Bis zur Vereinigung mit dem Literarischen Verein

„Geschehen am 6. Januar 1871. bey Errmann.
[…] 2.) Sofort tragen vor:
a.) Rehm einen Brief des im Felde stehenden Feldwebels von H. Gomblum.
b.) Haller einen Brief  von seinem vor Paris stehenden Sohne […]
fortgesetzt am 20. Januar e. a. daselbst.
[…] 3.) In dieser Versammlung lasen vor:
[…] b.) v. Dithfurth: „Bazaine’s letzter Ausfall aus Metz. Ein Gedicht.“; […]“

Als sich der Sieg der Preußen und ihrer Alliierten abzeichnete, wandelten sich die besorgten, dann hoffnungsvollen Stellungnahmen in Orden in triumphierende. Doch nach der Reichsgründung brachte der in den Kategorien des alten Römischen Reiches deutscher Nation denkende Lützelberger seine Bedenken in einem Vortrag auf den Punkt, der Grillparzers 80. Geburtstag zum Anlaß nahm. Leider zeigt sich daran eben auch, daß in jener reichsstädtisch-nationalen Haltung die Keime schon angelegt waren, die zur der Stimmungslage vor dem 1. Weltkrieg führten.

Angesichts des neuen deutschen Reiches, welches sich in diesen Tagen gebildet hat, muß ich aufrichtig bekennen, daß es nicht dasjenige deutsche Reich ist, welches ich mir seit langen Jahren gewünscht, wie ich es gehofft und erstrebt hatte. Ich wollte und konnte mir nicht ein neues deutsches Reich denken ohne Oestreich, zumal seit ich im Jahre 1860 den herrlichen Donaustrom hinabgeschwommen war, seine herrlichen Gegenden gesehen, seine Städte und Burgen betrachtet und die schöne Kaiserstadt selbst durchwandelt hatte. Es war mir aus der Seele geschrieben, als ein Schwabe in einer geistreich geschriebenen Abhandlung bewies, daß die prachtvollen Flußgebiete des Rheins und der Donau, wie sie nicht fern von einander entstehen und dann nach Westen und Osten auseinander gehen, zusammengehören und Eigenthum des deutschen Reiches und Volke sein müssen. Wie konnte ich fassen den Gedanken, die entzückenden Alpen Tyrols, der Steiermark und Salzburgs mit ihrem trefflichen Volke und ihren schönen Städten, das adriatische Meer mit seinem Triest, der Donaustrom, von seiner Doppelgröße bei Passau an bis zur Leitha mit Linz und Wien, das fruchtreiche Mähren mit seinem Brünn und das herrliche Böhmen mit seinem Prag, das alles solle nicht mehr im deutschen Reiche sein, sondern ein fremdes Land; unser viel gesungenes Lied „Was ist des Deutschen Vaterland“ solle manchen Vers verlieren, und das deutsche Geld sich in Silber wandeln! „Schaut rings umher“, sagt Grillparzer von seinem Oestreich „wo habt ihr dessen Gleichen schon gesehn; wohin der Blick sich wendet, […][…] Aber freilich, als es nun offenbar ward und nicht mehr zu verkennen, daß mit jenem schönen deutschen Lande und seiner Macht jener finstere, schreckliche Geist, der schon einmal Deutschland zur Wüste gemacht, wieder von neuem sich verbunden; daß aus dem politischen Kampf um die politische Führerschaft ein religiöser Vernichtungskrieg gemacht werden sollte: als sich offenbarte, wie mit der Oberherrschaft Oestreichs zugleich die Herrschaft eines neuen Gottmenschen über die Menschheit begründet und verbreitet werden sollte — da ward meine großdeutsch gesinnte Seele doch bedenklich und begann zu erwägen, ob es wohl doch vor der Hand für Deutschland nicht besser sein möchte, wenn Oestreichs Herrschaft über Deutschland aufhöre. Wir wissen, was bisher geschah. Die Macht ist an Preußen gekommen, und was Oestreich gar nie zu denken gewagt, von dem es erst neuerdings das Gegentheil erfahren, Frankreich liegt zu Deutschlands Füßen, und Länder, die unter Oestreichs Herrschaft verloren gegangen, sind wieder gewonnen. Oestreich hingegen ist draußen. Doch es war leider schon längst draußen. Von jeher hatten die Fürsten Oestreichs Vorrechte und zählten ihre Länder nie als zu Deutschland gehörig. […] Alles, was dasselbe erzeugte, ward im übrigen Deutschland, besonders im Norden, einer harten Beurtheilung unterworfen und geringschätzig behandelt. So geschah es, daß Oestreich in der Literatur Deutschlands weit zurückgedrängt wurde, und erst in neuerer Zeit wieder sich aufmachte, das Versäumte nachholen zu wollen […] Ohne Zweifel zum Theil aus diesem Streben […] hat neulich Wien und Oestreich den 80. Geburtstag eines seiner ersten dramatischen Dichter benützt, um ein Fest zu feiern, ähnlich dem, welches Deutschland seinem Schiller weihte […] Und die Wiener selbst gestehen, daß daß sie erst jetzt eigentlich zu der freudigen Erkenntniß gekommen seien, zu den beiden Dichterfürsten Deutschlands den dritten, an des Schwaben und des Franken Seite Seite einen Oestreicher stellen zu können. [Es folgt die Einschränkung, daß es vorher auch schon etliche öffentliche Ehrungen Grillparzers in seinem Land gegeben habe… folgt  Biographisches… folgen Inhaltsangaben von und Zitate aus Dramen…] Durch die Schlacht von Marchegg bewahrte Rudolf von Habsburg Deutschland vor der Herrschaft der Slawen. Wiederum bäumt die slawische Welt sich mächtig gegen das deutsche Reich auf. Möge es auch dem neuen Kaisergeschlecht gegeben sein, uns vor jener verderblichen Macht zu bewahren.

Wie sich die Irrhainfeste der jeweils herrschenden Vorstellung von Würde und Ehre (neben dem Gefühl von Schönheit) anpaßten, ist besonders gut aus der Beschreibung eines Festes von 1872 zu ersehen:

++(Nürnberg, 9. Juli.) Auf den gestrigen Tag hatte der pegnesische Blumenorden nach mehrmaligem Verschieben in Folge der Ungunst der Witterung sein alljährliches Waldfest im Irrhain bei Kraftshof festgesezt und damit einen der wenigen wahrhaft sommerlichen Tage gewählt […] Vor zwei Jahren verhinderte der nahe Ausbruch des Krieges die Aufführung eines gleichen Spiels, und noch im vorigen Jahr mußte man sich auf eine einfache Begehung des Festes beschränken. […] Aufführung zog außer den Mitgliedern des Ordens eine große Zahl von Gästen herbei; von Erlangen kamen fröhliche Musensöhne, und selbst die ländliche Bevölkerung der Umgegend war unter den Zuschauern zahlreich vertreten. Dem Spiele ging in üblicher Weise ein allgemeiner Festgesang voraus, der nach der Melodie: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde“, komponirt von Mozart, von dem Ordenssekretär, Herrn Pfarrer Seiler, gedichtet war […] ergriff der Ordensvorsteher, Herr Rektor Dr. Heerwagen, das Wort zu einer festlichen Ansprache […] hierauf auf die Jeztzeit überging, des siegreich errungenen Friedens und der Wiederherstellung des deutschen Reiches gedachte und schließlich den Wunsch und die Hoffnung aussprach, daß unsere deutsche Jugend, das heranwachsende Geschlecht, auch geistig bestrebt seyn möge, zur Ehre des deutschen Vaterlandes, zum Heile unserer Wissenschaft und Poesie beizutragen, damit, wie in den Tagen des blutigen Kampfes die politische Einigung, Macht und Größe durch so viele Opfer errungen wurde, auch in geistiger Beziehung Deutschlands Ehre fort und fort gewahrt bleibe […] Kurz nach 5 Uhr begann die Aufführung des Festspiels: „Der verlassene und wiederbelebte Irrhain“ (von dem Ordensmitgliede Herrn Pfarrer Johannes Heinrich Petzet). Der Vorstellung ging ein vom Verfasser gedichteter und gesprochener Prolog voraus, welcher […] die Gegenwart in ihren stürmischen Bewegungen schilderte, das Recht des vernünftigen Fortschrittes anerkannte und die edle Freiheit als das heilige Ziel unserer Bestrebungen pries, das leider so oft verkannt und auf falschem Wege errungen werden wolle. […] In dem Stücke treten die Stifter und Vorsteher des Blumenordens unter ihren Ordensnamen, Strephon (Georg Phil. Harsdörfer), Floridan (Sigm. v. Birken) und Myrtill (Martin Limburger) mit dem Meistersinger Hans Sachs auf, den sie als Gast aus dem Olymp mit sich zum Feste gebracht haben, der aber scheel zum gegenwärtigen Stand der Dinge sieht und sich in seiner derben Weise über die Verödung des Haines und über den Mangel an Sinn für poetisches Streben beklagt […] Von seinen Worten betrübt, gehen die Freunde mit ihm in den Hain, Frau Pegnesia zu suchen […] ein Landmädchen erscheint und beklagt in naiver Weise, daß sie von ihrem in den Krieg gegen Frankreich gezogenen Bräutigam keine Nachricht habe […] Die mit Sachs wieder erscheinenden Ordensritter klagen, daß sie Frau Pegnesia nirgends gefunden und das der Realismus der Zeit dem süßen Musenspiele ein Ende gemacht habe. Da treten die allegorischen Gestalten: Germania, Noris und Pegnesia auf, und erstere verweist den Klagenden ihren Kleinmuth, schildert den Aufschwung Deutschlands […] versöhnt mit solcher Kunde rasch Hans Sachs und seine Freunde mit der Gegenwart, und als das Landmädchen sich den Frauen und Herren, deren Gespräch sie belauscht, mit der schüchternen Frage naht, ob sie […] ihr nichts von ihrem Hans sagen könnten, […] tröstet sie Pegnesia […] Sachs eilt voll Mitgefühl für das klagende Kind fort […] und führt ihn bald in die Arme der Geliebten. […] Die Abendstunden waren fröhlichem geselligen Verkehr und dem Tanze der jungen Welt, zu dem die Wiese als Festsaal diente, geweiht […].

Nun bringt sich der Blumenorden auch bei den neuen höchsten Herren ins Bewußtsein: „[…] 4.) Zuletzt erstattet Seiler den Bericht, Daß S. Kaiserl. Hoheit der Kronprinz der Deutschen am 12. 7br. l. J. in seiner Begleitung die Sebalder Kirche und einen Chor besichtigte. Es wurde ihm von der Existenz des Bl. Ord. kund gegeben, das Ordensbuch gezeigt und die Festgabe von 1844. mit dem Mitglieder-Verzeichniß überreicht. Höchstderselbe nahm gnädigsten Antheil an dem Allen und dankte für das Geschenk. […]“

Der Oberste im Blumenorden allerdings schwächelt, und am 14. November 1873 beginnt ein Hin und Her, das sich jedes Jahr abspielen wird, bis zu dem Zeitpunkt, an dem Heerwagen tatsächlich todkrank ist. „[…] 3.) Dr. Heerwagen zeigt an, daß er längere Zeit abwesend seyn werde, und man unterdessen sich berathen wolle in Betreff eines anderen Ordensvorstehers. […]

fortgesetzt am 23. 9br. 1873. daselbst.
1. Da der Ordensvorsteher Willens ist, abzutreten, so soll sich der Gesamt-Vorstand mit dem Ausschuß berathen, was zu thun sey. […]

Geschehen am 12. December 1873. daselbst.
[…] 4.) Lützelberger theilt mit, was die Vorstandsmitglieder mit dem Ausschuß bezüglich der Erklärung des Ordens-Vorstehers, als solcher abtreten zu wollen miteinander berathen haben. Die Versammelten [Schrodt, Lützelberger, v. Hagens, Eberlein, Euler-Chelpin, Dr. Beckh, Schmidt, Haller, v. Dithfurth, Seiler] stimmten deren Vorschlägen bey, daß
a.) daß durch die beyden Ordensräthe Rector Dr. Heerwagen gebeten werde, die Vorstandsschaft noch länger zu behalten, zumal ja auch die anderen Vorstandsmitglieder auf ihren Posten aushalten; daß
b.) der bisher bestehende Ausschuß erneuert, aus sich einen Vorsitzenden erwählt, der im Verein mit den anderen Ausschußmitgliedern für Vorträge in den öffentlichen Vortragsversammlungen sorgt, deren Auswahl und Bestimmung der Entscheidung des Vorstehers selbstverständlich unterstellt werde, u. daß
c.) außerdem der Ausschuß in Verbindung mit dem Vorstande die Anordnung und Ausstattung des Irrhainfestes und etwaiger ähnlicher Vergnügungen übernimmt. […]
fortgesetzt am 9. Jan. 1874. daselbst.
[in anderer Schrift! …vorgelesen wurden] 3, etwa einige Gedichte von v. Kobell durch Herrn Euler Chelpin. Der erste Ordensrath macht hierauf die Mittheilung, daß der Hr. Praeses sich entschloßen habe, die von Seite des Ordens ihm gemachten Vorschläge wegen der Vorstandschaft anzunehmen und noch länger seine Stellung beizubehalten, wofür ihm der wärmste freudigste Dank durch ein Gedicht des Hr. v. Euler-Chelpin und ein dreifaches Hoch ausgebracht wird.“

Das heißt: Heerwagen, der sich bisher um beinahe alles gekümmert hat, was an Organisatorischem zu tun war, wird entlastet. Unter dieser Bedingung bleibt er im Amt. Nun kommen aber einige Turbulenzen auf ihn und auf den Orden zu. Am 17. März steht zum ersten Mal in einem Protokoll:

„[…] 2.) In Betreff einer vorgeschlagenen Vereinigung des lit. Vereines mit dem Pegn. Blumen [sic] wird verhandelt und da man im Princip nicht dagegen ist, beschließt man, eine Commission zu ernennen, die von Seiten beyder Gesellschaften über diese Vereinigung Vorschläge verfaßt, jedoch ohne verbindende Kraft.“

Am 3. April: „1.) Da der lit. Verein sich gerne mit dem Pegn. Bl. Ord. vereinigen möchte und deßhalb den Antrag stellte; so wählte man […] einen Ausschuß. […] Schrodt, Euler-Chelpin, Haller [Heller?!], Dr. Wilh. Beckh und von Ebner. […]“

Protokoll der gemeinschaftlichen Sitzung der Commissionen des Literarischen Vereins und des Pegnesischen Blumenordens am 23. April 1874 Abends 8 Uhr in der „Wartburg“106
Tagesordnung: Die angestrebte Verschmelzung beider Vereine
Auf Einladung des Pegnesischen Blumenordens sind erschienen:
Seitens des Pegnes. Blumenordens die Herren:
Reg.director Schrodt, […] Euler-Chelpin, Stadtpfarrer Heller, Frhr. v. Ebner, Dr. Wilhelm Beckh
Seitens des Literarischen Vereins die Herren
Fr. Knapp, C. Lorsch, L. Bull, E. Scholz, H. Ballhorn
Den Vorsitz übernimmt […] Schrodt
Von beiden Seiten spricht sich wiederholt die Geneigtheit aus einer Vereinigung beider Vereine zur Wirklichkeit zu verhelfen.
Unser Vorsitzender Hr. Fr. Knapp bringt die lt. Protokoll der Ausschußsitzung vom 23. März unsererseits aufgestellten Bedingungen u. Wünsche für die zu erzielende Verschmelzung beider Vereine zur Vorlage.
Die Herren vom Pegnes. Blumenorden sind mit den von uns unten 2. 3. 4. 5. 8. 9. 10. 11. 12. beantragten Änderungen, in seine Einrichtungen, einverstanden und ergab sich nur gegentheilige Meinung in folgenden Punkten
ad 1 Die alljährliche Wahl der Vorstandschaft betreffend glaubt der P.B.O. nicht befürworten und annehmen zu können, kommt aber doch unsrer Anschauung entgegen, indem seine Commission von dem bisherigen Gebrauche der Wahl auf Lebenszeit abgeht und dieselbe nun auf drei Jahre angesetzt wissen will.
Da man sich auf diese Angelegenheit noch nicht einigen kann, und jeder Theil seine Anschauung aufrecht erhält, so wird die Sache ad referendum genommen, ohne daß diese Verschiedenartigkeit der Auffassung ein Hinderniß für die beschließliche Verschmelzung sein soll.
Wir unserseits wollen die Frage in nähere Erwägung ziehen.
ad 2 Der von uns auf abends 7 Uhr (statt 6 Uhr) angesetzte Beginn der öffentlichen Versammlungen wird einer späteren Einigung vorbehalten. [Dieser Punkt wurde nachträglich gestrichen.]
ad 7 Ehrenmitglieder betreffend, wünscht der P.B.O. vorerst das Verzeichniß derselben einzusehen.
Schluß der Sitzung
Nürnberg, 23. April 1874
H. Ballhorn

Dieses imposante Verzeichnis wird heute in Archivschachtel 35 aufbewahrt:

Verzeichnis der Mitglieder des Literarischen Vereins in Nürnberg.
XXIX. Jahrgang 1868/69
[214 Mitglieder.]
Ehrenmitglieder
Herr     William Cullen Bryant in Newyork.
„    Cogswell, Dr. phil. in Tenafly (New-Jersey.)
„    Robert Dodge in Newyork.
„    Eckhardt, Dr. phil., in Karlsruhe.
„    Gutzkow, Dr. phil., in Weimar.
„    Klingenfeld, kgl. Professor am Polytechnikum in München.
„    Herrmann Lingg, Dr. med., in Lintorf bei Osnabrück.
„    Franz v. Kobell, Dr. phil., Professor in München.
„    Henry Wadsworth Longfellow, in Cambridge (Maryland).
Frau     Merz, Buchhändlerswittwe.
Herr    K. von Oosterwyk Bruyn, in Amsterdam.
„    Adolph Pichler, Dr. phil., Professor in Innsbruck.
„    Robert Prutz, Dr. phil., in Stettin.
„    Xaver Schmid, Dr. phil., Professor in Erlangen
„    Alfred Street, in Alban.
„    Alexander Ziegler, Dr. phil., Hofrath in Dresden.

Es geht stürmisch voran. Der Literarische Verein läßt keine Zeit verstreichen:

Ausserordentliche Generalversammlung Freitag 1. Mai 1874 Abends 8 Uhr im Vereinslokal Stadt Regensburg
[…] Es wird zunächst die Frage aufgeworfen, ob es möglich sei, daß jene Mitglieder des Liter. Vereins, welche etwa mit dem Beschlusse für eine Vereinigung beider Vereine nicht einverstanden sind, unter Gründung eines neuen Liter. Vereins diesen unseren (noch ausstehenden) Entschluß als eine Auflösung des liter. Vereins betrachten und demgemäß auf das Vermögen und das Besitzthum desselben Anspruch erheben könnten.
Man ist der Ansicht, daß die heutige Generalversammlung ordnungsgemäß einberufen und als solche in ihren Beschlüssen bindend für sämmtliche Mitglieder sei: wir lösen uns nicht auf, sondern vereinigen uns und den Verein mit einem andern. […]
In dem künftigen Mitgliederverzeichniß des PBO soll der Eintritt von Mitgliedern des Literar. Vereins in letzterem durch irgendeine Bezeichnung bekundet werden (etwa: L.V. und die Jahreszahl des Eintritts); ebenso bei den Ehren- u. aussergew. Mitgliedern die Zeit ihrer Ernennung. […]
6. Die Versammlung beschließt einstimmig auf eine dreijährige Wahl der Vorstandschaft einzugehen. Hierzu nur der Unterantrag: „im Nothfall (wenn davon, seitens des P.B.O. die Vereinigung abhängig gemacht werde), auch eine Wahl auf fünf Jahre zu bewilligen, mit 8 gegen 7 Stimmen angenommen. […]

Am 11. Mai wird ein Vertragsentwurf der gemeinschaftlichen Kommission vorgelegt, und die Mitglieder der Kommission dokumentieren in einem feierlichen, in zwei Exemplaren in Reinschrift überlieferten Endprotokoll vom 15. Mai 108 folgende Vereinbarung mit geringfügigen Änderungen und Zusätzen:

[…] 1. Die Mitglieder des literarischen Vereins vereinigen sich in ihrer Gesamtheit mit den Mitgliedern des pegnesischen Blumenordens.
2. Der Name Pegnesischer Blumenorden bleibt, dagegen hört derjenige des literarischen Vereins auf.
3. Ebenso bleiben die Gesetze des Pegnesischen Blumenordens in ihren Grundzügen stehen, insoweit sie nicht durch gegenwärtiges Protokoll Abänderungen erleiden. [Abänderungsvorschlag:] so weit nicht dieselben durch Abänderungen und Zusätze modifiziert werden [Abänderungsvorschlag mit Bleistift:] in ihren Grundzügen stehen, in so weit sie nicht durch gegenwärtiges Protokoll Abänderungen erleiden
4. Die Vorstandschaft des Pegnesischen Blumenordens soll nach der Vereinigung dem Übereinkommen der beiderseitigen Delegierten gemäß 1) aus einem ersten Ordensvorstand bestehen 2) aus einem zweiten Vorstand als dessen Ersatzmann 3) aus drei Ordensräthen von welchen einer die Stelle des Bibliothekars zu versehen hat 4) aus einem Schriftführer 5) aus einem Kassier
5. Mit dem 1. Juli 1874 treten die Mitglieder des literarischen Vereins in den pegnesischen Blumenorden ein, doch werden die Beiträge von dem Kassier des literarischen Vereins noch bis zum Schlusse des Jahres 1874 erhoben, da bei dem pegnesischen Blumenorden die Jahresbeiträge für 1874 bereits pränumerando eingezahlt sind.
6. Bis zu Ende des Jahres 1874 soll noch ein Provisorium bestehen, innerhalb welchem der bisherige Vorstand des Vorstand des literarischen Vereins, Herr Knapp, als II. Vorstand des pegnesischen Blumenordens und der Schriftführer des literarischen Vereins, Herr Ballhorn, als II. Schriftführer des pegnesischen Blumenordens und der Kassier des literarischen Vereins Hr. Bull in die Vorstandschaft miteintritt.
Der Bibliothekar des literarischen Vereins H. Lützelberger ist zugleich II. Ordensrath des pegnesischen Blumenordens.
7. Gleichzeitig treten auch am 1. Juli 1874 die beiderseitigen Ausschußmitglieder des pegnesischen Blumenordens und des literarischen Vereins bis zu Ende des Jahres 1874 zu einem Ausschuß zusammen.
8) Für die mit 1. Juli 1874 eintretenden Mitglieder des literarischen Vereins sollen Aufnahme-Urkunden, wie sie die Mitglieder des pegnesischen Blumenordens erhalten, ausgefertigt werden, dasselbe soll auch hinsichtlich der Ehrenmitglieder geschehen.
Die Kosten hierfür werden aus der gemeinschaftlichen Kasse bestritten da die Ueberschüsse der Kasse des literarischen Vereins in diejenige des pegnesischen Blumenordens übergehen.
9) Während des Provisoriums werden die Buchungsabschlüsse der Kassen der beiderseitigen Vereine erfolgen, Verzeichnisse über die Akten, Bücher Documente etc. angelegt und beziehungsweise vervollständigt werden.
Die Pokale und Münzen sollen von dem jeweiligen 1. Ordensvorstande in Verwahrung genommen werden. Dieselben sind zu versichern.
10) Man hat sich beiderseits mit ausdrücklicher Zustimmung der Generalversammlung des pegnesischen Blumenordens und des literarischen Vereins vereinigt, daß in Zukunft eine Wahl des Gesamtvorstandes des Pegnesischen Blumenordens alle 3 Jahre Statt finden solle, wobei von Seite des pegnesischen Blumenordens [gestrichen: vorbehaltlich der Zustimmung durch die Generalversammlung] die bisherige lebenslängliche Dauer der Vorstandschaft und von Seite des literarischen Vereins die jährliche Wahl aufgegeben wurde.
Auf dieselbe Zeitperiode wird nachher auch die Wahl eines Ausschusses von fünf Mitgliedern vorzunehmen sein.
Diese Wahlen finden in einer Generalversammlung mit Ablauf des Provisoriums Statt.
11) Für neu aufgenommene Mitglieder wird das Eintrittsgeld u. beziehungsweise die Aufnahmegebühr auf 3 Mark festgesetzt.
12) Der Jahresbeitrag soll vom Jahre 1875 an auf 5 Mark festgesetzt werden, welcher halbjährig praenumerando einzuheben ist.
13) Die im Winterhalbjahre abzuhaltenden öffentlichen Versammlungen, wie sie bisher bei dem Pegnesischen Blumenorden Statt fanden und und in welchen Vorträge gehalten wurden, sollen statt seither um 6 Uhr nun um 7 Uhr Abend beginnen, und damit je nach der Theilnahme 2 bis 3 gemeinschaftliche Abendessen damit vertbunden werden.
14) Die nicht öffentlichen Versammlungen sollen künftig alle 8 Tage statt finden.
Die Freitage werden hierzu bestimmt, und am letzten Freitag jeden Monats wird ein Protokoll über die vorausgehenden Wochenversammlungen verlesen, und werden Ordensangelegenheiten besprochen auch Abstimmungen über die Aufnahme neuer Mitglieder vorgenommen werden.
15) Ueber das dermalige in Werthpapieren bestehende Vermögen des Pegnesischen Blumenordens worunter 500 Th. unangreifbare Dillherrsche Stiftung dann über alles dasjenige, was der Pegnesische Blumenorden an Münzen, Pokalen und Schriften sowie Büchern besitzt sowie über das Eigenthum des literarischen Vereins worunter namentlich ein silberner Pokal, dann über die Bibliothek desselben soll ein besonderer Akt aufgenommen und in diesem die im § 32 -34 der Statuten des literarischen Vereins enthaltenen Nichtauflösbaren desselben constatirt werden.



16) Die bei dem literarischen Verein bisher bestehende Leseverein, wonach Zeitschriften und Bücher aus den Mitteln des Vereins angeschafft und der Bibliothek einverleibt wurden, soll auch in Zukunft beibehalten, die Ausgabe für die Bibliothek nämlich für Bücher und Zeitschriften soll durch das Budget nach Erstellung der Ausgaben für die öffentlichen und für die Monatsversammlungen dann für Unterhaltung des Irrhains bestimmt und dabei auf einen Reservefond Bedacht genommen werden. An dem Leseverein Theil zu nehmen ist jedes Mitglied berechtigt aber nicht verpflichtet.
Nicht minder wird auch die Einrichtung wegen Circulation der Bücher und Zeitschriften unter den daran Theil nehmenden Mitgliedern beibehalten werden.
Für das Herumtragen und Wiederabholen ist der bisherige Vereinsdiener des literarischen Vereins Ernst zu verwenden und von den Theilnehmenden zu honoriren. Das Honorar wird nach der Zahl der Theilnehmenden festgesetzt.
17) Bei einem neuen Verzeichnis der Mitglieder des Pegnesischen Blumenordens wird den sämtlichen Mitgliedern des literarischen Vereins die Jahreszahl 1874 vorgesetzt, aber in Klammern wird das Jahr des Eintritts in den literarischen Verein beigesetzt:
Die Ueberschrift wird folgende:
„Verzeichnis der Mitglieder des Pegnesischen Blumenordens nach dessen Vereinigung mit dem literarischen Verein im Jahre 1874“

Schon am 15. Mai gibt der Blumenorden sein endgültiges Einverständnis: „[…] 4.) Endlich wird ausgemacht, daß für die nächste Versammlung des Bl. Ord. über 14. Tage auch die Mitglieder des lit. Vereins zur Theilnahme eingeladen, die festliche Vereinigung der beyden Gesellschaften aber erst im Irrhaine begangen werden solle. […]

fortgesetzt am 29. Mai 1874. daselbst.
1. Der OV Dr. Heerwagen begrüßt die anwesenden, früheren Mitglieder des lit. Vereins und wünscht, daß die Vereinigung beyder Gesellschaften zur erneuerten Auffrischung ihrer Bestrebungen dienen möge.
2. OV Knapp erwidert den Gruß und bringt einen Trinkspruch auf die Vereinigung beyder Gesellschaften aus.
3. Derselbe trägt darauf ein Bruchstück einer Chronik des ehemaligen lit. Vereins vor, das mit einer Parabel, diese Vereinigung betreffend, schließt. […]
5.) Zuletzt beschließt man, daß vom ersten Juli l. J. an alle Freytage bey Amberger eine Zusamenkunft stattfinden soll. Wenn die Beheizung des Zimmers nöthig wird, soll dem Wirth für jeden Abend ein Gulden bezahlt werden. […]“

Nun, meint Heerwagen, sei das Wichtigste getan, und er könne endlich in Ruhe gelassen werden:

„[…] 7. Vorstand Dr. Heerwagen erklärt, daß er nicht mehr in der Lage sey, die Vorstandsschaft der Gesellschaft zu übernehmen, und bittet deßhalb, auf ihn bey der Wahl keine Rücksicht zu nehmen. Ebenso erklärt Schrodt, als Ordensrath, eine Wahl nicht wieder annehmen zu können.“

Seilers Schrift grenzt ans Unleserliche, und gewisse Einzelheiten bekommt er nicht mehr mit und schreibt nur Pünktchen.

„Fortgesetzt am 18. Xbr. daselbst.
1.) Die sechs und zwanzig Anwesenden wählen einstimmig zu Vorständen Dr. Heerwagen und Knapp, zum ersten Ordensrath Lützelberger mit 25. zum zweyten Ordensrath Euler-Chelpin, mit 26. zum Bibliothekar Priem mit 24 zum Schriftführer, Ballhorn und mit 21 und zum Kassier, Bull mit 24 Stimmen, die sämmtlich die Wahl annehmen. [Mehrmals durchgestrichene Zahlen und erratische Kommasetzung machen die Zuordnung nicht leicht.]
2.) Die Versammlung erwählt Seiler einstimmig zum Ehrenschriftführer, und beschließt, über diese Ernennung durch ein Diplom zu beurkunden.
3.) 27 Abstimmende wählen in den Ausschuß Dr. W. Beckh mit 23, Lorsch mit 25. Haller mit 25. Petzet mit 25 und Barbeck mit 12. Stimmen, welche sämmtlich die Wahl annehmen.
4.) Hierauf ergreift Dr. W. Beckh das Wort, über den Ursprung [gestrichen, ersetzt durch ein unleserliches Wort] des entstandenen Lesezirkels und die [gestrichen; ersetzt durch: Neues?] der für ihn gewählten Commission zu berichten. Nach seinem Vorschlag wird einstimmig beschlossen, 70. fl. zur Anschaffung von Zeitschriften zu gewähren. […]“

Das war also dem Orden die jeweils neueste Information über das literarische Leben wert.

Bevor sich die Vorgänge wieder gemütlich eingespielt haben, bleibt Heerwagen aber eine Aufgabe übrig, der er sich anscheinend doch nicht entziehen zu können glaubt: „Freitag den 15. Januar 1875
[…] 2, Der Vorsitzende legt dar, daß sich unter den obwaltenden, neugebildeten Verhältnissen, noch eine Um- und Abänderung der der Ordens-Satzungen als nothwendig erwiesen habe und schlägt vor, daß zur Ausarbeitung eines Entwurfes hierzu eine Commission von 5 Mitgliedern niedergesetzt, bzw gewählt werde.
Hierzu berichtet Herr Lorsch als gewählter Obmann des Ausschusses im Namen des letzteren, daß dieser Herrn Dr. Wilh. Beckh zur Ausarbeitung eines Entwurfes der Gesetze beauftragt habe, welcher der Commission zur Beschlußfassung vorgelegt werden solle.  Herr Lorsch beantragt, daß diese Commission bestehen solle aus
a, dem Gesamtvorstand
b, dem Gesamtausschusse
Dieser Antrag wird einstimmig zum Beschluß erhoben.“