Die erste gedruckte Satzung

Nun steuerte alles auf eine neue Satzung zu, und 1716 ist sie auch erschienen, sogar im Druck. Ich habe den handschriftlichen Entwurf mit seinen vielen Streichungen und Ergänzungen eingesehen, um mir ein Bild machen zu können von den Auseinandersetzungen, die zu dieser Fassung nötig waren und den Beweggründen, die wahrscheinlich dahinter standen.

Die religiöse Grundlage

Hier ist es wohl angebracht, zwei Aufstellungen einzuschalten, die WILHELM SCHMIDT nach dem Kriege seinem Festschrift-Entwurf für 1944 noch handschriftlich beilegte

"Pfarrer als Mitglieder: Sehr stark war früher die Theologie im Blumenorden vertreten. 13% der gesamten Mitglieder waren Pfarrer. Anfangs, bis etwa 1800, waren es natürlich nur evangelische, aber dann wurden, besonders auch unter Vorständen, die selbst Pfarrer waren, auch katholische Kollegen aufgenommen, selbst israelitische. Unter den 185 Pfarrern sind 5 Katholiken und 2 Israeliten mitgezählt. 7 Vorstände und 8 Ordensräte waren Pfarrer, die sich fast alle um den Orden große Verdienste erwarben [...] 10 Pfarrherren von Kraftshof waren Mitglieder und haben sich um den Irrhain hochverdient gemacht [...] Bis etwa 1851 stellten die Pfarrer 32% der Mitglieder (148 unter 457), später [von da an gerechnet] sank ihr Anteil auf 4% (37 unter 1010). [...]"

"Gesangbuchdichter: [...] 1691 erschien der 'Poetische Andachtklang, von denen Blumengenossen verfasset'. Sigmund von Birken war zwar Jurist, aber Pfarrerssohn. Von ihm stammen noch 3 schöne Lieder des heutigen bayerischen Gesangbuchs. Von den anderen Verfassern waren noch 15 Ordensmitglieder, davon 10 aus der Frühzeit des Blumenordens. Von diesen 16 Pegnesen stammen 30 Lieder des Gesangbuchs. 1693 erschien 'Die alte Zionsharpfe' vom Pegnesischen Blumgenossen Celadon (Negelein). Von ihm enthält das heutige Gesangbuch freilich kein Lied [... ]" _ weil er katholisch geworden war. Es wäre also die Mühe wert, in katholischen Gesangbüchern Österreichs nachzusehen.

Wohlverhalten

Sprachpflege

Innenpolitik

Der Orden als Literaturgesellschaft

Dinglich-Rechtliches

LILIDOR hat dafür gesorgt, daß der Rat der Stadt schon bald, noch durch Dekret vom 9. Oktober 1716, diese Satzung bestätigte und den Orden ausdrücklich unter seinen Schutz" nahm.

Nun ist die Grundlage für das Weiterleben des Pegnesischen Blumenordens geschaffen, indem er weitgehend von der höfischen Schäfermode abgekoppelt wurde. Das Bewußtsein europäischer Kultur, aus dem HARSDÖRFER für Nürnberg etwas Zeitgemäßes erreichen wollte, was er in Siena und Neapel kennengelernt und von andern Orten her mitgeteilt bekommen hatte, ist etwas geschwunden. Männer, die noch wissen, was vor dem Dreißigjährigen Krieg an gemeinsamen Errungenschaften in Italien, Spanien, den Niederlanden, England und Frankreich gepflegt wurde, sind rar geworden. Man stellt sich auf den nationalen Nachholbedarf gegenüber Frankreich ein und auf den Beitrag, den Nürnbergs Gelehrte zu Bestrebungen liefern können, die in andern Städten bereits mit großem Einsatz betrieben werden. Eigene Neuansätze fehlen. Noch ist Nürnberg nicht ein verschlafenes Provinzstädtlein voller Tüftler und Pedanten, noch ist man überzeugt, einen Wiederaufbau zu leisten. Doch die Verhältnisse werden enger. Dadurch wird freilich alles im Ablauf ein wenig sicherer, voraussagbarer. Diese Satzung des Blumenordens ist jedenfalls so gediegen, daß sie für die nächsten achtzig Jahre hält.