derart mondlichtschwärmerische Stimmung war damals Privatsache und kaum Thema in der offiziellen Einladung. Man wird immer naturverbundener mit einer ländlich-idyllischen Ausrichtung, und so verwundert es nicht, einen jungen Patrizier Partei ergreifen zu sehen für etwas, was man gut und gern eine Verbäuerlichung des Irrhains nennen kann, eine Absage an die Kultivierung des alten bedeutsamen Wegeschemas und der Hüttensymbolik.

8. Mai 1820: „2.) Herr Baron von Kreß las unter dem Titel: „einige Blumen auf das Grab des Pfarrers Limburger zu Kraftshof, Stifters des Irrhains„ eine kurze Geschichte dieses gesellschaftlichen Versammlungs-Ortes nebst einigen Vorschlägen zur Verschönerung desselben.”

Eigentlich hieß der Vortrag „Ein Blümchen auf Limburgers Grab”. Er findet sich im Schuber 65, Bündel e des Archivs und lautet auszugsweise:

„[…S.3…] So entstand in Limburger der Gedanke zur Anlegung des Irrhains, den er, mit Genehmigung des Waldamtes, in den Jahren 1676 bis 1678, unterstützt durch Geldbeyträge großmüthiger Ordensglieder, und mit Hülfe des Gärtners Schwarz zu Kraftshof, glücklich ausführte.
[…S.5…] Nur schade, daß Limburgers erster einfacher Plan, einen Hain oder Park anzulegen, in der Folge zuweilen unbeachtet blieb, und durch die Idee eines Gartens, — wozu der freylich schon Ao. 1681. gebrauchte Name: Irrgarten, — Anlaß gegeben haben mag — verdrängt wurde.
Daher das sonderbare Gemisch, das dem Auge nicht wohlthätig ist, — daher die Spaliere von gehobelten und mit Oelfarbe bunt bemalten Latten, welche an die Stelle von Limburgers grünen Hecken traten, die durch den Schatten der allmählig größer gewordenen Bäume erstickt wurden, — daher die nicht viel passenderen Hütten mit farbigen Bretterdächern, die Limburgers grüne Lauben verdrängten. […]
Die einsichtsvollen Behörden unserer Zeit, deren hochverehrte Chef's wir unter die Mitglieder dieser literarischen Gesellschaft zu zählen das Glück haben, sind die gefeyerten Beschützer der Dryaden dieses Haines. [Er nennt Graf Drechsel, Oberförster Zimment, Dr. Puchta]
Unser dermaliger Vorstand, vom reinen Geschmack und Kunstsinn beseelt, […] hat sich von den gerügten Sünden gegen den guten Geschmack schon längst überzeugt, und hat die rühmliche Absicht, nach und nach die ungeeigneten Gatterwerke ganz zu vertilgen  […] Einen von daher erhaltenen Wink, benützte der Königliche Revierförster Hr. Kiskalt sehr glücklich durch die Aufrichtung einiger Geländer von Birkenstämmen […] Wenn nun vollends die Besitzer schadhafter Hütten sich entschließen sollten, in diesem Sinne wieder aufzubauen, — wenn die Kräfte der Gesellschafts-Casse es gestatten werden, den ehemaligen, nun spurlos verschwundenen Gesellschafts-Saal, im ähnlichen Geschmacke wieder herzustellen, […] dann könnte vielleicht der Irrhain das wieder werden, was er ursprünglich seyn sollte […]
Zur Erläuterung der gemachten Vorschläge liegen 3. Zeichnungen an […]

Geschrieben Nürnberg am 7. Maii 1820. Christoph Wilhelm Carl Freyherr Kreß von Kressenstein.”



„Tab. II liefert die Idee zu einem Gesellschafts-Saale”



„Tab. III zeigt, auf welche Art den sogenannten Hütten, eine passendere Form gegeben werden könnte. Das Gerippe ist das nemliche, wie bisher, nur von etwas stärkerem Holze. Das Bretterdach wird erspart, und seine Stelle vertritt ein dauerhafteres, und besser schützendes Strohdach.”

Kress spricht sich also nicht gegen den ursprünglich gemeinten Irrhain aus, verwendet in übertrieben differenzierender Weise aber das Wort ,Garten', das für ihn noch mit Gartenkunst zusammenhängt, um die ab 1778 versuchten Rettungen des alten Plans abzuwerten, die freilich kurios genug ausgesehen haben müssen. Er schwankt noch zwischen Hallerschem Klassizismus bei der Gemeinschaftshütte und einem derb rustikalen, aber nicht mehr schäferhaft-provisorischen Stil bei den Hütten der Mitglieder. Diese Rustikalität wäre die einzelnen Mitglieder teuer zu stehen gekommen. Das hatte der junge Herr Baron nicht bedacht, als er mit viel Liebe seine Liebhaber-Aquarelle anfertigte. Es war abzusehen, daß zwar die Gänge aufzugeben leicht war, die Gesellschaftshütte auch auf die Dauer ein durchführbares Projekt — aber was sollte man mit kostspieligen Einzelhütten im Zuge des geselligen Biedermeier anfangen? Wer ging noch allein in den Irrhain, um zu meditieren? Und wenn allein — reichte nicht das Naturerlebnis hin? Wollte man sich noch daran erinnern lassen, daß man auf Erden keine bleibende Wohnstatt, sondern nur eine Herberge suchen solle, wie es in der ,Betrübten Pegnesis' von 1684  heißt?