Von einer anderen Seite zeigt sich Lochners Talent in der Prosa. Er verfasste zwei Romane: «Das Kreuz im Walde», Nürnberg 1802, und «Die Erscheinung am Hochgericht», Nürnberg 1803. Die Titel lassen auf den ersten Blick vermuten, daß sie zu der damals beliebten Gattung der romantischen Schauerromane gehören. Das Widmungsgedicht zu ersterem schlägt allerdings humoristische Töne an:
 
Meinem Freunde Leganthon gewidmet.
 
An manch' ertztolles Abentheuer,
An vieler Nächte lust'ge Feyer,
An manch Stück a la Theuerdank,
An manchen Scherz und guten Schwank,
Den wir zusammen vor vielen Jahren
Gemacht, gedichtet, erzählt und erfahren,
An wilder Einfäll' Seltsamkeit
Und komischer Streiche Possierlichkeit,
An windiger Geschichten Meng'
Und gräulicher Mähren arges Gedräng',
An eine geheime Monarchie
Auf die kein Mensch sechs Kreutzer lieh,
An eines Bundes furchtbare Macht
Der oft keine Zeche zusammengebracht,
An einen Hof, der unsichtbar
Und an nichts, als an Gläubigern kenntlich war,
An ein Kabinettt, das Wellen befahl,
Und Holz bey Nacht den Philistern stahl,
An einen Staatsrath, der der Völker Gebiet
Im Flinder beym Hopfenblaten entschied,
An den Generalstab, der mit Heeren
Von Kriegern umsprang, wie mit Stachelbeeren,
Den aber in mancher schönen Nacht
Pedell und Philister zum Laufen gebracht,
An eine Kanzley, aus deren Schoos
Ein Strom furchtbarer Befehle floß,
Indeß in ihrem stillen Archiv
Manch' unbekannter Bierconto schlief,
An eine Kassa, worein der Kassier
Verbarg der Rechnungen grämlich Papier,
Das dann zugleich nach der äussern Gestalt
Für Scheine und Noten von Tausenden galt,
An nächtlicher Erscheinungen Grauen,
An Morden u. Schießen u. Stechen u. Hauen,
An Todesurtheil' und geheime Gerichte,
An Sonnambulism' und schwarze Gesichte
An alles, was um Despoten haußt,
Und was um des Mächtigen Thron gebraußt,
Der einst in seinem gewaltigen Schloß —
Bewacht zur Seite vom Bär und vom Roß —
Windkutschen täglich ohne Zahl
Gesandt seinen Brüdern allzumal —
Erinnre Dich, Lieber, dies Büchlein hier,
Zum Denkmal und Schlüssel send ich's Dir.

 
Daraus geht hervor, daß die folgenden erzählerischen Inhalte einer gemeinsamen Phantasietätigkeit junger Leute entstammen, die sich auch nicht anders betragen haben als andere studentische Burschen (korporiert oder nicht); man denkt unwillkürlich an Mörikes Freundeskreis und die Orplid-Phantasien. Nur scheint das hier angesprochene Material robuster, und die Psyche der Erfinder scheint es auch, denn der innere Abstand des Verfassers von solchen Einbildungen der Jugendtage, deren er überlegen lächelnd gedenkt, ist unübersehbar. Er selber scheint jedenfalls der eigentliche Urheber solcher Charaktermaskerade gewesen zu sein und widmet einem Mitspieler das, was er als erwachsener Literat daraus gemacht hat. Aber was ist es geworden?

Ein Erfolgsroman, jedenfalls in Nürnberg! Die Stadtbibliothek bewahrt eine dritte Auflage von 1834: «Johann Philipp Christoph Lochner, Das Kreuz im Walde, oder Geisternächte in Ruinen und Schlössern, Eine sehr abentheuerliche Geschichte, Dritte unveränderte Auflage. Nürnberg, Verlag von Ferdinand v. Ebner. 1834.», zu welcher der Verleger bemerkt: "Der Herausgeber dieses Buches ist schon längst todt, und nur der wirklich nicht uninteressante Inhalt, sowie die immerwährende Nachfrage danach, bewog mich, eine dritte, jedoch ganz unveränderte Ausgabe, den Liebhabern abentheuerlicher Geschichten, davon zu übergeben." Es wäre zu vermuten, daß Ebner, offenbar aus der Nürnberger Patrizierfamilie, der Adressat der Widmung und daher Mitspieler der Gedankenwelt Lochners war und Lochner nach Art der beliebten Fiktion als Herausgeber statt als Verfasser bezeichnet, um den Text zu objektivieren.

Der Roman war bis dahin keine im Blumenorden gepflegte Gattung; in kulturkonservativen Kreisen galt er als subliterarisch. Erst die Romantik, deren Bezeichnung selbst von "roman- bzw. romanzenhaft" abgeleitet ist, verhalf ihm zu höheren literaturtheoretischen Weihen. Es ist hier nicht der Ort, die Geschichte dieses Sinneswandels zum überdrüssigsten Male aufzurollen, doch wollen wir schon wissen, welche Stellung ein in Nürnberg erschienenes Erzeugnis aus dieser Umbruchszeit einnahm. Exkursweise sei daher auf Inhalt und Darstellungsweise in Lochners erstem Roman in der Art eines Leserprotokolls eingegangen. Demgemäß geht es zunächst um eine inhaltliche Zusammenfassung des Beginns, nicht ohne sprachliche Beobachtungen am ersten Absatz:

S. 5: "In einer fürchterlich-schönen Waldgegend des Königreichs Rusalla stand seit mehrern Jahrhunderten auf der Spitze eines felsichten Hügels das Schloß der Herren von Kolling, das in aller Majestät des Alterthums auf eine kleines, seiner Herrschaft unterworfenes Dörfchen am Fuße desselben herabsah. Eine lange Reihe seiner Besitzer hatten entfernt von ihrem väterlichen Gute ihr Leben am Hofe der Rusallischen Monarchen zugebracht, und die Verwaltung der damit verbundenen Rechte und Pflichten ihren Vögten überlassen, die, glücklicher Weise, treu und redlich genug gewesen waren, um wenigstens die erstern beständig geltend zu machen."

Das erste Adjektiv des Romantextes, "fürchterlich-schön", schwankt zwischen der Absicht, Schauer vorzubereiten, und der Ironie gegenüber dieser Art der Darstellung. Der beinahe versteckte Hinweis im letzten Satz, daß die Vögte nicht die Pflichten ihrer Herren gegenüber den Untertanen, aber sehr wohl ihre Rechte ausgeübt hätten, gibt eine sozialkritische Komponente hinzu. Zwischen diesen Polen spannt sich der gesamte Text auf. Übrigens sieht die beschriebene Landschaft aus wie Henfenfeld und viele gleichartige Patriziersitze um Nürnberg. Die Handlung kommt folgendermaßen in Gang:

Der letzte Abkömmling des Geschlechts, Rudolf, kehrt nach einem Leben militärischer Heldentaten auf der Durchreise zu seinem Gut in dem Dorf ein und findet beim Wirt nur sehr elende Unterkunft. Er weiß bisher nicht, daß ihm Dorf und Schloß zugefallen sind, und er will im Schloß übernachten, obwohl ihn der Wirt gewarnt hat, daß es darin spuke.
Der Vogt eröffnet aber dem sehr erstaunten Rudolf, daß er nach dem Tode seines Schwiegervaters auch dieses Schloß geerbt habe. Rudolf aber weiß nichts davon, mit einer Amalia verheiratet zu sein. Er kann sich als Oberst von Kolling ausweisen, der andere müsse also in betrügerischer Absicht seinen Namen angenommen haben.
Die nachfolgenden Diener betreten aus Versehen das falsche Gemach und ziehen sich einen Schrecken zu, von dessen Ursache man zunächst nichts erfährt. Aus einer anderen geheimnisvollen Ursache läßt Rudolf den Vogt als Landesverräter verhaften, als den ihn einer seiner Diener erkannt hat.
Der Diener Konrad kann nicht schlafen und stöbert im Schloß umher. Er findet in einem Raum Umhänge und geladene Pistolen, hält das Schloß daher für ein Räubernest. In einem weiteren Raum hört er hinter Bettvorhängen atmen und zieht diese auseinander. "Nun wünschte ich freylich auf ein paar Minuten Wielands Pinsel zu besitzen, um das Erstaunen zu mahlen, das Konraden vor dem Bette in einer Stellung fesselte, die ohngefähr derienigen glich, in welcher der tapfre Held von Mancha zurückprallte, als er seinen besiegten Gegner, den Spiegelritter, urplötzlich in den Baccalaureus Samson Carrasco verwandelt sah. Statt, wie er wähnte, hier einen von Räubern halb ermordeten Menschen zu finden, erblickte er — ein Mädchen von bezaubernder Schönheit halb angekleidet auf dem Bette in einem, wie ihr ängstliches Stöhnen verriet, unruhigem [sic] Schlummer." (S. 30 f.)
Sie erwacht, er herrscht sie an, wer sie sei, sie antwortet: "Mit einer Miene, wie sie Tomyris auf Cyrus Leichnam warf, blickte die Unbekannte den kühnen Examinator an. ,Wer bist du, Unglücklicher, flieh, wenn dir dein Leben lieb ist.'" (S. 31)
Sie zieht eine Klingel, doch Konrad dringt ins nächste Zimmer vor und streckt mit seinem Säbel einen Kerl, der zu Hilfe eilt, zu Boden. An einem Tisch im Hintergrund sitzt ein schwarzgekleideter Mann, der ungerührt schreibt. Konrad stellt ihn zur Rede, da schlägt es zwölf Uhr, der Schwarze blickt Konrad an, und der sinkt ohnmächtig zu Boden.
Am nächsten Morgen sieht Rudolf vor dem Fenster eine weiße Gestalt, die ihm auf Anruf nicht antwortet, sondern ein Päckchen durchs Fenster wirft. Darin findet er in einer Kapsel Papiere mit unvollständigem Text, den er immerhin für höchst bedeutsam hält, doch weswegen, erfährt man nicht.

Szenenwechsel. Karl von Sternau, Rudolfs Neffe, reitet in derselben Nacht nach Kolling, um seinen Onkel zu bewillkommnen. "Karl liebte den Mondschein, ohne ein Träumer a la Siegwart zu seyn" (S. 39). Er hat seine Tante noch nicht gesehen und sich nur etwas gewundert, daß sie in den Briefen seines Onkel nie erwähnt wurde. "und würde jedem [sic], der ihm die Ereignisse der nächsten zwey Monate vorausgesagt hätte, als einen Wahnwitzigen verlacht haben." (S. 40).
Die beiden Reiter sehen im Mondlicht ein weißes Kreuz am Waldrand. Karl kennt es als "Monument des Alterthums". Dahinter scheint sich etwas Glänzendes zu bewegen, und der Hund schlägt an. Eine Gestalt erhebt sich und wird immer höher, Karl schießt darauf, mit einem Schrei verschwindet die Gestalt, ist aber bei Nachforschung nicht zu finden. Auch keine Spur davon. Der Diener Franz hält sie für ein Gespenst. Eine Viertelstunde entfernt liegen die Tulhamer Ruinen, ein verfallenes Schloß, indem vor zwölf Jahren ein vornehmer Herr spurlos verschwunden ist.

Unterdessen werden in Kolling festliche Anstalten zum Empfang Rudolfs getroffen.
Rudolf forscht nach dem Verbleib Konrads, doch findet nur einen Zettel, auf dem dieser in geheimnisvollen Worten um Entschuldigung für seine Entfernung bittet und in Aussicht stellt, daß sich alles aufklären werde. Daraufhin reitet er nach Kolling, schickt aber seinen Wachtmeister Erhard voraus, daß er beim Pfarrer wegen der angeblichen Heirat vorfühlt. Dieser soll der Amalia schonend von dem Betrug beibringen. Er selber setzt sich in den Mantel verhüllt ins Wirtshaus und bekommt mit, wie er, der den Untertanen unbekannt ist, von allen gelobt wird. Eine Dame, die im Obergeschoß logiert, bittet ihn herauf. Man macht Konversation, solange Rudolfs Kutsche gerichtet wird, und im Abgehen erkundigt er sich nach ihrem Namen. Sie fahre ihrem Gemahl, dem Obersten von Kolling, entgegen. Es ist Amalia.

Nun wird der Auftritt der huldigenden Bauern und des lateinisch perorierenden Schulmeisters grotesk-komisch dazwischengeschoben, und Rudolf kann der Dame nur versichern, sie sei betrogen worden, er werde aber dafür sorgen, daß ihr kein Schaden daraus entstehe. Damit schickt er sie aufs Schloß Kolling voraus. Redner wie Bauern werden wie Dominosteine umgestürzt, als Karl von außen die Tür aufstößt und seinen Onkel begrüßt.

Erhard erfährt unterdessen vom Pfarrer, daß die Ehe Amalias mit dem vorgeblichen Rudolf wahrscheinlich nicht vollzogen worden sei. Er begibt sich auf das Schloß, um Vorkehrungen zum Empfang zu treffen.

Amalia kehrt zurück und verlangt Aufklärung. Der Pfarrer wird gerufen. Er spricht ebenfalls von Betrug und verlangt zu wissen, ob die Ehe vollzogen worden sei. Amalia versteht nicht, warum ihr ein Mann, der von seiner Verheiratung mit ihr nichts weiß, ihr trotzdem brieflich seine Ankunft angekündigt habe. Sie gibt keine bestimmte Auskunft. Briefe Rudolfs und des anderen werden verglichen, und man findet eine geringe Abweichung der Handschrift, aber eine große in der Schreibart.
"Nun folgte eine Erzählung, während welcher ich, wenn ich einen Roman schriebe, Amalien wenigstens Einmal müßte in Ohnmacht fallen lassen. Aber unsere Heldin war standhafter als ieder meiner Leser (und wahrscheinlich auch iede meiner Leserinnen ) erwartete." (S.82.) Der Pfarrer fängt Rudolf ab und rät ihm, Amalie als seine Gemahlin sozusagen zu behalten. Rudolf zieht nicht mit. Er führt eine Aussprache mit Amalie herbei, und sie erzählt ihm erst einmal, wie es zu der Heirat gekommen war. Sie hatte einen Bruder, der aus der Wiege heraus von Räubern gestohlen worden war, und ihre Mutter hatte ihre Geburt nur kurz überlebt. (S. 89)

Die widersprüchlichen Signale, die der Leser bis hierher erhalten hat, lassen sich in einige Fragen auseinanderfalten:
1. Ist das ein Schicksalsroman in der Art der Schicksalsdramen Zacharias Werners? Dessen «Das Kreuz an der Ostsee» erschien zwar erst 1806…
2. Ist es ein Schauerroman (werden die rätselhaften Erscheinungen aufgeklärt oder bleibt ein Rest, der auf ein Geisterreich verweist)? Johann Martin Millers 1776 erschienene Klostergeschichte «Siegwart» ist wirklich schauerlich, wird jedoch (s.o.) als Gegenbild erwähnt.
3. Wie stark sind gegenüber der Tradition solcher Romane die humoristischen oder romantisch-ironischen Züge? Jean Paul gäbe das Muster ab.
4. Woran merkt man, daß der Verfasser Geistlicher ist? Zunächst scheint er ja Wielands erotische Darstellungen nachahmen zu wollen.

Zu 1. finden sich folgende Anhaltspunkte:
Ein schuftiger Amtmann, von den Leuten des Prinzen Albrecht von Nilmi verfolgt, verschwindet unauffindbar eben bei dem Kreuz im Walde. (S. 218)
Aus dem Gespräch zweier Schildwachen, die einen Gefangenen bewachen, geht die Vorgeschichte des Kreuzes im Walde hervor. Die Schwestern des Grafen, dem das Schloß Tulham vor vielen hundert Jahren gehörte, machten ihn eifersüchtig gegen seine Frau, sodaß er sie an dieser Stelle ohne nähere Untersuchung erstach. Als die Intrige herauskam, ließ er seine Schwestern in ein Zimmer einmauern und verhungern und starb selbst bald darauf. (S. 374ff) Eine ähnliche Intrige ist einem jungen Mann auf der Gegenwartsebene der Romanhandlung hinterbracht worden, und er fordert seinen Nebenbuhler zum Duell (S. 386). Der Ort soll das steinerne Kreuz sein. Dieses scheint also der geheimnisumwitterte verfluchte Ort, an dem sich Schicksale zu entscheiden pflegen.

Zu 2. finden sich folgende Anhaltspunkte:
Wilibald [sic] Kraft, der Verwalter von St. Augustin, eines alten, in der Reformation aufgehobenen Klosters, wird bei einem Stöbern in den Tulhamer Ruinen von einem Skelett erschreckt, das ihm zuzuwinken scheint; der hinzukommende Rudolf entdeckt eine Schnur, mit welcher der Armknochen bewegt wurde. (S. 103 f.)
Einige der Rendezvous Karls und Amaliens finden in einer antiken Ritterstube des Schlosses von Kolling statt, in der es auch nicht geheuer sein soll. "Meine Leser mögen aus folgender Scene beurtheilen, ob die Leute Ursache zu diesem Gerede haben mochten." (S. 112) Karl geht nämlich um Mitternacht noch einmal in die Stube zurück, weil er etwas dort liegengelassen hat, und findet sie von vier Männern besetzt, die eine Unterredung haben, darunter sein Lehrer Aldor. Ungesehen wird er Zeuge des Gesprächs. Die vier sind offensichtlich Mitglieder einer Geheimgesellschaft, eines Fehmegerichts. Sie haben Decknamen, und ihr Leiter nennt sich Diktator.(S. 115 f.)
Ein sehr geheimnisvoll dargestellter Reiter ist der junge Doktor der Rechte Sperascar (S. 151), von dem es schon andeutungsweise geheißen hatte (S. 110), daß er Amaliens Vater vor der Ehe gewarnt habe. Er hat vor, den Rusaller Wald von Räubern zu reinigen und damit auch den Spukgeschichten den Boden zu entziehen, doch "Ernst, Erhard und Erich [schütteln] den Kopf, denn denn sie alle drey auf ienem Schlosse etwas gesehen, das sich von einem Geiste den Soldaten exorcisiren können — wenigstens nach ihrer Meynung — nur allzuwohl unterschied." Was das war, wird natürlich wieder verschwiegen. (S. 159)
Ein weiteres gattungsübliches Motiv: Auffindung zweier ausgesetzter neugeborener Kinder. Und das, nachdem der Doktor Sperascar soeben die Geheimgesellschaft in der Ritterstube, die uneins geworden war, durch sein Hinzutreten rätselhafterweise in Angst gebracht und befriedet hatte. Ein Jäger bemerkt Zeichen auf einem Band, das um die Arme der Kinder geschlungen ist, küßt das Band ehrfürchtig und verspricht, für die Kinder zu sorgen. Karl fragt nicht weiter, denn er ist schon "an abentheuerliche Ereignisse aller Art gewöhnt". (S. 176)
Der Erzähler neckt also den Leser mit einem Spiel, in dem er zunächst Geheimnisvolles aufbaut, oft nur, indem er einen Kenntnisstand verschweigt, den seine Figuren bereits haben, und die Aufklärung verspätet nachliefert. So erzeugt er den gattungsüblichen Schauer, ohne den weltanschaulichen Boden aufgeklärten Christentums zu verlassen.

Zu 3. finden sich folgende Anhaltspunkte:
Wilibald Kraft ist ein Volks- und Sagenkundler, der quixotische Züge aufweist (S. 102 ff.)
Daß Karl von Sternau in Rudolfs Abwesenheit mit Amalie zu einer Liebesbeziehung (vorerst romantischer Art) gefunden hat, wird dem Leser in einer Autorenanrede vermittelt, in der wegen der Schnelligkeit des Vorgangs das "Reglement der Herren Romanschreiber" höhnisch abgelehnt wird (S. 111) und angekündigt wird, "lieber bey der Wahrheit zu bleiben. Kurz also, Karl und Amalie liebten sich und sagten dies einander bey Gelegenheit einer schönen Mondnacht [immerhin, die muß sein!] eben so offenherzig, als ich meinen Lesern, daß ich — weiter nicht's weiß." (S. 112)
Rudolf erzählt von mehreren Leuten seiner Bekanntschaft, die zu gerne Ritterromane lesen, und läßt sich mit Wilibald Kraft auf eine Erörterung ein, welche Bewandtnis es mit dieser Literatur habe. "[…] ist's denn nicht, als wenn die Kerl's die solche Ritterbücher schreiben, aus dem Tollhaus entsprungen wären, so bunt und kauderwelsch geht alles durcheinander? Merk Er sich wohl, ich red' von den Meisten, nicht von Allen." (S. 126) Ernst entgegnet, die Autoren wollten damit nur Geld verdienen. (S. 127) Eingeschaltet wird in dialogischer Form die Erinnerung an ein Gespräch, das Ernst mit dem Verfasser von "Kraft und Drang"-Romanen gehabt hatte. Dieser ist ein armer Skribent mit Perücke in einer Dachkammer, der eheliches Unglück gehabt hatte und sich mühsam durchbringt, ohne von der Natur, die er beschreibt, etwas selbst wahrzunehmen. "Das wäre wahrlich schlimm, wenn der Dichter von nichts singen könnte, als von dem, was er vor Augen hat; dann fiele unser ganzes aesthetisches System rein über'n Haufen." (S. 132.) Schließlich verfaßt er einen "überempfindsamen Roman" (S.136) über einen "zweyten Werther", einen Landgutbesitzer, der sich erschossen hat, und läßt es darin auf dem Landgut spuken. Der Roman geht reißend ab, die Leute der Gegend, auch die Erben, glauben die Spukgeschichte, das Landgut wird billig angeboten, der Autor kann es erwerben und lebt zuletzt doch in behaglichen Umständen. Wilibald Kraft schließt mit der Bemerkung, daß sich der Geschmack von den Ritterromanen abgewendet habe, und beschreibt die nun gängige Art von Romanen so, daß die inhaltlichen Motive des vorliegenden damit erfasst sind.
In vollem Ernst und sehr spannend wird der Überfall durch eine Übermacht von Räubern geschildert, die Rudolf und sein Gefolge angreifen und in realistisch geschilderte Bedrängnis bringen, aber ein geheimnisvoller Reiter kommt ihnen zu Hilfe, und das Gefecht geht gut aus. Sie machen Gefangene, selbst den, den sie für den Hauptmann halten, und nebenbei wird ein schönes Mädchen aufgegriffen, das anscheinend auch zu der Bande gehört. Da erscheint der Gerichtshalter Kraft mit bewaffneten Bauern, seine pseudoritterliche Aufmachung wird aber gänzlich komisch geschildert und dann auch als quixotisch bezeichnet. (S. 141-150)
Wenn derartige komische Einsprengsel den Roman auch nicht im ganzen zu einer heiteren Lektüre werden lassen wie Wielands «Don Silvio von Rosalva», so schaffen sie doch immer wieder eine Entlastung von allzu tragischer Ritteratmosphäre. Romantisch im Sinne der jenenser Frühromantik oder im Sinne des reifen E:T.A. Hoffmann ist dieser Roman jedenfalls nicht. Man könnte allenfalls eine Spielart der vielberufenen "romantischen Ironie" darin erblicken, besonders in der Hinsicht, daß oft auf das Erzählen und seine Bedingungen selber reflektiert wird. Belege dafür, dass die ästhetische Betrachtung der Welt in einem höheren Sinne ironisch sei, finden sich aber wohl nicht.

Zu 4. finden sich folgende Anhaltspunkte:
Der Präsident Nerdan ist ein als Menschenfreund verstellter Erzbösewicht, der Professor Bodlis ein Weiberverächter, welcher aber weidlich herumhurt, auch in den Betten vornehmer Damen "die Talente zu schätzen wusten, wo sie sie fanden" (s. 205). [Man kann sich fragen, ob Lochner hier vielleicht auf die zeitgenössischen Verhältnisse am Hof zu Erlangen anspielte?]
S. 285 sucht die Gräfin Henriette den Doktor Sperascar zu betören und beobachtet ihn in der Bibliothek, in der allerlei schlüpfrige, natürlich französische Literatur samt pornographischen Kupferstichen und verfänglichen Gemälden heidnischer Sinnlichkeit zu sehen sind. Dieser reagiert aber ungehalten darauf.
S. 300 geht es um Sophie: "Und wenn nun der Anblick des männlichen kraftvollen unbekannten Jünglings beyde [Leidenschaft und Neugier] verdoppelte, wenn dieser vielleicht selbst das Triebwerk der Affekten durch geheime Machinen in Bewegung setzte, wer wagt es, das unglückliche Mädchen zu verdammen, wenn sie sich noch diesen Abend im orientalischen Zimmer bleich und zitternd mit verlorner Unschuld aus des Unbekannten Armen wand?" Bevor es zu wielandisch wird, beeilt sich der Erzähler hinzuzufügen: "Ich ziehe absichtlich einen Schleyer über die Umstände bey diesem Vorfall, denn der zufällige Schaden, den dergleichen Darstellungen anrichten können, möchte den sehr ungewissen Nutzen, den die darin enthaltende praktische Warnung hervorbringen soll, wohl überwiegen; […]"

Nachdem hieran erwiesen ist, daß Lochner sich der Verantwortung eines Geistlichen für die Seelenruhe seiner Leser bewußt ist, stellen sich zwei weitere Fragen:

5. Fühlt sich der Verfasser unerachtet aller Ironie und allen Humors einer jenseitigen oder ästhetischen Instanz verbunden, die er hinter den Erscheinungen der platten Alltagswelt oder der entlarvten Schauermechanismen zur Geltung bringen will (etwa wie E.T.A. Hoffmann)?
6. Hat der Verfasser eine geschlossene Phantasiewelt aufgebaut, die endlose Spiele der Phantasie zulässt (etwa wie Mörike)?

Zu 5. finden sich folgende Anhaltspunkte:
"Ernsthafter war der Hofmeister [Waller], der mit Hamlets bekannter Sentenz beynahe förmlich auf Krafts Seite trat, und sich auf Erfahrungen berief, denen das gewöhnliche exegetische Hülfsmittel einer allzu lebhaften Phantasie nicht wohl zu substituiren war."(S. 220) — "Man ist toll genug gewesen, dies als einen Beweis gegen ihre [der rätselhaften Erscheinungen] Möglichkeit anzuführen, daß man keinen Zweck davon absehen könne […] Man confundirte die Begriffe Geist, Erscheinung, Gespenst und Körper auf eine so lächerliche Art, daß die petitio principii überall hervorschaute, und wollte da demonstriren, wo nach der Natur der Sache keine Demonstration statt finden kann. Aber so geht es, wenn die kindische Furcht abergläubisch zu erscheinen und von starken Geistern verlacht zu werden, die kalte Vernunft niederdrückt, und die Speculation, statt vernünftige Erfahrung zu Hülfe zu nehmen, in Sophisterey ausartet." (S. 221)
Als Bodlis die Theorie vom Pfaffentrug auftischt, kontert der Hofmeister mit den Gespenstergeschichten des römischen Schriftstellers Plinius, der ein solches Interesse nicht gehabt habe. (S.224f.) Es folgt eine Binnenerzählung des Hofmeisters, die angeblich aus dem Gedächtnisprotokoll des Professors Bodlis vom nächsten Morgen rekonstruiert ist. Sie weist große Ähnlichkeit mit den Erscheinungen im alten Schloß von Kolling auf, und ähnliche Reaktionen des "Prinzen" wie in Schillers «Geisterseher» (wo auch ohne Wirkung geschossen wird, es treten weiße Figuren durch Wände, es gibt Falltüren, die später nicht mehr aufzufinden sind, ein Gemälde wird entdeckt und verschwindet etc.).

Viel später, auf S. 416, wird aufgedeckt, ein gewisser mechanisch geschickter Verschwörer namens Doulliere habe die Tricks ausgeführt, die  an Gespenster glauben machten. Die technischen Mittel werden detailliert beschrieben.
Es bleibt nichts übrig, was auf eine Welt verweist, die naturwissenschaftlicher Erklärung nicht zugänglich wäre, als allenfalls die moralische Autorität des richtig verstandenen, nicht abergläubischen Christentums. Lochner steht in der Tradition seiner Ahnen, der evangelischen Pfarrer von Fürth. Er ist ebensowenig ein Romantiker von echtem Schrot und Korn als es ihm einfiele, wie manche von diesen zum Katholizismus überzutreten.

Frage 6 erübrigt sich daher. Freilich kann Lochner mit diesem erzählerischen Instrumentarium weiterspielen, auch wenn alle Schauer aufgelöst sind. Beim Weiterlesen enthüllt sich jedoch der geistige Gehalt des Spiels, über den Unterhaltungswert hinaus, als ein ganz anderer.
Die nächsten Seiten (etwa ab S.270) sind einer Hofintrige gewidmet, in der sich erweist, wie hochverräterisch es ist, Republikaner zu sein, und wie ein verstellter Bösewicht ("Präsident") die Verhaftung eines Unschuldigen betreibt, um dessen Tochter nach dem Muster der Virginia zu erpressen.
S. 318 zeigt sich, daß eine lange Rückblende stattgehabt hat, denn die auf S. 176 aufgefundenen Zwillinge sind Sophies Kinder aus der Verführungsszene von S. 300. Daraus folgt die auf S. 386 erwähnte Forderung zum Duell. Vorher jedoch fällt Florando, der Herausforderer, zu seiner eigenen Beschämung (und moralischen Schwächung) noch Henriettens Verführungskünsten zum Opfer — eine nun doch wielandisch geschilderte erotische Szene!

Einzuschieben ist die Feststellung, daß Lochner sehr geschickt mit den erzählerischen Mitteln der Personenperspektive und Zeitachsen-Versetzung umgeht. Auch heute noch ist dieser Roman ein Lesevergnügen.

S. 397: Nachdem Sperascar den Florando dreimal entwaffnet hat, verlangt dieser, aufgeklärt, des Doktors Verzeihung, ja Freundschaft, doch dieser behauptet, Florando könne seinen Anblick, wenn er den Hut abnehme, nicht ertragen. So geschieht es. Florando fällt zu Boden. Szenenwechsel.
S. 400: Ewald von Sternau, lange für tot gehalten, erscheint beim Grafen zu Wendern und überreicht diesem mit der Bemerkung, Sperascars Klinge habe diese Zeit heraufgeführt, in der es gelte, wieder aufzutreten, einen Brief des Diktators Kronar, den dieser ehrfürchtig küßt.
S. 400ff.: Aus dem Brief geht hervor, daß die Geheimgesellschaft den Schutz des Staates vor Bösewichtern wie Nerdan bezweckt hat und sich auflösen wird, jedenfalls bis sie wieder gebraucht wird, sobald eine Entlarvung der Nerdan-Bande stattgefunden hat. Die unterirdischen Teile der Ruinen von Tulham sollen zerstört werden. Dorthin haben sich jene mittlerweile zurückgezogen.
S. 404 f.: Diese Bösewichter und Feinde nennen sich "Republikaner" [!]
S. 406: Nerdan unterdessen plant einen Ausfall, Königsmord und Rache an Sperascar, und versucht mit Rebellenrhetorik die Leute davon zu überzeugen, daß sie handeln müßten, um nicht auf dem Richtplatz zu verbluten.
S. 410 ff.: Ein Verhüllter erscheint unter den Verschwörern und beschuldigt Nerdan, ein doppeltes Spiel zu treiben, um allein zu entkommen, enthüllt die Strategie, Amalien einen falschen Rudolf unterzuschieben, als Schachzug im Machtkampf, gibt sich selber als der falsche Rudolf zu erkennen und entlarvt "Paul", der sich soeben zum Meuchelmord an Sperascar bereiterklärt hat, als Doppelagenten — dieser sei nämlich der Hofmeister Waller.
S. 419.: Sperascar hebt die Bande aus, die ihre durch republikanische Schlagwörter bemäntelte Räuberei lieber anderswo fortsetzen wollte.
S. 425 beginnt die Vorgeschichte des Ewald von Sternau, in der es ebenfalls abenteuerlich genug zugeht und die Wurzeln der Verdorbenheit der "Republikaner" als Lektüre falscher philosophischer Schriften dargestellt werden.
S. 542 enthüllt sich endlich Sperascar nach langen Abhandlungen darüber, daß bei Königen die Menschenrechte am besten aufgehoben seien, als König Jason. Alles geht gut aus, die Paare werden richtig gruppiert und kopuliert.

Nun ist wohl klar, warum der bis 1834 beliebte Roman später kein Fortleben in der Gunst des Publikums mehr hatte. Wenn aber selbst Novalis in seiner Schrift «Glauben und Liebe» (1798) ein Idealbild des Königtums entwirft, das vom Standpunkt der Republikaner reaktionär genannt werden könnte, muß man einem Nürnberger in einer Zeit des Herrschaftsübergangs seine schwärmerische Sehnsucht nach Festigung der Verhältnisse unter legitimierter Herrschaft wohl nachsehen. Später paßte das gut ins Königreich Bayern.