Verneuerte Geseze des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg, im Jahr 1791.
In Punkt I. erscheint die Bezeichnung 'Vorsteher' statt 'Präses'. Dies ist daran etwa das Bemerkenswerteste.

Punkt II. geht ebenfalls über die Colmarschen Vorschläge und Faulwetterschen Zusätze nicht hinaus, außer in der Beschreibung der Vorsteher-Befugnisse:
"Wie er selbst nichts willkührlich oder einseitig zu thun berechtiget ist; so kann auch ohne sein Wissen, und ohne seine Einwilligung nichts vorgenommen werden."

"III. Die zween Consulenten geben ihre Stimmen zuerst, und haben die Gesellschaft mit Rath und Beystand zu unterstüzen. Wenn schriftliche Aufsäze zu entwerfen sind, so verfertigen sie dieselben entweder selbst, oder prüfen solche, im Fall man sie einem andern Ordens Mitgliede sollte aufgetragen haben." — Bei diesen Aufsätzen ist an Schriftstücke aus der Verwaltungsarbeit zu denken.

"IV. Der Secretair [...] hat die sämmtlichen Schriften, Dokumente, Bücher u.d.[gl.] sammt dem Pokal in seiner Verwahrung. Eben derselbe hat auch die Kasse [...] Von ihm erhalten die Mitglieder die Schlüssel zum Irrhain [...] Kleine Verbesserungen in dem Irrhain veranstaltet er auf Anzeige und unter der Aufsicht des iedesmaligen Garteninspectors, des Herrn Pfarrers zu Kraftshof, mit Vorwissen des Präses. Alle andere erhebliche Bau, und den Irrhain betreffende Sachen aber, werden von dem Präses, beyden Consulenten und dem Secretair gemeinschaftlich besorgt, und der Gesellschaft davon Rechenschaft abgeleget. [...] Er erhält jährlich aus der Kasse Sechs Gulden für seine Bemühung. [...]"

"V. Die Wahl des Präses, der beyden Consulenten und des Secretairs hängt ganz von der Willkühr der Ordens Mitglieder ab, ohne daß dabey auf Stand oder Gesellschafts Alter Rücksicht genommen werden darf, sondern blos die Ehre, der Flor und das Wohl der Gesellschaft in Betrachtung gezogen werden muß. Doch müssen die zu diesen Stellen zu erwählenden Personen, ordentliche Mitglieder der Gesellschaft und hiesige Bürger seyn, auch innerhalb der Linien wohnen. Sie legen daher, wenn sie ihren Wohnort verändern, ihr Amt nieder, [...]" Das Wahlverfahren wird beschrieben wie bei Colmar, mit dem Zusatz, daß die Zettel nach der Wahl sogleich vernichtet werden.

Unter Punkt VI. ist nicht von Ausschüssen, sondern von einem Ausschuß von fünf Mitgliedern die Rede, die der Präses bei außerordentlichen Vorfällen und eiligen Angelegenheiten statt einer Vollversammlung berufen kann. Ihre Wahl erfolgt alle zwei Jahre, wobei immer zwei der fünf weiterhin im Ausschuß verbleiben, auch wenn sie es schon mehrere Wahlperioden lang gewesen sind. Eine gewisse Stetigkeit des zweitinnersten Entscheidungsorgans wird dadurch erreicht; es läßt sich aber auch denken, daß man eine solche Einrichtung zum Tummelplatz einer grauen Eminenz umfunktionieren kann. Waren die Umstürzler von 1786 nicht bereit, ihrerseits schnellen Wandel im Orden zu tolerieren? Das sieht gar sehr wie eine Nachahmung der französischen "Directoire"-Verfassung nach Robespierres Sturz aus.

Punkt VI. regelt die Aufnahme. Personen, die "bey dem Präses um ihre Aufnahme in die Ordens Gesellschaft Ansuchung gethan, oder die von einem der Ordens Mitglieder [...] dazu vorgeschlagen werden, können nicht anders, als bey der gewöhnlichen Ordens Versammlung, durch die Mehrheit der Stimmen aufgenommen werden [...] aber doch nicht eher als nach Verlauf eines Vierteljahrs [...] Ob sich die neu aufgenommenen Mitglieder wollen gefallen lassen bey ihrem Eintritt in den Orden, der Gesellschafts-Kasse ein Geschenk zu machen, das bleibt ihrem eigenem [sic] Belieben anheimgestellt. Will ein Mitglied wieder aus dem Orden tretten, so muß solches vorher dem Präses angezeigt werden, der sodann der ganzen Gesellschaft hievon bey der nächsten Versammlung Nachricht giebt."

"VI. [Festschreibung der Sitzungstermine.] Der Anfang der Sitzung geschiehet nach fünf Uhr. Derselbe wird mit Ablesung des leztgehaltenen Protocolls gemacht, welches sodann von dem Präses und den beiden Consulenten [...] unterschrieben wird. Hierauf läst der Präses [über die anstehenden Angelegenheiten] votiren, und alles durch die Mehrheit der Stimmen entscheiden. Da diese [...] Sitzungen vorzüglich dazu bestimmet sind, sich den Absichten des Ordens immer mehr zu nähern, so haben die Mitglieder unter sich festgesetzet, daß dabey wechselsweise gelehrte Abhandlungen vor und abgelesen werden sollen, die entweder in die schönen Wissenschaften überhaupt einschlagen, oder die deutsche Sprache und Dichtkunst zum Gegenstand haben, ohne jedoch die vaterländische Geschichte auszuschliesen." — Die Vortragsmanuskripte erhält anschließend der Schriftführer für das Archiv.

Punkt IX. setzt den Jahresbeitrag auf einen Gulden und zwölf Kreuzer fest. Das sind zwölf Kreuzer weniger als 1699!

Unter X. werden die Rechte und Pflichten auswärtiger, "aber doch im Nürnbergischen sich aufhaltende[r] Mitglieder" geregelt. Sie zahlen denselben Beitrag, haben Zutritt zu den gewöhnlichen Versammlungen, können sogar Abhandlungen schriftlich einschicken und ihre Stimme zur Präseswahl, zu der sie eingeladen werden müssen, im Verhinderungsfall nach Art einer Briefwahl abgeben. Eine stärkere Unterscheidung als siebzig Jahre zuvor zwischen Stadtbewohnern und Nürnbergischen Untertanen im Umkreis wird sichtbar. Am Ende war es doch ein organisch-kultureller, kein allzu gewaltsamer Wandel, daß Nürnberg einige Jahre später seine Territorialherrschaft verlor.

Punkt XI. macht aus dem Vorschlag, für die Druckkosten eines Trauergedichts oder Nachrufs jeweils Geld von den Mitgliedern einzusammeln, eine Regel. Trauergedichte scheinen aber aus der Mode gekommen zu sein. In einem dieser Nachrufe heißt es: "Was unlängst der Herr Geheimde Rath Zapf in Augsburg wünschte, es möchten statt der Leichengedichte, welche noch an manchen Orten in der Mode seyen, von den verstorbenen Personen Biographien geliefert werden; dies ist statt der, sonst auch bey dieser Gesellschaft gewöhnlichen Leichengedichte, seit dem Jahre 1788 eingeführt."

Was Veröffentlichungen allgemeiner Art angeht, so wird für das Ordensarchiv nurmehr ein Exemplar gefordert. (XII.)

In XIII. heißt es: "Jedes Mitglied fertigt bey seinem Eintritt in den Orden, eine kurze Lebensbeschreibung von sich, welche ebenfalls dem Ordensarchiv beygelegt wird."

Eine neue Sicht der Dinge bereitet sich durch Sammeln von Tatsachen vor, auch wenn die Gesichtspunkte des Sammelns noch herkömmlicher Art sind. So stellte man im 17. Jahrhundert "Realien-Lexika" zusammen, die unter dem Aspekt der Kuriosität und zum Zwecke rhetorischen Aufputzes mit gesuchten Bildern und Vergleichen alle möglichen Sachverhalte aus Natur- und Länderkunde sowie Gewerben enthielten. Damit wurde der Aufklärung vorgearbeitet. Was sich der Blumenorden am Ende des 18. Jahrhunderts zum Ziel setzt, ist zunächst noch zu verstehen aus der Anteilnahme an allem Menschlichen: Man wünscht über das Subjekt der Aufklärung, den mündig werdenden Bürger, noch mehr zu erfahren. In Adalbert Stifters frühem Roman Die Narrenburg wird diese introspektive Neugierde eine Generation später dem Zweifel, ja der Lächerlichkeit preisgegeben: Es ist gar nicht so weit her mit dem Individuum, und es sollte sich lieber nach außen richten. Das könnte man als den Beginn des Realismus in der Dichtung bezeichnen. Die Pegnesen gehören zu jenen, die im Zeitalter des Bildungsromans unwillentlich diesen Umschwung vorbereiten, indem sie über den durchschnittlich gebildeten Menschen das Charakteristische aufschreiben lassen. Ein Nürnberger Bildungsroman könnte einem freilich lieber sein, aber den könnte man sich höchstens aus den kollektiven Daten unter Vergleich mit dem Wilhelm Meister nachträglich zusammenstellen.

Kurios und in keiner weiteren Satzung des Ordens enthalten sind die Bestimmungen der nächsten beiden Punkte:

XIV. sollen die Irrhain-Hütten des Vorstands aus der Ordenskasse unterhalten werden, während die übrigen Hütten aus den privaten Mitteln ihrer Besitzer instandgesetzt werden. (Dieser "Staat im kleinen" kennt bereits "öffentliches Eigentum", welches den Funktionären zugutekommt. Wo das endet, ahnten die Guten wohl nicht. Die dachten noch in den Kategorien von "Ehrensold" und dergleichen materieller Anerkennung.)

XV. muß ein jedes Mitglied nach Möglichkeit das Archiv retten helfen, wenn es beim Schriftführer brennen sollte. Darin spiegeln sich alteingeführte Bräuche für den Verteidigungsfall und zivilen Notstand, die im alten Nürnberg mit seiner Stadtmauerbemannung und der Stadtviertelfeuerwehr nach wie vor gut organisiert waren. 1791 war man auf so etwas erst recht stolz. "Gemeinsinn".

Zuletzt legen die belletristischen Juristen in XVI. noch fest, daß die gesamte Blumengesellschaft diese Gesetze unterschreibe und sich dadurch "zu deren Vesthaltung und Beobachtung verbindlich mache." Sanktionen werden nicht in Aussicht gestellt. Man war ein Ehrenmann, und das genügte. Man wird noch sehen, ob.