Verluste und gemeinsamer Neuanfang

Johannes Heinrich Petzet ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Mensch, der in politischer Hinsicht völlig unsensibel (im englischen Sinne von „unvernünftig“) ist, dennoch als Gemütsmensch sehr sensitiv (im englischen Sinne von „empfindsam“) sein kann. Und das anläßlich des Verlustes einer Frau, deren Sohn er mit Hurra in den nächsten Krieg hätte ziehen sehen.

Warum mit verhülltem Angesichte
Lehnst du, Muse, über deiner Leier?
Die du sonst, dich sonnend in dem Lichte,
Gerne sangst zu dieses Tages Feier?
Warum nicht in lieblichen Accorden
Tönt dein Lied in Lust und Fröhlichkeit?
warum bist du ernst und still geworden
Gleich der Niobe gebeugt vom Leid?

Wie, du zauderst? Kannst du nicht mehr sprechen?
Schmerzerfüllt nur blickst mich an du lange,
Gleich als ob die Kräfte dir gebrechen,
Zu erleichtern dir das Herz, das bange.
Ach, nun zittr’ ich selber und ich sinke
Dir zu Füßen, schwerer Ahnung voll;
Gieb den Kelch mir, daß ich rasch ihn trinke,
Sag mir, sag mir, was ich hören soll!

Doch umsonst ist all mein Fleh’n und Bitten;
Wie ein Bild von Stein steht ohne Regung
Unter ihren schönen Schwestern mitten,
Tief durchwühlt von schmerzlicher Bewegung,
Unsres Blumenordens holde Muse,
Unsre liebliche Pegnesia,
Gleich als wär’ sie worden zur Meduse
Steht versteint sie und versteinernd da.

Horch! da tönen dumpfe Glockenklänge,
Durch die Lüfte zieht ein leises Klagen,
Und, umgeben von des Volks Gedränge,
Wird zum stillen Friedhof hingetragen,
Reich geschmückt mit Blumen und mit Kränzen
Trotz dem schaurigkalten Wintertag,
Der die Tränen läßt als Perlen glänzen, —
Ein verhüllter, schwarzer Sarkophag.

Und die Muse öffnet nun die Lippen
Und ergreift mich weinend bei den Händen:
„Sieh, die Tochter hold von Aganippen
Also muß sie ihren Lauf vollenden!
In die Erde sinkt die schöne Leiche,
Die selbst todt noch liegt mildlächelnd da!
Fragst du noch, warum das Haupt ich neige?
Wer gibt mir zurück Valeria?

Keine hat wie sie so treu und willig
Manches Jahr gedient mir unverdrossen
Von Euch Allen, darum traur’ ich billig,
Daß ihr helles Auge sich geschlossen.
Und fürwahr, Ihr dürft die Häupter senken
Trauervoll und thränenschwer mit mir,
Bleibt unsterblich auch ihr Angedenken,
Ach, am meisten habt verloren Ihr!

Wer giebt Euch sie wieder? … Wenn am Abend
Nach des Tags beschwerlichen Geschäften
Ihr Erholung suchtet, wer hat labend
Euch erquickt mit neuen Lebenskräften?
Wer hat aus des Alltagslebens Staube
Euch so oft emporgetragen mild?
War’s nicht an das Göttliche der Glaube,
Den verklärt Euch stellte dar Ihr Bild?

Traum des Lebens, Liebling der Gedanken,
Blumenkelch in jedem Menschenherzen,
Immergrün mit ewig frischen Ranken,
Klarer Quell, an dem die Lämmer scherzen,
Kompaß bei der Fahrt an Klippenborden,
Abendstern mit sanftem milden Schein, —
Das war Ihr die Poesie geworden
Und das sollte auch für Euch sie sein.

Wenn ihr Mund, den stets die Charitinnen
Hold umflatterten mit süßen Scherzen;
Wenn ihr Mund verkündet, was tiefinnen
Sie gefühlt im lebenswarmen Herzen:
Sag’, wer fühlte sich nicht aufgerüttelt
Aus der Schwermuth, die ihn tief gebeugt?
Wer hat da nicht fröhlich abgeschüttelt
Allen Gram, blieb auch das Auge feucht?

Ihre Lieder, ach wie warm und sinnig
Priesen sie des Lebens höchste Güter!
Ihre Worte, ach wie weich und innig
Senkten sie sich ein in die Gemüther!
Ihre Blicke, ach wie Sonnenstralen
Drangen sie erwärmend in das Herz,
Scheuchend weg des Erdenlebens Qualen
Und erhebend mächtig himmelwärts!

Und das Alles, ach es ist entschwunden,
Nimmer klingt die holde Stimme wieder!
Nimmer singt sie warm und tiefempfunden
Euch die zarten, zauberduft’gen Lieder!
Von des Gatten und des Sohnes Seite
Riß sie weg der Tod in finst’re Nacht,
Der in tiefen Gram versenkt sie beide
Und auch Euch das schwerste Leid gebracht!“ —

So die Muse. Und mit thränenschweren
Blicken sah ich ihren Sarg versinken.
Doch bald sollten sie sich neu verklären,
Denn ein Kreuz sah über’m Grab ich blinken.
Nicht das Kreuz vom König und vom Kaiser,
Das mit Recht auch Ihre Brust geschmückt,
Während wohlverdiente Lorbeerreiser
Ihr das Vaterland auf’s Haupt gedrückt:

Nicht dies Kreuz, — ein bess’res sah ich prangen,
Jenes Kreuz, an dem voll Angst und Beben
Unser Heiland selber einst gehangen,
Zu erwerben uns das ew’ge Leben.
Und am Kreuz, da stund in gold’nen Lettern
Hell ein Spruch vom ew’gen Lebenswort:
Mag der Tod die Blume hier entblättern,
Unvergänglich blüht und prangt sie dort!

Nein, sie ist nicht todt! Des Körpers Hülle
Sank allein hinab zum Schoos der Erde.
Doch auch ihr zu neuer Lebensfülle
Ruft dereinst des Schöpfers mächtig Werde.
Und der Geist, der diesen Leib belebte,
Ist erstorben nicht, er ist nicht todt,
Er, der aufwärts stets zum Himmel strebte,
Ist im Himmel, ist daheim bei Gott! — —

Muse, du bist selbst nur eine Dichtung,
Nur ein Bild von unsern Idealen:
Deine Hülle kann die strenge Sichtung
Nicht besteh’n; der Wahrheit Sonnenstralen
Machen Dich vergeh’n! Doch uns’re Todten,
Die im HErren sterben, wie er sprach,
Sie sind selig und als Liebesboten
Folgen ihre guten Werke nach!

Auch im Literarischen Verein war eine impulsgebende Dame, allerdings zusammen mit ihrem Ehemann, dem Tode anheimgefallen: Luise Hoffmann und der erste Vorstand, Johann Leonhard Hoffmann, waren 1865 von einer Spanienreise nicht zurückgekehrt, und es stellte sich dann heraus, daß sie in Albacete an der Cholera gestorben waren. Zusammen mit einer Liberalisierung des Vereinsrechts in Bayern, welche die Festivitäten des Vereins um ihre Einzigartigkeit in Nürnberg brachte, führte das zu einem merklichen Abschwung, dem sich eine zeitlang noch der Vorstand Friedrich Knapp entgegenstellte.

„Der Reimchronik fünfundfünfzigstes Stück.
Am 15. November 1872.“

5576.     Vernünftig ist’s und löblich stets, zur rechten Zeit bedacht zu sein
    Daß nicht der Haushalt leide Noth, in allem auf der Wacht zu sein
    Daß jedes Ding am rechten Ort und brauchbar zu der rechten Zeit
    Daß kein’s den And’ren hinderlich beim Machtwort der Nothwendigkeit.
5580.     Und löblich ist’s am Jahresschluß zu überschaun das ganze Haus,
    Zu prüfen seine Tüchtigkeit und was ihm fehlt, zu bessern aus —
    Die Mittel dann zu Rath zu ziehn, mit denen man zu rechnen hat —
    Daß mit dem Soll das Haben stimmt und alles reinlich sei und glatt.
    Wohl herrscht der Schwindel alleweg im Haus und Kirche und Geschäft;
    Wer darauf gläubig Häuser baut, der findet schließlich sich geäfft
    Und klagt den bösen Schwindel an, der einer starken Ceder glich
    Doch bei dem kleinsten Wechselfall sich auswies als Spitzederlich
    Der böse Schwindel thut es nicht, Du selbst hast Augen, Mund und Ohr,
    Vernunft, Erfahrung, Muth und Kraft und, macht Dir Einer Schwindel vor,
5590.    So prüfe, wähle und verwirf, damit vor Schaden heil Du bleibst,
    Vor allem aber hüte Dich, daß Du nicht selber Schwindel treibst.
———————
Da — unsern Literarischen! da nehmt Euch ein Exempel d’ran,
Der hält zur rechten Stunde inn’ und handelt als ein Ehrenmann,
Gesegnet war die Kindheit ihm, viel wack’re Pathen zählte er
Und unter braven Vätern, seht! die allerbrävsten wählte er
Der Eine stattete ihn aus, hielt ihn an Kleid und Börse warm,
Der And’re stärkte seinen Geist und führte ihn mit starkem Arm.
So ausstaffirt wuchs er heran, trat bald die Kinderschuhe aus
Noch jung an Jahren sah er sich in einem wohlverseh’nen Haus,
5600.    Litt niemals Mangel, selten Noth, er lebte ja in treuer Hut;
    Was er auch anfing. glückte ihm, was er begann, gerieth ihm gut.
    So schritt er den Gesellen vor, ein Vorbild wurde Allen er
    Rings drängten Freund an Freunde sich, bei Allen fand Gefallen er —
    Es galt sein Wort, sein Beispiel zog und was er sprach, war gern geglaubt,
    Sein Haushalt wuchs, da dieß und mehr ihm seine Mittel ja erlaubt.
    Da kam die Zeit, da drängten sich auch Nebenbuhler kühn heran,
    Sie lockten seiner Freund Schwarm, indem sie’s ihm zuvor gethan,
    Mit wonnesüßem Saitenspiel, mit Scherz und Tanz sie es versucht —
    Und bald mit Ueberbieten nur verhindert er die Fahnenflucht:
5610.    Ball, Festmahl, Kränzchen, Maskenspiel, im Sommer Ausflug mit Musik,
    So feßelte die Treuen er und hielt die Flüchtlinge zurück.
    Da kam die Zeit! er war verwaist, die Väter Beide er verlor
    Und eine treue Vormundschaft in dunkler Stunde er erkor —
    Noch hielten seine Mittel aus, doch nahte manch Bedenkliches
    So Manche ahnten, daß vorbei die Tage von Arnajuez.
    Ja viel ließen ihn im Stich, die besten Kräfte mieden ihn,
    Die einst reich tafelten mit ihm, mit magrer Kost beschieden ihn
    Und wenn auch Spiel und Tanz gelockt, stets leerer, dürft’ger ward sein Haus
    Und eine Frage wars der Zeit, wann ihm die Mittel gingen aus:
5620.    Ward auch das Möglichste erdacht, nur Wenige hielten treu und fest
    Sie hielten Rath, befeuerten und überzählten trüb den Rest.
    Nun kam die Zeit! Gesegnet sei die Stunde, Heil sei dem Entschluß!
    Da hielt er redlich Umschau, wie sie ein jeder Braver halten muß,
    Er sprach: Wenn ichs bedenke recht, was frommt mir ein erborgter Glanz,
    Der mir doch keine Freunde kirrt — zum Guckuck mit dem Firlefanz! —
    Was nützt mir ein verwaister Saal, was nützt des armen Vorstands Qual
    Der für Vereinssaharas aus den Stoppeln sucht Material,
    Der rastlos die Activen preßt, der selbst wie noch ein Neger schanzt
    Nur, daß ein künftiges Programm nicht gar zu dürftig sei bepflanzt,
5630.     Was nützt mir Ball und Maskenspiel, wenn theilnahmslos so viele sind,
    Wenn meine Muse noch so zaubrisch Mährchengold vom Rocken spinnt!
    Wir haben, was es nützt, geseh’n; der biedre Säckelmeister spricht:
    Noch weiter, wie bisher zu gehn, da reichen unsre Mittel nicht.
    Die Mitarbeiter, sonst so flink, sie fehlen uns zu jeder Frist
    Der Vorstand klagt, mit Fug und Recht, drob jammert auch der Reimchronist —
    Drum fegt von dem kostspiel’gen Quark nur Diehle, Haus und Schwelle rein,
    Laßt uns mit weniger halten Haus, doch damit ganz zufrieden sein.
    Gesagt, gethan, es bleibt dabei; daß er sich nach der Decke streckt
    Ist ehrlich, gut und wohlgethan, ob es gar Viele auch geschreckt,
5640.    Ob auch so Mancher sagt Valet, bleibt nur der ächte Freund uns treu
    Und hält den wahren Zweck im Aug — das Andre sei uns einerlei.
    Schließt nun die Runde enger sich, verklingt auch mählig Tanz und Spiel,
    Mag um so freud’ger werben uns’re kleine Schaar um’s schöne Ziel.
    Vielleicht schließt sich Mancher sich an uns und bietet warm uns seine Hand,
    Der ob des Beiwerks Vielerlei bisher der Runde ferner stand,
    So senken zum krystall’nen Born des deutschen Worts in Sinn und Lied
    Erfrischend wir die heiße Stirn vom staub’gen Tagwerk noch durchglüht,
    Erquicken Auge, Geist und Herz, ermattet in der Zeiten Drang
    Und lauschen den gewaltigen verklärten Meistern im Gesang,
5650.    Erschauen, was des Tages Muse uns auf flücht’ge Blätter streut
    Und laben an der Quellfluth uns verständiger Geselligkeit.
    Vielleicht naht wieder eine Zeit und frischen Sinns wir treten aus
    Dem engen Kreis gekräftigt in das neue festlich schöne Haus
    Und zünden neu die Leuchte an, die uns zu Tanz und Spielen winkt
    Und junger Recken blüh’ndem Wort aus schönen Augen Beifall blinkt —
    Vielleicht! — Jedoch bis es so wird (und werde uns’re Hoffnung wahr!)
    Bleibt der bescheid’nern Runde treu! Dieß wünscht das Reimchronistenpaar.

Ein gewaltig umfangreicher und mit seltenen Ausdrücken gespickter Wortschatz zusammen mit Beobachtungen und Kenntnissen sehr konkreter Art aus den verschiedensten Gebieten stand Knapp zur Verfügung, eine leichte Hand beim Versifizieren, die über gewisse Schludrigkeiten großzügig hinwegging, zumal diese Arbeiten aus dem Tagesbedarf hervorgingen und wöchentlich vermehrt wurden. Die Versezählung verrät, daß er dennoch stolz war auf seine Fruchtbarkeit und durchaus an die Bewunderung der Nachwelt dachte, aber er war klug genug, keine Sammlung an das allgemeine Publikum gelangen lassen zu wollen. Verwirrend ist, von mehreren Reimchronisten zu lesen, doch war es eine Ausdifferenzierung verschiedener Züge seiner Persönlichkeit wie bei Robert Schumanns Florestan und Eusebius.

Auch im Blumenorden nimmt zu dieser Zeit die Zahl der Anwesenden bei den nichtöffentlichen Versammlungen ab. Am rührigsten ist in dieser Periode v. Ditfurth, der fast jedesmal entweder aus seinen Volksliedersammlungen vorträgt oder auch eigene Gedichte verliest. Die Vereinigung mit dem Literarischen Verein bringt dann ein Aufleben der Beiträge und der Stimmung, an dem auch Knapp mit manchem Humoristischen tätig Anteil hat:

Elegie auf einen Igel

1. Betrübten Sinnes laß ich gleiten
Die Finger über dumpfe Saiten
Mit Flor will ich mein Spiel verhüllen
Um ernste Pflichten zu erfüllen
Man glaube, daß frivolem Zwecke
Ich nie die Hand entgegenstrecke
Und dießmal gilts auf Sangesflügel
Dem tödtlich hingeschiednen Igel.

2. In meiner Handelsmühle hatten
Sich eingenistet viele Ratten,
Auch horsteten mit regem Fleiße
Im Magazin emsige Mäuse,
Die um gar schnöden Zweck’s Erreichung
Zum Mehltrog faßten stille Neigung:
Als unbestechlich festen Riegel
Schob ihnen ich davor den Igel.

3. Er war nicht lieblich von Gestaltung,
Jung’s Antlitz in antiker Faltung
Um seiner Glieder edler Bauart
Sah man ein Kleid, das stets mehr rauh ward,
Als trutzge Rüstung sah man blitzen
Stahlharte scharfgeschliffene Spitzen
So hielt die Mauswelt er im Zügel
Der nie genug geschätzte Igel.

4. Ich spendete aus deutschem Haine
Hans Bartel Most, genannt der Kleine
Ein Wagenwärter 4ter Classe
Zum Besten seiner mageren Casse —
Wie er ihn fing, ob mit Verstellung,
Ob mit hagbüch’ner starker Prellung
Ob in dem Bau, ob auf dem Hügel —
Genug! Mein ward der tapf’re Igel.

5. So lebt er friedlich dem Berufe
In eines kleinen Sackes Kufe,
Er füllt mit penetrantem Dufte
Der gierigen Nager Unterschlufte,
So daß, wie Mecklenburg u. Hessen
Sie auszuwandern sich vermessen —
Indessen schlürft aus irdnem Tiegel
Verdiente Milch der gute Igel.

6. Augustus gleich, doch ohne Tunke
Von Essig, liebt er Kohl vom Strunke,
Auch Blaukraut, Selerie und Wirsig
Die hatten etwas bei ihm für sich,
Auch wußte er sich gut zu nähren
Mit Grundbirn oder Scorzoneren [Schwarzwurzeln]
Verschwiegen war er wie ein Siegel —
Genug! Er war kein Schweine-Igel.

7. Hunds-Igel rühmt er seine Sippe,
Man sah’s der schnurrbartreichen Lippe
Man sah’s den Zähnen an, den spitzen
Und seines Augs muthvollem Blitzen.
Er jagte, wie ein Abdelkader
Mit dem bewährten Hinterlader
Die Ratten selbst durch Mauerziegel
Der damals, ach! so munt’re Igel.

8. So lebt er in taktvoller Haltung
Ihm anvertrauter Jagdverwaltung
Beging getreulich die Reviere
Ob er von Glis und Mus was spüre
Und sichtlich ohne Übertreibung,
Die Sackaufmaßungsunterbleibung
Ward zum „polirten Ehrenspiegel“
Dem tugendreichen strammen Igel.

9. Es war ein Tag notabel trocken
Da sah man auf der Matte hocken
Ihn todt, sein delikater Magen
Mocht wohl den Mehlstaub nicht ertragen
Ob’s waren indische Gestianen
Ob’s waren optische Strunklianen
Kurz, er verlor des Lebens Zügel
Und starb, wie er gelebt, als Igel.

10. Nicht unbeklagt, nicht unbeneidet,
In starrer Pflicht Gewand gekleidet
Treu, wie der Treueste der Treuen
Achtsam — nichts konnte ihn zerstreuen
Wahr — keine noch so kleine Lüge
Glitt über die caton’schen Züge
Verläßlich wie ein ficht’ner Prügel,
Ging er ins Land verklärter Igel.

11. Wer wird an seiner Stelle schalten,
Die Mausvertreibungskunst verwalten,
Wer mit markirtem Hochparfüme
Die Ratten jagen nach Maxime?
An solches laßt mich Morgen denken
Heut’ meiner Trauer Weisen senken
Auf den erkauften Maulwurfshügel
Der schützend birgt den guten Igel.

Wartburg [Gasthaus Zur Wartburg] 2. Oct. 1874
FrKnapp

Ein weiterer Neuzugang im Orden, der aus München zugezogene und 1881 aufgenommene königliche Postspezialkassier August Schmidt, machte mit seinen volkstümlichen Theaterstücken bekannt, z.B. „Süd und Nord oder Verlorene Schmerzen. Komisches Charakterbild aus dem bayerischen Oberlande mit Gesang in 1 Akt von August Schmidt. Musik vom k. Kapellmeister Jul. Lang in München. Bühnenmanuscript. Zum ersten Male im Juni 1874 am kgl. Theater am Gärtnerplatze zu München mit vielem Beifalle aufgeführt. München, 1874. Kgl. Hof- und Universitätsdruckerei von Dr. Wolf & Sohn in München.“
Es handelt sich um eine Farce, in der ein Bayer mit einem Preußen rauft, dieser eine Geldsumme begleichen muß, die nun dem Bayern erlaubt, um die Hand seiner Liebsten anzuhalten. Damit ist in anbetracht des gemeinsamen Sieges von 1871 der Bruderkrieg von 1866 folkloristisch verarbeitet.