Drohendes Verbot

Wilhelm Schmidt berichtet im Typoskript seiner unveröffentlichten Festschrift  zum 300jährigen Bestehen des Blumenordens: „Bei der Einverleibung Nürnbergs in das Königreich Bayern drohte dem Orden die Aufhebung. Doch wies der Landesdirektionsrat und Stadtkommissar Freiherr von Lochner, der hernach selbst Mitglied wurde, in einem ausführlichen Gutachten die Harmlosigkeit des Ordens nach, worauf dieser landesherrlich bestätigt wurde. Das Ordensarchiv enthält aus dieser Zeit nichts von der drohenden Gefahr. Aber am 23. 11.1906 berichtete Kreisarchivar Dr. Gg. Schrötter (Mitgl. 1006) davon, offenbar nach Akten des Kreisarchivs. Ferner teilte am 8. 4. 1921 Archivdirektor Dr. Reicke (M. 966) mit, daß das auswärtige Mitglied 268 Freiherr von Nostiz durch den bayrischen Minister von Türheim die Einstellung der Untersuchung bewirkte. Die Regierung hatte an der Benennung ,Orden' Anstoß genommen und geheime politische Umtriebe vermutet.” Die Regierung hatte offenbar noch genug vom Illuminatenorden. Auch das kann ein Motiv gewesen sein, im nächsten Jahr darüber zu beratschlagen, ob man nicht den Namen ändern solle. Doch bis dahin stand man schon anders da. Man hatte einen wunderschönen Brief geschrieben:

„Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr,

Euere Königl. Maiestät legen Endes-allerdevotest-Unterzeichnete bei allerhöchstdero erfreulichem Regierungsantritt über Nürnberg und dessen Bezirk einen stillen Wunsch ehrerbietigst zu Füßen, dessen allergnädigste Gewährung sie von ihrem jezigen an hohem Sinn für Wissenschaften und gelehrte Verbindungen sich so glänzend auszeichnenden erhabensten Vater des Vaterlandes zu ahnen und und zu erwarten berechtiget sind.

Der Nürnbergische oder Pegnesische Blumenorden — kein Orden im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern eine auf gewisse Geseze und Ordnungen unter sich verbundene literarische Gesellschaft — die ursprünglich zur Beförderung der Reinigkeit der deutschen Sprache, und zur Übung der deutschen Dichtkunst gestiftet wurde, in den neueren Zeiten aber auch zur Forschung der deutschen Geschichte überhaubt, vornehmlich aber der vaterländischen Geschichte ihre Mitglieder verbindet, und welche die Freude genießt, sich, schon im Jahr 1644. errichtet, wohl für die älteste literarische Gesellschaft in Deutschland halten zu dürfen, wagt es, Eure königliche Maiestät hierdurch um allergnädigste Bestätigung zu bitten, und Sich allerunterthänigst königlichen Schuz zu erflehen.

In dieser Absicht legen wir sowohl das Verzeichniß der dermaligen Mitglieder, als auch die bestehenden Geseze mit an, um Eure königl. Maiestät von der Unschuld und Gemeinnüzigkeit dieser Verbindung pflichtschuldigst zu überzeugen. Unter dem Scepter des weisesten und mildesten OberHerrns, dem uns die ewige Vorsehung übergab, und Allerhöchstwelchem schon im voraus unsere Herzen mit der freudigsten Unterwerfung huldigen, ehe wir noch förmlich dazu aufgerufen sind, werden in Nürnberg Wissenschaften und Künste immer mehr aufblühen, und auch unser Blumenorden eine höchstgünstige Epoche beginnen.

Indem wir nun unsre allerdevoteste Bitte um landesväterliche gnädigste Bestättigung dieser unserer Verfassung und Rechte nochmals zu wiederholen uns unterstehen, so genießen wir zugleich die höchste Gnade, uns [unterthänigst

Eurer königl. Maiestät

[allergetreueste

J.A. Colmar, Präses,

B.W. Zahn, Consulent,

J.F. Frank, Consulent,

E.G. Müller, Secretär.

Den 10. September 1806

Überreicht bey dem K. Landes-Commissariat, durch Herrn Präses und mich, den Secretär, den 22. September 1806.”

Man erstickt schier am Schleim, aber die Sache tat Wirkung. Am 3. November konnte sich der Präses vorsichtig Hoffnung machen:

„[…] Hierauf machte

3.) Herr Präses bemerklich, daß die heutige Versammlung des, unter Reichsstädtischer Verfassung aufgeblühten Ordens, die erste seye, welche unter einer nunmehr geänderten Regierung gehalten würde, wobey aber der Orden [nachträglich eingefügt] bei der bekanten Vorliebe des Königs in Baiern Majestät für die Wissenschaften und deren Kultur [Ende Einschub] gewiß nichts verliere; und daß es allerdings Pflicht gewesen seie, von dem neuen allergnädigsten Landesherrn huldvolle Protection dieser litterarischen Anstalt zu erbitten. In dieser Absicht habe der Herr Präses in Begleitung des Secretärs, am 22. September eine, vom Herrn Ordens-Consulent Frank verfaßte Bittschrift, welche iezt vorgelesen wurde, bey dem Königlichen General-Landes-Commissariat übergeben, und es wäre unzweifentlich nach den Äuserungen und Gesinnungen des Herrn General-Landes-Commissars, Herrn Grafen von Thürheim sowol, als dessen Stell-Vertreters, Herrn Baron von Lochners, viele Begünstigung des Ordens zu hoffen. Herr Präses schloß diesen Vortrag mit den ehrerbietigsten und besten Wünschen für den neuen Beherrscher Nürnbergs, und mit dem Ausruff: Es lebe der König! In welchen die Gesellschaft einstimmte. […]

6.) Selbiger [Präses] machte sich hierauf die Mühe, aus einem Blat des Kameral-Correspondentens, eine, den Blumen-Orden betreffende Stelle, vorzulesen, bei welcher Gelegenheit derselbe auch

7.) zur Erinnerung, wie früh in Nürnberg gute PolizeiAnstalten herrschten, die minder bekannten […] dergleichen Anordnungen aus dem XV., u. dem ersten Drittel des XVI. Jahrhunderts vorlegte.” So frech guckten die Herren immerhin unterm Tisch hervor, daß sie für sich selbst und ad protocollum festhielten, man habe ja schon früher eine gute Staatsordnung gehabt.