Teil III: Der rettende Umsturz

Daß Cramer-Irenander den Blumenorden bereits mit dem Namen "Deutsche Gesellschaft" belegte, erklärt sich nicht nur aus der von Will gegründeten "teutschen Gesellschaft" in Altdorf. Es gab dort eine zweite, ähnliche, die einige Studenten gegründet hatten, und von dieser ging schließlich die längst notwendige Erneuerung des Ordens aus. Bevor das allerdings geschehen konnte, hatten alle drei Gesellschaften eine Weile nebeneinander her bestanden.

Der ewige Prätendent wird Präses



Wir können uns Irenäus I. zu diesem Zeitpunkt als freundlichen älteren Herrn vorstellen, einen Gelehrten, den jahrzehntelange geistige Arbeit tolerant gemacht hatte, ziemlich gut informiert über das, was seine Altersgruppe noch ansprechen konnte, aber auch bereit, junge Talente zu nehmen, wie sie waren. "Schon unter seinem Vorsitz wurden die Versammlungen der Mitglieder wieder erneuert, indem der würdige Mann ausdrücklich zu diesem Ende hieher reisete, und gedachte Versammlungen in seinem eigenen Hause allhier veranstaltete." Das zeigt, wie wenig vorher unter Reichel geschehen sein mußte.

Kurzes Zwischenspiel einer Dame

Letzte Einrichtungen nach altem Plan — auch im Irrhain

Was nun die anderen Neuzugänge betrifft, so lohnt sich, erst einmal die Errungenschaften jenes Altdorfer Studentenkreises im ganzen zu betrachten, bevor man sich mit seiner Auswirkung auf die Blumengesellschaft befaßt, damit man ermißt, wie groß der Abstand war, der hier überbrückt werden mußte.

Schuber LXXX des Pegnesen-Archivs besteht in einem ungewöhnlich kleinen Schächtelchen, das schon vor den standardisierten Archivschachteln hergestellt worden sein muß; seine sorgfältige Machart und der liebevoll darumgeklebte, braunmelierte Papiereinband zeigen, daß jemand Erinnerungsstücke an seine und seiner Freunde hoffnungsvolle Jugend mehr oder minder wehmütig der Nachwelt aufbewahren wollte. Es trägt die Aufschrift: Arbeiten der vormaligen Deutschen Privat-Gesellschaft in Altdorf von A. 1777 bis 1794. Die vorliegende Übersicht beschränkt sich im wesentlichen auf eine Inhaltsangabe nach Titeln. Das zeigt Neigungen und Arbeitsweise der Mitglieder deutlich genug, ohne den Umfang einer Arbeit über den Pegnesischen Blumenorden in unzulässiger Weise zu erweitern. Daneben seien Bemerkungen über die Umstände gestattet, unter denen dieser begeisterungsfähige Kreis begabter bürgerlicher Aufsteiger im Hinblick auf Nürnbergs kulturpolitisches Ungeschick zu einer "privaten" Gesellschaft werden — und eine solche bleiben — mußte.

Mitglieder der 'deutschen Privatgesellschaft'

Bestrebungen der 'deutschen Privatgesellschaft'

Friederich, der Schillernde

Aktivitäten der 'deutschen Privatgesellschaft'

Link, der Linkische

Höhepunkt der 'deutschen Privatgesellschaft'

Schon aus dem bisherigen läßt sich ersehen, daß diese letzte Blüte der Altdorfer studierenden Jugend, kurz bevor die Universität aufgelöst wurde, sich neben den literarisch Ansprechbaren der anderen Gegenden Deutschlands durchaus sehen lassen kann, wenn sie auch nicht den Rang der Neuerer erreichen, in deren geistigen Spuren sie wandeln. Es stellt diesen nachmaligen Mitgliedern des Pegnesischen Blumenordens ein gutes Zeugnis aus, wie sie mit Schwung und Fleiß daran arbeiteten, den Anschluß an die literarische und geistesgeschichtliche Entwicklung nicht zu verpassen. Man müßte die Studienerfahrungen und die Jugendwerke dieser Gruppe noch näher erforschen! Sie hat Anteil an derjenigen Traditionslinie, die als Subkultur unmittelbar aus Rokoko und Empfindsamkeit über Sturm- und Drang-Jahre in den vorklassischen Klassizismus führt, fast ohne Übergang zum Biedermeier, vielleicht sogar zum Frührealismus, ohne an der Weimarer Klassik der beiden Größten viel Anteil zu nehmen. Ob man diese in Nürnberg, wenn man den Unterschied zu Leuten wie Wieland überhaupt wahrnahm, begriff und schätzte, müßten Einzeluntersuchungen klären.

Ende und Anfang

Der aufrückende Präses

Streit

Die Intrige

Starre Gegenwehrfile:///Users/werner/Desktop/Jubel94.html

Übergewicht der Neuerer

Colmars Entwurf einer neuen Satzung

Resignation des alten Vorstands und Neuwahl

Faulwetters Gutachten zum Satzungsentwurf

Der Reformpräses

Verlagerung der Interessen

Verneuerte Geseze des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg, im Jahr 1791.

Die Jubelfeier von 1794

Zu dem noch nicht hinlänglich erklärten Begriff 'Privatgesellschaft', der zuerst im Namen der Altdorfer Studentenvereinigung aufgefallen war, gab Panzer in seiner Rathaus-Festrede die abrundende Auskunft. Die Anrede an die Versammelten ist im Sinne des alten ständischen Systems öffentlich genug: "Hochpreislicher Herr Kirchenpfleger, Hochansehnliche Herren Scholarchen, Hochverehrliche Herren Gesellschafter". Doch beeilte er sich, der vernachlässigten Kulturpolitik der abgesackten alten Reichsstadt die Initiative gegenüberzustellen, die der Blumenorden, trotz aller Beschränkungen, immerhin in neuere Zeiten herübergerettet hatte: "Es ist blos eine Privatgesellschaft [...], die das, was sie werden wollte, und was sie wurde, immer aus sich selbst nehmen muste — eine Gesellschaft, die ihrer Art und Einrichtung nach, dasjenige weder leisten wollte, noch konnte, was andere Academien und ausgebreitetere Gesellschaften, denen ein ungleich größerer Wirkungskreiß angewiesen werden muste, und denen es daher nie an der thätigsten Unterstützung, nie an den ehrenvollesten, ihre, nothwendigerweise größere Anstrengung, belohnenden Ermunterungen fehlen konnte, zu leisten imstande waren." Das war der Vergleich nach außen. Zum Geist einer privaten Sprach- und Dichtungsgesellschaft fiel aber Panzer folgendes ein: "Wer wollte ferner mit den Musen einen vertrauten Umgang zu pflegen wünschen, wenn dieses blos zum Zeitvertreib und zur Ausfüllung müßiger Stunden geschehen sollte, wenn man von ihnen nicht auch die einzige große Kunst — der Welt nützlich zu seyn — lernen könnte?" Dies ist nun allerdings platter Rationalismus, graudämmriges achtzehntes Jahrhundert; hier scheidet sich der Geist des Blumenordens vom Geist der Klassiker, namentlich Goethes. Von der Autonomie des Kunstwerks, vom Menschen, der, fern von dem Nützlichkeitszwang des Alltags, als Spielender zu höherem Menschsein findet, und von ästhetischer Erziehung nach Schillers etwa gleichzeitigem Entwurf ist hier noch nicht die Rede.