Die Satzung von 1820 erscheint immer unpassender

Am 17. Januar 1827 schickt Seidel ein Rundschreiben herum, des Inhalts, er wolle schon längst eine „vertrauliche Redegesellschaft" errichten, wo man von ästhetischer und historischer Literatur „ohne die feierlichere Form einer literarischen Gesellschaft", „bey einer Pfeife Tabak" seine Ansicht und Meinung ausspräche. Die Teilnehmer sollten nicht zu zahlreich sein, es solle„ gemüthlich" zugehen, eine Probe habe man schon mit einer Zusammenkunft am Mittwoch abends von 5 bis 8 Uhr gemacht; es solle auf „nichts Kostspieliges" hinauslaufen. (Dies erscheint seltsamerweise als ein ziemlich genaues Echo des Salon-Projekts aus den 1670er Jahren.) Gemeldet haben sich durch Unterschrift und Bemerkungen auf dem Rundschreiben 14 Personen, darunter: Heiden, Winterling, Lorsch, v. Harsdorf, Wilder, Michahelles sen. und jun., Veillodter, Dietelmair, Osterhausen, Harless, v. Kress. Damit ist der Anfang zu einer Gruppe der Literaturfreunde im engeren Sinne innerhalb des Ordens gemacht.

Jemand muß die Mai-Sitzung doch vermißt und den Vorschlag gemacht  haben, daß sie für Interessierte im Sinne jener Gruppe dennoch wieder eingerichtet werden solle. Darauf reagiert Seidel mit einem Rundschreiben vom 5. Mai 1830, in dem er Heiden in seinem Namen einzuladen läßt, „sich künftigen Montag den 10ten Mai bei einer in dem gewöhnlichen Lokal zu haltenden Sitzung einzufinden, mit der Bemerkung, daß es bei derselben durch die rühmliche Thätigkeit verschiedener sehr schätzbarer Mitglieder an genugsamem Stoff zu Vorlesungen und zur Unterhaltung nicht fehlen werde. Zugleich werden diejenigen Mitglieder, welche bei dem Abendessen zu bleiben gedenken, ersucht, solches bei ihrer Unterschrift zu bemerken. —. Der Praeses Seidel mit der Bemerkung, daß diese Zusammenkunft nicht officiell ist und in ihr keine Beschlüße gefaßt werden. […]”
 
Das Echo war schon stärker, und zum Erweis, daß der Orden zu damaliger Zeit auch nicht gerade geschlafen habe, möge die ausführliche Wiedergabe der rücklaufenden Vermerke und des Verlaufs der Veranstaltung selbst dienen.

„Wilder wünscht diese Versammlung, wird bei derselben erscheinen und beim Essen bleiben.
D. Siebenkees will diese Versammlung besuchen, wenn er die Stunde erfährt.
Michahelles senior u. junior werden beide erscheinen u. auch beim Essen bleiben.
Scharrer gelesen u. wird womöglich erscheinen.
Brn. Haller gelesen, — wird wenn möglich, sich einfinden.
Merkel.
v. Forster. [aufgenommen 1818]
V. Kreß, kann nicht bestimmt zusagen, wird jedoch wenn er am 10ten in Nürnberg ist, sich einfinden.
Dr. Holzschuher unbestimmt.
Fürer ungewiß
v. Koenigsthal kan noch nicht bestimmt zusagen.
v. Schwarz
Schnerr wird erscheinen.
Kraemer.
Colmar wird kommen und bleiben.
Harleß
Neuhof
Junge, kann aber nicht bestimmt zusagen
Dietelmair kommt zuverläßig und bleibt.
Dr. Eichhorn jun. Gelesen
Mainberger noch unbestimmt.
GEGH Seiler kommt und bleibt.
Faber wird wahrscheinlich kommen.
Büchner noch ungewiß
Nopitsch verhindert.
Schwarz noch unbestimmt.
Desgl. Dochtermann
v. Haller unbestimmt.
v. Haller desgl.
v. Harsdorf auch desgl.
Müller, ungewiß
v. Harsdorf ' '  .
v. Fechenbach ungewiß
Soden wenn möglich
Lösch wird wenn möglich erscheinen, aber nicht beim Essen bleiben
v. Neu, wird erscheinen u. bleiben
Dr. Osterhausen ist verhindert
Link unbestimmt
Dr. Lindner
Zimment
Osterhausen Pfr. Kann leider nicht erscheinen. [Späterer Zusatz:] Ist aber doch erschienen.
Meisner. [Späterer Zusatz:] Ist gekommen.
 
Gegenwärtig waren:
 
Herr Dekan Dr. Seidel. Präses des Blumenordens.
Herr Stadtpfarrer Wilder. Consulent des Blumenordens.
Herr Kreis- u. Stadtger.-Rath Dr. Colmar.
Herr Pfarrer Dietelmair.
Herr Baron von Fechenbach.
Herr Baron C.J.W.C.J. von Haller
Herr Handelsger. Assessor Harless.
Herr Pfarrer Lösch.
Herr Sensal Meisner.
Herr Pfarrer Michahelles sen.
Herr Stadtpfarrer Michahelles jun.
Herr Rath von Neu.
Herr Stadtpfarrer Osterhausen.
Herr Magistratsrath Schnerr.
Herr Pfarrer Seiler.
Herr geheimer Hofrath Siebenkees.
und ich
der Ordens Sekretär Heiden.
 
Geschehen Nürnberg im Gasthause zum weissen Schwan.
Montags den 10. May 1830.
Bei der heute veranstalteten ausserordentlichen Zusammenkunft des Pegnesischen Blumenordens, bei welcher nebenbenannte Mitglieder erschienen sind, wurden folgende Gegenstände vorgetragen:
I.) Herr Stadtpfarrer Wilder las vor:
1) Der Graf von Ottenstein, eine Romanze,
2) Erinnerung an Heinrich Frauenlob, den Dichter.
3) Der Hahn auf St. Lorenz Kirchhof [dies war zuerst fälschlicherweise Dietelmair zugeordnet; bei der Streichung wurde die abweichende Beschreibung getilgt: „der Hahn auf St. Lorenzkirche, ein Märchen„]
II) Herr Pfarrer Dietelmair las vor:
Der verkleidete Monarch
III) Herr Pfarrer Michahelles der ältere:
Isaaks Vermählung, eine Idylle
IV) Herr Pfarrer Seiler, einige Gedichte erotischen [kann kein Lesefehler sein!] und einige andere religiösen Inhalts.
V) Herr Assessor Harles:
Der 18te Oktober, ein Kriegslied.
Womit die heutige Zusammenkunft beendiget wurde.
Heiden.”
Worin allerdings der Fortschritt in den vorgelesenen Beiträgen gegenüber denen der Jahre um 1800 bestehen solle, ist nicht auszumachen, jedenfalls nicht anhand der Titel.
 
Immerhin stand der Orden in finanzieller Hinsicht bald wieder so gut da, daß ein erneuter Anlauf zur Halbierung des Jahresbeitrags zum Satz von 1817 diesmal Erfolg hatte. Am 13. Februar 1832 machte Heiden geltend, daß „nun aber […] das baare und angelegte Vermögen der Ordens-Kasse, welches im Jahr 1818. in 665 fl. bestanden, sich bis zum Jahre 1830. bis auf 1300 fl.vermehrt hat, der Zweck des Blumenordens aber keineswegs ist, Kapitalien zu sammeln, […] überdies auch die Erfahrung gelehret hat, daß die auf Verschönerung des Irrhains bestrittenen nicht unbedeutenden Kosten großen Theils nur zur Ergötzung des in den Sommer-Monaten den Irrhain besuchenden Publikums, welches sich durch Schonung desselben nicht immer dafür dankbar erzeigte, und zum Vortheil einer in der Nachbarschaft sich aufhaltenden Rotte von boshaften und diebischen Menschen, aufgewendet worden seyen […]” — Ein weiterer Punkt der Tagesordnung zeigt, daß die Beschäftigung mit anderen als belletristischen Themen noch nicht gänzlich abgekommen war: Man befaßte sich mit zwei Schriften, von denen die eine wieder einmal Armenkolonien betraf, die andere einen „2.) Grundriß der deutschen Rechtschreibung von J. G. Frieß. Kempten 1830. 8°” darstellte.
 
Ein zu seiner Zeit prominentes Mitglied, der in Erlangen als Professor der Poetik tätige Dichter Christian Martin Winterling, entschuldigte sich Jahr um Jahr brieflich, nicht zu den Versammlungen erscheinen zu können. 1835 nahm man das sogar zum Anlaß, in  der Novembersitzung zu erwägen, ob nicht diese regelmäßig auf einen früheren Termin verschoben werden könne, um den Erlangern den Besuch zu ermöglichen. „Dieser Vorschlag wurde allgemein genehmigt und beschlossen […]”

Es half auch das nicht, jedenfalls nicht gegen das Wüten der Elemente: „[…] werden Sie mir es glauben,” schreibt Winterling am 8. November 1836 „wenn ich Ihnen sage, daß ich gestern Nachmittag, als am 7ten dieses, wirklich schon auf dem Wege nach Nürnberg war, um der Ordensversammlung, wozu mich Ihre Güte einlud, beizuwohnen? Das Wetter war den ganzen Vormittag so schön gewesen und versprach auch den Nachmittag so fortzudauern; ich machte mich daher, leider ohne einen Regenschirm, zu Fuß auf den Weg, da eine solche Motion bei häufigen Beschwerden im Unterleib etwas sehr Ersprießliches für mich ist. Schon im Dennenloher Wald überfiel mich jedoch ein plötzlicher Regenschauer; mit Schneegestöber untermischt, den ich noch immer geduldig genug über mich ergehen ließ. Bald darauf zeigte auch wirklich Phöbus sein holdes Angesicht wieder und ich setzte meinen Weg bis einige Büchsenschüsse über Dennenlohe hinaus getrost fort. Hier aber drohte Jupiter Pluvius so schwarz mit einem neuen Guß, daß ich, um mich vor seiner sanft einweichenden Gewalt zu retten, nach dem Dorf zurücklief und dort den Sturm und Regenguß, der auch gleich darauf erfolgte und wohl über eine Stunde anhielt, abwartete. Endlich gegen 4 Uhr wurde es wieder hell; aber war auch diesem aprilmäßigen Wetter zu trauen? Die Füße waren ohnedies durchnäßt, und ich mußte mich daher, so sehr dieß auch meinem Wunsch widerstrebte, zur Rückkehr nach Erlangen entschließen. […] In  kurzem werden nämlich von mir bei Fr. Lange in Nürnberg „poetische Mittheilungen in vier Bänden„ erscheinen […] und alsdann so bald als möglich einer Ihrer wöchentlichen Sitzungen beizuwohnen suchen, um über mein Werkchen Ihre Critik zu vernehmen, die, wenn sie auch noch so streng ausfallen sollte, doch in jedem Fall nur gerecht sein wird. […darin steht …] sowie auch ein Neujahrsprolog, der einmal auf der Nürnberger Schaubühne gesprochen werde […]” — Es ist schon bemerkenswert, daß ein Professor die 25 Kilometer von Erlangen nach Nürnberg als Fußreise unternehmen will, um sich wegen der unangenehmen Folgen seiner sitzenden Lebensweise etwas Bewegung zu machen. Und dann wäre am folgenden Tag ein ebensolanger Rückweg fällig gewesen.

Daß Winterling mit Einsendungen, Aufträgen zum Vorlesen seiner Texte, Bitten um Subskriptionen seiner Neuerscheinungen und Stellungnahme zu den halboffiziellen monatlichen Treffen wirklich teilzunehmen wünschte, zeigt eine ganze Reihe von Briefen, etwa der vom 21. Januar 1838: „Indem ich mir die Ehre gebe, denjenigen verehrten Mitgliedern des pegnesischen Blumenordens, welche bisher an den monatlichen Versammlungen in der Krone Theil genommen haben, das soeben erhaltene Billet des Herrn Sensals Meißner in der Anlage zur Kenntniß zu bringen, bemerke ich, daß ich mit dem darinn gemachten Vorschlag vollkommen einverstanden bin. […]”  Diese Zusammenkünfte nehmen halboffiziellen Charakter an, insofern dazu vom Ordenssekretär durch Rundschreiben an einen festen Personenkreis eingeladen wird, und setzen sich fort bis mindestens zum 7. November 1843, von welchem die letzte derartige Einladung des neuen Ordenssekretärs Seiler erhalten ist.
Winterling war unter den Erlangern jener Zeit dasjenige Mitglied, von dem im Archiv die meisten Briefe vorhanden sind und von dem behauptet werden kann, daß er sich mit dem Orden am ausdauerndsten verband; ein gewisser selbstvermarktender Eigennutz lief mit. Dabei schien er von Hause aus nicht unvermögend gewesen zu sein, jedenfalls hatte er 1838 geerbt und war in diesen Angelegenheiten mehrmals abwesend, auch als die Nachricht vom Tode des Präses Seidel an ihn gelangte. Seine Frau öffnete das Paket mit gedruckten Nachrufen und verteilte sie an die anderen Erlanger Mitglieder. Er selbst schrieb davon am 1. 9. 1838 an Heiden und fügte auch an, er sei vom Ableben Wilders (des Pfarrers, nicht des Kunstmalers) erschüttert, „mit dem ich in so freundlicher Beziehung gestanden". Außerdem dankte er für die Zusendung der mittlerweile erstellten neuen Mitgliederliste.
Für seinen nächsten Brief verwendete er besonders dünnes, glattgestrichenes, aber haltbares Papier mit dem Wasserzeichen „ FWE LETMATHE MILL 1838". Ja, er war zu Geld gekommen.
 
„Verehrter Freund,
Sie haben mich immer so reich beschenkt; es wird nun an mir sein, dem verehrlichen Blumenorden, in dessen Andenken ich auch ferner zu leben wünsche, weil ich einst in seiner Mitte so glücklich war, ein kleines Gegenpräsent zu machen. Wollen Sie mich auch dadurch verbinden, so lassen Sie durch irgend eine Stimme, die sich damit befassen will, den beigehenden Prolog in der nächsten Versammlung  verlauten […]” Das Geschenk war ein Text.