Am 2. November 1801 wurde der aus Ilanz in Graubünden stammende und in Erlangen wohnhafte Dr. jur. et phil. Karl August Wilhelmi in den Blumenorden aufgenommen, zunächst als auswärtiges Mitglied; später zog er nach Nürnberg um und wurde ordentliches Mitglied, als welches er im Frühjahr 1823 Todes verblich. Sein Ordensname war Alexis, seine Blume das Veilchen. Ganz in dieser bescheidenen Art beschreibt er, nicht ohne zutreffende Selbsteinschätzung, sein Dichten in einer Anrede an den Orden:
 
Verzeyhe, wenn ein ungeübter Dichter,
Ein bloßer Reimer, sich Dir schüchtern naht,
Wenn er nur Deine Weisheit sich zum Richter
Der Mängel seines schwachen Lieds erbat;
 
Verzeyhe ihm, wenn er mit matten Oden
Vor Deinen Geist zu treten sich ermißt;
Du weißt ja wohl, aus welchem dürren Boden
Die Muse seines Lands entsproßen ist!
 
Der Verfasser spricht in dieser letzten Zeile vom Land seiner Herkunft, doch nichts weist auf landschaftliche Besonderheit hin. Er bewegt sich im geläufigen Sprach- und Formenschatz aller derartiger Reimer seiner Zeit und hat es darin zu einer gewissen Fertigkeit gebracht. So richtet er "An den Herrn Marktsvorsteher Merkel, bey seinem Geburtstage." vier extemporierte Strophen, die mit dem Vermerk versehen sind: "NB. Der Verfaßer erfuhr diesen erst, als er ins Zimmer trat, und die übrigen Gäste gratuliren hörte." (Paul Wolfgang Merkel, dessen Sohn Johann als erster jener bedeutenden Kaufmannsfamilie in den Orden aufgenommen wurde, war zur ärmsten Zeit Nürnbergs einer der reichsten Bürger und erwarb sich große und bleibende Verdienste u.a. durch Ankauf von bedeutenden Kunstwerken, die beim Übergang der Stadt an Bayern sonst wegen ihres hohen Materialwertes einfach verschrottet worden wären.) Zu einem anderen Anlaß bedichtet Wilhelmi einen flötespielenden Grafen von Rechtern in Worten, die es bedauerlich erscheinen lassen, daß man das Jahr der Abfassung nicht kennt (es muß freilich vor 1823 liegen):
 
Daß Du nicht so, wie andre Grafen,
Auf stolzerhabnen Zinnen thronst,
Und, ohne Söldner, ohne Sclaven,
Ein Vater unter Kindern, wohnst;
 
Daß, sonder Prunk und sonder Gitter,
Du still, wie Preußens Friedrich, lebst,
Und nicht, wie manche teutsche Ritter,
In unbezahltem Glanze schwebst;
 
Daß Dein Plutarch mit seinen Helden
Weit näher Deinem Herzen liegt,
Als was die Stadtchroniken melden,
Wenn Lüge über Wahrheit siegt;
 
Daß Du in süßen Flötentönen
Den Gästen Deines Hauses bist,
Was Vatermilde Deinen Söhnen
Und Deinen frommen Töchtern ist:
 
Das ist kein Lob, das unter Bücken
Dir einer unterthänigst bringt,
Ein Lob, das mit geradem Rücken
Dir ein Republikaner singt!
 
Nach 1817, der Zeit der "Demagogen"-Gesetze, hätte sich der Verfasser der Gesinnung seines Adressaten schon sehr sicher sein müssen, um damit nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Mitten in den Freiheitskriegen war so etwas schon eher denkbar. Autoren, die nicht zur ersten und wahrscheinlich auch nicht zur zweiten Garnitur gehören, lassen ja oft mit besonderer Deutlichkeit den Zeitgeist erkennen, samt seinen veranlaßten oder erzwungenen Schwankungen. In dieser Weise erkennt man aus einem weiteren Gedicht Wilhelmis das entwickelte Besitzdenken an einer unwillkürlichen Analogie der Freundschaft mit einer Ware, die noch dazu zwei Seiten hat, eine angenehme und eine schädliche:
 
Verzeyh' dem Freunde, der an diesem Tage
Dir keine beßre Gabe reichen kann,
Als ein Product, das zu der Menschheit Plage
Ein Britte in Jamaica ersann!
 
So süß es ist, so ist es doch nicht süßer,
Denn Deiner Freundschaft köstlicher Genuß,
Und sein Ertrag ist England nicht gewißer,
Als daß, wer Schlezen kennt, ihn lieben muß.
 
Wahrscheinlich hat er Jamaica wie "Scha-ma-i-ka" ausgesprochen. Das betreffende Produkt war ein Zuckerhut. "Der Menschheit Plage" dürfte kaum die Karies sein; vielleicht zählen dem aufrechten Republikaner die Plantagensklaven auch zur Menschheit. Das würde gut zu seinem Hinweis  auf Rousseau passen, den er in dem achtstrophigen Gedicht "An die Erziehung." in der letzten Strophe gibt:
 
Du hast durch Wieland uns gesungen,
Durch Roußeau hast uns Du bekehrt;
Und ist dies Loblied mir gelungen,
So hast es Du nur mich gelehrt!
 
Vor Wilhelmis Vierzeilern (und ihrer beliebigen Vermehrung) war wohl kein Gastgeber sicher. So richtet er 43 Strophen dieser Art an eine Familie Schmidt zu Burgbernheim, mit dem Vermerk: "Der Verfaßer hatte ihr die alte Geschichte, von der Eroberung Trojas bis zu den Zeiten des Horaz, vorgetragen, und wollte ihr in folgendem Neujahrsgedicht einen kleinen Überblick des durchgemachten Pensums zurücklaßen."

Nicht auszudenken — oder vielmehr: nur zu gut! —, was die Folge gewesen wäre, hätte Friederike Kempner auch noch Wilhelmis Gelehrsamkeit gehabt. Wer wollte nach diesen Beispielen abstreiten, daß eine ungebrochene Tradition des Gutgemeinten, leider zwischen Primitivität und ernsthafter Erhabenheit im ungewollt Lächerlichen Steckengebliebenen über das ganze 19. Jahrhundert reicht. Zur Bestimmung einer weggelassenen Datierung könnten allein inhaltliche Gesichtpunkte hergenommen werden.