Es hat nicht gerade den Anschein, als seien die Schriftsteller Nürnbergs gerade zu der Zeit, als die Stadt von den Romantikern als Muster einer altdeutschen Kunstmetropole entdeckt wurde, selbst besonders romantisch gestimmt gewesen. Sie hatten Sorgen und waren Philister. Allerdings gab es im Blumenorden einen Generationswechsel gegenüber den Progressiven von 1786, als das neue Jahrhundert heraufkam. Und ein Name wenigstens ist zu erwähnen, wenn man nach Erscheinungen sucht, die eine gewisse geistige Gleichzeitigkeit mit der Jenenser Frühromantik, mit den Enthusiasten im Tübinger Stift, mit Novalis beanspruchen könnten.
 
Am 2. August 1801 „gaben des Herrn Präses Hochwürden zu vernehmen, daß sich ein neues Ordens-Mitglied in der Person des Herrn Vikarius Lochners, eines allgemein rühmlich bekannten Gelehrten, um die Aufnahme in den Orden gemeldet, zugleich auch geäußert habe, daß er nächstens, die für Nürnberg interessante Geschichte des Kunz von Kauffingen in Schillerischem Geschmack zu bearbeiten, Willens seye, und sich daher dienliche Beyträge erbitten wolle. […]“  Der „allgemein rühmlich bekannte Gelehrte“, Johann Christoph Philipp Lochner, Periander IV. mit der Schlüsselblume, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht 26 Jahre alt. Den Ruf, der ihm vorausging, hatte er trotz größten Fleißes wohl nicht allein erarbeitet. Immerhin stammte er aus einer Fürther Pfarrerdynastie, die dem Blumenorden bereits vier Mitglieder gestellt hatte, und von dreien davon hatte er Ordensnamen und Blume geerbt, als er am 2. 11. 1801 aufgenommen wurde. Daß er die Geschichte des Raubes zweier sächsischer Prinzen durch den Kohlhaas-ähnlichen Kunz von Kaufungen (1455) im Stile Schillers dramatisieren wollte, kann man wegen des mittelalterlichen Sujets und der unmittelbar vorangegangenen Veröffentlichung des Schillerschen Schauspiels über die «Jungfrau von Orleans» wohl nur so deuten: Lochner hatte sich an dem bildkräftigen und hochherzigen Gemälde einer glänzenden Ritterzeit, am naiv-gläubigen Christentum des späten Mittelalters (als Pfarrvikar!) begeistert und wünschte etwas ähnliches zustande zu bringen. Damit kann er im Einklang mit der Einschätzung, die Schiller selbst, und die Jenenser obendrein, der «Jungfrau von Orleans» als einem romantischen Werk zukommen ließen, wohl ein Romantiker genannt werden.

Im Archiv besitzen wir freilich aus dieser Zeit nur ein Gelegenheitsgedicht Lochners zum Irrhainfest 1801.
Der Schönheit Sterne glänzen
Am Brautschmuck der Natur,
Und Frühlingsreitze kränzen
Die iugendliche Flur.
 
Am Hochaltar der Freude
Schwelgt der entflammte Sinn,
Kommt, opfert festlich heute,
Der Bundeskönigin!
 
Du, die von Gottes-Krone
Herab durchs Weltall strahlt,
An deren Sonnenthrone
Sich die Vollendung mahlt;
 
Laß, Schönheit, deine Blüthen
Um unsern Zirkel wehn,
Laß vest, wie Piramyden
Der Deinen Bildnis stehn!
 
Laß deiner Formen Würde
Uns ewig heilig seyn,
Uns stets der edlen Zierde
Erhabner Eintracht freun!
 
Um unsre Pflichten winde
Sich sanft der Freundschaft Band,
Und unser Schicksal finde
Ein Herz für’s Vaterland!
[…]
Und frische Lebensfülle
Durchströmt der Bürger Brust;
Und in des Friedens Stille
Quillt unsrer Musen Lust;
 
Umschwebt, Gesang und Freude
Der Pegnitz Dichterstrand,
Wo Panzer iüngst im Kleide
Der Iubelwürde stand!
 
Er, der in unsrer Mitte
Am Arm der Liebe geht,
Um dessen Führerschritte
Des Segens Athem weht.
 
Heil Ihm und Heil dem Bunde,
Der uns mit Ihm vereint;
Heil ieder frohen Stunde,
Die unserm Kreis erscheint!
 
Vom Irrhain folgt die Wonne
Der Freundschaft unserm Schritt,
Und wandelt, gleich der Sonne,
Im Lebensirrhain mit!

Auch hier wieder ein schwärmerischer Ton, der sich in einfachem sprachlichen Gewand seinen Ausdruck sucht, den vom Volksliedton nur der von Klopstock ererbte Gebrauch neu zusammengesetzter Hauptwörter und gleichsam handelnder Abstrakta unterscheidet. Lochners Verse wären ein Schmuck für Kommersbücher der damals entstehenden Studentenverbindungen (die Wortfügung „Bundeskönigin” könnte einen diesbezüglich auf Gedanken bringen), doch sind sie wohl besser als das meiste, was sich in derartigen Sammlungen findet. Von Biergemütlichkeit und trotziger Burschennatur ist er weit entfernt.