Politische Verstrickungen


Noch ins Jahr 1796 gehen die Aufzeichnungen zurück, an denen sich zeigen läßt, wie der Orden in einzelnen seiner Mitglieder, aber auch als ganzer von den politischen Turbulenzen erfaßt wurde. Von Johann Jacob Reichel erfahren wir:

"Als im Iahr 1796 Nürnberg von den Franzosen heimgesucht wurde, traf auch ihn das traurige Loos, in der Nacht des 16ten Augusts als Geisel ausgehoben, und am Morgen des 17ten Augusts, zu einer beinahe iährigen Gefangenschaft, nach Frankreich, in die Vestung Charlesmont abgeführt zu werden, aus der er am 29sten Julius 1797 wieder zurük kam. […]"

Der übliche Ablauf der Ordensversammlungen war nicht aufrechtzuerhalten: "Die im August-Monat gegenwärtigen Jahres hiesige Stadt und Landschaft betroffene leidige französische Invasion, wodurch damals die gewöhnliche Ordens-Zusammenkunft behindert wurde, gab

1.) des Herren Präses Hochwürden Anlaß, auf diese fatale Periode mit Betrübnis zurückzublicken, sich jedoch zugleich zu erfreuen, daß, nach nunmehr überstandener Gefahr, die heutige Versammlung wieder richtig frequentiert werden können […]"

Zwar ging auch dies vorbei — "Bey Eröfnung der heutigen GesellschaftsSession erfreuten sich

1.) des Herrn Präses HochEhrwürden nicht nur über die frequente Einfindung der dabey erschienenen Mitglieder, sondern auch besonders darüber, einen sehr schätzbaren vorigen Jahres durch die französischen Kriegsvölker, zum Leidwesen der ganzen Bürgerschaft als Geisel nach Givet gefänglich abgeführten Herrn Mitgesellschafter, P.T. Herrn MarktsVorsteher Reichel, nach, Gottlob! glücklich erfolgter Zurückkunft, bey gutem Wolstande wieder in ihrer Mitte zu sehen." —

doch mußte sich der damalige Schriftführer, Benedict Wilhelm Zahn, eine zeitlang um ganz andere Dinge von erheblicherem Belang kümmern als um den Orden: "Seine Amtslaufbahn fiel in die Perioden der sich noch haltenden und endlich zusammensinkenden Nürnbergischen Staatsverfassung. Mit hohem Patriotismus nahm er an dem, was die Vaterstadt dabei zu ertragen hatte, den innigsten thätigsten Antheil, und wo es Hülfe galt, opferte er Zeit und Kräfte freudig auf. Als in dem Conflikt zwischen Bürgerschaft und Rath die Noth es erheischte, daß tüchtige Männer zum Gemeindewohl zusammenwürkten, ward er zur Führung des Protokolls bei der Aerialdeputation auf Verlangen des Raths und des Genannten-Collegiums erwählt. Er erhielt darauf einen Theil der hiesigen Stadt- und Aemter-Rechnungen zur Revision, ein schwerer aber das Zutrauen auf seine Rechtlichkeit und umfassende Kenntniß bewährender Auftrag, dessen er sich ehrenvoll entledigte. Bei der Organisirung des Genannten-Collegiums ward er zum Syndikus von dem gelehrten Stande in den engern Ausschuß und zugleich als erster Proponent und Inspektor bei dem Genannten-Collegium ernannt, eine Stelle, die er 3 Jahre lang mit der schönsten Treue bekleidete. — Die Beeinträchtigungen, welche die Stadt von aussen erleiden mußte, zwangen den Rath am kaiserlichen Hofe Hülfe zu suchen; unser Freund war dazu bestimmt, den würdigen Herrn Senator von Stromer nach Wien zu begleiten, um diesen Zweck mit erreichen zu helfen und befand sich dadurch gerade in der drangvollen Periode fern von Nürnberg, wo es durch Jourdans Heer 1796 soviel zu leiden hatte."

Wie Hohn nimmt es sich aus, wenn die Pegnesen von einem Auswärtigen folgende Zusendung bekamen, zu der sie wohl oder übel ein freundliches Gesicht machen mußten, um sich nicht verdächtig zu machen: In der Sitzung vom 5. November 1804 wurden "5.) zwey Geschenke für die Ordens-Bibliothek vorgelegt, nämlich:

a, Vom Herrn Pfarrer Meyer in Speyer, eine zur Verehrung Napoleons, des ersten Kaysers der Franzosen, am 9ten Sonntag nach Trinitatis dieses Jahres gehaltene Predigt, […]" Nun gut, Speyer mochte noch näher am Schuß sein. 1806 jedoch sah sich auch Nürnberg wieder von französischen Truppen besetzt. Eine reguläre Ordenssitzung mußte ausfallen: "Da die Einquartierung französischer Kriegsvölker in hiesiger Stadt, und die damit verknüpften Unruhen, eine Zusammenkunft am vorigen Walburgischen Ziel verhindert hatten, so wurde das, vom 3. Februar des Jahres abgehaltene Protocoll […verlesen, etc.…]" Ob die Pegnesen dieses Ausfallen als Unglück sahen, steht dahin; einige Tage später jedoch traf Nürnberg und — wahrscheinlich speziell den Orden! — wie ein Donnerschlag die Nachricht, daß der Buchhändler Palm in Braunau am Inn standrechtlich erschossen worden war. Bekanntlich hatte er eine anonyme Schrift mit dem Titel ,Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung' herausgegeben, die Napoleon sehr unangenehm aufgefallen war. Sie war auch danach. Palm nannte den Verfasser nicht; es hätte ihm auch nicht geholfen, weil selbst auf die Verbreitung die Todesstrafe stand.

Die Affäre Palm

Drohendes Verbot

Unbotmäßige Unterströmung

Man findet sich mit Bayern ab