Das Völkische überwiegt

Der Kairos währte nicht lang. Ganz umschlagend änderte sich die Einstellung nicht. Doch mehr und mehr gewannen die Kräfte (eigentlich Schwächen) des Rachewahns die Oberhand, bis die „Machtergreifung“ völlig logisch erschien.

22. Februar 1924        6. Wochenversammlung
[…] Sodann führt Herr Arthur Kreiner aus Amberg [korrespondierendes Mitglied] in seinem Vortrag über Sensationalismus, II. Teil, etwa Nachfolgendes aus: […] Er nannte verschiedene Kunstwerke unserer Zeit: Motorrad, Kino, Zeitung. Was diese drei Zivilisationsmerkmale innerlich verbindet, ist: lieber viel und schnell als gut. […] Übersättigung paart sich mit einem unstillbaren Hunger. […] Wir sind alle Opfer einer Zeitkrankheit geworden, die wir nicht das Recht haben auf eine Rasse abzuladen. Was haben damit die Dichter zu tun? […] Es ist ein heiliger Beruf der Dichter, die Sinne zu schärfen und den Gedankenlosen den Star zu stechen. […]
Herr Bernhard Siepers sagt, wenn das deutsche Volk Klabund in die Hand nähme, würde es ihn nicht verstehen. Das deutsche Volk hat mit der heutigen Dichtung fast gar keinen Zusammenhang mehr. Das, was wir heute Bildung nennen, ist etwas gänzlich in sich Zerspaltenes.
[…] Die Arbeitsfreude schwindet immer mehr. Wie kann es gelingen, den modernen Menschen dazu zu bringen, daß er abends noch Mensch ist? Wie überwinden wir […] den Bildungsdünkel? […] Ackermann sagt, das Streben nach Höherem, nach Religion fehle den unteren Schichten. […] Schauwecker sagt, es sei nicht nur eine Erscheinung in der Kunst, daß der junge Mensch nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher. Es ist vielfach daran schuld, daß die jungen Leute kein Heim mehr haben. In den Vaterländischen Verbänden werden auch nach der Arbeit Leistungen von den jungen Leuten verlangt. Einfache Leute im ärztlichen Wartezimmer lesen auch Gedichte. […]

23. Mai 1924        18. Wochenversammlung
[…] Herr Professor Bohneberg führte in seinem Vortrag: „Deutsche Not und deutsches Hoffen in der Dichtung“ etwa Folgendes aus: […] Der Dichter drückt den Glauben an das völkische Glück und die völkische Zukunft aus. In den Indischen Veden drückt sich noch der Schrecken der langen Winternacht aus. Unter dem Eindruck des ewigen Wechsels entsteht die arisch-germanische Auffassung vom Werden, Sein und Vergehen, um wieder zu erstehen. […] Not dient nur zur Läuterung; aus ihr kommen gute Kräfte hervor. Der deutsche Dichter ist aus diesem Grunde nie Schwarzseher […] Ein Schwarzseher kann nichts Großes leisten. Das Große entsteht nur aus dem Glauben an das Gute. Mit ihm geht der Glaube an die Macht der Finsternis Hand in Hand. Er behält eine Weile die Oberhand (Winternacht, die die Sonne verschlingt, Drache) doch er wird dann besiegt und überwunden. […] Die Gegenwart wurde eingeleitet durch das große Weltereignis des Krieges. Es wurden von den Kriegsdichtungen folgende vorgelesen: [Bohneberg, Wildgans, Walter Flex … Münchhausen…]

Freitag, den 3. Oktober 1924        27. Wochenversammlung
[…] Herr Fritz Hagen […] Vortrag „Westöstliche Träume“ […]
Eine ganze Anzahl unserer älteren und neueren Dichter z.B. Dauthendey, Klabund, Schack
[wahrscheinlich Anton oder Friedrich Schnack] lebten und leben in einer anderen Welt. […] Die ostasiatische Lyrik kann man mit der Japans vergleichen; Grundsatz ist, mit möglichst wenigem möglichst viel zu sagen. […] Chinesisches und japanisches Schrifttum kennt auch schmutzige Kunst. Aber Schmutz wird als Schmutz erkannt. […] Klabund gibt eine Übersetzung eines Frühlingsgedichtes. Bloße Andeutungen verweisen auf die schwärmerische Hingebung des östlichen Menschen an die Natur hin. […] Auch in der persischen Lyrik finden wir die Eigentümlichkeit, die wir in den Stimmungswerken der japanischen Dichtung fanden, nichts Dramatisches: der Vortragende brachte einige Beispiel des berühmten persischen Dichters Hafis […] Goethe wandelte als Schauender durch die Welt, er bemühte sich in die Tiefe des Ursprungs zu dringen. Alle bewußte Lebensgestaltung ist Poesie.
Reubel
[…] sagt, es sei uns ein Ausschnitt des menschlichen Seins geboten worden, der uns in den letzten Jahren etwas ferne lag. Der Mensch des Ostens ist älter und deshalb schon eher zu der Beschaulichkeit gelangt, die bei uns nur weise Geister zu erlangen vermögen. […]

In Schachtel 59 des Pegnesenarchivs finden sich Ausgaben der „Amberger Wochenblätter“ der Jahre 1924 und 1925; Artur Kreiner war Schriftleiter. Nicht mit Verfassernamen bezeichnete Gedichte stammen offensichtlich von ihm. So eines aus dem Heft 29 des 131. Jahrgangs, 18. Oktober 1924:

Nietzsche.
Zum 80. Geburtstag.

Vom Himmel fiel
in steilem Flug
jach, ohne Ziel
ein Splitter. Schlug
in die Erde,
die da schlief,
daß wach sie werde,
also tief
daß sie vom Himmel schwanger war
und einen Sternensohn gebar.

Kaum, daß er war zur Welt gebracht,
flugs
über Nacht
der Kindeskeim
zum Himmel heim
die Mutter überwuchs.

Es wölbte sich sein Schädeldach
zum erdumspannenden Gemach
worunter froh, ein ganz Geschlecht
lichtwandelte und stolz und recht.

Doch als vor düsterm Ungemach
die Schädeldecke berstend brach
und überspannt, sich selbst genug
die Scherben in die Mutter schlug
da es zur Erden
ohne Ziel
ein Stern zu werden
niederfiel.

Freitag, den 24. Oktober 1924        30. Wochenversammlung
[…] Frau Elisabeth Schnidtmann-Leffler dankt für die ihr vom Blumenorden gewidmeten Glückwünsche zu ihrer Verheiratung.
[…] Der als Mitglied des Ordens vorgeschlagene Raabeverein zahlt den Beitrag einer Person.
Hierauf ergreift Professor Bohneberg das Wort
[…] Das Volk, soweit es seelisch rein ist, befindet sich dauernd in einem dichtenden Zustand. […] wir werden seelisch und sittlich zugrunde gehen, wenn wir uns nicht an einer Umwelt und Überwelt, die größer ist als wir, erbauen. […] Wem der Zusammenhang mit der Volksseele fehlt, der wird kein Dichter, höchstens Schriftsteller. […] Wenn wir nach unserm Niedergang wieder aufwärts steigen wollen, so müssen wir an die Quellen zurückgehen, zu den Vätern, zu dem, was sie Heiliges hatten. Die Zeitschrift „Die deutschen Gaue“, das Blatt des Vereins „Heimat“, müßte jedem Einzelnen der Wegweiser sein, wie er mit Hilfe ernster Arbeit zurückfinden könnte zu den Vätern. […] Die Feldpostbriefe wären ein Kapitel für sich. […] Zum Schluß liest der Vortragende noch vor „Völkisches Glaubensbekenntnis“, ein Gedicht von Danold [?]

Freitag, den 31. Oktober 1924    31. Wochenversammlung
[…] Ackermann […] „Der Wechsel des literarischen Geschmacks“ […] Mit Levin Schückings Schrift: „Die Soziologie der literarischen Geschmacksrichtung“ können wir uns über diesen Stoff unterhalten. Der Gegenwart erscheint manches ungenießbar, was unsere Großeltern in Entzücken versetzte. […] Der Begriff Publikum (öffentliche Meinung) ist lange nicht so umfassend wie man meint. Die einzige Liebe der breiteren Massen ist die religiöse. […] Es gibt keine einheitliche öffentliche Meinung sondern eine Gruppen [sic], die verschiedene Meinungen vertreten. […] In neuer Zeit setzen eifrige Buchhändler Schriftstellerabende fest, die auf den Geschmack nicht ohne Einfluß sind, ebenso wie die Volksbildungskurse und Volksbüchereien und Leihanstalten von Büchern. Im ganzen kann wohl gesagt werden, daß nicht der Geschmack neu wird, sondern daß Andere Träger des Geschmacks werden. […] Die literarischen Geschmacksrichter Berlins benutzen jedes Mittel, um mit ihren Ansichten durchzudringen. Die Kritiker wurden früher von den Schriftstellern nicht als ihre Freunde behandelt. Die Kritik ist zu einer Aufsichtsbehörde geworden; sie kann viel Gutes stiften, aber auch unheilvoll sein. Augenfällig ist die Herrschaft des Judentums; fast sämtliche Berliner Theaterdirektoren und ein großer Teil der Schauspieler sind Juden. Auch die Wissenschaft des Schrifttums ist meist in jüdischen Händen. Die Schrifttumspresse steht unter der Herrschaft des Sensationalismus […] Wie steht es in Nürnberg mit dem literarischen Geschmack? Einen entschiedenen Einfluß auf die wahllosen Zuhörer übt der Literarische Bund aus. Der Bund „Kunst dem Volk“ versucht Gutes und Bestes zu bieten. Der Pegnesische Blumenorden will Kenntnisse der Dichtung der alten und neuen Zeit vermitteln, junge Begabte zu Wort kommen lassen. […]

Freitag, den 6. März 1925        Ordentliche Hauptversammlung
[…] Deßgleichen wurde sein [Wießners] zweiter Antrag, hervorragende, derzeitige Dichter und Schriftsteller  — vorgeschlagen hatte er Hanns Johst — zu Ehrenmitgliedern zu ernennen, abgelehnt. Nach der Meinung der Literaturkenner des Ordens sei z. Z. keiner so hervorragend ihn für diese Würde zu qualifizieren. […]

Man hätte nicht denken sollen, daß der üblicherweise progressive Wießner auf Johst hereinfällt, die „Literaturkenner“ des Ordens aber nicht. Das zeigt, wie ununterscheidbar aus damaliger Perspektive die Fortschrittlichkeit von rechts und die von links erschienen sein müssen. Manchmal ist es die Wahrnehmung der Qualität, die derjenigen einer politischen Orientierung vorangeht — die Frage lautet: Ist es an ästhetischen Unzulänglichkeiten zu erkennen, ob ein Werk zum Inhumanen tendiert? Dazu fände sich etwas in George Orwells Essay über Dalí…

Freitag, den 1. Mai 1925        9. Wochenversammlung
[…] Der Vorsitzende [Scheurl] hält […] den angekündigten Vortrag über Die Heilige Johanna von Bernhard Shaw.
[…] Die äußere Form ist ungewöhnlich, wie das, was Shaw in seinem Werke behandelt. Es ist ein Geisteswerk, was zum Teil in romantische Form gekleidet ist. […] Die Zergliederung wirkt nicht aufbauend, sondern zersetzend. Man muß zuerst das Vorwort und das Nachwort lesen. […] Wir haben ein einheitliches Weltbild vor Augen, ein philosophisches Werk. Sh. ist in erster Linie Historiker. […] Wir begegnen drei Kräften, die sich gegenseitig zu zermalmen drohen […] Man fragt sich: Ist die Art der Gegensätze glücklich gewählt? […] Zuerst spricht Shaw über das Natürliche. Johanna ist kein Weib und kein Mann und will doch als Weib ein Mann sein. Sokrates und Johanna scheitern daran, daß sie ihre Mitwelt nicht verstehen. Der wahre Mensch ist die Wahrheit. […]

Es ist nicht zu ermitteln, ob Eberhard von Scheurl gemeint hat, diese Ausnahmemenschen seien nicht verstanden worden, oder ob sie nicht verstanden hätten, wie ihre Mitwelt empfand. Das letztere würde Shaw besser gerecht.

Freitag, den 22. Mai 1925
Jean-Paul-Feier im Festsaal der Landesgewerbeanstalt
Vortrag von Dr. Josef Müller (Schloß Jägersburg bei Forchheim)
[…] Ein ausführlicher Bericht im Fränkischen Kurier [Zitat daraus:] Alle echten Dichtungen sind mit dem Herzblut erschaffen, stellte der Vortragende fest […] In der Beurteilung des Hauptwerkes „Titan“ mit seiner Antwort auf die Frage: „Ist das Genie souverän oder steht es unter der Moral?“ fand der Redner Worte, die in ihrer kernhaften Gesundheit in der Zeit so vieler literarisierender Auchgenies, die sich erhaben dünken über alles, besonderen Wert haben. […] zuletzt den Politiker Jean Paul vorzunehmen, der aus einem anfänglichen Bewunderer des Korsen Napoleon ein starker Helfer der deutschen Wiedergeburt wurde. Worte wie: „Noch kein Volk machte auf Geheiß eines Eroberers Platz in der Kultur“ haben heute für uns trost- und hoffnungsspende [sic] Kraft.
Zum Schlusse legte Dr. Josef Müller, dem wir bereits mehrere Herausgaben (Jean Paul, Mörike) verdanken, die Gründung einer Jean-Paul-Gesellschaft als eine Pflicht Frankens nahe.
[…]

Freitag, den 19. Februar 1926    Ordentliche Hauptversammlung
[…] Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten, tritt man in den 2. Teil des Abends ein, der der Unterhaltung gewidmet ist. Professor Konrad Meyer übernimmt zunächst den Vorsitz und erteilt Frau Baronin von Scheurl das Wort zum Verlesen von drei Erzählungen aus eigener Feder. Die erste schildert in lebhaften Worten eigene Eindrücke und Erlebnisse unter der Überschrift „Tyrol“. Die Grundstimmung: „Deutsch ist das Land“ klingt durch die feinen Landschaftsschilderungen […] Die zweite Erzählung „Die Fahne“ berichtet, wie die stolze schwarzweißrote Fahne aus dem Jahre 1871 durch einen Sturm 1918 zum Teil zerstört wurde, das Schwarze wurde abgerissen; nun dient sie dem alten Nürnberger Hause noch in den Farben der Stadt. […]

Das ist natürlich symbolisch gemeint. Immerhin drückt sich darin Lokalpatriotismus aus und kein anderer, für den die Farben Rot und etwas Weiß auch herhalten könnten.

Freitag, den 18. VI. 26.        8. Wochenversammlung
[Von Oskar Franz Schardt verfaßte Zeitungsnachricht:] Im Pegnesischen Blumenorden sprach am Freitag abend Dr. Heinz Schauwecker über die Oberpfälzischen Heimatspiele und insbesondere über seine Heimatspieldichtungen für Furth i. W., Kallmünz und Berching. […] Gehören, so fragt Schauwecker, Vaterland und Heimat weniger zu den großen Dingen der Menschheit als der entartete Eros und alle die Flachheit, die uns tagtäglich in vielen Theatern geboten wird? Ich lege auf das Wort Heimat ebenso viel Betonung wie auf das Wort Spiel und ziehe damit einen bewußten Grenzstrich gegen das Bühnenspiel. […] Seine Darsteller sind Laien, die nicht nur aus Freude am Spiel, sondern auch aus Liebe zur Heimat mitspielen. […] Der Vortragende verbreitete sich dann eingehend über die Grundsätze, die Professor Konrad Meyer in seiner Abhandlung, die im „Fränkischen Kurier“ bereits erschienen ist, über die „Amberger Treue“, ein Werk des Heimatdichters Dr. Greiner [sic; gemeint ist Kreiner], aufgestellt hat […] Daraus zitierte er, daß das Heimatspiel und Volksfestspiel als ein Zeichen der Wiedergeburt unseres Volkes und Volkstumes betrachtet werden müsse. Er führte aus, daß […] nach mündlichen Ueberlieferungen der Drachenstich schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aufgeführt worden ist und unter ständigen Verboten und wiedergewährten Erlaubnissen sich bis zum Jahre 1843 durchgehalten hat, von wo ab er nach nochmaligen Verbotsversuchen einer verständnislosen Zeit bis auf heute ständig in Uebung geblieben ist. […] in dem Drachen die schweren Grenzgefahren aus dem Osten symbolisiert seien […] Charakteristisch sei, daß sich beim Drachenstich im Jahre 1922 tschechische Sokols angesagt hatten, um auf bayerischem Grund und Boden das Volksfestspiel zu verhindern. Selbstverständlich sei dieser Plan damals zuschanden geworden. […] daß es nötig gewesen sei, die alte Volksdichtung von dem theatralischen romantischen Zauber zu befreien, in die sie die sonst sehr wertvolle Arbeit von Professor Dr. Heinrich Schmidt gebracht habe. Im Anschluß daran behandelte er sein Kallmünzer Festspiel „Bürgertreue“ […] Auch hier spielen wiederum die Tschechen eine gewisse Rolle, zeigt sich die nationale, volkserhebende Grundvoraussetzung des Heimatspiels. […] Zum Schluß kam Schauwecker auf das Berchinger Heimatspiel […] Insbesondere tritt hier die besonnene und volkstümliche Gestalt des Pfalzgrafen Friedrich v. Wittelsbach […] in Erscheinung. […] deshalb von so erfolgreichem Gelingen begleitet seien, weil in der Bevölkerung selbst ein großes Maß von natürlichen Fähigkeiten zum Theaterspielen und auch vor allem ein gewisses Grundgefühl für Musik vorhanden sei. Es sei kein Zufall, daß große Musiker wie der Ritter von Gluck […] und Max Reger Oberpfälzer seien. […]

Freitag, den 12. November 1926        12. Wochenversammlung
[…] spricht Professor Bohneberg über „Der Bolschewismus in der deutschen Dichtung“ […] Der Bolschewismus gehört seiner Zeit an, bezeichnet die Lage des deutschen Volkes, den Zusammenbruch. […] Mit dem Zusammenbruch einer Zivilisation ist nicht auch das Volk, die Menschheit verloren, die obere Bildungsschicht war fremd, hat sich erschöpft […] das was nach oben möchte, ist das Neue, was die Zukunft bauen wird — eine neue Weltanschauung. […] Was ist nordisch, was ist südisch? […] Das Arbeitsgesetz ist das nordische Lebensgesetz. […] der Südmensch entwickelte sich in der Wüste; die südliche Sonne ist eine Zerstörungsform.
[…] Die Frau ist Lebensgrundlage, nicht Gegenstand der Lust. […] Für den Südmenschen spielt das rein Geschlechtliche die Hauptrolle. […] Kampf gegen die Ehe, Verhöhnung der Ehe […] Ullstein, Simplicissimus, das ist Bolschewismus. […] Seele ist Rassenwerk, Naturwerk. […]

Interessanterweise gibt es danach nicht die übliche Diskussion, wie bei Schauwecker auch.

Freitag, den 7. Januar 1927
[Zeitungsbericht vom 8. Januar, verfaßt von Schardt]
Eberhard König sprach am Freitag abend in Nürnberg. Es ist merkwürdig, warum dieser unbestreitbare Dichter großen Formats von der Linksliteratur Deutschlands gar so heftig totgeschwiegen wird, wenn sie ihn nicht da und dort angreift. Die Erklärung findet sich nur daraus, daß man hier einen Dichter von unverfälscht deutschem Einschlag vor sich hat.
[…] Seine Dichtung repräsentiert sich als ganz und gar unpolitisch […]
Der Deutsche Sprachverein, der Industrie- und Kulturverein, der Pegnesische Blumenorden hat ihn eingeladen. Man war vorsichtig, aber der Goldene Saal, dicht besetzt bis zum Rednerpult, erwies sich als zu klein, und man konnte feststellen, daß der Dichter in Nürnberg eine starke Gemeinde hat
[…]

1. Wochenversammlung        Freitag, d. 14. Januar 1927
[…] Frau von Liedencron [Liederscron] führte in ihrem Vortrage über Filmfragen etwa nachfolgendes aus: […] Man kann nicht sagen, daß der heutige Unterhaltungsfilm versagt. Wir müssen zwar mit dem Zerstreuungsbedürfnis der Zeit rechnen; die Menschen suchen Ablenkung von Wohnungselend und s.f.. Doch das Lichtspiel gibt häufig Anregung zu Verbrechen. […] Künstler und Darsteller sollten sich verweigern sich für schlechte Filme herzugeben. Staat und Gemeinde müssen ihre Pflicht erkennen. Schöngeistig und künstlerisch gebildete Leute gibt es überall als Sachverständige. […] Der Einfluß des Kinos kann gar nicht hoch genug angeschlagen werden. Es werden mehr Kinos als Kirchen und Schulen errichtet. […]

Freitag, den 25. März 1927        Ordentliche Hauptversammlung
[…] Kügemann bespricht und bedauert, daß die Abende anders seien als früher. Er ruft Erinnerungen wach an die seinerzeitigen Abende, die mehr den Begriff des Clubs (zu deutsch: der Gesellschaft) getragen haben. Man solle wieder ab und zu etwas Neues lesen, Besprechungen daran knüpfen, alle Monate oder 2 Monate einen geselligen Abend einschieben. — Die Anregung fand manchen Widerhall. […]

Vorstands- und Ausschußsitzung        9. September 27.
[…] Als erster Punkt wird die Sammlung für Eberhard König, dessen gesamte Habe und Entwürfe verbrannt sind, besprochen. Mit den nächsten Einladungen soll ein Rundbrief an die Mitglieder hinausgehen mit der Bitte um Spenden für den so schwer betroffenen Dichter. […]

3. Wochenversammlung
Freitag, den 17. Februar 1928
[…] sei auf den nebenstehenden Bericht des Fränkischen Kuriers hingewiesen.