Siebzehntens, Befugnisse des Präses:

Es war mehr an ein kollegiales Prinzip als an eine Alleinherrschaft gedacht. der Präses kümmert sich zusammen mit mindestens einem seiner Räte um die Angelegenheiten des Ordens und beruft die Gesellschaft ein. Er übt die Zensur eingegangener Werke aus und besorgt, unter Umständen zusammen mit einem Rat, "Zusammentragung und Verlag der Schriften, welche im Nahmen der Gesellschaft herauskommen". Das heißt, er muß wohl selbst hinreichend bewandert sein, um den Herausgeber abgeben zu können. Er trägt einem oder zwei Mitgliedern auf, die "Verfertigung" (das ist wohl die Redaktion) der größeren Veröffentlichungen zu besorgen, um Ungleichheiten in der "Schreibart" zu vermeiden. (Man hatte damals ja noch keine einheitliche Rechtschreibung und Zeichensetzung, ja kaum Übereinstimmung in gewissen Fragen der grammatischen Endungen; somit lag die Aufgabe einer Gesellschaft wie des Pegnesenordens gerade darin, durch das eigene, möglichst weit verbreitete Beispiel gewissen Schreibgewohnheiten zu allgemeiner Verbindlichkeit zu verhelfen.) Seine Schriften zeigt der Präses zur Endabstimmung den Räten, diese ihm die ihren. Von den 12 Exemplaren jeder Veröffentlichung behält er zwei, die Räte bekommen je eines, den Rest legt man zum Grundstock der Ordensbibliothek.

Wenn das wirklich so gehandhabt wurde, dann muß in der Tat der größte Teil der alten Drucke mit der Zeit verlorengegangen sein, vielleicht erst am 2. Januar 1945, als die Stadtbibliothek zerbombt wurde, in der diese Bestände nach Auskunft des damaligen Schatzmeisters Wilhelm Schmidt lagerten. Unter Umständen ist noch ein Teil, der eigentlich in die Ordensbibliothek gehörte, in Altdorf zurückgeblieben oder bei der Verlegung der alten Universitätsbestände in die Erlanger Universitätsbibliothek gelangt.

Es ist ferner der Präses, heißt es weiter, der den neuen Mitgliedern nach einiger Bekanntschaft ihre Hirtennamen gibt. Er läßt auch das Ordensband für sie fertigen. Dafür bekommt er vier von den sechs Talern der Aufnahmegebühr. Er nimmt auch andere Gelder für den Orden in Empfang -- ein eigenes Schatzmeisteramt ist hier noch nicht vorgesehen -- und bestimmt, wo ein jeder im Irrhain seine Hütte errichtet.